{"id":5780,"date":"2021-09-13T18:21:28","date_gmt":"2021-09-13T16:21:28","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5780"},"modified":"2021-09-14T11:32:23","modified_gmt":"2021-09-14T09:32:23","slug":"5780-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/5780-2\/","title":{"rendered":"Klagelieder 3,22-26;31"},"content":{"rendered":"<h3>\u00a0\u201eDarum hoffe ich noch&#8230;\u201c | Klagl 3, 22 \u2013 26, 31 \u2013 32 | 16. So n. Trinitatis | von Michael Plathow |<strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>Gebet: Phil 2, 5 \u2013 11 (EG 586)<\/p>\n<p>Predigttext nach BasisBibel: Klagl 3, 22 \u2013 26. 31 \u2013 32<\/p>\n<p>\u201eDarum hoffe ich noch\u2026!\u201c &#8211; leise kam es \u00fcber ihre Lippen. Wochen der Sorge und Angst lagen hinter ihr: Diagnosen und Therapievorschl\u00e4ge, dann die mehrst\u00fcndige Operation mit folgender Besserung. Und nun der erneute Negativbescheid. &#8211; Entt\u00e4uschung, Schweigen bei ihrem Mann und den Kindern. Und sie? &#8211; Sie sagte leise: \u201eDarum hoffe ich noch\u2026!\u201c<\/p>\n<p>Vergleichbar spricht das soeben geh\u00f6rte 3. Klagelied, das dem Propheten Jeremia zugeschrieben wird. Die \u201eBasis Bibel\u201c f\u00fchrt die alphabetische Gliederung dieses Klagepsalms vor Augen. Gesungen wurde das Lied nach der Zerst\u00f6rung Jerusalems im Jahr 587. Ein Trauma. Alles war zerst\u00f6rt, zusammen gebrochen: Lebensprojekte und Gesch\u00e4ftsmodelle, geistliche Heimat, physisches Wohlsein und psychische Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Nicht wenige erleben das in diesen Monaten der lebenswidrigen Pandemie. Zugleich aber erfahren sie auch mitmenschliche Solidarit\u00e4t: Insolvenz, aber auch staatliche Hilfe; Krankheit, aber auch professionelle Pflege; Einsamkeit, aber auch Zeichen der Liebe.<\/p>\n<p>Hier in diesem Gebet steigen bedr\u00fcckende Trauer und bittere Klage gen Himmel, ja, Anklage gegen Gott. Fern und verborgen sei er. Solche Klagen und Anklagen kamen und kommen immer wieder \u00fcber die Lippen. Abwesend scheint der lebendige Gott, der Gott der Verhei\u00dfungen. Der Beter schreit seine Not heraus. Wer klagt, jammert nicht; wer klagt, hofft. Angefochten und zweifelnd sehnt er Gottes N\u00e4he und Hilfe herbei.<\/p>\n<p>Zugleich geht der Beter in sich: \u201eDies nehme ich mir zu Herzen\u201c. Er erkennt den Riss mit Gott; dem Willen Gottes hat er sich verschlossen. Er gesteht seine Schuld.<\/p>\n<p>Und da die Wende. Dem leidvollen Herzen flie\u00dft der Mund \u00fcber. Er bekennt: \u201eDennoch will ich meine Hoffnung auf den Herrn setzen\u201c (Ps 71, 23). Gottes G\u00fcte, Gottes \u201eAber\u201c, ist\u00b4s, dass er nicht am Ende ist. Die Klagepsalmen er\u00f6ffnen so nach dem Gebet aus der Tiefe mit einem \u201eAber\u201c die Kehrtwende: \u201eIch aber vertraue darauf, dass du gn\u00e4dig bist\u201c (Ps 13, 6). Die Klage ist Ausdrucks der Zuversicht und des Glaubens.<\/p>\n<p>Der Beter klammert sich an Gottes Ja hinter dem Nein. Hoffend wendet er sich zu dem, der f\u00fcr, nicht gegen, ihn ist. Zuversichtlich wirft er sich in die Arme dessen, der ihm gut ist und der wirklich helfen kann: hin zum lebendigen Gott. Denn Gottes Verhei\u00dfung gilt. Sein Erbarmen hat noch lange kein Ende. Gott ist ihm n\u00e4her, als er sich selbst ist. Und im Gebet flieht er hin zu dem, der ihm vorausgehend nahe ist.