{"id":5442,"date":"2021-07-14T18:35:20","date_gmt":"2021-07-14T16:35:20","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5442"},"modified":"2021-07-14T18:37:13","modified_gmt":"2021-07-14T16:37:13","slug":"5442-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/5442-2\/","title":{"rendered":"1.K\u00f6n.17,1-16"},"content":{"rendered":"<h3>Nicht aufgeben! | Sonntag, 18. Juli 2021 | Predigt zu 1.K\u00f6n.17,1-16 | verfasst von Eberhard Busch |<\/h3>\n<p>Grundlegend f\u00fcr die zehn Gebote in unsrer Bibel ist das erste. Es lautet: \u201eIch bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Sklaverei in \u00c4gypten befreit hat, du sollst nicht andere G\u00f6tter haben neben mir\u201c (Ex 20,2f) Wie der holl\u00e4ndische Theologe Heiko Miskotte sagte, wiederholen alle andren Gebote das Eine: \u201eBleib bei deinem Befreier!&#8220; F\u00fcr die Anerkennung dieses ersten Gebots setzt sich der Prophet Elia ein. Daf\u00fcr steht er. Daf\u00fcr k\u00e4mpft er. Daf\u00fcr leidet er. Jesus hat sich auch daf\u00fcr eingesetzt \u2013 als er sagte \u201eNiemand kann zwei Herren dienen. Ihr k\u00f6nnt nicht Gott dienen <em>und<\/em> dem Geldgott-Mammon\u201c (Mt 6,24). Zur Zeit des Elia dient &#8222;man&#8220; dem Regengott, genannt Ba&#8217;al. Den verehrt der K\u00f6nig Israels, namens Ahab, und darin folgt ihm das Volk. Leider. Der Gott, dem der Prophet Elia dient, hat nicht blo\u00df einen anderen Namen als jener Ba\u2019al. Er <em>ist<\/em> anders. Im Verh\u00e4ltnis zu ihm sind der Geldgott und der Regengott pure G\u00f6tzen. Und das geschieht mitten in Gottes von ihm geliebten Volk, dass man falschen G\u00f6ttern folgt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen wir uns, was wir \u00fcber alles lieben und ehren! G\u00f6tzen sind all die W\u00fcnsche, die wir uns in die Wolken schreiben; der lebendige Gott ist der, der umgekehrt uns in seiner Hand hat. G\u00f6tzen sollen uns all das liefern, was wir haben wollen; zum wahren Gott beten wir: \u201eDein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden&#8220; (Mt\u00a0 6,10). G\u00f6tzen sind Bilder, die <em>wir<\/em> uns von einem H\u00f6chsten machen;\u00a0 Gott ist der Sch\u00f6pfer, der uns gemacht hat zu seinem Bild. \u00dcbrigens sind G\u00f6tzen Figuren, die wir auch abschaffen k\u00f6nnen, etwa weil sie uns nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df sind, um sie dann flugs durch modernere zu ersetzen. All dem hat der Prophet Elia widersprochen, mit dem einen Satz &#8222;So wahr der HERR, der Gott Israels lebt\u201c, bleibt bei <em>diesem<\/em> eurem Befreier!<\/p>\n<p>Solche kritischen T\u00f6ne h\u00f6ren wir Menschen freilich nicht so gerne. Ist der Umgang mit all jenen Figuren uns nicht heilig? M\u00fcssen wir nicht richtig <em>befreit<\/em> werden von ihnen? G\u00f6tzen habe allezeit Hochkonjunktur. Aber gut, lassen wir es einmal aufs Exempel ankommen: du Regengott Ba&#8217;al, lasse es regnen, damit die Erde fruchtbar werde! Jedoch, da kommt heraus, dass jener Regengott nicht kann, was sein Name sagt. \u201eEin W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen&#8220;, mit Martin Luther zu reden. \u201eSo wahr der Gott Israels lebt\u201c, kann Gott seine Hand zur\u00fcckziehen von dem uns n\u00f6tigen Regen. Wie Massen von Menschen heute unsre gute Erde missbrauchen, muss erneut das unentbehrliche himmlische Nass ausbleiben. In einem neuen Uno-Bericht steht: \u201eDie W\u00fcsten wachsen weltweit und die Aussichten sind dramatisch: \u00dcber 700 Millionen Menschen k\u00f6nnten in den n\u00e4chsten 30 Jahren zur Flucht gezwungen sein&#8220; \u2013 wegen Wassermangel. Und Gott redet dabei ein ernstes Wort mit uns: wegen unsrer Torheit, dass wir seinem Ruf nicht folgen.