{"id":6112,"date":"2021-11-02T17:39:18","date_gmt":"2021-11-02T16:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6112"},"modified":"2021-11-09T15:38:47","modified_gmt":"2021-11-09T14:38:47","slug":"predigt-ueber-psalm-85","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-ueber-psalm-85\/","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Psalm 85\u00a0"},"content":{"rendered":"<h3>Seelische Grundnahrungsmittel f\u00fcr einen Eintopf | 7. 11. 2021 | Predigt \u00fcber Psalm 85 | gehalten in Staffelbach\/AG | verfasst von D\u00f6rte Gebhard |<\/h3>\n<p><em>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Amen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie in drei Minuten Gottes G\u00fcte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich und gr\u00fcndlich?<\/p>\n<p>Schaffen Sie es gleichzeitig, die wichtigsten irdisch-menschlichen Konsequenzen zu ziehen?<\/p>\n<p>Das Ganze sollte sprachlich ansprechend, gern sogar poetisch sein.<\/p>\n<p>Am sch\u00f6nsten w\u00e4re es, wenn man es singen kann auf eine eing\u00e4ngige Melodie.<\/p>\n<p>Dann geht es besser zu Herzen, bleibt nicht aussen an den Ohren h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Diese vier \u201eweiten Felder\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u00a0\u2013 G\u00fcte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden \u2013 in drei Minuten zu kl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Warum eigentlich nicht?<\/p>\n<p>Unsere Vorfahren sagten sich wohl: Wir wagen es \u2013 mit Gottes Hilfe.<\/p>\n<p>Dann wird es nicht schiefgehen.<\/p>\n<p>Was kam dabei heraus?<\/p>\n<p>Der 85. Psalm.<\/p>\n<p>Sicher ist dieser Psalm ein Gemeinschaftswerk.<\/p>\n<p>Ich lese den Psalm in der \u00dcbersetzung der Basisbibel, den Predigttext f\u00fcr heute:<\/p>\n<p><em><sup>2 <\/sup><\/em><em>Herr, du hast dein Land wieder liebgewonnen<\/em><\/p>\n<p><em>und das Schicksal Jakobs\u00a0zum Guten gewendet.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>3 <\/sup><\/em><em>Du hast deinem Volk die Schuld\u00a0vergeben<\/em><\/p>\n<p><em>und alle S\u00fcnden\u00a0hast du ihm verziehen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><sup>4 <\/sup><\/em><em>Du hast deinen ganzen \u00c4rger aufgegeben<\/em><\/p>\n<p><em>und deinen gl\u00fchenden Zorn\u00a0verrauchen lassen.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>5 <\/sup><\/em><em>Gott, du bist unsere Hilfe, stell uns wieder her!<\/em><\/p>\n<p><em>Sei nicht l\u00e4nger so aufgebracht gegen uns!<\/em><\/p>\n<p><em><sup>6 <\/sup><\/em><em>Willst du denn f\u00fcr immer auf uns zornig sein?<\/em><\/p>\n<p><em>Soll sich dein Zorn\u00a0noch ausdehnen<\/em><\/p>\n<p><em>von der einen Generation auf die andere?<\/em><\/p>\n<p><em><sup>7 <\/sup><\/em><em>Willst du uns nicht wieder neues Leben schenken?<\/em><\/p>\n<p><em>Dann wird sich dein Volk \u00fcber dich freuen.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>8 <\/sup><\/em><em>Herr, lass uns doch deine G\u00fcte erfahren!<\/em><\/p>\n<p><em>Wir brauchen deine Hilfe, gib sie uns!<\/em><\/p>\n<p><em><sup>9 <\/sup><\/em><em>Ich will h\u00f6ren, was Gott zu sagen hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Der\u00a0Herr\u00a0redet vom Frieden.<\/em><\/p>\n<p><em>Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch sie sollen nicht mehr zur\u00fcckkehren<\/em><\/p>\n<p><em>zu den Dummheiten der Vergangenheit!