{"id":5882,"date":"2021-10-05T15:24:11","date_gmt":"2021-10-05T13:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5882"},"modified":"2021-10-05T15:24:11","modified_gmt":"2021-10-05T13:24:11","slug":"markus-21-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-21-12\/","title":{"rendered":"Markus 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Das Wort der Taufe von der Macht der Liebe | <\/strong>19. Sonntag nach Trinitatis | Markus 2,1-12 (d\u00e4nische Periokopenordnung) | Von Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p>Die ersten Worte, die bei einer Taufe gelesen werden, sind die Worte aus dem Matth\u00e4usevangelium: \u201eMir ist gegeben alle Macht\u201c. Das sind deutliche Worte dar\u00fcber, dass alle Macht Jesus gegeben ist und dass ihm diese Macht von Gott \u00fcbertragen ist.<\/p>\n<p>\u201eMir ist gegeben alle Macht\u201c, hei\u00dft es da.<\/p>\n<p>Aber wenn die Worte so ausgesprochen und gesagt sind, hat man ja eigentlich noch nichts gesagt. Denn was ist das eigentlich f\u00fcr eine Macht, von der hier die Rede ist? Was ist das f\u00fcr eine Macht, die Gott hat, und was f\u00fcr eine Macht ist das, die er Jesus \u00fcbertragt oder anvertraut? Was f\u00fcr eine Macht ist ihm gegeben?<\/p>\n<p>Es hei\u00dft ja, \u201emir ist gegeben alle Macht\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Debatte \u00fcber die Allmacht Gottes<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahren war in den Zeitungen in D\u00e4nemark eine gro\u00dfe Debatte \u00fcber die Frage, um was f\u00fcr eine Macht es sich handelt, wenn wir von der Macht und Allmacht Gottes reden. Das ist eine Debatte, die sicher aus der Koexistenz mit dem Islam entsprungen ist. Und das Problem ist ja, wenn Gott allm\u00e4chtig ist, also alle Macht hat, warum dann alle diese Widrigkeiten und sogar Leiden, die wir ertragen m\u00fcssen? Warum verhindert Gott das nicht, wenn er alle Macht hat? Und wenn er allm\u00e4chtig ist, ist Gott dann nicht im Grunde b\u00f6se, weil er dem allem kein Ende bereitet?<\/p>\n<p>Die Diskussion \u00fcber die Allmacht ist eine Diskussion, die einen Abgrund von Schlussfolgerungen in Bezug auf Gott er\u00f6ffnet, und dies ist das wahrlich auch geschehen: Gott ist zu einem Despoten gemacht worden und sogar auch zum Gegenteil zu einem Gott, der nicht allm\u00e4chtig ist sondern ohnm\u00e4chtig, ein Gott, der sich nur in handerringender Ohnmacht zeigt \u2013 als ein sogenannter schwacher Gott.<\/p>\n<p>Aber das Problem ist ja, dass wir uns nicht auf die eigenen Aussagen der Schrift von Gott und der Macht Gottes beziehen. Das Problem ist ja, dass wir verschiedene philosophische Ausdr\u00fccke und Auffassungen in den Begriff der Allmacht einbeziehen. Dann wird Gott entweder zu einem fernen Allherrscher oder zu einem nahen Jammergott. Und beides macht keinen Sinn.<\/p>\n<p>Was also bedeutet das: Mir ist gegeben alle Macht?<\/p>\n<p><strong><em>Macht im heutigen Evangelium<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ja, daf\u00fcr hat das heutige Evangelium eine Erkl\u00e4rung. Hier h\u00f6ren wir von dem eigenen Gottesdienst unseres Herren in einem Haus, wo die Leute zusammenkommen, um das Wort zu h\u00f6ren. Uns so dicht stehen die Leute, dass die Gruppe mit einem Gel\u00e4hmten auf einer Bahre, die zu dem Haus kommen, durch das Dach einsteigen m\u00fcssen, um sich Jesus n\u00e4hern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es kommt zu einem Wortwechsel. Eine Debatte, k\u00f6nnte man sagen, und Jesus vergibt dem Gel\u00e4hmten seine S\u00fcnden \u2013 wor\u00fcber die anwesenden Schriftgelehrten sehr ver\u00e4rgert sind. Und in diesem Zusammenhang fallen eben die Worte, die gerade die Macht Gottes erkl\u00e4ren. Denn Jesus sagt, dass er die Vollmacht hat, S\u00fcnden zu vergeben.<\/p>\n<p>Das Wort \u201eVollmacht\u201c ist in der griechischen Sprache dasselbe Wort wie Macht Gottes. Mir ist gegeben alle Macht bzw. Vollmacht, k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n<p>Da haben wir also eine recht klare Definition der Macht Gottes: Die Macht der Vergebung. Die Macht, S\u00fcnde zu vergeben. Die Macht, eine Beziehung zu schaffen.