{"id":5718,"date":"2021-09-01T12:23:30","date_gmt":"2021-09-01T10:23:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5718"},"modified":"2021-09-01T12:23:30","modified_gmt":"2021-09-01T10:23:30","slug":"1-thessalonicher-512-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-thessalonicher-512-24\/","title":{"rendered":"1. Thessalonicher 5,12-24"},"content":{"rendered":"<h3>Segensworte aus der christlichen Reiseapotheke | 14. Sonntag nach Trinitatis | 05.09.2021 | Predigt zu 1. Thess 5, 12-24 | verfasst von Ralf Reuter |<\/h3>\n<p>Im Reiserucksack des Paulus muss es auch so eine kleine Tasche mit allerlei n\u00fctzlichen Dingen gegeben haben. Taschenlampe, Thermoskanne, Landkarte, Handcreme, das habe ich meist dabei, manchmal auch Bibel und Gesangbuch. In den Koffer geh\u00f6ren ja nicht nur Kleider und W\u00e4sche, gerade diese kleinen Hilfsmittel sind wichtig. Da sitzt er also in Korinth und schreibt seiner Gemeinde in Thessaloniki einen Brief. Es ist tats\u00e4chlich das \u00e4lteste Dokument des Neuen Testamentes. Paulus ist noch jung, er erz\u00e4hlt ihnen von den gro\u00dfen Themen des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung. Ganz zum Schluss packt er noch einige Worte als Gastgeschenke hinein. \u201eSeid allezeit fr\u00f6hlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.\u201c Er hat offenbar einen ganzen Vorrat von diesen Ratschl\u00e4gen oder Maximen. \u201eAchtet, die sich unter euch m\u00fchen\u201c und \u201etr\u00f6stet die Kleingl\u00e4ubigen, tragt die Schwachen\u201c.<\/p>\n<p>So ganz genau kann ich diese Spr\u00fcche am Ende des Briefes gar nicht einordnen. Sind es tats\u00e4chlich Ermahnungen? Mir erscheinen sie eher wie gute Worte, kleine ethische Rationen aus der paulinischen Hausapotheke. \u201eHaltet Frieden untereinander\u201c, und \u201emeidet das B\u00f6se in jeder Gestalt.\u201c K\u00fcrzer und klarer kann es gar nicht gesagt werden, worauf es ankommt, bei uns zuhause und auf der ganzen Welt. \u201eSeht zu, dass keiner dem anderen B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, f\u00fcreinander und f\u00fcr jedermann.\u201c Und wunderbar in unseren Gemeinden zu gebrauchen, f\u00fcr die Aufbr\u00fcche ins Leben, die Neubesinnung auf das, was Gott mit seiner Kirche vorhat: \u201eDen Geist l\u00f6scht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Pr\u00fcft aber alles und das Gute behaltet.\u201c Das alles spricht er den Seinen zu, \u201edenn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus f\u00fcr euch.\u201c<\/p>\n<p>Mit meinem Gep\u00e4ck war ich in diesem Sommer im S\u00fcden Frankreichs unterwegs. Dabei waren auch B\u00fccher der Schriftsteller, die dort ab 1940 im franz\u00f6sischen Exil waren, wie Anna Seghers und ihr Roman Transit. Wo kann man sonntags zur Kirche gehen? Mir viel nur der Dom in Marseille ein, wo ich noch nie war. Um 10 waren wir nach eineinhalb Stunden Fahrt entlang an der K\u00fcste tats\u00e4chlich am Hafen, doch im Dom gab es nur Touristen. Zwei M\u00e4nner in dunkler Kleidung, die wir uns trauten anzusprechen, sagten: Die Messe ist in der Kirche St. Laurent, in einer viertel Stunde. Die alte Seefahrerkirche von 1153 ist beim systematischen Zerbomben der alten H\u00e4user des Hafens durch die deutsche Besatzung Gott sei Dank unversehrt geblieben. Nach der Messe sprach ich den Priester an und stellte mich als deutscher Pastor vor. Ja, sagte er, ich habe einen lutherischen Freund, der hat mir viel von Dietrich Bonhoeffer erz\u00e4hlt. Er gab mir damit das richtige Wort mit auf den Weg.<\/p>\n<p>Mit diesem Namen war nicht nur die gesamte historische Situation erfasst, diese schreckliche Zeit damals, sondern auch eine Orientierung am Wort Gottes, an der Aufgabe der Vers\u00f6hnung. \u00a0Und ich konnte antworten und ihm zum Abschied sagen: \u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag\u201c. Es war ein Spruch aus meinem pers\u00f6nlichen Vorrat. Ich trage ja wie viele Menschen eine Reihe solcher Glaubenss\u00e4tze in meinem Herzen und kann sie jederzeit herausholen. Hier hat mich die eigene Ergriffenheit aktiv werden lassen.<\/p>\n<p>Oft genug unterbleibt das Auspacken dieser Sch\u00e4tze. Ich vermute, so geht es Vielen. Wir trauen uns nicht, sie herauszuholen und anderen zukommen zu lassen. Doch im Nachhinein, zuhause von der Reise, wieder mitten in den Tagen des Arbeitens, da denke ich oft daran. Wie ein Gastgeschenk, ein wunderbares Mitbringsel, eine Reliquie des Glaubens erscheint mir der Name von Bonhoeffer, den ich in Marseille h\u00f6rte, als Deutscher von einem franz\u00f6sischen Priester. Und gut, dass ich mich zu antworten traute, leise zwar, aber hoffentlich vernehmlich, von guten M\u00e4chten.