{"id":6258,"date":"2021-11-24T23:29:06","date_gmt":"2021-11-24T22:29:06","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6258"},"modified":"2022-11-08T22:28:49","modified_gmt":"2022-11-08T21:28:49","slug":"predigt-zu-jeremia-235-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-jeremia-235-8\/","title":{"rendered":"Predigt zu Jeremia 23,5-8"},"content":{"rendered":"<h3>Sicher wohnen auf eigenem Boden | 1.Advent | 28. November 2021 | Predigt zu Jeremia 23,5-8 | verfasst von Paul Wellauer |<\/h3>\n<p>Lesung Altes Testament | Jeremia 23,5-8 | Der Davidsspross | Die Z\u00fcrcher Bibel, 2007*)<\/p>\n<p>5 Sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da lasse ich f\u00fcr David einen gerechten Spross auftreten, und dieser wird als K\u00f6nig herrschen und einsichtig handeln und Recht und Gerechtigkeit \u00fcben im Land. 6\u00a0In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, und Israel wird sicher wohnen. Und dies ist sein Name, den man ihm geben wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit! 7\u00a0Darum, sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da wird man nicht mehr sagen: So wahr der HERR lebt, der die Israeliten heraufgef\u00fchrt hat aus dem Land \u00c4gypten!, 8\u00a0sondern: So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgef\u00fchrt und hergebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen L\u00e4ndern, wohin er sie versprengt hat! Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.<\/p>\n<p><em>Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach handelt. Amen<\/em><\/p>\n<p>Psalmgebet Psalm 24 | Gemeinschaft mit Gott | Die Z\u00fcrcher Bibel, 1996**) | Einzug in das Heiligtum 1\u00a0Ein Psalm Davids.<\/p>\n<p>I \u00a0\u00a0 Die Erde ist des HERRN und was sie erf\u00fcllt,<br \/>\nder Erdkreis und die ihn bewohnen.<\/p>\n<p>II \u00a0 Denn er ist es, der sie auf Meeren gegr\u00fcndet,<\/p>\n<p>\u00fcber Str\u00f6men fest errichtet hat.<\/p>\n<p>I\u00a0 \u00a0 Wer darf hinaufziehen zu SEINEM Berg,<br \/>\nwer darf treten an seine heilige St\u00e4tte?<\/p>\n<p>II \u00a0 Wer reine H\u00e4nde hat und ein lauteres Herz,<br \/>\nwer nicht auf Nichtiges seinen Sinn richtet<br \/>\nund nicht falsch schw\u00f6rt.<\/p>\n<p>I \u00a0\u00a0 Der wird Segen empfangen von IHM<br \/>\nund Heil vom Gott seiner Hilfe.<\/p>\n<p>II \u00a0 Das ist das Geschlecht derer, die nach ihm<br \/>\nfragen, die dein Angesicht suchen, Gott Jakobs.<\/p>\n<p>I \u00a0\u00a0 Erhebt, ihr Tore, eure H\u00e4upter,<br \/>\nerhebt euch, ihr uralten Pforten,<br \/>\ndass einziehe der K\u00f6nig der Herrlichkeit.<\/p>\n<p>II \u00a0 Wer ist der K\u00f6nig der Herrlichkeit?<br \/>\nER, der Starke und Held, ER, der Held im Kampf.<\/p>\n<p>I \u00a0\u00a0 Erhebt, ihr Tore, eure H\u00e4upter,<br \/>\nerhebt euch, ihr uralten Pforten,<br \/>\ndass einziehe der K\u00f6nig der Herrlichkeit.<\/p>\n<p>II \u00a0 Wer ist der K\u00f6nig der Herrlichkeit?<br \/>\nER, dem die Heerscharen gehorchen,<br \/>\ner ist der K\u00f6nig der Herrlichkeit.<\/p>\n<p>I+II AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern, verbunden in der Gnade und Liebe Gottes<\/p>\n<p>\u00abHeimat\u00bb: Ein Wort, das wohl in jedem von uns ganz unterschiedliche Gedanken und Gef\u00fchle ausl\u00f6st. Woran denken Sie, wenn Sie \u00abHeimat\u00bb h\u00f6ren?