<\/p>\n<p>Das ist die Macht Gottes. Nicht eine Macht, blind zu herrschen. Nicht eine Macht, alles zu k\u00f6nnen, sondern eben eine Macht, eine Beziehung zu schaffen, wo keine Beziehung war. Eine Macht, ein Machterh\u00e4ltnis zu dem zu schaffen, was zerrissen war.<\/p>\n<p>Vergebung ist n\u00e4mlich Wiederaufrichtung einer Beziehung und eines Verh\u00e4ltnisses. Das zu erneuern, was zerbrochen war. Und diese Macht ist also die Macht Gottes.<\/p>\n<p>So grundlegend ist also der christliche Gott ein Gott, der Beziehung schafft. Also eine Macht, die in der Liebe wirksam ist.<\/p>\n<p>Von dieser Macht erz\u00e4hlt auch die ganze christliche Grunderz\u00e4hlung. Als die Beziehung zuerst im Paradies zerbrach und dann am Kreuz wieder neu geschaffen wurde \u2013 der Bruch zwischen Gott und dem Menschen und der Bruch zwischen Menschen \u2013 da wurde das Gebrochene in der Auferstehung geheilt. Gott schuf eine neue Beziehung am Ostermorgen.<\/p>\n<p>Gott ist also ein Gott, der Beziehung schafft. Und wir glauben an einen Gott, der Beziehung schafft. Wir glauben an einen Gott, der alles neu macht.<\/p>\n<p>Das ist ja gerade der Kern der Vergebung: Dass die Beziehung erneuert wird. Und eben das zeigt Jesus im heutigen Evangelium: Ihm ist alle Macht gegeben, S\u00fcnden auf Erden zu vergeben.<\/p>\n<p>Ihm ist alle Macht gegeben, das Verh\u00e4ltnis zu erneuern.<\/p>\n<p>Ihm ist alle Macht gegeben, eine Br\u00fccke zu bauen, wo keine Br\u00fccke ist.<\/p>\n<p>Die Macht Gottes ist also nicht eine despotisch blinde Herrschermacht, sondern Gottes Macht ist seine Liebe. Die Macht der Liebe.<\/p>\n<p>Von daher kann man fragen, warum Gott nicht einfach mit einem Fingerzeig Schmerz und Leiden abschafft. Aber so ist die Liebe nicht. Das wissen wir selbst aus unseren Erfahrungen mit der Liebe. Die Liebe liebt vielmehr stets durch Schmerz und Leiden, ja durch Kreuz und Grab. Die Liebe ist die einzige Macht, die unver\u00e4ndert sein kann durch Kreuz, Tod und Grab. D ie Unver\u00e4nderlichkeit Gottes.<\/p>\n<p><strong><em>Liebe als Allmacht<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Deshalb ist die Liebe Gottes die Allmacht Gottes. Und Liebe hofft alles, glaubt alles, ertr\u00e4gt alles, wie Paulus schreibt. Unsere Liebe ist oft ein armer Abglanz der Liebe Gottes, deshalb sollten wir wohl darauf achten, dass wir uns nicht zu hoch aufschwingen im Lobpreis unserer Liebe, die nicht immer alles hofft, alles glaubt und alles ertr\u00e4gt. Das lehrt uns alle Erfahrung.<\/p>\n<p>Aber die Liebe Gottes tut eben das, denn sie ist seine Allmacht. Die Macht der Liebe, und das ist die Macht, die Jesus gegeben ist und die Macht, die er der Welt offenbart: Also liebt Gott die Welt, dass er seinen eingeborenen Sohn gibt, so dass niemand verloren geht, sondern dass er das ewige Leben hat in seinem Namen.<\/p>\n<p>Wenn wir also bei der Taufe die Worte h\u00f6ren, dass Jesus alle Macht gegeben ist, dann sollen wir das h\u00f6ren als eine Zusage der Liebe. Als eine Zusage, dass Gott uns liebt mit all der Macht, die in seiner Liebe liegt. Die Macht, die uns in der Taufe umf\u00e4ngt und die alles hofft, trotz all unseres Versagens, die alles glaubt, trotz unserer Untreue, die alles ertr\u00e4gt, trotz unseres mangelhaften Glaubens. Denn Gott ist Liebe, und mit dieser Liebe umf\u00e4ngt und erl\u00f6st er uns und die Welt. Die Liebe ist die Macht Gottes. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Propst Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p>DK 9800 Hj\u00f8rring<\/p>\n<p>Email: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort der Taufe von der Macht der Liebe | 19. Sonntag nach Trinitatis | Markus 2,1-12 (d\u00e4nische Periokopenordnung) | Von Thomas Reinholdt Rasmussen | Die ersten Worte, die bei einer Taufe gelesen werden, sind die Worte aus dem Matth\u00e4usevangelium: \u201eMir ist gegeben alle Macht\u201c. 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