{"id":6192,"date":"2021-11-16T14:30:03","date_gmt":"2021-11-16T13:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6192"},"modified":"2021-11-16T14:33:10","modified_gmt":"2021-11-16T13:33:10","slug":"predigt-zu-jesaja-6517-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-jesaja-6517-24\/","title":{"rendered":"Predigt zu Jesaja 65,17-24"},"content":{"rendered":"<h3>Ewigkeit \u2013 das Ende aller Gr\u00e4ber | Ewigkeitssonntag | 21.11.\u201921 | Predigt zu Jesaja 65,17-24 | verfasst von Pfarrer Andreas Schwarz |<\/h3>\n<p>So spricht der Herr:<\/p>\n<p>17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fr\u00f6hlich immerdar \u00fcber das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fr\u00f6hlich sein \u00fcber Jerusalem und mich freuen \u00fcber mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr h\u00f6ren die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erf\u00fcllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden H\u00e4user bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Fr\u00fcchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer H\u00e4nde Werk werden meine Auserw\u00e4hlten genie\u00dfen. 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder f\u00fcr einen fr\u00fchen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Herr, gib uns ein Herz f\u00fcr dein Wort und ein Wort f\u00fcr unser Herz. Amen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Friedhof zu gehen, legt ganz unterschiedliche Gef\u00fchle frei.<\/p>\n<p>Es ist der Ort der Verstorbenen.<\/p>\n<p>Viele Erinnerungen liegen dort begraben.<\/p>\n<p>Auch Entt\u00e4uschungen und geplatzte Hoffnungen.<\/p>\n<p>Viele Tr\u00e4nen wurden dort geweint.<\/p>\n<p>Viele Fragen gestellt und nicht beantwortet.<\/p>\n<p>Ein schmerzhafter Ort.<\/p>\n<p>Aber andererseits geht eine Ruhe von ihm aus.<\/p>\n<p>Viele lebendige B\u00e4ume und Str\u00e4ucher.<\/p>\n<p>Gepflegt sieht es aus, wie ein Park zum Spazierengehen.<\/p>\n<p>Ruhe in Frieden \u2013<\/p>\n<p>so steht es auch auf manchen Grabsteinen.<\/p>\n<p>Die Trauernden, die Angeh\u00f6rigen, die Hinterbliebenen w\u00fcnschen es dem Verstorbenen. F\u00fcr ihn \u2013 damit er nach einem wom\u00f6glich schweren Leiden nun zur Ruhe kommen mag. Ohne Schmerzen, ohne Angst. Es ist vorbei. Der Kampf. Jetzt ist Ruhe. Und wir w\u00fcnschen eine Ruhe in Frieden.<\/p>\n<p>Den soll die Verstorbene mit sich haben, ihr Leben aus der Hand lassen, obwohl sie vielleicht noch manches sagen wollte, tun wollte, erleben wollte. Jetzt soll sie einstimmen, einverstanden sein, dass es so ist \u2013 unvollkommen vielleicht, niemals wirklich fertig oder bereit.<\/p>\n<p>Und doch: in Frieden. Ruhe.<\/p>\n<p>Den wollen auch die Lebenden haben. Frieden mit dem Verstorbenen, ohne Hass, ohne unverziehene Schuld, ohne offen gebliebene Vorw\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Und doch ist die Ruhe tr\u00fcgerisch.<\/p>\n<p>Sie verdeckt nicht, dass das Alte herrscht.<\/p>\n<p>Der Tod, die Krankheit, der Kampf, der immer in die Niederlage f\u00fchrt, der Krieg.<\/p>\n<p>Der Gang \u00fcber den Friedhof lehrt mich:<\/p>\n<p>das alles wird aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es kommt eine Zeit,<\/p>\n<p>in der es keine Gr\u00e4ber mehr geben wird.<\/p>\n<p><strong>So spricht der HERR:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erf\u00fcllen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder f\u00fcr einen fr\u00fchen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn.