{"id":5488,"date":"2021-07-20T20:36:40","date_gmt":"2021-07-20T18:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5488"},"modified":"2021-07-20T20:41:34","modified_gmt":"2021-07-20T18:41:34","slug":"5488-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/5488-2\/","title":{"rendered":"1Kor 6,9-14(15-18)19-20"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Die Zahlen 15, 17, 20, 23, 31, 35 \u2013 oder vom rechten Umgang mit unserer Freiheit | <\/strong>8. Sonntag nach Trinitatis |\u00a0 25.07.2021 |\u00a0Predigt zu 1Kor 6,9-14(15-18)19-20 | verfasst von Konrad Gl\u00f6ckner |<\/h3>\n<p>Kanzelgru\u00df:<\/p>\n<p>Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.<\/p>\n<p>15, 17, 20, 23, 31, 35! Liebe Gemeinde, mit dieser Zahlenkombination und der Zusatzzahl 26 war der Kleink\u00fcnstler und B\u00fcrstenmacher Walter Knoblauch aus Wittmund 1956 der allererste Jackpot-Gewinner in Deutschland. 500.000 Mark! Eine unvorstellbar hohe Summe zur damaligen Zeit. Selbst die pomp\u00f6s gefeierte Hochzeit mit seiner Frau Elisabeth verschlang, trotz dem festen Vorsatz mindestens 20.000 Mark auszugeben, nur 15.000 Mark. Und doch, zwei Jahre sp\u00e4ter war all dieser Besitz restlos vertan und das Paar \u00e4rmer als je zuvor. Ihren Lebensabend verbrachten beide im Obdachlosenheim.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Geschichte! 1968 wurde sie sogar verfilmt. Obgleich, so au\u00dfergew\u00f6hnlich ist sie dann doch wieder nicht. Dass Menschen, die unverhofft zu hohem Reichtum gelangen, alles, aber auch wirklich alles verlieren, ereignet sich gar nicht so selten. Und der Apostel Paulus hat Angst, dass es auch uns genauso ergeht, &#8211; uns Christen. Denn davon ist er fest \u00fcberzeugt, dass auch wir v\u00f6llig unverhofft und unverdient zu unermesslichem Reichtum gekommen sind und in Gefahr stehen, diesen durch unsachgem\u00e4\u00dfen Gebrauch leichtfertig zu verlieren. Freilich, von Geld spricht er nicht, sondern von einem weit h\u00f6heren Gut &#8211; von der Freiheit n\u00e4mlich, die uns in Jesus Christus geschenkt ist, zugeeignet in der Taufe und von Gott selbst verb\u00fcrgt. Vor einigen Jahren war es Paulus bei seinem Besuch in der Hafenstadt Korinth gelungen Menschen f\u00fcr ein Leben zu begeistern, das aus diesem Schatz des Glaubens seine Kraft und Weite gewinnt. Nun aber schickt er in gro\u00dfer Sorge um seine Freunde mahnende Briefe dorthin. H\u00f6ren wir daraus einige S\u00e4tze, wie sie im ersten Korintherbrief, im 6. Kapitel, \u00fcberliefert sind:<\/p>\n<p>Lesung: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1Kor 6,9-14 und 19-20<\/p>\n<p>\u201eAlles ist mir erlaubt!\u201c Gleich 2mal wiederholt der Apostel diese Aussage und zeichnet so ein Bild unglaublich gro\u00dfer christlicher Freiheit. Niemanden gibt es, der uns zu sagen h\u00e4tte, was zu tun oder zu lassen sei. V\u00f6llig frei und selbst\u00e4ndig d\u00fcrfen wir dar\u00fcber entscheiden. Freie Menschen sind wir \u00fcber alle Dinge und nichts und niemandem in dieser Welt untertan. Ein gesetzliches Glaubensverst\u00e4ndnis, wonach unser Leben nur in rechten Bahnen verlaufen und sich als sinnerf\u00fcllt erweisen k\u00f6nnte, wenn wir minuti\u00f6s religi\u00f6s begr\u00fcndete Regeln und Gebote befolgten, \u00e4ngstlich bem\u00fcht, nicht davon abzuweichen, begegnet hier nicht. Erstaunlich! Hatte Paulus nicht zun\u00e4chst einen ganzen Katalog von Handlungen aufgef\u00fchrt, die tunlichst zu vermeiden seien, da sie dem Seelenheil abtr\u00e4glich sind: \u201eWeder Unz\u00fcchtige noch G\u00f6tzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabensch\u00e4nder noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch L\u00e4sterer werden das Reich Gottes ererben.