{"id":5627,"date":"2021-08-16T11:10:00","date_gmt":"2021-08-16T09:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5627"},"modified":"2021-08-18T14:45:12","modified_gmt":"2021-08-18T12:45:12","slug":"predigt-zu-markus-731-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-markus-731-37\/","title":{"rendered":"Markus 7,31-37 | \u00d6ffne dich&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201e\u00d6ffne dich\u201c \u2013 das ist der innerste Kern der Hoffnung | 22.08.2021 | Predigt zu Mk 7,31-37 | Von Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt einen Dreiklang im christlichen Glauben, der unumg\u00e4nglich ist und den alle kennen und lieben. Das sind die Worte Glaube, Hoffnung, Liebe.<\/p>\n<p>In unserer Zeit geht es wohl vor allem um den Glauben. Jedenfalls ist es der Glaube, der in den \u00f6ffentlichen Medien diskutiert wird und Gegenstand vielf\u00e4ltiger \u00dcberlegungen ist. Der Glaube wird oft als eine Haltung oder eine Art \u00dcberzeugung verstanden, vielleicht seltener auch als ein Vertrauen auf das, was man geh\u00f6rt hat. Der Glaube ist ja nicht eine eindeutige Gr\u00f6\u00dfe, sondern dasselbe Vertrauen, das man zu dem Menschen hat, der einem seine Liebe erkl\u00e4rt. Hier geht es ja nicht darum, dass man an die Existenz dessen glaubt, den man liebt, sondern man glaubt, dass der Geliebte wahr zu mir spricht. Und das Wort des Geliebten weckt und schafft den Glauben in mir. Das ist der Kern des Glaubens.<\/p>\n<p>Aber wie gesagt, vom Glauben wird viel geredet. Und wir versuchen auch, von der Liebe zu reden. Neulich las ich einen Artikel, der die moderne Liebe behandelte. Das ist eine Liebe, die nicht auf Verliebtheit beruht, wie wir das sonst seit dem 19. Jahrhundert kennen, also das, was man die romantische Liebe nennt. Aber das ist nun vorbei. Nun leben wir wieder in der Zeit der arrangierten Liebe, wo die Liebe und die Liebesbeziehung diesmal von den Algorithmen im Internetz bestimmt wird. Nun wird die Liebe von der Naturwissenschaft definiert. Und wir glauben daran. Die romantische Liebe, die auf der Verliebtheit beruhte, existierte seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts bis etwa 2010. Dann wurde sie von der arrangierten Liebe abgel\u00f6st \u2013 jetzt arrangiert durch die Algorithmen im Internet.<\/p>\n<p>Es ist schwer, die Liebe als Begriff zu fassen, aber wir versuchen von ihr zu reden, und der Kern ist ja, dass Leibe bedeutet, einander bedingungslos ausgeliefert zu sein \u2013 so wie Gott sich uns am Kreuz hingegeben hat.<\/p>\n<p>Wir reden vom Glauben, von der Liebe. Aber wie oft reden wir eigentlich von der Hoffnung?<\/p>\n<p>Hoffnung ist vielleicht das, von dem wir in unserer Zeit am allerwenigsten reden, auch wenn die Korona-Krise ein Anlass ist, wieder von Hoffnung zu reden. Neulich sah ich in einer Untersuchung, dass unsere jungen Leute fast ohne Hoffnung leben. Das klingt schlimm. Die Klimakrise droht, und existiert da \u00fcberhaupt noch eine Welt, wenn man erwachsen geworden ist? Die Hoffnung verschwindet. Die schwedische Klimaaktivistin Gretha Thunberg redet \u00fcberhaupt nicht von Hoffnung, sondern von Panik, und man kann in ihren Worten die ganze Galerie von apokalyptischen Reitern der Religionsgeschichte h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aber von Hoffnung ist selten die Rede. Hoffnung ist eine Gr\u00f6\u00dfe, von der wir allzu wenig reden, f\u00fcr Hoffnung ist kein Platz, wo alles geplant ist und ja, wo selbst die Liebe wissenschaftlich geplant wird.<\/p>\n<p>Aber Hoffnung ist eine Pflicht des Christen.