<\/strong><\/p>\n<p>Und da gibt es noch die anderen Gr\u00e4ber.<\/p>\n<p>Die sind noch sinnloser als die Krankheitsgr\u00e4ber.<\/p>\n<p>Ich sehe die Soldatenfriedh\u00f6fe:<\/p>\n<p>Fast sehen sie sch\u00f6n aus, all die wei\u00dfen Kreuze;<\/p>\n<p>alle in Reih und Glied, wie die Soldaten.<\/p>\n<p>Darunter liegen sie, junge M\u00e4nner,<\/p>\n<p>manche noch halbe Kinder.<\/p>\n<p>Nicht einer von ihnen \u2013 nicht ein einziger \u2013 ist einen sinnvollen Tod gestorben.<\/p>\n<p>Und ich gehe weiter durch die Welt.<\/p>\n<p>Ich sehe die Gr\u00e4ber in Buchenwald.<\/p>\n<p>Die mit den gro\u00dfen, runden Mauern rundherum.<\/p>\n<p>Tausende liegen da.<\/p>\n<p>Ich sehe die Aschegruben in Auschwitz.<\/p>\n<p>Da sollte es ja eigentlich gar keine Gr\u00e4ber geben.<\/p>\n<p>Sie haben die Menschen verbrannt \u2013<\/p>\n<p>und die Erinnerungen wollten sie ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>Ich schaue in die W\u00e4lder Jugoslawiens, da graben sie hunderte Tote aus, grausam ermordet und namenlos verscharrt im Krieg vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren \u2026<\/p>\n<p>Ich sehe die Leichengruben der IS-Terroristen.<\/p>\n<p>Und ich sehe das Mittelmeer \u2013<\/p>\n<p>Es ist ein Massengrab geworden.<\/p>\n<p>Wir sollen m\u00f6glichst wenig davon mitbekommen.<\/p>\n<p>Aber in den Internetkommentaren jubelten sie dazu;<\/p>\n<p>und die Pegidaleute gr\u00f6lten: Absaufen, absaufen.<\/p>\n<p>Die sinnlosesten, schlimmsten Gr\u00e4ber machen Menschen einander selbst.<\/p>\n<p>Egal, wie sie hei\u00dfen, ganz gleich, was sie f\u00fcr Vorw\u00e4nde haben f\u00fcr ihre Gr\u00e4uel und ihren Mord.<\/p>\n<p>Sie graben Gr\u00e4ber mit Schaufeln aus Hass,<\/p>\n<p>mit Spaten aus lauter niederen Instinkten,<\/p>\n<p>und sobald sie ein bisschen Macht \u00fcbereinander bekommen, dann schreien sie nicht mehr nur,<\/p>\n<p>dann t\u00f6ten sie.<\/p>\n<p>Da w\u00fcnsche ich es mir so sehr:<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche es mir mehr als alles andere:<\/p>\n<p><strong>Sie werden H\u00e4user bauen und bewohnen, <\/strong><\/p>\n<p><strong>sie werden Weinberge pflanzen und ihre Fr\u00fcchte essen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Man wird weder Bosheit noch Schaden tun <\/strong><\/p>\n<p><strong>auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00fcnsche ich mir.<\/p>\n<p>Eine Welt, in der es keine sinnlosen Gr\u00e4ber mehr gibt.<\/p>\n<p>Keine Krankheitsgr\u00e4ber und keine Kriegsgr\u00e4ber<\/p>\n<p>und keine Terrorgr\u00e4ber.<\/p>\n<p>Nur noch die guten \u2013<\/p>\n<p>wie das Grab Ihrer Lieben, die Sie in diesen Tagen vermutlich besuchen werden.<\/p>\n<p>Traurig, klagend, aber auch dankbar.<\/p>\n<p>Weil ihr einander hattet.<\/p>\n<p>Gemeinsame Erfahrungen, verbunden in Freude und Leid.<\/p>\n<p>Da haben wir unsere Lieben begraben:<\/p>\n<p>An diesem Ort der Ruhe und des Friedens.<\/p>\n<p>In Frieden und dankbar<\/p>\n<p>und nach einem Leben, wie es sein soll.<\/p>\n<p>Und mit der Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass ihr sie wiedersehen werdet.<\/p>\n<p>Weil der Friedhof ein Ruheort ist.<\/p>\n<p>Ruhe vor dem neuen Leben.<\/p>\n<p>Das tr\u00f6stet mich. Und das macht mir Mut.<\/p>\n<p>Mit diesem Glauben f\u00e4ngt ja das Neue schon an.<\/p>\n<p>Da leuchtet schon ein St\u00fcck von Gottes neuer Welt.<\/p>\n<p>Wo Menschen gut miteinander sind.<\/p>\n<p>Im Leben und im Sterben. Im Hoffen auf das, was kommt.