<\/em><\/p>\n<p><em><sup>10 <\/sup><\/em><em>Ja, seine Hilfe ist denen nahe, die zu ihm geh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann wohnt seine Herrlichkeit\u00a0wieder in unserem Land:<\/em><\/p>\n<p><em><sup>11 <\/sup><\/em><em>G\u00fcte und Treue finden zueinander.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit\u00a0und Frieden\u00a0k\u00fcssen sich.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>12 <\/sup><\/em><em>Treue w\u00e4chst aus der Erde empor.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>13 <\/sup><\/em><em>Auch schenkt uns der\u00a0Herr\u00a0viel Gutes,<\/em><\/p>\n<p><em>und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>14 <\/sup><\/em><em>Gerechtigkeit zieht vor ihm her<\/em><\/p>\n<p><em>und bestimmt die Richtung seiner Schritte.<\/em><\/p>\n<p>Unsere Vorfahren konnten offenbar in drei Minuten Gottes G\u00fcte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden erkl\u00e4ren. F\u00fcr ihre Zeit war das verst\u00e4ndlich und gr\u00fcndlich. Gleichzeitig zogen sie alle irdisch-menschlichen Konsequenzen. Das Ganze ist sprachlich ansprechend, auf Hebr\u00e4isch poetisch. Sicher haben sie auch sehr sch\u00f6n gesungen. Uns sind leider \u00fcber die Zeiten die alten Melodien abhandengekommen. Aber es ist nicht verboten, neue zu erfinden.<\/p>\n<p>In drei Minuten haben sie alle vier Themen schmackhaft gemacht. L\u00e4nger dauert es jedenfalls nicht, den Psalm vorzulesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Prediger und Predigerinnen ist unterdessen das dritte Jahrtausend angebrochen, diesen Drei-Minuten-Text auszulegen. Es geht aber auch f\u00fcr jede Generation von vorne los.<\/p>\n<p>Auch die eher k\u00fcrzeren Psalmen sind sehr nahrhaft, f\u00fcr Wochen, f\u00fcr Monate, f\u00fcr Jahre.<\/p>\n<p>Wir lesen seit Anfang dieses Jahres in den Psalmen in unseren beiden Bibelgespr\u00e4chskreisen und sind uns alle einig, dass sie kein Naschkram f\u00fcr zwischendurch sind, sondern sehr gehaltvoll. Manchmal sind sie schwer verdaulich, oft ist schon der Geruch von weitem fremd, exotisch.<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle schreibt: <em>\u201eDie Psalmen sind fu\u0308r mich eins der wichtigsten Lebensmittel. Ich esse sie, ich trinke sie, ich kaue auf ihnen herum, manchmal spucke ich sie aus, und manchmal wiederhole ich sie mitten in der Nacht. Sie sind fu\u0308r mich Brot. Ohne sie tritt die spirituelle Magersucht ein, die sehr verbreitet unter uns ist und oft zu einer to\u0308dlichen Verarmung des Geistes und des Herzens fu\u0308hrt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Gegen Herzenshunger, gegen geistige Magersucht, in schlaflosen N\u00e4chten und an kr\u00e4ftezehrenden Tagen hilft der 85. Psalm mit vier seelischen Grundnahrungsmitteln, die lebenswichtig sind.<\/p>\n<p>Die Predigt hat drei Teile; der erste ist in diesem Moment vor\u00fcber.<\/p>\n<p>Psalm 85 ist ein Rezept f\u00fcr eine Seelenspeise.<\/p>\n<p>Der zweite Teil betrachtet die Zutaten der Seelennahrung im Einzelnen.<\/p>\n<p>Im dritten Teil wird \u201aEintopf\u2018 gemacht.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Beginnen wir auf der Zutatenliste mit der Treue bzw. genauer mit der Untreue.<\/p>\n<p>Denn gleich am Anfang wird Gott zur Untreue aufgefordert.