{"id":6091,"date":"2021-11-01T08:15:18","date_gmt":"2021-11-01T07:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6091"},"modified":"2021-11-01T08:19:33","modified_gmt":"2021-11-01T07:19:33","slug":"6091-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/6091-2\/","title":{"rendered":"Psalm 85,9-14"},"content":{"rendered":"<h3>Unsere Sehnsucht und Gottes Hilfe | Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 7.November 2021 | Predigt \u00fcber Psalm 85,9-14 | verfasst von Ulrich Wiesjahn |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Das vielumstrittene Verh\u00e4ltnis von Judentum zum Christentum vergleiche ich jetzt einmal mit dem von Mutter und Tochter. Und da ahnt jeder, dass das gar nicht so eindeutig sein kann. Das sind und bleiben zwei ganz verschiedene Personen, gewiss mit vielen \u00dcbereinstimmungen, aber auch mit ebenso vielen Unterschieden. Zu den religi\u00f6sen Unterschieden z\u00e4hle ich die biologische Zugeh\u00f6rigkeit bei den Juden und deren wurzeltiefe Verbindlichkeit der fast un\u00fcberschaubaren Gesetzesf\u00fclle. Zur wunderbaren Gemeinsamkeit aber z\u00e4hle ich die Liebe beider Religionen zu den Psalmen, diesen eindrucksvollen Lieder und Gebeten aus dem Alten Testament. Auch wenn die junge Christenheit nicht alle Worte, Gedanken und Empfindungen nachvollziehen konnte, sang und betete sie mit Inbrunst diese alten Lieder und Herzensseufzer, als w\u00e4ren sie direkt auf sie zugeschnitten. Und wenn wir etwa den 23.Psalm \u201eDer Herr ist mein Hirte\u201c nachsprechen, ja, dann spricht er auch uns unmittelbar aus der Seele. Und wenn wir heute den 2.Teil des Psalms 85 bedenken und innerlich nachf\u00fchlen, dann klingt dort vieles aus unserer eigenen Sehnsucht auf. Doch wie verbinden sich unsere Sehnsucht und der Beistand Gottes? Das ist dann die entscheidende Frage.<\/p>\n<p>Bevor wir die Verse h\u00f6ren, m\u00f6chte ich schon einmal drei Grundvoraussetzungen zum richtigen Verstehen nennen. Erstens: Gott ist nahe, er ist da, er ist anwesend \u2013 aber erst einmal unerkennbar. Zweitens: Der Mensch ist Gottes Gespr\u00e4chspartner. Und drittens: Eine Lebensgestaltung gelingt nur gemeinsam mit diesem anwesend-unerkennbaren Gott. \u2013 Und nun h\u00f6ren wir die Verse 9-14 aus Psalm 85 (evtl. von einem anderen vorgelesen):<\/p>\n<p>\u201eK\u00f6nnte ich doch h\u00f6ren, was Gott der Herr redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn f\u00fcrchten, dass in unserem Lande Ehre wohne; dass G\u00fcte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich k\u00fcssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der Herr Gutes tue und unserem Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.\u201c<\/p>\n<p>Meine lieben Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer!<\/p>\n<p>Worauf haben Sie eben besonders aufgemerkt? Nun, ich vermute auf die Worte Ihrer eigenen Sehnsucht. Und die lauten: Gerechtigkeit und Friede, G\u00fcte und Treue, Frucht und Gutes. Das sind Urworte unserer Sehnsucht. Und die haben wir gerade in dem hinter uns liegenden Wahlkampf dann auch immer wieder geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Doch zugleich h\u00f6ren wir ja auch unsere Herzensfragen: Warum gibt es denn keinen Frieden? Warum geht es in der Welt ungerecht zu? Warum fehlt es \u00fcberall an G\u00fcte und Treue, w\u00e4hrend Raffgier, Egoismus und Gemeinheit \u00fcberall zu sehen sind?