<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise steigen Erinnerungen aus Ihrer Kindheit auf: Unbeschwertes Spielen und Herumtoben in Haus und Garten, mit Freunden um die H\u00e4user ziehen, Abenteuer erleben, Entdeckungen machen: \u00abHeimat ist voller Geheimnisse, die es zu ergr\u00fcnden gilt!\u00bb Oder Sie erinnern sich an eine Wanderung mit sch\u00f6ner Aussicht \u00fcber die Landschaft [wie auf dem Foto] und den begl\u00fcckenden Gedanken: \u00abWunderbar, dass wir hier leben d\u00fcrfen! Heimat ist ein unverdientes Geschenk!\u00bb Vielleicht gilt ihr erster Gedanke beim Begriff Heimat ihrer Wohlf\u00fchlecke, wohin Sie sich zur\u00fcckziehen, um ein gutes Buch zu lesen oder ganz pers\u00f6nlichen Gedanken nachzuh\u00e4ngen: \u00abHeimat ist da, wo ich mich sicher und geborgen f\u00fchle.\u00bb <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6260 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt-1-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt-1-272x182.jpg 272w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt-1.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Es kann sein, dass Bilder aus den Nachrichten vor Ihrem inneren Auge auftauchen: Menschen auf der Flucht, die ihre Heimat verloren haben, weil dort Krieg herrscht oder Verfolgung. Von der urspr\u00fcnglichen Heimat bleiben ein paar Fotos und Erinnerungen, so viel, wie man mit H\u00e4nden tragen oder im Mobiltelefon speichern kann. Heimat: Ein zerbrechliches Gut, eine schmerzliche Erinnerung, ein Riss im Herzen.<\/p>\n<p>Heimat ist eines der grossen Themen des Propheten Jeremia. Er hat von Gott den schwierigen Auftrag erhalten, dem Volk Israel mitzuteilen: \u00abIhr werdet eure Heimat verlieren und verlassen m\u00fcssen! Ihr werdet im Krieg \u00fcberw\u00e4ltigt, gefangen genommen und in die Fremde gef\u00fchrt. Dort m\u00fcsst ihr bleiben und ausharren. Es gibt keine rasche Befreiung, keine einfache L\u00f6sung f\u00fcr diese Entwurzelung!\u00bb<\/p>\n<p>Weite Teile des Prophetenbuchs von Jeremia handeln davon, wie es so weit kommen konnte: Das Volk Israel hat sich nicht an Gottes Gebote gehalten, andere G\u00f6tter verehrt, dem lebendigen Gott den R\u00fccken zugewendet. Krieg, Niederlage und die Wegf\u00fchrung ins babylonische Exil sind die Konsequenz der Untreue von Gottes Volk. Das Volk wird von Gott gestraft. Jeremia verf\u00e4llt nicht in Schadenfreude: Er leidet mit, seelisch und k\u00f6rperlich. Man will ihm seine Schreckensbotschaften und Warnungen nicht glauben, will ihn zum Schweigen bringen. Er wird ins Gef\u00e4ngnis gesteckt und gefoltert. Doch er kann nicht anders, als immer neu weiterzugeben, was er von Gott aufgetragen erh\u00e4lt: \u00abIhr werdet aus eurer Heimat vertrieben und in die Fremde gef\u00fchrt, 70 Jahre m\u00fcsst ihr in Gefangenschaft leben!\u00bb<\/p>\n<p>Jeremia malt ein dunkles Bild der nahen Zukunft. Nur wenige helle Punkte, feine Lichtstrahlen darf er aufleuchten lassen. Unser heutiger Predigttext ist ein solches Licht: Eher ein verletzliches Kerzenlicht als ein heller Scheinwerfer: \u00abIsrael wird sicher wohnen.\u00bb (V6) \u00abDann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.\u00bb (V8) Jeremia erh\u00e4lt von Gott die Zusage, dass es ein Zur\u00fcck gibt: Wenn die Strafe bezahlt, S\u00fchne geleistet ist, wird Gott sein Volk wieder sammeln und in die urspr\u00fcngliche Heimat zur\u00fcckf\u00fchren. Dazu wird er einen K\u00f6nig einsetzen, der den Ehrennamen \u00abDer HERR ist unsere Gerechtigkeit!