{"id":5529,"date":"2021-07-25T09:38:04","date_gmt":"2021-07-25T07:38:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5529"},"modified":"2021-07-26T15:40:48","modified_gmt":"2021-07-26T13:40:48","slug":"predigt-zu-lukas-161-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-161-9\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 16,1-9"},"content":{"rendered":"<h3>Justitia sieht mit verbundenen Augen \u2013 Gott sieht uns mit unverbundenen Augen | 9. Sonntag nach Trinitatis | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen |<\/h3>\n<p>Ihre Augen waren zugebunden, vielleicht wagte er es deshalb nicht, sie anzuschauen. Einer der langen Blicke, die Sch\u00f6nheit vom K\u00f6rper eines anderen Menschen auf sich ziehen. H\u00e4tte sie sich umgeschaut, h\u00e4tte er sicher seinen Blick und woanders hingerichtet. In dieser Weise war es doch schade, dass sie keinen Augenkontakt hatten. Da war nur ihr K\u00f6rper, der zu sehen war, aber was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Gesch\u00f6pf war sie! Auch wenn sie ihn nicht sehen konnte, dauerte es lange, ehe er es wagte, sich ihr zu n\u00e4hern. Denn ihr K\u00f6rper strahlte eine starke Autorit\u00e4t aus. Und dann war da auch das, was sie gerade in den H\u00e4nden hielt. Ein Schwert, das zwar nicht zur Abwehr erhoben war, aber ein scharfes Schwert war es. W\u00fcrde sie auf ihn zuschlagen, k\u00f6nnte er wohl ausweichen, denn was kann ein Blinder treffen? Die drohende Hand war nicht die mit dem Schwert. Das war die Hand, die in die Luft erhoben war, wo sie eine Waage hielt, die im Gleichgewicht war. Was nun, wenn er sich an sie heranschliche, w\u00fcrde das Gleichgewicht verschwinden? Einmal ging er dicht an sie heran und stellte sich auf die Zehen um zu sehen, was da in den Waagschalen lag. Die eine war leer, aber in der anderen lagen einige M\u00fcnzen, so als w\u00fcrde jemand sehen wollen, ob man die Waagschale aus dem Gleichgewicht bringen k\u00f6nnte. Dann ging er schnell weiter. Nein, sie war nicht wie andere Statuen in dem Park, vielleicht sollte er nachschauen, ob er sie irgendwo im Internetz finden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Sie hie\u00df Justitia, die G\u00f6ttin der Gerechtigkeit., die Personifikation des Rechts, des Gesetzes und des Gerichts. Sie war die Gerechtigkeit, die wir unter uns am Leben erhalten wollen.<\/p>\n<p>Er konnte auch lesen, dass sie immer ihr Schwert hatte und die Waage, aber erst in moderner Zeit hat sind ihre Augen verbunden, um damit zu symbolisieren, \u201edass alle gleich sind vor dem Gesetz und dass die Justitia mit \u201eblinder Gerechtigkeit\u201c urteilt, <em>ohne sich weder von Geld, Macht, Pers\u00f6nlichkeit oder andere irrelevante Dinge beeinflussen zu lassen<\/em>, stand da.<\/p>\n<p>Wer nennt gerade das irrelevant, dachte er, und sah herab auf seine alten Schuhe. Justitia glich keiner anderen ihm bekannten Frau. Die ihm bekannten Frauen hatten keine verbundenen Augen und verurteilten ganz klar ein paar h\u00e4ssliche Schuhe.<\/p>\n<p>Nun verlassen wir den Mann in dem Park, wir kommen aber auf ihn zur\u00fcck und d\u00fcrfen auch mit ihm in die Kirche gehen. Ich verstehe gut, dass man sich in Gerechtigkeit verleiben kann, die vollkommene Abrechnung, wo alles aufgeht. Tut ihr das nicht? Nur glaube ich auch, dass der junge Mann, wenn er der richtigen Frau begegnet, erfahren wird, dass die Rechnung mit der W\u00e4sche und dem Staubsauger niemals gerecht aufgeht. Wie w\u00fcrde die Welt eigentlich aussehen, wenn alles gerecht zuginge? W\u00fcrde sie besser sein oder w\u00fcrden alle fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dem Schwert ausgesetzt sein? Vielleicht soll auch der junge Mann froh dar\u00fcber sein, dass Justitia eine r\u00f6mische G\u00f6ttin ist und nicht unser Gott. An dem Bild unseres Gottes kann man nicht in einem Park vorbeigehen, aber man kann dem Bild wie heute in einer ganz ungerechten Erz\u00e4hlung von einem reichen Mann und einem Gutsverwalter begegnen. Oberfl\u00e4chlich gesehen sieht alles gut aus, der reiche Mann ist aber blind f\u00fcr die Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Verwalters. Der reiche Mann muss deshalb auf andere h\u00f6ren, die ihm erz\u00e4hlen, wie die Welt in Wirklichkeit aussieht. Erst da gehen dem reichen Mann die Augen auf, und er will eine Abrechnung sehen. Wir erwarten wohl alle, dass die nicht stimmt und dass der Verwalter entlassen wird. Ehe das geschieht, sichert der Verwalter jedoch sich