<\/p>\n<p>Hoffnung ist in Wirklichkei.t das Innerste in einem Christenmenschen. Denn Hoffnung enth\u00e4lt das Wort davon, dass alles anders sein k\u00f6nnte. Es muss nicht so sein, wie es ist. Und wenn wir die Hoffnung verlieren, und das kann jedem passieren, dann sollen wir die Worte der Entsagung im Glaubensbekenntnis h\u00f6ren: Wir entsagen dem B\u00f6sen. Denn es sind die Finsternis und die dunklen Gedanken, die uns die Hoffnung rauben. Die Hoffnung kommt und w\u00e4chst aus der Erz\u00e4hlung von Jesus, dem Kind in der Krippe und dem Mann am Kreuz.<\/p>\n<p>Wenn man ohne Hoffnung ist, bleiben nur Resignation und Panik. Die Panik, das sind die letzten Kr\u00e4mpfe der Hoffnung. Die Panik ist die Verzweiflung. Und Verzweiflung bedeutet eben Hoffnungslosigkeit. Wir kennen auch den Begriff eines Desperado, eines Menschen, der alles verloren und nicht mehr zu verlieren hat.<\/p>\n<p>Die Hoffnung ist gr\u00f6\u00dfer als das. Die Hoffnung ist das, was uns f\u00fcr die Welt \u00f6ffnet. Hoffnung ist das, was uns hinaus in die Welt tr\u00e4gt, wenn sie sich uns verschlie\u00dft. Die Hoffnung kommt zu uns.<\/p>\n<p>Die Hoffnung kommt zu uns, so wie sie zu dem Taubstummen am Galil\u00e4ischen Meer kommt, wo Jesus zu ihm von au\u00dfen spricht und \u201eEffata\u201c sagt: \u00d6ffne dich!<\/p>\n<p>\u201e\u00d6ffne dich\u201c \u2013 das ist der innerste Kern der Hoffnung. \u00d6ffne dich. Die Hoffnung kommt von au\u00dfen.<\/p>\n<p>Und Hoffnung ist eine Christenpflicht.<\/p>\n<p>Denn die Hoffnung verwirft nicht die Wirklichkeit. Die Hoffnung macht uns nicht etwas vor. Sie gaukelt uns nicht leere Versprechungen vor.<\/p>\n<p>Hoffnung nimmt die Wirklichkeit ernst, auch die Probleme des Klimas, aber sie l\u00e4sst es nicht damit bewenden. Das ist eine Welt, die von Gott kommt. Eine Welt, der wir uns \u00f6ffnen k\u00f6nnen, und ein Leben, auf das wir hoffen k\u00f6nnen. Die Hoffnungslosigkeit macht uns taub und stumm. Gottes Wort \u00f6ffnet und l\u00e4sst uns wieder reden. Die Hoffnung macht uns Mut zum Leben.<\/p>\n<p>Wir kennen das sehr wohl, dass jemand die Hoffnung verloren hat. Dann verliert man auch die Sprache und den Zugang zur Welt. Dann wird man stumm und still. Aber die Hoffnung gibt einem Sprache und Zugang zur Welt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne ist Hoffnung der Kern des christlichen Glaubens hier auf Erden. Denn es kann zwar schwer sein, und wir k\u00f6nnen von Sorgen gepr\u00e4gt sein, die uns an die Erde binden, wie wir das sicher in der Korona-Krise erfahren haben, aber in Jesus Christus ist uns eine lebendige Hoffnung gegeben, die stets die Welt \u00f6ffnen wird. Eine lebendige Hoffnung, die sowohl au\u00dferhalb von uns als auch vor und in uns lebt. In uns als eine Gabe bei der Taufe und au\u00dferhalb von uns als eine Gr\u00f6\u00dfe, die wir selbst weder beherrschen sollen noch k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Hoffnung leben hei\u00dft nicht naiv leben, es bedeutet vielmehr, dass wir nicht in Panik verfallen und in Tristesse versinken, sondern wir \u00f6ffnen uns wie bei einem Effata durch Jesu Wort von der Welt und dem Leben, das uns Gott geschenkt hat und wo Gott immer mehr will, als wir ahnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Deshalb ist es die Pflicht eines Christenmenschen zu hoffen. Die Hoffnung enth\u00e4lt den Glauben daran, dass das Wort Gottes wahr ist und dass dieses Wort die Liebe enth\u00e4lt, die wir brauchen.<\/p>\n<p>Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Propst Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p>DK 9800 Hj\u00f8rring<\/p>\n<p>Email: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u00d6ffne dich\u201c \u2013 das ist der innerste Kern der Hoffnung | 22.08.2021 | Predigt zu Mk 7,31-37 | Von Thomas Reinholdt Rasmussen | Es gibt einen Dreiklang im christlichen Glauben, der unumg\u00e4nglich ist und den alle kennen und lieben. Das sind die Worte Glaube, Hoffnung, Liebe. 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