\u201c? Alles dies kam in der antiken Welt vor. Gier, L\u00e4sterei und Trunksucht sowieso, aber auch Unzucht und alles was weiter genannt war. Keineswegs war dies moralisch diskreditiert oder gesellschaftlich verp\u00f6nt. F\u00fcr die M\u00e4nner jedenfalls nicht. Treue war als Tugend den Frauen vorbehalten. F\u00fcr die M\u00e4nner galt: \u201eAlles erlaubt!\u201c Gut denkbar, dass Paulus in seinem Brief einen Wahlspruch aufgreift, den Vertreter der Korinther Gemeinde selbst als Motto ihrer Freiheit vertraten. Gewiss gab es Glieder in der Gemeinde, bei denen das Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dass ein Mitmachen, bei einem in der Gesellschaft als ganz normal geltenden Verhalten den christlichen Glauben ber\u00fchren und in Frage stellen k\u00f6nnte, gar nicht ausgepr\u00e4gt gewesen war. Paulus sieht dies klar anders: \u201eAber ihr\u201c, sagt er und markiert so einen deutlichen Unterschied f\u00fcr uns Christen: \u201eAber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus\u201c. Mit diesen Worten erinnert er an die Taufe, durch die das Leben eine neue Qualit\u00e4t erhalten hat und in einen g\u00e4nzlich neuen Erwartungshorizont gestellt ist: \u201eGott, hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.\u201c Leben, aus der Hoffnung und der Kraft der Auferstehung! Was das Leben ausmacht, was das Ziel unserer Freiheit ist, ersch\u00f6pft sich nicht im Hier und Jetzt! Wir Christen sind weiter aufgestellt. F\u00fcr uns gelten andere Ma\u00dfst\u00e4be als die Endlichkeit und das Vergehen des Lebens, als die Angst davor, dass unser Leben sich ins Nichts verliert und dass wir uns eitel bem\u00fchen, uns selbst einen Namen zu machen. Von der Herrschaft des Todes sind wir befreit. Paulus vergleicht dies mit der Befreiung von Sklaven, die nur rudiment\u00e4r \u00fcber ihr eigenes Leben verf\u00fcgten. \u201eIhr seid teuer erkauft!\u201c \u2013 schreibt der Apostel. Dass ihr Gott geh\u00f6rt, dass Ihr zu Gott geh\u00f6rt, das ist der Grund Eurer Freiheit.<\/p>\n<p>Einerseits also greift Paulus ein in Korinth verbreitetes Verst\u00e4ndnis Freiheit auf und bejaht dessen grenzenlosen Anspruch, als auch dem christlichen Glauben gem\u00e4\u00df. Andererseits verweist er auf einen Grund christlicher Freiheit, der nicht unserer menschlichen Verf\u00fcgungsgewalt unterliegt. Und so nennt er Grundregeln f\u00fcr einen sachgem\u00e4\u00dfen Umgang mit dieser Freiheit, damit sie ihren Eignern nicht wie Sand durch die H\u00e4nde rinnt, gleichsam wie ein Lottogewinn, der nicht auf Ertrag hin angelegt ist. Zwiefach erg\u00e4nzt er das Motto, das er zitiert und deutet es so zugleich grunds\u00e4tzlich um. \u201eAlles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.\u201c, sagt er zun\u00e4chst. \u201eAlles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben \u00fcber mich.\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Wohl nur wenige S\u00e4tze bringen die Sch\u00f6nheit und Spannung des christlichen Glaubens in gleicher Dichte zum Ausdruck!