\u00bb tragen wird. \u00abDieser wird als K\u00f6nig herrschen und einsichtig handeln und Recht und Gerechtigkeit \u00fcben im Land.\u00bb<\/p>\n<p>Wer ist mit diesem K\u00f6nig gemeint? Ist es der Perserk\u00f6nig Kyrus, der 539 v.Chr. Babylon besiegt und die R\u00fcckkehr der gefangenen Israeliten erm\u00f6glicht? Oder ist damit der ganz andere K\u00f6nig gemeint, der als kleines Kind in der Krippe vor rund 2000 Jahren in die Welt kam: Jesus Christus? Oder ist es der Messias, auf den das Volk Israel bis heute wartet?<\/p>\n<p>Eines der Geheimnisse biblischer Verheissungen ist: Sie k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig gedeutet werden und auch mehrmals eintreffen und Wirkung entfalten. Die Frage \u00abWer ist mit diesem K\u00f6nig gemeint?\u00bb, muss demnach nicht mit \u00abentweder \u2013 oder\u00bb beantwortet werden, sondern mit \u00absowohl \u2013 als auch\u00bb. K\u00f6nig Kyros hat nach seinem Sieg die R\u00fcckkehr der Verschleppten erlaubt. Nach den Berichten im Esra-Buch der Bibel hat er dar\u00fcber hinaus den Aufbau des Tempels in Jerusalem erm\u00f6glicht. In seiner Person zeigt sich eine Facette der Verheissung von Jeremia.<\/p>\n<p>Wir feiern heute den 1.Advent: Wir freuen uns auf Weihnachten und die Feier der Geburt von Jesus. In der christlichen Tradition ist dieser \u00abK\u00f6nig der Gerechtigkeit\u00bb niemand anderes als Jesus Christus.<\/p>\n<p>Allerdings richtet Jesus kein K\u00f6nigreich auf, wie das Volk Israel dies von der K\u00f6nigsherrschaft von Saul, David und Salomo her gewohnt war. Seine Waffen sind nicht Speere und Schwerter, sondern N\u00e4chstenliebe und Barmherzigkeit. Seine Befehle sind nicht milit\u00e4risch oder polizeilich, sondern fordern zum F\u00fcsse Waschen und Feinde Lieben heraus. Trotzdem verk\u00f6rpert er g\u00f6ttliche Gerechtigkeit. Allerdings tr\u00e4gt nicht mehr das Volk die Strafe f\u00fcr sein Fehlverhalten, sondern Jesus ertr\u00e4gt diese an seinem eigenen Leib. Er tr\u00e4gt die Schuld des Volkes ans Kreuz und stirbt stellvertretend wie ein Opfertier. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6261 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt1-201x300.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt1-201x300.jpg 201w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt1-8x12.jpg 8w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt1.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/p>\n<p>Die Heimat, die Jesus uns damit erm\u00f6glicht, geht weit \u00fcber die irdische Heimat hinaus: Er bereitet damit himmlische Wohnungen f\u00fcr uns vor. (Johannes 14,2-3)<\/p>\n<p>Jesus selbst lebte in dieser Welt wie ein Heimatloser: \u00abDie F\u00fcchse haben H\u00f6hlen, und die V\u00f6gel des Himmels haben Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.\u00bb (Lukas 9,58)<\/p>\n<p>Ist demnach mit der Aussicht auf eigenen Grund und Boden kein irdisches Land gemeint, sondern die himmlische Heimat nach unserem Tod?<\/p>\n<p>Nein, auch das w\u00e4re eine Verk\u00fcrzung: Das Reich Gottes, von dem Jesus in seinen Gleichnissen so oft erz\u00e4hlt, beginnt inmitten seiner J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen. Wo wir den Worten von Jesus Glauben schenken, und seinem Vorbild folgen, w\u00e4chst das Gottesreich wie Getreide aus Samenk\u00f6rnern und bringt Frucht. Dieses Reich der Gerechtigkeit ist keine Utopie, keine Vertr\u00f6stung auf eine ferne Zukunft, sondern gewinnt heute schon Gestalt, wenn wir dem \u00abK\u00f6nig der Gerechtigkeit\u00bb nachfolgen und seine Werke tun.