<\/p>\n<p>Und schon sind wir mitten im Streit der Gef\u00fchle, Gedanken, des Verhaltens. Und deshalb soll uns jetzt das vielleicht \u00dcberh\u00f6rte zum Nachdenken bringen. \u201eK\u00f6nnte ich doch h\u00f6ren, was Gott der Herr redet!\u201c Damit beginnt es, aber was hei\u00dft es? Vielleicht dieses: Mach nicht den zweiten Schritt vor dem ersten! Du willst am liebsten loslegen mit Tun und Handeln und schnellen Ergebnissen. Oder du glaubst, dass Sehnsucht und Tr\u00e4umen schon ausreichen, um gute Verh\u00e4ltnisse zu schaffen. Mach doch den ersten Schritt zuerst und der hei\u00dft: H\u00f6re! H\u00f6re zu! Lausche auf Gott! Lausche auf die Substanz von Frieden, Gerechtigkeit, G\u00fcte und Treue! Lausche zuerst auf Gott! Lass ihn zu dir kommen! Deine Sehnsucht ist ja nur ein Hinweis, hat aber selbst keine eigene Kraft.<\/p>\n<p>Wie ist das zu verstehen? Da habe ich bei Jesus nachgefragt, dessen gesamtes Wirken auf Frieden Gerechtigkeit, G\u00fcte und Treue hinauslief. Oder noch k\u00fcrzer gesagt: Er heilte, was krank war. Und da gab es nun eine Situation (Matth\u00e4us 17,18-21), wo die J\u00fcnger das auch wollten, n\u00e4mlich heilen und D\u00e4monen austreiben, aber es gelang ihnen nicht. Das Kranke blieb krank. Als sie Jesus fragten, warum sie keine Heilkraft h\u00e4tten, sagte er: Wegen eures Kleinglaubens. Doch wer Glauben hat wie ein Senfk\u00f6rnlein, der kann Berge versetzen. An anderer Stelle spricht er vom Fasten und Beten, die Heilkraft vermitteln.<\/p>\n<p>Ja, liebe Gemeinde, auch wir sind zum Frieden berufen, zur Gerechtigkeit, zur G\u00fcte und Treue. Und unsere Sehnsucht danach ist ein starker Hinweis und Wurzelboden. Doch wir m\u00fcssen zuerst das Glaubensk\u00f6rnlein s\u00e4en, um dann Glaubensfr\u00fcchte zu ernten. Solch ein Glaube bedeutet Kraft, bedeutet Vollmacht, bedeutet Dienen und nicht Herrschen. Und dann wird es uns mit Gottes Hilfe gelingen, denn dann wachsen uns die Kr\u00e4fte der Geduld, der Liebe und der Hoffnung zu. Dann bleiben wir keine Tr\u00e4umer und Sehns\u00fcchtige mehr, sondern erstarken zu Gottes Mitarbeitern.<\/p>\n<p>Und nun h\u00f6ren wir zum Abschluss noch einmal die Psalmverse, freuen uns \u00fcber ihre Poesie und Musikalit\u00e4t und singen sie als Gottes Mitarbeiter beim S\u00e4en und Ernten des Friedens, der Gerechtigkeit, der Treue und der G\u00fcte.<\/p>\n<p>Lesung Psalm 85,9-14 (Text siehe oben)<\/p>\n<p>A m e n.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pfr.i.R.Ulrich Wiesjahn<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:ulrich.wiesjahn@web.de\">ulrich.wiesjahn@web.de<\/a><\/p>\n<p>Langj\u00e4hriger Pfarrdienst in Berlin und Goslar, dazu lange zust\u00e4ndig f\u00fcr ein Alten- und Pflegeheim. Autor verschiedener theologischer und sch\u00f6ngeistiger Werke und Verfasser des Blogs \u201ekritischfromm.wordpress.com\u201c (auch: Der christliche Blogger) zu Fragen des Christentums in der Gegenwart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Sehnsucht und Gottes Hilfe | Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 7.November 2021 | Predigt \u00fcber Psalm 85,9-14 | verfasst von Ulrich Wiesjahn | Liebe Gemeinde! Das vielumstrittene Verh\u00e4ltnis von Judentum zum Christentum vergleiche ich jetzt einmal mit dem von Mutter und Tochter. Und da ahnt jeder, dass das gar nicht so eindeutig sein kann. 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