<\/p>\n<p>Nach unserem Bibeltext ist deswegen der eine Elia zur Flucht gezwungen. Zuweilen kann man im Eintreten f\u00fcr die Wahrheit auch ganz allein dastehen. So, wie Greta Thunberg zun\u00e4chst ganz allein ihr Plakat hochhielt &#8222;Schulstreik f\u00fcrs Klima\u201c. Elia muss fliehen, weil man ihm die Schuld anlastet f\u00fcr die sich ausbreitende Trockenheit. Ist er daran schuld? Nein, ganz und gar nicht. Er hat ja nur angek\u00fcndigt, was eintreten wird, \u201eso wahr der Gott Israels lebt.&#8220; Man kann ja auch nicht einen Brieftr\u00e4ger haftbar machen f\u00fcr den schlimmen Inhalt eines Briefs, den er gebracht hat. Oder, wie das Sprichwort sagt: \u201eMan schl\u00e4gt den Sack und meint den Esel.\u201c Genau das widerf\u00e4hrt dem Propheten Elia. <em>Er<\/em> soll daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen, dass Gott<em>,<\/em> der Gott Israels, zur \u00dcbertretung des ersten Gebots durch K\u00f6nig Ahab und Genossen sagt: <em>Ihr<\/em> und ihr <em>allein<\/em> seid die Ursache f\u00fcr die eingetretene Schieflage. Ihr bereitet euch selbst Ungl\u00fcck, wenn ihr andren G\u00f6ttern folgt au\u00dfer dem Einen, der uns aus dem Verderben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dergleichen ist seit Urzeiten oft passiert, dass man Unheilspropheten und Unheilsprophetinnen zum Verstummen bringen wollte. Man beseitigt die Mahner, die vor einem grotesken Fehler warnen, man macht die l\u00e4cherlich, die uns einen Spiegel vor Augen halten, und schon scheint das Problem beseitigt zu sein. Sind sie verstummt, so st\u00f6rt uns ihr Einspruch nicht l\u00e4nger. Adolf Hitler hat 1941 w\u00e4hrend eines Mittagessens gespottet: \u201eIch k\u00fcmmere mich nicht um Glaubens-S\u00e4tze, aber ich dulde nicht, dass ein Pfaffe sich um irdische Sachen k\u00fcmmert\u201d. So wollte er Mahner ausschalten. Weg mit denen, die sich an das Alte und Neue Testament halten! F\u00fcr sie geh\u00f6rt es zu den so genannten Glaubenss\u00e4tzen, dass sie sich sehr wohl um \u201eirdische Sachen\u201c k\u00fcmmern?! Sie <em>m\u00fcssen<\/em> den Entwicklungen widersprechen, die die Menschen ins Ungl\u00fcck f\u00fchren \u2013 \u201eso wahr der Gott Israels lebt\u201c. Das hat Elia getan.<\/p>\n<p>Deshalb ist er seines Lebens nicht mehr sicher. Er flieht nach Transjordanien. Doch damit ger\u00e4t er, wie man so sagt, aus dem Regen in die Traufe. Genauer: er ger\u00e4t aus der einen D\u00fcrre in die n\u00e4chste D\u00fcrre. Nicht nur das Volk darbte unter der Knute jenes K\u00f6nigs Ahab, Elia muss auch darben. Er muss sich mit unter das Nein stellen, das Gott jetzt zu seinem Volk spricht. Er sitzt nicht in einer Zuschauerloge und betrachtet aus sicherer Distanz, wie Gott mit ernsten Worten zu Anderen redet. So machen es falsche Propheten. Gott versetzt vielmehr ihn auf die gleiche Stufe wie die Hungernden und D\u00fcrstenden dr\u00fcben auf der Gegenseite. Er hat keinen Vorteil von seinem Mahnen. Er muss mit den Betroffenen leiden. Elia setzt sich an einem Rinnsal nieder und so wie Leute in der Dritten Welt n\u00e4hrt er sich von Speiseresten, von Abfallprodukten, die aus dem Schnabel der Raben fallen. So, wie sich heute so viele Hungrige vom M\u00fcll der Reichen am Leben halten. Ein Philosoph im 19. Jahrh. nannte das aber die Zukunft <em>aller<\/em> Menschen: Ein letzter Mensch an der letzten Kartoffel.