{"id":5720,"date":"2021-08-30T12:24:22","date_gmt":"2021-08-30T10:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5720"},"modified":"2021-09-01T12:27:03","modified_gmt":"2021-09-01T10:27:03","slug":"predigt-zu-lukas-1711-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-1711-19\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 17,11-19"},"content":{"rendered":"<h3>Der Universalismus des Christentums und die Abkehr von der Selbstgef\u00e4lligkeit | 14. Sonntag nach Trinitatis | Lukas 17,11-19 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Elof Westergaard |<\/h3>\n<p>Jesus heilt die die zehn Auss\u00e4tzigen. Er schickt die Kranken zum Tempel, sagt, dass sie dort hingehen sollen, um die obligatorische Erkl\u00e4rung zu bekommen, dass sie gesund sind. Auf dem Wege dorthin werden sie alle geheilt.<\/p>\n<p>Nur einer der zehn (und das ist sogar ein Fremder) kehrt jedoch zur\u00fcck zu Jesus und dankt ihm.<\/p>\n<p>Jesus fragt nun: \u201eWo sind aber die anderen neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrt, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?\u201c<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Es w\u00e4re an der Ordnung gewesen, wenn die anderen neun Geheilten auch zur\u00fcckgekehrt w\u00e4ren und ihm gedankt h\u00e4tten. Aber es geht in diesem Evangelium um mehr als die Frage nach allgemeiner H\u00f6flichkeit und gutem Benehmen.<\/p>\n<p>*<\/p>\n<p>Zwei Themen spielen hier eine Rolle: Die Betonung der Universalit\u00e4t des Christentums und die Entlarvung der menschlichen Selbstgen\u00fcgsamkeit.<\/p>\n<p>Was die Universalit\u00e4t des Christentums angeht:<\/p>\n<p>Eine starke durchgehende Pointe bei dem Evangelisten Lukas ist dies, dass es oft die Fremden sind, die das Richtige tun, in diesem Fall Jesus daf\u00fcr danken, dass sie gesund geworden sind, d.h. Gott daf\u00fcr danken, dass sie einen gew\u00f6hnlichen Alltag wiederbekommen haben.<\/p>\n<p>Am letzten Sonntag h\u00f6rten wir das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,23-37). Der fremde Samariter hilft, w\u00e4hrend sowohl der \u00f6rtliche Priester als auch der Schriftgelehrte am \u00dcberfallenen vorbeigehen.<\/p>\n<p>Die erbauliche Pointe in beiden Lesungen aus dem Lukasevangelium ist die, dass der christliche Glaube nicht nur etwas f\u00fcr ein bestimmtes Volk ist und eine bestimmte Gruppe von Menschen. Der christliche Glaube ist f\u00fcr alle, und im Werk Jesu werden andere einbezogen als die, mit denen wir gerade rechnen. Der Geist, den Jesus schickt, gedeiht und w\u00e4chst auch unter denen, die uns fremd sind.<\/p>\n<p>Was die menschliche Selbstgef\u00e4lligkeit anbetrifft: Die neun, die nicht zur\u00fcckkehren, um Gott die Ehre zu geben f\u00fcr ihre Heilung, offenbaren etwas Zentrales und nicht besonders Lobenswertes in unserer menschlichen Natur.<\/p>\n<p>In einem Vortrag \u00fcber die Arbeit des Politikers \u2013 der 1919 in M\u00fcnchen gehalten wurde \u2013 entlarvte der deutsche Soziologe Max Weber uns Menschen, indem er sagte, dass wir in neun in zehn F\u00e4llen Windbeutel sind. Wir lassen n\u00e4mlich unsere Gesinnung verbiegen statt standzuhalten und verantwortlich zu handeln. Es hehlt ein innerer Ernst bei den meisten Menschen, und wir verm\u00f6gen es nicht, an dem festzuhalten, was wir eigentlich wichtig finden.<\/p>\n<p>Max Weber liefert mit diesen Worten ein treffendes Bild f\u00fcr die oft verantwortungslose Natur des Menschen und die fehlende \u00dcbereinstimmung zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir tun.<\/p>\n<p>Max Weber entlarvt jedoch nicht nur uns Menschen, denn es geht ihm darum, dass er einen Menschen sieht, der die Verantwortung f\u00fcr sein Tun \u00fcbernimmt, einh\u00e4lt und sagt: Hier stehe ich und kann nicht anders. Pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung und ethische Verantwortung k\u00f6nnen sich miteinander verbinden, sagt Max Weber.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob der Vergleich ganz trifft, aber da ist hier jedenfalls ein Bezug zu dem einen Geheilten, der zur\u00fcckkehrte zu Jesus und ihm dankte. Das ist etwas Vorbildliches in diesem mannhaften Tun. Das war wohl eine pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung in Verbindung mit einer ethischen Verantwortlichkeit, die ihn dazu veranlasste, Jesus wieder aufzusuchen und ihm zu danken.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns in diesem Sinne von diesem Mann inspirieren lassen, wohl wissend, dass wir selbst wohl zu den neun geh\u00f6ren, die so schnell mit unserem eigenen Leben besch\u00e4ftigt sind und vergessen, Gott zu danken und unseren N\u00e4chsten zu sehen.<\/p>\n<p>Deshalb sollte dies unser Gebet sein:<\/p>\n<p>Gott,<\/p>\n<p>Vater, Sohn und Heiliger Geist,<\/p>\n<p>bei dir ist der Himmel hoch.<\/p>\n<p>Blau und hell leuchtest du \u00fcber uns,<\/p>\n<p>zugleich bist du mitten unter uns<\/p>\n<p>in der Gestalt eines Menschen.<\/p>\n<p>Deine Gnade reicht von Ost nach West<\/p>\n<p>und reicht \u00fcber alle Grenzen.<\/p>\n<p>Wir bitten dich:<\/p>\n<p>Erbarme dich \u00fcber uns,<\/p>\n<p>wenn wir um uns selbst kreisen<\/p>\n<p>und vergessen, dir f\u00fcr das Leben zu danken.<\/p>\n<p>Lass deinen Geist uns aufrechterhalten,<\/p>\n<p>und lass deine Gnade uns tragen,<\/p>\n<p>du, der du bist von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Bischof Elof Westergaard<\/p>\n<p>Korsbr\u00f8dregade 7<\/p>\n<p>DK 6760 Ribe<\/p>\n<p>eve(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Universalismus des Christentums und die Abkehr von der Selbstgef\u00e4lligkeit | 14. 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