{"id":5486,"date":"2021-07-20T20:31:35","date_gmt":"2021-07-20T18:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5486"},"modified":"2021-07-20T20:36:16","modified_gmt":"2021-07-20T18:36:16","slug":"predigt-zu-1-kor-69-12-18-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-1-kor-69-12-18-20\/","title":{"rendered":"Predigt zu 1.Kor 6,9-12.18-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom guten Leben | 25.7.21 | 8. Sonntag nach Trinitatis | Predigt zu 1.Kor 6,9-12.18-20 | verfasst von <\/strong><strong>Suse G\u00fcnther |&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.Kor 6,9-12.18-20<\/strong><\/p>\n<p>Wisst Ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irref\u00fchren. Weder Unz\u00fcchtige noch G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch\u00e4nder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, L\u00e4sterer oder R\u00e4uber werden das Reich Gottes erben. Und solche sind einige von Euch gewesen.<\/p>\n<p>Aber Ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Geist unseres Gottes.<\/p>\n<p>Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.<\/p>\n<p>Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, dass ihr euch nicht selbst geh\u00f6rt? Denn ihr seid teuer erkauft, darum preist Gott mit eurem Leib.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wir Deutschen sind daf\u00fcr bekannt, ein strenges Regelwerk f\u00fcr alles M\u00f6gliche aufzustellen. Eine alte Freundin, die die deutsche Besatzung 1940 in Paris miterlebte und damals schon deutsch in der Schule lernte, hat aus dieser Zeit nur ein einziges Wort behalten: \u201eVerboten\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir auf das vergangene Corona-Jahr zur\u00fcckblicken, erinnern wir uns unter anderem an die vielen Regeln, die immer wieder neu aufgestellt wurden und der jeweiligen Situation angepasst werden mussten. Manche haben sich daran gehalten, andere nicht. Die Diskussionen dar\u00fcber, was hilfreich und sinnvoll ist, wurden t\u00e4glich und teilweise erbittert gef\u00fchrt. Und als die Zahlen endlich besser wurden, waren die Leute wie \u201evon der Leine gelassen\u201c \u2013 der Wunsch, endlich das normale, freiere Leben wieder zu haben, hat viele alle Vorsichtsma\u00dfnahmen vergessen lassen. Wie sich die Fu\u00dfball-EM und die Ferienreisen auf die Entwicklung der Krankheit auswirken wird, bleibt noch abzuwarten.<\/p>\n<p>Ob die Menschen so vern\u00fcnftig sein werden, die alte Maxime des Paulus, die ja l\u00e4ngst auch als Volksweisheit bekannt ist, zu beherzigen: \u201eAlles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient mir zum Guten?\u201c<\/p>\n<p>Paulus schreibt diese Worte an die Gemeinde in Korinth. Korinth ist eine Hafenstadt. Seeleute aus aller Herren L\u00e4nder halten sich dort f\u00fcr eine kurze Zeit auf und wollen in dieser kurzen Zeit so viele Vergn\u00fcgungen wie m\u00f6glich erleben. Die Stadt ist ein Schmelztiegel aller m\u00f6glichen Nationen und Religionen. Menschen, die sich nie wieder sehen werden, begegnen sich f\u00fcr kurze Zeit, man ist niemandem Rechenschaft schuldig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir das heute, nach den Coronaerfahrungen so lesen, so scheint es genau die Situation zu sein, vor der Virologen warnen. Die Situation, die Landesoberh\u00e4upter mit strengen Regeln in den Griff zu bekommen versucht haben. Regeln, an die wir uns zu halten versucht haben, weil sie uns einleuchteten. Regeln, deren Einhaltung von Ordnungs\u00e4mtern \u00fcberpr\u00fcft wurden.<\/p>\n<p>Regeln auch, gegen die sich Menschen zunehmend aggressiv aufgelehnt haben, weil sie sich nicht bevormunden lassen wollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus scheint mir vor einem \u00e4hnlichen Hintergrund zu argumentieren. Es sind Regelwerke von den verschiedenen Religionen aufgestellt worden. Die Menschen scheinen sich nicht daran gehalten zu haben. Im Gegenteil. Vielleicht f\u00fchlten sie sich in ihrer pers\u00f6nlichen Freiheit beschr\u00e4nkt, in dem, was sie als Recht auf Vergn\u00fcgung ansahen, wollten sich nichts mehr vorschreiben lassen. Ebenso wie heute bleibt eine solche Entscheidung nicht auf den beschr\u00e4nkt, der sie f\u00fcr sich trifft, sondern andere sind mit betroffen von dem, was Paulus da aufz\u00e4hlt: Prostitution und Diebstahl, Saufgelagen und Ehebruch. Seelische Verletzungen und k\u00f6rperliche Krankheiten sind die Folge, Paulus wei\u00df auch so gut wie wir heute, dass beides zusammenh\u00e4ngt: Seele und K\u00f6rper k\u00f6nnen nicht getrennt gedacht werden.