<\/p>\n<p>Das ist erstaunlich!<\/p>\n<p>Auch ich fordere Sie gleich auf, untreu zu werden, untreu zu sein.<\/p>\n<p>Das ist verwegen!<\/p>\n<p>Gott soll untreu werden. Er soll seiner Wut untreu werden.<\/p>\n<p><em><sup>6 <\/sup><\/em><em>Willst du denn f\u00fcr immer auf uns zornig sein?<\/em><\/p>\n<p><em>Soll sich dein Zorn\u00a0noch ausdehnen<\/em><\/p>\n<p><em>von der einen Generation auf die andere?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>Gott soll aufh\u00f6ren, seinen Zorn \u00fcber die Kinder und Kindeskinder auszubreiten. Gott soll nicht den Kindern vorhalten, wie sehr sich ihre Eltern danebenbenommen haben. (Das wissen die Kinder meist auch ohne Gott.)<\/p>\n<p>Vielleicht ist es \u00fcberhaupt eine allzu menschliche Vorstellung, die Gott gar nicht n\u00f6tig hat. Aber ich bin ertappt!<\/p>\n<p>Ich bin manchen schlechten Gewohnheiten viel zu treu. Ich kann mit grosser Best\u00e4ndigkeit zur\u00fcckkommen auf fr\u00fchere Kr\u00e4nkungen, die mir widerfahren sind. Wer wann was und wie Bl\u00f6des zu mir gesagt hat. Hat sich eingepr\u00e4gt wie angebrannter, schwarzer Pudding am Topfboden.<\/p>\n<p>Ich kann mich leider gut erinnern an l\u00e4ngst vergangene Momente, in denen ich vor Wut gekocht habe. Wenn ich jemanden nicht leiden kann, bin ich meinen eigenen Vorurteilen tendenziell ewig treu.<\/p>\n<p>Im Psalm kann man lernen, wie man solchen Regungen untreu wird.<\/p>\n<p><em><sup>4 <\/sup><\/em><em>Du hast deinen ganzen \u00c4rger aufgegeben<\/em><\/p>\n<p><em>und deinen gl\u00fchenden Zorn\u00a0verrauchen lassen.<\/em><\/p>\n<p>Das wird zu Gott gesagt. Aber auch ich kann meinen ganzen \u00ab\u00c4rger aufgeben\u00bb, wie es heisst. Ich muss meinen \u00c4rger nicht weiter h\u00fcten und h\u00fctscheln, f\u00fcttern und pflegen. Ich kann mich zwar immer weiter aufregen, aber ich bin nicht dazu verpflichtet. Ich kann meine Wut, sogar meinen gl\u00fchenden Zorn, verrauchen lassen. Ich kann frei entscheiden, nicht dauerhaft aufgebracht zu sein.<\/p>\n<p>Dann kann ich, dann k\u00f6nnen wir zusammen anfangen, der G\u00fcte treu zu werden.<\/p>\n<p><em><sup>8 <\/sup><\/em><em>Herr, lass uns doch deine G\u00fcte erfahren!<\/em><\/p>\n<p><em>Wir brauchen deine Hilfe, gib sie uns!<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber G\u00fcte gibt es nicht viel zu sagen, sie muss erfahren werden.<\/p>\n<p>Wer zu viel davon redet, hat weniger Zeit, auch g\u00fctig zu sein, zu helfen.<\/p>\n<p>Aber immer nur g\u00fctig sein? Soll man sich das ernsthaft vornehmen?<\/p>\n<p>Dann wird man doch bald einmal belogen und betrogen, ausgelacht und zuletzt trotz allem schlecht gemacht.<\/p>\n<p>An den Weinbergbesitzer muss ich denken, der allen Arbeitern, ganz gleich, ob sie morgens fr\u00fch oder abends sp\u00e4t angefangen haben, zuletzt den gleichen Lohn gibt. Das kann man einmal an einem Montag machen, aber ab Dienstag kommen doch dann alle erst auf 17 Uhr \u00abp\u00fcnktlich\u00bb zur Arbeit &#8230;<\/p>\n<p>G\u00fcte allein ist ungeniessbar. Dorothee S\u00f6lle schreibt davon, dass sie manchmal spucken muss.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit ist die dritte Zutat.<\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.<\/em><\/p>\n<p>Der ganze Psalm tischt auf, was alles vom Himmel herabkommen muss, damit hier etwas w\u00e4chst und gedeiht.