{"id":5994,"date":"2021-10-19T11:11:17","date_gmt":"2021-10-19T09:11:17","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=5994"},"modified":"2021-10-19T11:12:31","modified_gmt":"2021-10-19T09:12:31","slug":"predigt-zu-mt-1034-39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-mt-1034-39\/","title":{"rendered":"Predigt zu Mt. 10,34-39"},"content":{"rendered":"<h3><strong>21.So. n.Tr. III | <\/strong><strong>24.10.2021 | Predigt zu Mt. 10,34-39 | verfasst von Suse G\u00fcnther |&nbsp; Zweibr\u00fccken |&nbsp;<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>&nbsp;<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/h3>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Jesus spricht: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.<\/p>\n<p>Wer den Vater oder die Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird es verlieren. Und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>An Jesus scheiden sich die Geister, das war von allem Anfang an so. Und daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert. Auch wenn in unserem Land die Inhalte des christlichen Glaubens weitgehend in Vergessenheit geraten sind, so wei\u00df doch fast jeder, wer Jesus Christus ist. Und welche Meinung er von ihm hat. Die einen haben einen Aufkleber auf dem Auto mit den Worten \u201eJesus liebt Dich\u201c \u2013 die anderen halten ihn f\u00fcr einen Revolution\u00e4r, die dritten wollen von ihm nichts wissen und halten die, die an ihn glauben, bestenfalls f\u00fcr Spinner. Die einen h\u00e4ngen sich ein Kruzifix in die Wohnung, die anderen finden das geschmacklos.<\/p>\n<p>Zu Lebzeiten Jesu kam in Israel kaum einer an ihm vorbei. Und das lange bevor es Zeitung gab oder gar Telefon und Internet, sondern &nbsp;sich alle Nachrichten von Mund zu Mund verbreiteten.<\/p>\n<p>Jeder hatte seine Meinung zu Jesus. Die einen legten in ihn ihre ganze Hoffnung, die andern sahen in ihm eine Bedrohung. Die dritten, wie etwa der j\u00fcdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus, berichten ganz sachlich von ihm als einem Menschen, der die Leute um sich schart.<\/p>\n<p>Sie alle kennen die Geschichte des Judas Ischariot, der Jesus verr\u00e4t. Erst ein gl\u00fchender Anh\u00e4nger, ist Judas sp\u00e4ter tief entt\u00e4uscht, dass Jesus Israel nicht von der r\u00f6mischen Besatzung befreit. Das hatte sich Judas erhofft. Und mal ehrlich: Man kann solche S\u00e4tze, wie wir sie im heutigen Predigttext geh\u00f6rt haben, auch so verstehen, wie Judas das getan hat: \u201eich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert\u201c<\/p>\n<p>Die Worte stammen aus der Aussendungsrede Jesu. In dieser Rede gibt Jesus seinen J\u00fcngern grundlegende Verhaltensregeln mit auf ihren Weg in die Welt.<\/p>\n<p>Es lohnt sich, dieses zehnte Kapitel des Matth\u00e4usevangeliums einmal am St\u00fcck zu lesen (\u00c4hnliches findet sich auch bei den anderen Evangelisten): Denn wie gesagt, die Worte sein unvermindert aktuell.<\/p>\n<p>Jesus beauftragt die J\u00fcnger, die er nach der Botschaft des Matth\u00e4us kurz zuvor berufen hat, sich auf den Weg zu den Menschen zu machen, in seinem Namen zu handeln und zu sprechen: \u201eumsonst habt ihr Eure Gaben empfangen, umsonst k\u00f6nnt ihr sie auch weitergeben\u201c, so lautet Jesu Botschaft.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bereitet er seine Freunde aber auch darauf vor: Es wird nicht einfach werden, ihr werdet Anfeindungen ausgesetzt sein, aber, so sagt er: \u201ein alle dem werde ich zu Euch halten\u201c.<\/p>\n<p>Dann kommen die Worte, die wir als heutigen Predigttext geh\u00f6rt haben ,und die dann so wirklich zur Sache gehen:<\/p>\n<p>\u201eDie Botschaft Jesu wird auch zu Streit innerhalb der Familien f\u00fchren\u201c. Auch dort wird man geteilter Meinung \u00fcber die Person und Bedeutung Jesu sein. An Jesus kommt man nicht vorbei. Neutral bleiben geht nicht.