<\/p>\n<p>Im Advent und an Weihnachten feiern wir nicht nur den \u00abholden Knaben im lockigen Haar\u00bb, wie Jesus im Lied \u00abStille Nacht\u00bb besungen wird, sondern auch die Geburt des \u00abK\u00f6nigs der Gerechtigkeit\u00bb, der sich daf\u00fcr einsetzt, dass hier und heute schon Gerechtigkeit herrscht, Menschen zu ihrem Recht kommen und Ungerechtigkeit Einhalt geboten wird. Den M\u00e4chtigen der heutigen Zeit behagt solches Engagement ebenso wenig wie die Reden von Jeremia den Machthabern seiner Zeit: Die F\u00fcrsprecher f\u00fcr eine gerechte Welt werden auch heute an vielen Orten zum Schweigen gebracht, ins Gef\u00e4ngnis gesteckt und gequ\u00e4lt. Ganz so drastische Reaktionen haben wir bei uns zwar nicht zu erwarten, wenn wir uns f\u00fcr Gerechtigkeit einsetzen, der Schritt zum Kirchenaustritt ist aber rasch gemacht, wenn dieser Einsatz f\u00fcr Menschenrechte auch politische Konsequenzen fordert.<\/p>\n<p>Und ich will gleich in ein weiteres Wespennest stechen: Wenn wir von eigenem Grund und Boden f\u00fcr das Volk Gottes sprechen, wie ist es mit dem Staat Israel? Inwiefern erf\u00fcllen sich die Prophezeiungen des Jeremia, wenn j\u00fcdische Menschen aus aller Welt ins \u00abgelobte Land\u00bb zur\u00fcckkehren? Da gehen die Meinungen weit auseinander: Die eine Seite findet, und darunter sind auch orthodoxe Juden, nur der Messias allein k\u00f6nnen diese R\u00fcckkehr in die urspr\u00fcngliche Heimat, ins verheissene Land anf\u00fchren. Andere sehen in jedem j\u00fcdischen Menschen, der aus einem anderen Land nach Israel einwandert, ein St\u00fcck dieser Prophezeiung von Jeremia in Erf\u00fcllung gehen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6259 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt2-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Unbenannt2.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/> Genauso wie uns Gott beim Thema Gerechtigkeit in die Pflicht nimmt, wird es auch hier so sein, dass nicht ein \u00abentweder \u2013 oder\u00bb die L\u00f6sung ist, sondern \u00absowohl &#8211; als auch\u00bb gilt: Menschen wie du und ich setzen sich daf\u00fcr ein, dass Juden in Israel eine neue Heimat finden. Doch Gott und sein Messias werden es sein, welche dieses Geschehen vollenden und Klarheit schaffen, was himmlischen Bestand hat oder irdisch verg\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p>Ich bin mit der Frage nach Heimat eingestiegen: Was l\u00f6st das Wort \u00abHeimat\u00bb bei Ihnen aus? Wir haben gesehen, dass dieser Begriff wohl von jedem und jeder von uns anders gef\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Jeremia muss seinem Volk eine lange Zeit der Heimatlosigkeit voraussagen. Doch auch dort in der Fremde ist Gott ihnen nahe, er darf ihnen in einem Brief versichern: \u00abSo spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Verbannten, die ich in die Verbannung gef\u00fchrt habe, von Jerusalem nach Babel: Baut H\u00e4user und wohnt darin, pflanzt G\u00e4rten und esst ihre Frucht, nehmt Frauen und zeugt S\u00f6hne und T\u00f6chter, und nehmt Frauen f\u00fcr eure S\u00f6hne und gebt eure T\u00f6chter M\u00e4nnern, damit sie S\u00f6hne und T\u00f6chter geb\u00e4ren, damit ihr dort zahlreicher werdet und nicht weniger. Und sucht das Wohl der Stadt, in die ich euch in die Verbannung gef\u00fchrt habe, und betet f\u00fcr sie zum HERRN, denn in ihrem Wohl wird euer Wohl liegen. Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich \u00fcber euch denke, Spruch des HERRN, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung.\u00bb (Jeremia 29,4-7.11) Auch in der Gefangenschaft hat das Volk Israel eine Bestimmung, einen Auftrag und eine Perspektive. Es soll sich f\u00fcr das Wohl der Stadt einsetzen und nicht in Resignation verfallen. Das Exil in der Fremde ist zeitlich begrenzt. Auch wenn von den Weggef\u00fchrten nach 70 Jahren wohl niemand mehr lebt: Kinder und Enkel werden zur\u00fcckkehren in die urspr\u00fcngliche Heimat, werden dort sicher wohnen auf eigenem Boden.<\/p>\n<p>Heimat ist demnach mehr als ein Ort, der wohlige Gef\u00fchle der Sicherheit und Geborgenheit ausl\u00f6st. Heimat ist ebenso ein Geschenk auf Zeit, versehen mit einem Auftrag: \u00abSetzt euch ein f\u00fcr Gerechtigkeit, f\u00fcr das Wohl des Ortes, an dem ihr wohnt!\u00bb<\/p>\n<p>Heimat in dieser Welt ist etwas Kostbares und Zerbrechliches: Erst die ewige Heimat in Gottes Gegenwart wird uns die Sicherheit geben, nach der wir uns ein Leben lang sehnen. \u00abDenn unsere Heimat ist im Himmel!\u00bb, schreibt Paulus an die Philipper. Und im Hebr\u00e4erbrief ist es eine ganze \u00abWolke von Zeugen\u00bb, die schon hier auf Erden grossartige Wunder und Beispiele von Gottes F\u00fchrung und Heilsplan erleben, sich aber \u00abnach einer besseren Heimat ausstrecken, n\u00e4mlich nach der himmlischen.\u00bb (Hebr\u00e4er 11,16)<\/p>\n<p>\u00abIn seinen Tagen wird Juda gerettet werden, und Israel wird sicher wohnen. [\u2026] So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgef\u00fchrt und hergebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen L\u00e4ndern, wohin er sie versprengt hat! Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.\u00bb (VV 6.8)<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Alternative Psalmgebete<\/strong><\/p>\n<p>Psalm 16 Gott vor Augen ZH2007** \/ Das sch\u00f6ne Erbteil LUT2017***<\/p>\n<p>Psalm 85 Du hast dein Land begnadigt** \/ Bitte um neuen Segen***<\/p>\n<p>Psalm 98 Er kommt, um die Erde zu richten** \/ Der k\u00f6nigliche Richter aller Welt***<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>ERG 56 K\u00f6nig ist der Herr<\/p>\n<p>ERG 363 Macht hoch die T\u00fcr<\/p>\n<p>ERG 795 Sonne der Gerechtigkeit<\/p>\n<p>ERG 838 Suchet zuerst Gottes Reich (= Seek Ye First, Karen Lafferty)<\/p>\n<p>RW 52 Anker in der Zeit<\/p>\n<p>ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p>RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<hr \/>\n<p>*) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>**) Z\u00fcrcher Bibel. Die Evangelien nach Matth\u00e4us, Markus, Lukas, Johannes, Die Psalmen. Fassung 1996, Genossenschaft Verlag der Z\u00fcrcher Bibel, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>**) Die Bibel nach Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p>E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p>Web: <a href=\"http:\/\/www.paulwellauer.ch\">www.paulwellauer.ch<\/a> |<a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.livestream.com\/internetkirche\">www.livestream.com\/internetkirche<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Fotos: \u00a9 Paul Wellauer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicher wohnen auf eigenem Boden | 1.Advent | 28. 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