<\/p>\n<p>Stellen wir uns f\u00fcr einen Moment vor, es g\u00e4be v\u00f6llige Gerechtigkeit, aber daf\u00fcr auch nichts als Gerechtigkeit. Die Z\u00e4hne w\u00fcrden wir uns ausbeissen, so hart w\u00e4re das. Gewissermassen ungeniessbare, nicht aufzutauende Tiefk\u00fchlkost. Es w\u00e4re unertr\u00e4glich. Es braucht wesentlich mehr f\u00fcr eine warme Mahlzeit.<\/p>\n<p>Frieden steht als viertes auf der Zutatenliste. Der Psalmist lauscht:<\/p>\n<p><em><sup>9 <\/sup><\/em><em>Ich will h\u00f6ren, was Gott zu sagen hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Der\u00a0Herr\u00a0redet vom Frieden.<\/em><\/p>\n<p><em>Er verspricht ihn seinem Volk und seinen Frommen.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch sie sollen nicht mehr zur\u00fcckkehren<\/em><\/p>\n<p><em>zu den Dummheiten der Vergangenheit!<\/em><\/p>\n<p>Das ist mir gleich aufgefallen: Das Gegenteil von Frieden ist im Psalm nicht Krieg oder Gewalt oder Terror oder &#8230;, sondern Dummheit. Dummheiten aus der Vergangenheit werden speziell genannt. Wut und Zorn, Verletzungen und Kr\u00e4nkungen geh\u00f6ren ganz bestimmt zu dieser Sorte Dummheiten. Und die Dummheiten stehen im Plural, es gibt nichts zu besch\u00f6nigen. Die Psalmisten scheinen sich und sogar uns gekannt zu haben.<\/p>\n<p>Wo Dummheiten gemacht wurden, soll Frieden einkehren. Aber was ist Frieden ohne G\u00fcte, ohne Treue, ohne Gerechtigkeit?<\/p>\n<p>Ein solcher Frieden w\u00e4re dann blosses Stillhalten. Es bedeutete z. B., nichts zu sagen \u00abum des lieben Friedens willen\u00bb.<\/p>\n<p>Frieden w\u00e4re dann nur ein vor\u00fcbergehender Waffenstillstand. Die Dummen w\u00e4ren ohnehin gleich zur Stelle, um diesen hohlen Frieden zur weiteren Aufr\u00fcstung zu nutzen.<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Nun haben wir bis hierher in der Predigt auf den noch rohen und einzelnen Zutaten herumgekaut.<\/p>\n<p>Die Psalmisten kochen aus G\u00fcte und Treue, aus Gerechtigkeit und Frieden aber nahrhaften Eintopf. Wer Eintopf nicht gern hat, kann gern beim Bild vom Psalm bleiben:<\/p>\n<p><em><sup>11 <\/sup><\/em><em>G\u00fcte und Treue finden zueinander.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit\u00a0und Frieden\u00a0k\u00fcssen sich.<\/em><\/p>\n<p>Ich finde, G\u00fcte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden m\u00fcssen in den einen Topf, in dem es kocht \u2013 f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>So wie die vier Zutaten je f\u00fcr sich genommen nicht geniessbar sind, so gibt es diese vier auch nicht f\u00fcr einzelne Menschen, nur f\u00fcr dich oder nur f\u00fcr mich oder nur f\u00fcr den Papst oder nur f\u00fcr den Kaiser von China oder nur f\u00fcr irgendwen. Eintopf wird f\u00fcr viele gekocht, speziell dann, wenn man nicht genau weiss, wie viele kommen werden. Nach Gottes Willen kommen dann einst einmal alle. Von damals und heute, von nah und fern.<\/p>\n<p>Der Psalm ist, wie eingangs gesagt, sehr wahrscheinlich ein Gemeinschaftswerk.<\/p>\n<p>G\u00fcte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden sind ganz sicher ein Gemeinschaftswerk, zuerst von Gott und den Menschen.<\/p>\n<p>Unser Gott ist ein entgegenkommender Gott \u2013 und wir k\u00f6nnen das auch!