{"id":5715,"date":"2021-09-01T12:18:05","date_gmt":"2021-09-01T10:18:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5715"},"modified":"2021-09-01T12:18:50","modified_gmt":"2021-09-01T10:18:50","slug":"1-thessalonicher-514-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-514-25\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 5,14-25"},"content":{"rendered":"<h3>14. So. n. Trinitais 2021 | 1.Thess. 5, 14-25 | von Stephan Lorenz |<\/h3>\n<p><em>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen<\/em><\/p>\n<p>Als \u00dcberschrift \u00fcber den heutigen Sonntag k\u00f6nnte taugen, was Paulus an die Christen in Rom geschrieben hat: <em>\u00a0Alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, sind Kinder Gottes. <\/em>Nur, was meint er damit konkret? Eine Antwort k\u00f6nnte der Predigttext geben.\u00a0 Ein Abschnitt aus dem 1. Brief an die Christen in Thessaloniki.<\/p>\n<p><em>\u201eLiebe Br\u00fcder und Schwestern, k\u00fcmmert euch um die, die keine Ordnung kennen, muntert die \u00c4ngstlichen auf, helft den Schwachen, habt Geduld mit allen. Keiner zahle B\u00f6ses mit B\u00f6sem heim, versucht vielmehr immer Gutes zu tun. Dabei seid alle Zeit fr\u00f6hlich. H\u00f6rt nicht auf zu Beten. Dankt Gott. Das ist der Wille Gottes und er hat es durch Jesus Christus uns m\u00f6glich gemacht und euch gezeigt. Lasst den Heiligen Geist nicht erl\u00f6schen. Achtet prophetische Gaben nicht gering. Pr\u00fcft alles kritisch, das Gute behaltet. Vor allen Verkleidungen des Satans haltet euch fern.\u00a0 Gott, der allein Heil und Frieden schenkt, lasse euch immer mehr sein Heiliges Volk und Eigentum werden. Er beh\u00fcte euch ganz an eurem Innersten, am Herzen und am Leib, damit ihr ohne Tadel seid, wenn unser Herr Jesus Christus wiederkommt. Der euch ruft, ist der treue Gott. ER wird tun, was er versprochen hat.\u201c<\/em> (alle \u00dcbersetzung: Berger\/Nord)<\/p>\n<p>Eine lange Liste von Ratschl\u00e4gen. Wie kommt Paulus dazu, so aus Korinth zu schreiben, wo er gerade versucht eine Gemeinde aufzubauen. Thessaloniki war seine erste Gr\u00fcndung. Lange hatte er von ihr nichts geh\u00f6rt. Timotheus bringt endlich ein paar Nachrichten aus Thessaloniki. Die Freude \u00fcber das Leben der Gemeinde ist gro\u00df. <em>\u201eWir haben allen Grund, euretwegen Gott unaufh\u00f6rlich zu danken\u2026 ihr habt gezeigt, dass die Botschaft wirklich bei euch angekommen ist.\u201c<\/em> und: \u201e<em>Ihr seid unser Stolz und unsere Freude.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aber es gibt auch Fragen und Probleme. Die Thessalonicher hatten Paulus offenbar so verstanden, dass Christus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommt. Nun versterben die ersten, und sie fragen sich: Wie ist das mit der Wiederkunft Christi? Wie sollen wir uns das vorstellen? Die Antwort hat ja unmittelbare Auswirkungen auf unser jetziges Leben und Verhalten als Christen.<\/p>\n<p>Paulus antwortet mit einer ziemlich konkreten Vorstellung. Sie entspricht einer apokalyptischen Tradition des Judentums. \u00a0<em>\u201eIch will euch gerne etwas \u00fcber die entschlafenen Christen sagen, damit ihr nicht so traurig sein m\u00fcsst, wie die anderen Menschen, die keine Hoffnung haben.\u201c<\/em>\u00a0 Wenn es soweit sei, werde der Erzengel rufen, die Posaune Gottes werde erschallen. Jesus steige vom Himmel herab, die Toten w\u00fcrden auferstehen. Danach w\u00fcrden die noch Lebenden zusammen mit Christus in den Himmel entr\u00fcckt. So w\u00fcrden alle mit Christus vereint werden.<\/p>\n<p>Das scheinen einige Gemeindemitglieder so verstanden zu haben, als st\u00e4nde die Wiederkunft Christi unmittelbar bevor. Deshalb muss Paulus gleich noch einen zweiten Brief hinterherschicken, indem er betont, dass vorher noch einiges geschehen werde. Vorher werde der Erzb\u00f6se noch sein Unwesen, viele verwirren und zum Abfall vom wahren Gott treiben. Auch das entspricht der apokalyptischen\u00a0 Tradition. Ob seine Antworten die Thessalonicher \u00fcberzeugt hat, bleibt offen.<\/p>\n<p>Die ersten Christen mussten jedenfalls lernen, dass die Wiederkunft Christi nicht zu ihren Lebzeiten stattfinden w\u00fcrde. Aus der Naherwartung wurde eine Wiederkunft Christi am Ende der Zeit. Termin unbestimmt. Parusieverz\u00f6gerung nennen die Theologen das. In der ganzen Ambivalenz vielleicht klassisch ausgedr\u00fcckt von Matth\u00e4us. Dort sagt Jesus:<\/p>\n<p><em>\u201eAmen, denen die jetzt leben, wird das alles noch widerfahren. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht. Welcher Tag und welche Stunde es sein werden, das wei\u00df nur Gott, der Vater, allein, und kein Mensch, auch die Engel und selbst der Sohn wissen es nicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u201eUnd was hat das jetzt mit uns zu tun?\u201c &#8211; fragen Sie sich vielleicht. Ganz erledigt ist das Thema nicht. Denn gerade haben wir im Glaubensbekenntnis gesprochen: <em>\u201e\u2026. von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.\u201c<\/em> \u00a0Die Wiederkunft Christi ist nicht erledigt. Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Aber: Wenn bei den ersten Christen die Verwirrung gro\u00df war, dass Christus nicht zu ihren Lebzeiten erschien, w\u00e4re unsere Verwirrung vermutlich noch gr\u00f6\u00dfer, wenn Christus heute erschiene. Aus der unmittelbaren Naherwartung ist ein unbestimmter Tag am Ende der Geschichte geworden. Sp\u00f6tter nennen ihn St. Nimmerleins\u2019s Tag. Durch die Verz\u00f6gerung entsteht jedoch ein Zwischenraum, der sich auf dieses Geschehen ausrichtet. Eine Geschichte entsteht, unsere christliche. Sie bezieht ihre Dynamik durch Aufschub, Verz\u00f6gerung.<\/p>\n<p>Die Frage entsteht nun: Wie f\u00fcllen wir Christen diesen Zwischenraum aus. Einige in Thessaloniki haben sich auf den Standpunkt gestellt: Wir sind getauft. Wir sind Heilige und Erben Gottes. Die Partie ist gelaufen, es kommt auf nichts mehr an. Dieser Haltung widerspricht Paulus vehement. Er schreibt ihnen: <em>\u201eDass Gott uns berufen hat, bedeutet nicht, dass es nun auf nichts mehr ankommt, sondern er hat uns in die Heiligkeit hineingerufen, und das hei\u00dft Unterscheidung, bei der es sehr wohl auf alles ankommt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das ist der Punkt, von dem her unser Predigttext seinen Sinn bekommt. Aus der Dynamik der Verz\u00f6gerung entsteht christliche Ethik. Eine Haltung dem Leben, den Mitmenschen und Gott gegen\u00fcber, die den Unterschied macht:<\/p>\n<p><em>\u201eK\u00fcmmert euch um die, die keine Ordnung kennen, muntert die \u00c4ngstlichen auf, helft den Schwachen, habt Geduld mit allen. Keiner zahle B\u00f6ses mit B\u00f6sem heim, versucht vielmehr immer Gutes zu tun. Dabei seid alle Zeit fr\u00f6hlich\u2026 Pr\u00fcft alles kritisch, das Gute behaltet\u2026 damit ihr ohne Tadel seid, wenn unser Herr Jesus Christus wiederkommt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir in der Zeit des Aufschubs, im geschichtlichen Zwischenraum als Christen leben. Hier gilt: <em>Alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, sind Kinder Gottes.<\/em><\/p>\n<p>Es gibt noch eine andere Antwort der ersten Christen, wie die Verz\u00f6gerung der Wiederkunft gelebt werden kann. Die erste Antwort ist eine ethische, die zweite eine liturgische. Sie entsteht in der Jerusalemer Gemeinde im Abendmahl, das wir gleich feiern werden. In dieser Abendmahlsliturgie finden wir die aram\u00e4ischen Worte: \u201eMaran ata.\u201c \u00dcbersetzt \u201eUnser Herr kommt\u201c. \u00a0Die Jerusalemer Gemeinde feiert im Abendmahl mit den Deuteworten zu Brot und Wein den am Kreuz gestorbenen, von Gott auferweckten Jesus als den, der in Herrlichkeit wiederkommen wird. \u00a0Sie verk\u00fcndet Tod und Auferstehung Jesu bis er kommt. (1. Korinther 11,26) Im Korintherbrief verbindet Paulus den liturgischen mit dem ethischen Aspekt, wenn er schreibt: <em>Wer in unw\u00fcrdiger Weise vom Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich am Leib und am Blut des Herrn schuldig.<\/em><\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir in der Zeit der Verz\u00f6gerung, im geschichtlichen Zwischenraum, der unser Leben ausmacht, als Christen leben. Mit einer Lebensf\u00fchrung, einer Ethik, die einen Unterschied macht, damit wir ohne Tadel sind, wenn Christus wiederkommt: \u00a0\u00a0<em>Alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, sind Kinder Gottes <\/em>&#8211; und indem wir im Abendmahl seinen Tod und seine Auferstehung feiern, bis er wiederkommt: <em>\u201eMaran ata\u201c<\/em> \u2013 unser Herr kommt!<\/p>\n<p><em>Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Predigt zum 14. So. n. Trinitais 2021, gehalten in Carvoeiro, Portugal von Pastor i.R.\u00a0Stephan Lorenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14. So. n. Trinitais 2021 | 1.Thess. 5, 14-25 | von Stephan Lorenz | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. 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