<\/p>\n<p>Diene ich mit meinen freien Entscheidungen dem Guten oder nicht? Diese Frage erhebt Paulus als erstes Kriterium, das uns hilft, unsere Freiheit zu bewahren. Das was gut ist und was gut f\u00fcr mich ist \u2013 das ist inzwischen deutlich geworden \u2013 ist f\u00fcr ihn dabei nicht, was mir selbst gut d\u00fcnkt oder was meinen Interessen am besten dient, nicht was meinem eigenen Verlangen, der Selbstsucht oder meiner Willk\u00fcr erw\u00e4chst. F\u00fcr gut h\u00e4lt er das, was Gottes Willen und dem Geist Gottes entspricht, &#8211; ist doch der Wille, mit dem sich Gott selbst an seine Sch\u00f6pfung und uns Menschen bindet, der Grund unserer Freiheit. Und so dient unserer Freiheit wenn wir bewusst darauf achten, wie wir diese Beziehung zu Gott in unserem Leben sichtbar und erfahrbar machen, wenn wir danach fragen, was heilig und also heilbringend und gut f\u00fcr uns ist, weil wir darin Gottes G\u00fcte erkennen. Die Normen und Gebote unseres Glaubens sind uns daf\u00fcr ein hilfreiches Gel\u00e4nder, das uns vor Abwegen warnt. Sie sind keine Grenzschranken unserer Freiheit, die uns entm\u00fcndigen oder uns davor entlasten, unsere Entscheidungen nach besten Wissen und Verm\u00f6gen vor Gott zu verantworten. \u201eWiesphal\u201c, so hei\u00dfen die Gebote im Plattdeutschen, \u201eWegweiser\u201c. Das veranschaulicht das Freiheitsverst\u00e4ndnis des Paulus sehr gut. Es l\u00e4sst uns an die Verkehrsschilder im Stra\u00dfenverkehr denken, die uns mit ihren Warnungen, Geboten und Verboten Bewegungsfreiheit auf den Wegen quer durchs Land erm\u00f6glichen. \u00dcber den einzelnen Regeln der Verkehrsordnung steht freilich als erster Paragraph das Gebot gegenseitiger R\u00fccksichtnahme. Und \u2013 seien wir ehrlich \u2013 bei Eile und leeren Stra\u00dfen, sehen wir dem Gesetz auch Gen\u00fcge getan, wenn wir uns st\u00e4rker ans Grundgebot der gerade nicht geforderten R\u00fccksichtnahme halten, als an die erlaubte Geschwindigkeit. Werden wir ertappt, so bittet der Staat uns zur Kasse und bemisst das Strafma\u00df wieder an dem, was die Schilder uns sagten. Gesetzlich. Wie sonst k\u00f6nnte er das Regelwerk als Ganzes bewahren. Mit Gottes Geboten verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich und anders zugleich. Sie sind Wegweiser auf dem Weg unserer Freiheit, aber Gott will vor allem, dass wir m\u00fcndig das Grundgebot und den Kerngehalt seiner Regeln erfassen, dass wir in Liebe und Achtung vor Gott, unserem N\u00e4chsten und auch vor uns selbst leben. Er will, dass wir den Geist seiner Gebote begreifen und die Freiheit, in die er uns damit ruft. Anders als der Staat hat Gott auch Mittel, uns in die Herzen zu schauen und unsere Intentionen zu pr\u00fcfen. So nah ist er uns und so vertraut sind wir ihm.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid das Licht der Welt!\u201c In der Bergpredigt, aus der wir heute diese Worte geh\u00f6rt haben, erhebt Jesus solch m\u00fcndigen Umgang mit dem Kern und Gehalt der Gebote zum Ma\u00dfstab freiheitlichen Handelns, &#8211; mit radikalen, und f\u00fcr uns herausfordernden Konsequenzen, denn er selbst wei\u00df sich von Grund auf an Gott gebunden. In \u00e4hnlicher Weise ermahnt Paulus die Korinther in seinem Brief \u2013 unmittelbar vor den Worten, die wir geh\u00f6rt haben \u2013 sich besser \u00fcbervorteilen zu lassen und Unrecht zu dulden, als im Streit um eigenes Recht den Geist Gottes zu vergessen. Der Verlust w\u00e4re schlimmer. Erben des Reiches Gottes w\u00e4ren wir nicht, betont er.