<\/p>\n<p>Paulus macht ganz deutlich: Das alles geht gar nicht. Aber er appelliert an die Vernunft seiner Gemeindemitglieder, in dem er nicht weitere Verbote ausspricht, die doch nichts n\u00fctzen w\u00fcrden. Sondern indem er sagt: Seht selbst zu, dass ihr euer Leben so f\u00fchrt, dass es f\u00fcr euch und andere gut ist.<\/p>\n<p>Er verurteilt nicht, schreibt die Leute nicht ab. Sondern benennt die einzige Ressource, die in seinen Augen helfen kann, einen neuen Anfang zu machen: Jesus Christus.<\/p>\n<p>\u201eReden wir nicht weiter \u00fcber Eure S\u00fcnden, Jesus hat euch reingewaschen, ein neuer Anfang ist m\u00f6glich, jetzt ist die Stunde null, ergreift diese Chance und geht durch diese T\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Corona-Zeiten hat es oft nicht geholfen, an die Vernunft der Leute zu appellieren. Im Gegenteil: Eine beachtliche Zahl frommer Christen meinte, sich an nichts halten zu m\u00fcssen, nach dem Motto: \u201eGott wird es schon richten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer so argumentiert, der hat Paulus allerdings nicht verstanden. Denn der sagt nicht: \u201eHaltet euch weiter an nichts, ihr seid ja teuer erkauft, Gott wird sich schon k\u00fcmmern um seine Menschen, die im so wertvoll sind\u201c<\/p>\n<p>Sondern er sagt: \u201eLebt in eurer Zeit verantwortlich. Da, wo ihr Fehler gemacht habt, wendet euch an Gott, der euch einen neuen Anfang erm\u00f6glicht.\u201c<\/p>\n<p>Wir werden gerade in die Verantwortung gerufen, nicht von aller Verantwortung freigesprochen.<\/p>\n<p>Es geht Paulus nicht darum, den Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, sie abzuurteilen. Sondern im Gegenteil ihnen eine T\u00fcr zu \u00f6ffnen, wenn er sagt: Ihr geh\u00f6rt zur Gemeinde Jesu Christi dazu. Aber weil ihr dazugeh\u00f6rt, habt ihr auch eine Aufgabe. Verhaltet Euch so, dass Gottes guter Geist Freude daran hat, in euer Leben einzuziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bemerke bei manchen Zeitgenossen die Tendenz, sich nicht zust\u00e4ndig zu f\u00fchlen, nach dem Motto \u201edas geht mich nichts an.\u201c Der M\u00fcll, der im Wald landet oder das Wegsehen, wenn ein anderer Hilfe braucht, ist ja nun das eine. Aber das bewusste sich nicht zust\u00e4ndig f\u00fchlen f\u00fcr die eigenen Vergehen ist dann schon eine andere Hausnummer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche machten Gerichtsprozesse Schlagzeilen, in denen mehrere M\u00e4nner verurteilt wurden, die Kinder sexuell missbraucht haben in einem Ausma\u00df, das selbst die erfahrensten Ermittler und Richter entsetzt hat.<\/p>\n<p>Ganz besonders schlimm stuften die, die damit zu tun hatten, die Tatsache ein, dass bei den Verurteilten keinerlei Schuldempfinden und Reue zu bemerken war. Kindesmissbrauch scheint eines der Vergehen gewesen zu sein, die auch in Korinth vorkamen, Paulus erw\u00e4hnt es in seiner Aufz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas steht mir zu, da lasse ich mir nicht reinreden\u201c \u2013 eine solche Haltung bemerke ich bei manchen Zeitgenossen, die genau darin ihre pers\u00f6nliche Freiheit sehen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Mag sein, dass diese Haltung daraus entsteht, dass man sein Leben als durch den Tod begrenzt einstuft und bis dahin alles herausholen will. Denn danach ist es ja sowieso gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Von so einer Haltung ist Paulus weit entfernt: F\u00fcr ihn ist klar: Jesus Christus ist auferstanden, unser Leben geht mit ihm ein in die Ewigkeit.<\/p>\n<p>Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es darf mich nichts gefangen nehmen.<\/p>\n<p>Ich bin frei durch Jesus Christus \u2013 warum sollte ich mich da in eine Gefangenschaft begeben, indem ich mich selbst abh\u00e4ngig mache?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eVerboten\u201c? Ist es das, was Ihnen als erstes einf\u00e4llt, wenn Sie sich Gedanken zum Thema Christentum und Religion machen?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist genau das Gegenteil die Erfahrung, die ich mit meiner Religion und meinem Glauben verbinde: \u201eerlaubt\u201c.<\/p>\n<p>\u201eZur Freiheit hat uns Christus befreit\u201c (Gal 5,1) schreibt Paulus an anderer Stelle. Wir bekommen eine neue Chance, eine T\u00fcr \u00f6ffnet sich, der Weg geht weiter. Jesus sagt von sich selbst: \u201eIch bin die T\u00fcr\u201c (Joh.10,9). Er l\u00e4dt uns sein, hier durch zu gehen. Und unser Leben wird weit.<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom guten Leben | 25.7.21 | 8. Sonntag nach Trinitatis | Predigt zu 1.Kor 6,9-12.18-20 | verfasst von Suse G\u00fcnther |&nbsp; &nbsp; Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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