<\/p>\n<p><strong>Siehe, ich will einen neuen Himmel <\/strong><\/p>\n<p><strong>und eine neue Erde schaffen, <\/strong><\/p>\n<p><strong>dass man der vorigen nicht mehr gedenken <\/strong><\/p>\n<p><strong>und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.<\/strong><\/p>\n<p>Einmal wird es gar keine Gr\u00e4ber mehr geben.<\/p>\n<p>Niemand wird mehr fragen: Warum?<\/p>\n<p>Nie wieder wird es hei\u00dfen:<\/p>\n<p>Gek\u00e4mpft, gehofft, und doch verloren.<\/p>\n<p>Trauer und Tr\u00e4nen gibt es auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Denn wir sind wieder zusammen \u2013<\/p>\n<p>und alle in Gott \u2013 und Gott alles in allem.<\/p>\n<p>Da wird es auch keine Gewalt mehr geben,<\/p>\n<p>und keinen Hass, der Menschen sinnlos in die Gr\u00e4ber wirft<\/p>\n<p>oder sie zu Asche verbrennt.<\/p>\n<p><strong>Man wird weder Bosheit noch Schaden tun <\/strong><\/p>\n<p><strong>auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.<\/strong><\/p>\n<p>Einmal braucht es keine Gr\u00e4ber mehr.<\/p>\n<p><strong>Denn: So spricht der HERR: <\/strong><\/p>\n<p><strong>Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken <\/strong><\/p>\n<p><strong>und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Herr hat\u2019s geredet.<\/p>\n<p>Gott sagt: <strong>Ich will!<\/strong><\/p>\n<p>Und ich glaube ihm.<\/p>\n<p>Jedes Wort.<\/p>\n<p>Er hat es nicht nur gesagt.<\/p>\n<p>Er war selbst im Grab und ist darin nicht geblieben.<\/p>\n<p>Er ist herausgekommen,<\/p>\n<p>hat den Tod besiegt und hinter sich gelassen.<\/p>\n<p>Ist der Erste im neuen Leben.<\/p>\n<p>Nicht der Einzige, sondern der Erste.<\/p>\n<p>Unser Trost: wir folgen ihm.<\/p>\n<p>Im Leben, im Leiden, im Sterben, im Auferstehen.<\/p>\n<p>Ich will diesen neuen Himmel und diese neue Erde.<\/p>\n<p>Sagt der Herr.<\/p>\n<p>Und es geschieht.<\/p>\n<p>Es soll nichts mehr da sein, was man sich zu Herzen nehmen muss.<\/p>\n<p>Ich will eine Welt ohne Gr\u00e4ber.<\/p>\n<p>Spricht der Herr.<\/p>\n<p>Ich will Freude und Fr\u00f6hlichkeit.<\/p>\n<p>Ohne Grenzen.<\/p>\n<p><strong>Freuet euch und seid fr\u00f6hlich immerdar \u00fcber das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, <\/strong><\/p>\n<p><strong>und ich will fr\u00f6hlich sein \u00fcber Jerusalem und mich freuen \u00fcber mein Volk. <\/strong><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Pfarrer Andreas Schwarz<\/p>\n<p>Pforzheim<\/p>\n<p>p.andreas.schwarz@gmail.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ewigkeit \u2013 das Ende aller Gr\u00e4ber | Ewigkeitssonntag | 21.11.\u201921 | Predigt zu Jesaja 65,17-24 | verfasst von Pfarrer Andreas Schwarz | So spricht der Herr: 17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6182,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,1,2,360,157,114,597,811,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6192","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-andreas-schwarz","category-beitragende","category-deut","category-ewigkeits-totensonntag","category-kapitel-65-chapter-65","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6192"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6202,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6192\/revisions\/6202"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6192"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6192"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6192"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6192"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}