<\/p>\n<p>Was es bedeutet, die eigene Freiheit in der Bindung an den Geist Gottes zu finden, veranschaulicht Paulus anhand von Konsequenzen, die daraus f\u00fcr den Umgang mit unserem eigenen K\u00f6rper, mit unserem Leib erwachsen: \u201eDer Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn und der Herr dem Leibe.\u201c Das Stichwort der Hurerei ist auff\u00e4llig und Paulus geht in seinem Brief ausf\u00fchrlicher darauf ein, als wir es geh\u00f6rt haben. Auch die Worte Ehebrecher, Lustknaben und Knabensch\u00e4nder m\u00f6gen bei uns haften geblieben sein. Nicht unser Thema? Fragen wir stattdessen, ob uns hier nicht ein prinzipiell einengendes Moralverst\u00e4ndnis begegnet, das letztlich wenig von Freiheit zu sagen wei\u00df? Best\u00e4tigt sich hier nicht der Vorwurf, dass Christentum und Kirche eine pr\u00fcde, leibfeindliche Moral bef\u00f6rdern, die einem zeitgem\u00e4\u00dfen Verst\u00e4ndnis von Sexualit\u00e4t entgegensteht? \u201eAlles erlaubt?\u201c Von wegen. Zu einem Wahlspruch der 68.Bewegung eignet sich der Paulustext nicht, auch nicht zu einem Slogan heutiger Emanzipationsbewegungen. Haben wir nicht gelernt, dass geschlechtliche Orientierung jedweder Art kein Grund f\u00fcr Ausgrenzung und Diskriminierung sein darf, sondern als gleichberechtigt zu akzeptieren und als eine legitime \u00c4u\u00dferung menschlicher Selbstbestimmung anzusehen ist? Arbeiten wir nicht gerade jetzt an unserer Sprachgewohnheit, um auch Transgender einen Platz und Identifikationsraum in ihr zu geben? F\u00fchrt die EU nicht gerade jetzt ein Normenkontrollverfahren gegen Ungarn und Polen, weil sie sich mit ihren Gesetzen gegen solch eine Gleichberechtigung stellt? Auf welcher Seite in diesem Streit w\u00e4re Paulus zu finden?<\/p>\n<p>Der Ma\u00dfstab, an Paulus menschliche Freiheit bemisst, l\u00e4sst, da bin ich mir sicher, eine eindeutige Antwort zu. Wenn wir in unserem Denken und Tun dem Geist der Achtung und der Liebe Gottes zum Menschen entsprechen, so dr\u00e4ngt uns dies auch in den k\u00f6rperlichen Bereichen unseres Zusammenlebens auf Verl\u00e4sslichkeit und Verbindlichkeit. F\u00fcr Paulus galt \u2013 und lange Zeit war es in der ganzen kirchlichen Tradition ebenso -, dass solche Form der Partnerschaft allein in der Ehe von Mann und Frau auslebbar ist und g\u00fcltigen Ausdruck findet. Zu erkennen, dass dies so nicht ist, und dass Verbindlichkeit nicht an sexuelle Orientierung gebunden ist, war ein Lern- und Emanzipationsprozess, den die Kirche nicht angef\u00fchrt hat, den sie aber mitzugehen und zu unterst\u00fctzen hat, und zwar ganz im Geiste des Paulus. Die Ehe, ob zwischen Mann und Frau oder in gleichgeschlechtlicher Form, ist eine Instanz, die auf dem gegenseitigen Versprechen von Verbindlichkeit aufbaut. Dies zeichnet sie aus und verleiht ihr ihre besondere W\u00fcrde! Aber f\u00fcr sich genommen ist sie kein G\u00fctezeichen einer intakten Beziehung. Liebe und Vertrauen k\u00f6nnen auch in ihrem Rahmen missbraucht und entstellt werden, so, wie sie auch in anderen Formen eine aufrechte und ehrliche Gestalt finden werden. Der Prozess der Akzeptanz m\u00f6glicher Formen des Zusammenlebens, in dem wir uns