<\/p>\n<p>Im Psalm sind die unbegreiflichen Gaben Gottes in Worte gefasst, die wir in der K\u00fcche brauchen. Zuerst muss etwas wachsen und reifen, ehe wir es ernten k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><em><sup>12 <\/sup><\/em><em>Treue w\u00e4chst aus der Erde empor.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit scheint vom Himmel herab.<\/em><\/p>\n<p><em><sup>13 <\/sup><\/em><em>Auch schenkt uns der\u00a0Herr\u00a0viel Gutes,<\/em><\/p>\n<p><em>und unser Land gibt seinen Ertrag dazu.<\/em><\/p>\n<p>Noch mehr aber kommt es in unseren Tagen wohl darauf an, dass es f\u00fcr G\u00fcte und Treue, f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden immer mindestens zwei Menschen braucht, nicht nur einen oder eine. Besonders viele K\u00f6che verderben in diesem Falle gar nichts.<\/p>\n<p>Erschrocken bin ich gegenw\u00e4rtig, wie sehr sich Einzelne z. B. nur auf ihren pers\u00f6nlichen und individuellen Geschmack berufen, ihre Vorlieben egoistisch ins Blickfeld r\u00fccken. F\u00fcr sie selbst darf es dann gern etwas mehr sein \u2013 wohlgemerkt von dem, was ihnen gerade passt, worauf sie speziell Appetit haben.<\/p>\n<p>Entsetzt bin ich, wenn jemand seine scheinbar uneingeschr\u00e4nkte Freiheit zuoberst \u00fcber das Rezept schreibt, ohne zu merken, dass wir alle zusammen etwas kochen m\u00fcssen, wenn es wirklich sattmachen soll, wenn es ein Lebensmittel f\u00fcr die Seele sein soll, das seinen Namen verdient.<\/p>\n<p>Wenn sich die Verheissungen des Psalms erf\u00fcllen, sitzen wir einmal alle um einen einzigen, jedoch langen und vollen Tisch. Jesus hat davon erz\u00e4hlt in seinem Gleichnis vom grossen Gastmahl. Alle werden guten Appetit haben \u2013 und satt werden an Eintopf aus G\u00fcte und Treue, Gerechtigkeit und Frieden.<\/p>\n<p>Bis dahin fungiert eine alte chassidische Weisheit als Einkaufszettel:<\/p>\n<p><em>Verlasst euch nicht auf Wunder, sondern rezitiert Psalmen. <\/em><\/p>\n<p><em>Denn der Friede Gottes ist h\u00f6her ist als unsere Vernunft. Er st\u00e4rke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Amen. <\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00a0Vgl. Theodor Fontane, Effi Briest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seelische Grundnahrungsmittel f\u00fcr einen Eintopf | 7. 11. 2021 | Predigt \u00fcber Psalm 85 | gehalten in Staffelbach\/AG | verfasst von D\u00f6rte Gebhard | Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Amen. \u00a0 Liebe Gemeinde K\u00f6nnen Sie in drei Minuten Gottes G\u00fcte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6092,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,1,2,157,114,475,587,804,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6112","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-psalmen","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-doerte-gebhard","category-drittl-s-d-kj","category-kapitel-085-chapter-085","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6112"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6137,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6112\/revisions\/6137"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6112"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6112"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6112"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6112"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}