selbst, indem er seine Zulieferer zu Betrug anstiftet. \u00a0Wenn die Waage der Justitia zuvor etwas schief war, ist sie nun v\u00f6llig schief, und sie ist bereit, auf den Verwalter zuzuschlagen. Das geschieht nicht, nicht bei dem Gott, mit dem wir es zu tun haben, er sieht dem Mann in die Augen und lobt ihn daf\u00fcr, dass er klug gehandelt hat. So geht es im Evangelium nicht darum, Gerechtigkeit walten zu lassen, sondern darum, sich Freunde zu schaffen mit dem ungerechten Mammon. Der reiche Mann ist nat\u00fcrlich ein Bild f\u00fcr Gott. Gott, der nicht blind auf dich losschl\u00e4gt, er h\u00f6rt auch nicht einfach auf das, was andere sagen. Gott sieht dir in die Augen, und er nimmt sich die Freiheit, auch einen Betrugsversuch zu loben. F\u00fcr mich ist das ein Bild f\u00fcr einen gn\u00e4digen Richter, der uns sieht, aber dennoch Platz f\u00fcr uns hat.<\/p>\n<p>Das Evangelium schlie\u00dft mit einer Aufforderung, sich Freunde zu schaffen mit unehrlichem Mammon.<\/p>\n<p>\u00dcberall im Neuen Testament existiert ein angestrengtes Verh\u00e4ltnis zum Geld, besonders wenn es sich um viel Geld handelt. Warum? Ja, Geld bewertet nicht <em>den<\/em> Menschen, sondern Geld bewerten den einen Mensch en so, den anderen so. Geld kann dazu verwendet werden, die Waagschale f\u00fcr den zu senken, der Geld in sie wirft, wie dies ja im heutigen Evangelium geschieht. Geld veranlasst uns dazu, nach dem reichen Mann zu schauen und nicht dem Armen. Und Geld l\u00e4sst die M\u00e4dchen nach dem richtigen Jungen mit den teuren Schuhen sehen und nicht unseren Freund aus dem Park mit den h\u00e4sslichen Schuhen. Geld leitet unseren Blick und veranlasst uns, das Recht zu unserem eigenen Vorteil zu beugen. W\u00fcrde der junge Mann aus dem Park die M\u00fcnzen aus der Waagschale der Justitia herausnehmen, k\u00f6nnte er vielleicht ein paar neu Schuhe kaufen und die Freundin bekommen, von der er getr\u00e4umt hat. Ist es gerecht, von einer Statue zu stehlen? Ist es gerecht, dass Geld unseren Blick bestimmt? Nein, keineswegs. Geld ist selten gerecht verteilt, und deshalb meint das Evangelium, dass Geld ungerecht ist. Gerechtigkeit an sich gibt es vielleicht gar nicht, sondern nur als Symbol f\u00fcr das, nach dem wir als Gesellschaft streben und von dem wir tr\u00e4umen. Wenn es darauf ankommt, sind wir alle vielleicht unehrliche Freunde, die nicht gesehen haben, dass die Gerechtigkeit, von der wir tr\u00e4umen, auch Konsequenzen hat f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Dann sind wir zum Schluss unserer Predigt und des Spaziergangs des jungen Mannes gekommen. Denn er war einmal bei einem Gottesdienst in einer Dorfkirche. Und das war so sch\u00f6n, drau\u00dfen summte der Sommer, und die Orgel rauschte. Zum Abendmahl hatte er sich erhoben, und die Beine hatten ihn fast von selbst zum Altar getragen. Pl\u00f6tzlich standen sie still unter dem Chorbogen, und er sah auf zum gro\u00dfen Kreuz. Die Augen Jesu waren von seiner Kirchenbank aus als geschlossen zu sehen, und er hatte gedacht, Jesus sei bereit gewesen, vom Kreuz heruntergenommen und ins Grab gelegt zu werden. Genau hier, wo die Beine sehen blieben und er hinaufschaute, konnte er zwei Augen durch die Spalten sehen, die auf ihn schauten. Sie sahen ihn, und er sah in sie hinein, ein Schauer \u00fcberkam ihn, der uns all das sagt, was wir sehr wohl wissen. Er hatte Lust, Jesus herunterzunehmen, denn er war ja noch nicht tot.\u00a0 Das tat er nicht, stattdessen tat er den letzten gro\u00dfen Schritt zum Altar und empfing Brot und Wein wie alle anderen. Als er sich erhob und zur\u00fcckging, hielt er wieder ein unter dem Kreuz, aber nun waren die Augen geschlossen. Die Augen, die ihn gesehen und vorbeigelassen hatten, so dass er wieder ein teil des ganzen wurde. Das ist das Evangelium: Dass wir glauben, dass Gott uns sieht mit unverbundenen Augen und uns wieder in die Welt schickt. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen<\/p>\n<p>DK-5000 Odense<\/p>\n<p>E-Mail: lrl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Justitia sieht mit verbundenen Augen \u2013 Gott sieht uns mit unverbundenen Augen | 9. Sonntag nach Trinitatis | Lukas 16,1-9 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Lasse R\u00f8dsgaard Lauesen | Ihre Augen waren zugebunden, vielleicht wagte er es deshalb nicht, sie anzuschauen. Einer der langen Blicke, die Sch\u00f6nheit vom K\u00f6rper eines anderen Menschen auf sich ziehen. 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