befinden, ist noch nicht abgeschlossen. Gott ist uns Menschen so nah, dass er erkennen wird, wo der Geist seiner Liebe wirksam ist. Und auch wir sollten uns immer wieder darum bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Festgef\u00fcgte Antworten gibt es wenige. Sicher aber ist, dass wir Menschen dort, wo wir unsere Macht und die Abh\u00e4ngigkeit anderer oder deren Notlage zur Befriedigung eigener Bed\u00fcrfnisse und zum Zweck eigenen Lustgewinns ausnutzen, Gottes Geist zuwiderhandeln. Dann wird Freiheit zerst\u00f6rt, die Opfer, aber auch die der T\u00e4ter, die sich an ihrem eigenen Menschsein vertun. Im Knabengebrauch damals, so unverf\u00e4nglich er schien, kam durchaus ein Machtgef\u00e4lle zur Geltung und Abh\u00e4ngigkeiten zum Tragen, ebenso wie in der Prostitution heute. Hurerei zielt nicht auf Verbindlichkeit.<\/p>\n<p>Aber reden wir Klartext und bleiben bei uns. Reden wir vom Missbrauch schutzbefohlener Kinder und Jugendlicher durch Geistliche und andere Machttr\u00e4ger in der katholischen und der evangelischen Kirche! Was vielleicht im Graubereich des M\u00f6glichen und Zul\u00e4ssigen begann, kann und wird von Anbeginn an dem Geist Christi nicht gem\u00e4\u00df gewesen sein. Das Gesetz der Freiheit wurde verletzt, zun\u00e4chst im Verborgenen und Verschwiegenen, bis die Verletzungen endlich ans Licht der \u00d6ffentlich brachen und zum Gl\u00fcck zu Tage traten. Was als Missbrauch der Verantwortung und Freiheit Einzelner begann hat sich damit als eine zerst\u00f6rerische Macht entpuppt, die wie eine Lawine unbeherrschbar geworden ist, die f\u00fcr viele Menschen die Freude am Leben und den Zugang zum Glauben zerst\u00f6rt hat und die nun die Glaubw\u00fcrdigkeit der ganzen Kirche bedroht.<\/p>\n<p>\u201eAlles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben \u00fcber mich.\u201c Dies ist der zweite Ma\u00dfstab, den Paulus benennt. Um die M\u00e4chte, die ein falscher Gebrauch der Freiheit hervorruft, wei\u00df er sehr wohl, um die Abh\u00e4ngigkeiten, in die wir Menschen geraten, wenn wir unserem Willen und Verstand zum Ma\u00dfstab unseres Handels machen und nicht nach Gott fragen. Er kennt die Dynamik, in der wir unsere Freiheit verlieren, wenn wir sie wie Walter Knoblauch zu gewinnen versuchen, der sein Geld in Autos und Hotels investierte und dabei die Kontrolle \u00fcber sein Verm\u00f6gen verlor. Kontrollverlust, Freiheitsverlust durch falsche Bindungen. Habgier, Neid, Laster oder Trunksucht \u2013 noch einmal sei der Katalog des Paulus genannt, nur dass wir ahnen, von welchen Kr\u00e4ften er spricht. Den M\u00e4chten und M\u00e4chtigen dieser Welt k\u00f6nnen wir im Geist Jesu Christi mit Freiheit begegnen, h\u00e4lt er dem entgegen. Nicht binden wir uns an Gott, in unserem Glauben. Wir nehmen war, dass Gott sich an uns gebunden hat. Dass er selbst der Grund unserer Freiheit ist. Und darum k\u00f6nnen wir immer wieder von vorne beginnen, unser Leben aus unserem christlichen Glauben heraus neu zu gestalten.