<\/p>\n<p>Wir wissen es von uns heute, wie schlimm es ist, wenn ein Riss durch eine Familie geht, wenn wir uns an einer bestimmten Stelle nicht einigen k\u00f6nnen und alle Vers\u00f6hnungsversuche nichts bewirken. Umso mehr im Israel zur Zeit Jesu, wo die Familie die einzig g\u00fcltige Lebensform war, die Sozialversicherung und Altersversorgung. Sich in der patriarchalischen Ordnung des Vorderen Orients, wo die Entscheidungen des Vaters f\u00fcr alle verbindlich war, auf einen anderen Weg zu machen, das machte damals nicht nur heimatlos, sondern konnte auch bei niemandem auf Verst\u00e4ndnis sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Jesus bereitet seine Leute darauf vor. Er m\u00f6chte, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Er will niemanden \u00fcberfordern, niemand soll hinterher sagen k\u00f6nnen: Das habe ich nicht gewusst.<\/p>\n<p>Aber, so sagt er: \u201eWer sein Leben findet, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert, um meinetwillen, der wird es finden.\u201c<\/p>\n<p>Im griechischen Urtext steht an der Stelle, die wir mit \u201eLeben\u201c \u00fcbersetzt haben, ein Begriff, der Ihnen allen bekannt ist: \u201ePsyche\u201c. Psyche kommt auch in unserer Sprache noch vor, etwa in dem Wort \u201ePsychologie\u201c \u2013 die Lehre von der Seele.<\/p>\n<p>Jesus redet also von viel mehr als dem, was wir unter \u201eLeben\u201c verstehen. Er meint alles, auch unser Inneres, unsere Lebendigkeit.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnten&nbsp; wir seine Worte so f\u00fcr uns verst\u00e4ndlich machen: \u201ewer sein Wesen, sein Dasein &nbsp;losl\u00e4sst, um mir nachzufolgen, der wird es ganz neu finden.\u201c Wer also mit Jesus einen ganz neuen Anfang wagt, wer sich ganz auf ihn einl\u00e4sst, der wird ein ganz neuer Mensch werden, zu ganz neuer Lebendigkeit finden.<\/p>\n<p>Immer wieder sagen mir Menschen, dass sie gerne glauben w\u00fcrden, das aber nicht k\u00f6nnen. Und immer wieder dr\u00fccken sie mir gegen\u00fcber auch aus, dass es bestimmt einfacher gewesen w\u00e4re, wenn sie Jesus selbst erlebt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ich kann mir nicht vorstellen, dass es damals einfacher war. Was soll man glauben, wenn man auf einen Weg geschickt wird, der von allem wegf\u00fchren kann, was einem bisher Sicherheit gegeben hat. Von allem, was das bisherige Leben ausmachte?<\/p>\n<p>Ich sehe es eher so: Der Weg mit Jesus ist immer ein Prozess, Schritt f\u00fcr Schritt. Wo der Weg und damit die eigene Entwicklung hinf\u00fchren werden, ist noch nicht klar, wenn wir den ersten Schritt machen. Aber ohne diesen ersten Schritt werden wir den Weg nicht in Angriff nehmen k\u00f6nnen und keine Erfahrungen machen k\u00f6nnen mit Jesus. Niemand ist gezwungen, den ganzen Weg bis zu Ende zu gehen. Manch einer hat auch unterwegs gemerkt, dass ihm das alles zu schwer war. Denn einfach war dieser Weg nie, das wissen wir aus den Berichten der ersten Christen. Immer aber hat er ganz neue Horizonte er\u00f6ffnet und zu ganz neuer Lebendigkeit gef\u00fchrt. Jesus zwingt uns nicht, sondern bietet sich an, jedem von uns in der je eigenen Lebenssituation zu begegnen und den je eigenen Weg mitzugehen.<\/p>\n<p>Wie auf jedem anderen Weg auch gibt es H\u00f6hen und Tiefen.<br \/>\nund wie auf jedem anderen Weg auch sind es manchmal gerade die schweren Strecken, die in die H\u00f6he f\u00fchren und uns helfen, so manches hinter uns zu lassen, den \u00dcberblick zu gewinnen. Die uns im R\u00fcckblick vieles verstehen lassen. Um am Ende mit grandiosem Weitblick anzukommen und sich zu sagen: Ich habe es geschafft, wie gut, dass ich es gewagt habe.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen die Worte Jesu, mit denen er seine J\u00fcnger in die Welt sendet, f\u00fcr uns h\u00f6ren. Als seine Freundinnen und Freunde heute, die in die Welt von heute gehen k\u00f6nnen mit seiner Hilfe. Und denen Jesus das zusagt: \u201eIhr werdet Eure Lebendigkeit ganz neu finden, wenn Ihr Altes hinter Euch lasst und Euch mit mir auf den Weg macht. Ihr k\u00f6nnt es, ich gehe mit und ich traue es euch zu. AMEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.So. n.Tr. III | 24.10.2021 | Predigt zu Mt. 10,34-39 | verfasst von Suse G\u00fcnther |&nbsp; Zweibr\u00fccken |&nbsp; &nbsp; Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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