<\/p>\n<p>Auf der Reise des Lebens begleiten uns nicht nur die gro\u00dfen Themen, nicht nur der Weltfriede, die Erderw\u00e4rmung, die Suche nach Gott, die Bew\u00e4ltigung der Zeit. Sie haben wir alle in unseren Koffern. F\u00fcr sie kleidet Paulus seine Gemeinde deshalb mit dem Kleid des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung ein. Doch ebenso hilfreich, gerade f\u00fcr den Tag und die Woche, sind die guten W\u00fcnsche, die er den Glaubenden in allen seinen Briefen am Schluss zuspricht. Immer wieder anders in den einzelnen Briefen, je nach der konkreten Situation. Es ist zu sp\u00fcren, wie er sich M\u00fche gibt, sie weiterzuentwickeln, anzupassen, er feilt an ihnen sein Leben lang weiter.<\/p>\n<p>Es sind Segensgr\u00fc\u00dfe, so wie wir Kinder aus dem Hause zur Schule schicken, \u201ekomm gut wieder\u201c, \u201epass auf die Stra\u00dfe auf\u201c, und wir winken, sprechen in Gedanken ein \u201ebleib beh\u00fctet\u201c. Dies neu zu lernen, sich trauen, dies auch auszusprechen, das w\u00fcnsch ich mir. In Briefen und Mails aus dem Bereich der Kirche finden wir manchmal solche Spr\u00fcche, in den pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen d\u00fcrfen sie beim Abschied mehr werden. In diesen Zeiten der Pandemie-Einschr\u00e4nkungen sind wir vieles nicht mehr gewohnt, aber auch fr\u00fcher schon fehlten die Segensworte. Ein neuer Aufbruch in die kommende Zeit, so wie Paulus aufgebrochen ist, seine Reisen machte und hilfreiche Briefe schrieb. Ein Aufbruch, in dem wir die frohe Botschaft Gottes anderen schenken. Nicht nur in gro\u00dfen Reden, viel mehr mit kleinen Trostworten, liebevollen S\u00e4tzen, die ihnen guttun und helfen. In denen schon die gro\u00dfe Liebe Gottes enthalten ist, der ganze Glaube an Jesus Christus, und die tragende Hoffnung auf dem Weg in die Ewigkeit.<\/p>\n<p>Meist sind es Worte, die tr\u00f6sten, die wachr\u00fctteln, die helfen, die gutes Geleit geben. In den Orten des Lebens, in den Begegnungen mit Menschen, im Urlaub in Marseille, im Alltag zuhause. Neben den Bibelspr\u00fcchen treten Verse aus Liedern dazu, die Namen von Menschen, die uns inspirieren, Ereignisse, die pr\u00e4gen. Sie sind wichtig f\u00fcr die Navigation von Zukunft. Dann auch Zeichen des Segens, Gesten der Zuwendung, wohltuende Blicke, wo das H\u00e4ndereichen und in den Arm nehmen nicht m\u00f6glich ist. Miteinander unterwegs sein, auf dem Weg in die Zukunft Gottes, in den Gemeinden unserer Kirche ist dies vielleicht das Wichtigste. Es gilt aber auch f\u00fcr die Unternehmen und Betriebe, in denen Menschen arbeiten und Geld verdienen. Sicherlich noch einmal anders, aber ohne Worte und Zeichen der Orientierung und Verbundenheit wird es dauerhaft auch dort nicht gehen. Und f\u00fcr unsere Welt bleibt es eine Aufgabe, die wir Christen mit vielen anderen Menschen verantwortungsvoll angehen, mit allen, die hilfreiche Worte kennen und auf der Zunge tragen.<\/p>\n<p>Mit der christlichen Reiseapotheke des Paulus auf Reisen gehen, mit den Gastgeschenken und Mitbringseln am Ende seiner Briefe, wunderbar ist das. Pr\u00fcft alles, und das Gute behaltet, wie mit dem Licht der Taschenlampe aus meinem Rucksack; wie die Thermoskanne, die die Schwachen mit einem st\u00e4rkenden Trunk w\u00e4rmt und tr\u00f6stet; die Landkarte, um dem B\u00f6sen aus dem Wege zu gehen und es zu meiden; die Handcreme Gottes, mit der der Frieden gehalten wird, die H\u00e4nde und Herzen ergriffen werden; die Freude, die im Gesangbuch klingt, die uns neue Lieder singen l\u00e4sst; der Geist, den die Bibel verbreitet, der aus dem Rucksack springt und Segen verbreitet.<\/p>\n<p>Ja, es sind Segensworte aus der christlichen Reiseapotheke, nach Anlass und Situation zusammengestellt und ein Leben lang weiterentwickelt. In ihnen ruft Gott durch uns in seine Zukunft. Diese seine und unsere Worte sind es, die dann Kraft geben, Mut und St\u00e4rke zusprechen, zu Leuchtt\u00fcrmen werden im unruhigen Meer der Zeit, zu Geist vom Himmel, als Kompass der Seele. Wir tragen sie an unserem Leib, h\u00fcten sie im Herzen, f\u00fchren sie auf der Zunge. Aktivieren so die Kommunikation von Gott zu seinen Menschen und den Menschen untereinander, verbreiten Segen wie Paulus seiner geliebten Gemeinde in Thessaloniki und allen, die das Wort Gottes h\u00f6ren und aufnehmen: \u201eEr aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig f\u00fcr das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der der euch ruft; er wird\u2019s auch tun.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Ralf Reuter<\/p>\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Ralf.Reuter@evlka.de\">Ralf.Reuter@evlka.de<\/a><\/p>\n<p>Ralf Reuter ist Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft in der Ev. Luth. Landeskirche Hannovers und zugleich Pastor an der Friedenskirche G\u00f6ttingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Segensworte aus der christlichen Reiseapotheke | 14. 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