<\/p>\n<p>Lasst mich zum Abschluss dieser Predigt und mit Blick auf Paulus zweites Kriterium christlicher Freiheit, die Geschichte von Walter Knoblauch noch einmal erz\u00e4hlen. Diesmal so, wie wir sie alle seit Kindheit schon kennen, als das M\u00e4rchen von Hans im Gl\u00fcck. Seinen Klumpen Gold hatte Hans verloren, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, unbemerkt, scheinbar immer Gleiches f\u00fcr Gleiches erwerbend. Zuletzt stand er da wie zuvor. Gewonnen aber hat er auf seinem Weg den Geschmack f\u00fcr ein Leben mit leichtem Gep\u00e4ck. Hans im Gl\u00fcck \u2013 der Titel des M\u00e4rchens l\u00e4sst uns die Pointe so sehen. Und so ermutigt es uns, manches Lebensangebot, das uns heute ganz selbstverst\u00e4ndlich als lohnend angeboten wird, auszuschlagen. Ganz im Sinne von Paulus legt es uns nahe Ziele, bei denen wir uns unhinterfragt unseren Zeitgenossen und unserem Zeitgeist anschlie\u00dfen w\u00fcrden \u2013 aber auch Konventionen und festgef\u00fcgte Antworten unseres Glaubens \u2013 mit Abstand zu betrachten. Es hilft uns, danach zu fragen, inwieweit unsere Vorhaben und Pl\u00e4ne der Freiheit in Christus gem\u00e4\u00df sind und uns helfen Gott, unserem N\u00e4chsten und uns selbst mit Liebe und Achtung zu begegnen.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre dazu unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.<\/p>\n<p>Pastor Dr. Konrad Gl\u00f6ckner<\/p>\n<p>Kirchweg 42, 18565 Hiddensee<\/p>\n<p><a href=\"mailto:Kloster@pek.de\">Kloster@pek.de<\/a><\/p>\n<p><em>Konrad Gl\u00f6ckner, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Seit 2008 t\u00e4tig als Pastor in Kloster, Insel Hiddensee<\/em><\/p>\n<p><strong>Zur Anregung:<\/strong><\/p>\n<p>Postscriptum<\/p>\n<p>was ich dir noch sagen wollte<\/p>\n<p>wenn ich dir<\/p>\n<p>einen Tipp geben darf<\/p>\n<p>ich meine<\/p>\n<p>ich bitte dich<\/p>\n<p>um alles in der welt<\/p>\n<p>und wider besseres wissen:<\/p>\n<p>halte dich nicht schadlos<\/p>\n<p>zieh den k\u00fcrzeren<\/p>\n<p>la\u00df dir etwas<\/p>\n<p>entgehen<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Eva Zeller<\/em><\/p>\n<p>(Am Ausgang der Inselkirche von Hiddensee zu lesen.)<\/p>\n<p><strong>Liedvorschlag: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Sonne der Gerechtigkeit, EG 262 (EG 263), 1-5<\/li>\n<li>Die ganze Welt hast Du uns \u00fcberlassen, EG 360, 1-6<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahlen 15, 17, 20, 23, 31, 35 \u2013 oder vom rechten Umgang mit unserer Freiheit | 8. Sonntag nach Trinitatis |\u00a0 25.07.2021 |\u00a0Predigt zu 1Kor 6,9-14(15-18)19-20 | verfasst von Konrad Gl\u00f6ckner | Kanzelgru\u00df: Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen. 15, 17, 20, 23, 31, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5476,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,462,1,157,114,771,349,772,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-5488","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-korinther","category-8-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-06-chapter-06-1-korinther","category-kasus","category-konrad-gloeckner","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5488"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5488\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5493,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5488\/revisions\/5493"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5488"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=5488"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=5488"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=5488"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=5488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}