<\/p>\n<p>In Jesus Christus offenbart sich Gott so, wie er eigentlich ist. Er \u00f6ffnet sein Inneres, sein Herz. Gott selbst ist es, der bekennen l\u00e4sst: \u201eSeine G\u00fcte h\u00f6rt nicht auf\u201c. Seine Treue ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Durch und durch, bis an die Nieren, geht dem nicht leidenschaftslosen Gott unsere Verwundung an, unser Leid. Im erschreckenden, zugleich anst\u00f6\u00dfigen Schrei Jesu am Kreuz: \u201eMein Gott, mein Vater, warum hast du mich verlassen\u201c wird es einmalig laut. Alle Klagen klingen mit im Schrei des Sohnes zum Vater. Verwundet, gekreuzigt, erniedrigt am tiefsten Punkt ist er. Und gerade so ist er es, der stellvertretend in hingebender Liebe die Menschen mit Gott vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Gott der Vater \u201eaber\u201c erh\u00f6rt und erh\u00f6ht ihn. Gott setzt ihn ins Recht. Und in der Auferstehung hat Christus die letztg\u00fcltige Macht von Leid und Tod \u00fcberwunden: Christus victor, der Sieger. Vers\u00f6hnung mit Gott und untereinander schenkt er allen, die mit ihm Gemeinschaft haben. Erl\u00f6sung verhei\u00dft er allen, die in der noch unerl\u00f6sten Welt auf ihn hoffen. Und denen, die im tiefen Leid auf Gottes G\u00fcte und Erbarmen vertrauen, wird der Mund ge\u00f6ffnet zum Bekennen: \u201eJesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes des Vaters\u201c (Phil 2, 11).<\/p>\n<p>Ja, der lebendige Gott, von geduldiger Treue und gro\u00dfer G\u00fcte, verst\u00f6\u00dft nicht auf immer. Hat er heimgesucht und betr\u00fcbt, so ist er doch barmherzig nach der F\u00fclle seiner Gnade. \u201eGott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft\u201c (Ps 68, 20f). Seine Gnade ist gro\u00df alle Morgen neu. Denn\u00a0 &#8211; wie der Wochenspruch bekennt &#8211; \u201eChristus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unverg\u00e4ngliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium\u201c (2 Tim1, 10b). So setze ich meine Hoffnung auf den Herrn.<\/p>\n<p>Und &#8211; Gott sei Dank! Bei der anfangs erz\u00e4hlten Frau erf\u00fcllte sich ihre Hoffnung. Durch \u00e4rztliche Kunst wurde ihr eine weitere Lebenszeit mit Einschr\u00e4nkungen von Gott geschenkt. \u201eDarum hoffe ich noch \u2026!\u201c<\/p>\n<p>Und so bete auch ich mit dem Lied:<\/p>\n<p>\u201eMeine Hoffnung und meine Freude,<\/p>\n<p>meine St\u00e4rke, mein Licht,<\/p>\n<p>Christus, meine Zuversicht.<\/p>\n<p>Auf ihn vertrau ich und f\u00fcrcht\u00b4mich nicht,<\/p>\n<p>auf ihn vertrau ich und f\u00fcrcht\u00b4mich nicht\u201c. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Prof. Dr. Michael Plathow, Pfr. i. R.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eDarum hoffe ich noch&#8230;\u201c | Klagl 3, 22 \u2013 26, 31 \u2013 32 | 16. So n. Trinitatis | von Michael Plathow |\u00a0 Gebet: Phil 2, 5 \u2013 11 (EG 586) Predigttext nach BasisBibel: Klagl 3, 22 \u2013 26. 31 \u2013 32 \u201eDarum hoffe ich noch\u2026!\u201c &#8211; leise kam es \u00fcber ihre Lippen. 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