<\/p>\n<p>In dieser Situation ist Elia auf den g\u00f6ttlichen Beistand angewiesen und ist es erst recht, als aufs Mal der Bach versiegt und jene Raben verschwinden. Doch ganz in der N\u00e4he der \u00e4rgsten Not erf\u00e4hrt er es am eigenen Leib, dass Gott ganz nah bei denen ist, die in Not sind. Ist er nun, soweit das Auge reicht, von Mitmenschen verlassen, so ist er doch nicht gottverlassen. Gott ist ihm nahe. Der steht ihm bei. Damit er durchh\u00e4lt. Damit er nicht aufgibt. Damit er bei seinem Befreier bleibt. An dieser Stelle hat Felix Mendelssohn-Bartoldy in dem Oratorium \u201eElias\u201c Psalm 96 in T\u00f6ne gesetzt: \u201eEr hat seinen Engeln befohlen \u00fcber dir, dass sie dich beh\u00fcten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den H\u00e4nden tragen und du deinen Fu\u00df nicht an einen Stein sto\u00dfest\u201c (v11). Wo dem Armen nichts bleibt als die Hilfe Gottes, da ist er doch kein Habenichts. \u201eUnd ob ich schon wanderte im finstern Tal, so bist du, Gott, doch bei mir\u201c (Ps 23,4). Das hat der Prophet in der Bedr\u00e4ngnis gelernt. Denn selbst ein begnadeter Prophet wie Elia hat nie ausgelernt: dies, was Paul Gerhardt in einem Gedicht gesagt hat. \u201eWenn gar kein einziger auf Erden,\/ dessen Treue du darfst traun,\/ alsdann will er dein Treuster werden \/ und zu deinem Besten schaun.&#8220;<\/p>\n<p>Dadurch ist Elia auch ein Lehrer f\u00fcr Andere. Er wird es zuerst f\u00fcr die arme Witwe, zu der er gesandt wird \u2013 gesandt, als er nun ganz auf dem Trockenen sitzt. Ist es nicht die v\u00f6llig falsche Adresse, bei der er jetzt vorspricht? Sie sitzt selber auch auf dem Trockenen. Ihr geht es eben so wie manchen in unsren argen Zeiten. Sie bereitet sich mit ihrem Sohn auf ihren Hungertod vor, mit einer Henkermahlzeit aus etwas Mehl und einem Rest \u00d6l.\u00a0 Etwas von der Art, was Elia an jenem Rinnsal von den Raben bekommen hat. Und, o Schreck, sie ist eine <em>Heidin<\/em>, eine, die abseits vom Volk Gottes lebt. Kennt sie \u00fcberhaupt diesen Einen, der sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit gef\u00fchrt hat? Zur Besch\u00e4mung der Mitglieder seiner Gemeinde <em>tut<\/em> sie praktisch das, was diese Anderen jetzt praktisch <em>nicht<\/em> tun, auch wenn sie den Einen kennen. Sie gibt ihr Letztes her, so dass ihr nichts \u00fcbrig bleibt au\u00dfer der Gegenwart \u201eunsres Vaters, der du bist im Himmel\u201c. Sie hat nichts mehr, um sich selbst durchzubringen. Wenn sie jetzt noch am Leben bleibt, dann nicht aus eigenem Verm\u00f6gen. Dann allein aus Gottes G\u00fcte.<\/p>\n<p>Und \u201edie hat <em>kein<\/em> <em>End<\/em> den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.\u201c (Johannes Zwick) Elia sagt n\u00e4mlich zu der armen Frau:\u00a0 \u201eF\u00fcrchte dich nicht, denn so spricht der HERR, der Gott Israels: das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem \u00d6lkrug soll nichts mangeln.\u201c Zugegeben, sie hat gar nicht viel in ihrem Topf und ihrem Krug. Und das Wenige <em>teilt<\/em> sie sogar noch mit dem hergelaufenem Fremden. Sie weist den illegal eingedrungenen Fl\u00fcchtling nicht ab. Sie l\u00e4dt ihn ein an ihren Tisch\u00a0 \u2013 damit der ihr Unbekannte auch am Leben bleibt. Der Fremde braucht auch Nahrung. In diesem Moment macht sie eine fabelhafte Entdeckung:\u00a0 Indem sie teilt, wird das Wenige nicht weniger. Indem sie abgibt, \u00fcberleben beide die Krise. Sie hat nun nichts mehr f\u00fcr sich allein.\u00a0 Und sie, die Arme, wird reich, indem sie das Ihre <em>zusammen<\/em> <em>mit<\/em> dem Anderen hat.<\/p>\n<p>Das ist es, was nun die Witwe bei dieser Gelegenheit lernt. So ist diese uns ihrerseits unbekannte Frau wahrhaftig ein Hoffnungszeichen: Der Eine, der Israel aus dem Elend herausgef\u00fchrt hat in die frische Luft des Lebens, der will, dass kein Mensch vergebens lebt. Der will, dass ein jeder genug bekommt, genug, um zu leben. Dadurch wird \u201eunser Vater im Himmel\u201c geehrt und dadurch wird unsrem N\u00e4chsten geholfen.<\/p>\n<p>Eberhard Busch<\/p>\n<p>37133 Friedland<\/p>\n<p>ebusch@gwdg.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht aufgeben! | Sonntag, 18. Juli 2021 | Predigt zu 1.K\u00f6n.17,1-16 | verfasst von Eberhard Busch | Grundlegend f\u00fcr die zehn Gebote in unsrer Bibel ist das erste. 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