{"id":6273,"date":"2021-11-24T09:53:45","date_gmt":"2021-11-24T08:53:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6273"},"modified":"2021-11-25T09:59:41","modified_gmt":"2021-11-25T08:59:41","slug":"6273-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/6273-2\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 4,16-30"},"content":{"rendered":"<h3>Die Zeit Gottes ist gekommen! | Erster Advent | 28.11.21 | Lukas 4,16-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Tine Illum |<\/h3>\n<p>\u201eHalte die Hoffnung fest!\u201c So hei\u00dft es in einem modernen d\u00e4nischen Adventslied. Das ist ein Gebet und eine Aufforderung.<\/p>\n<p>Nicht eine therapeutische Ermahnung an mich selbst oder an andere, dass wir uns zusammenrei\u00dfen sollen und die Hoffnung und den Mut nicht verlieren sollen. Nicht noch eine Forderung, selbst daf\u00fcr zu sorgen, dass Seele und Geist gesund bleiben.<\/p>\n<p>Halte die Hoffnung fest!<\/p>\n<p>Das ist ein Gebet \u2013 an Christus, der zu uns kommt.<\/p>\n<p>Zugleich ist es eine Aufforderung, die Hoffnung f\u00fcr andere festzuhalten \u2013 denn im Christentum haben wir es nun einmal nie mit Gott zu tun, ohne dass wir zugleich mit unserem Mitmenschen und unserer Umwelt befasst sind.<\/p>\n<p>Das Lied ist ein Gebet f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Hoffnung.<\/p>\n<p>Dass das, was einmal geschehen wird und fern in der Zukunft liegt als ein unruhiges Zittern, ehe es seine Form findet \u2013 dass das schon jetzt zu sp\u00fcren, zu sehen, zu h\u00f6ren ist, Wirklichkeit wird hier bei uns.<\/p>\n<p>Eine Aufforderung, die Hoffnung festzuhalten f\u00fcr andere. Das, was kommt, wirklich werden lassen \u2013 es hier zu uns kommen lassen, so gut wir das k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen!<\/em>\u00a0 \u2026 h\u00f6rten wir Jesus sagen zu allen in der Synagoge von Nazareth \u2013 und hier zu uns. Mit dieser Hoffnung vor uns k\u00f6nnen wir zitternd geborgen, unvollkommen menschlich in die Adventszeit gehen \u2013 mit Gott und miteinander.<\/p>\n<p>Halte die Hoffnung fest!<\/p>\n<p>Als etwas, was ich h\u00f6ren kann \u2013 als eine Symphonie und ein Adventslied,<\/p>\n<p>etwas, was ich sehen kann, wie eine Weihnachtsrose,<\/p>\n<p>eine Glut aus der Ewigkeit, die im Finstern leuchtet.<\/p>\n<p>Halte die Hoffnung fest! Da kann ich sie sehen, hier wo ich novemberschwer gehe und auf verwelkte Bl\u00e4tter trete und auf Mundschutz und Tr\u00e4ume, die herumliegen wir geplatzte Ballons.<\/p>\n<p>Halte die Hoffnung fest! Dann kann ich die verwandelnde Kraft ahnen, die die Hoffnung in sich tr\u00e4gt, mit sich tr\u00e4gt und entfaltet.<\/p>\n<p>Halte die Hoffnung fest! Dann sehe ich eine Richtung und einen Sinn.<\/p>\n<p>Lass die Hoffnung kommen, \u00fcberw\u00e4ltigend zu gleich zitternd und stark! Sichtbar werden. Gegenw\u00e4rtig sein.<\/p>\n<p>Ist es dies, was geschieht, an diesem Tage in der Synagoge von Nazareth? Heute in unserer Kirche? Eine Vergegenw\u00e4rtigung dessen, was noch nicht ist \u2013 und dennoch ist.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen<\/em>, sagt Jesus. Ihr seht es gerade <em>hier<\/em>. Gerade <em>jetzt<\/em>. Die Erscheinung der Hoffnung mitten unter ihnen. Mitten unter uns.<\/p>\n<p><em>Heute ist die Prophetie, die Ihr gerade geh\u00f6rt habt, in Erf\u00fcllung gegangen!<\/em><\/p>\n<p>Heute! Aber das kann ja nicht stimmen, das kann ja jeder sehen! Wo sind alle die Wunder? Wo bleibt der Friede in der Welt und ein Leben ohne R\u00f6mermacht und Restriktionen. Die Zeit ist gar nicht g\u00f6ttlich. Nein, so etwas w\u00fcrde ein ordentlicher Prophet nie sagen. Dessen sind sie jedenfalls gewiss. Das hier gen\u00fcgt einfach nicht. Das ist nur ein Mann, dazu noch einer, dessen Eltern wir kennen. Wo sind die Gottesbeweise und das Reich und die Macht und die Herrlichkeit! Wenn hier etwas zittert, dann ist es das \u00c4rgernis.<\/p>\n<p>Und <em>dann<\/em> kommt es:<\/p>\n<p>Ein Prophet von Gott ist nicht nur geschickt zu seinen eigenen Leuten. Er passt sich nicht den Erwartungen an, sondern er kommt mit etwas Neuem von Gott. Und h\u00e4lt fest an der Hoffnung f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n<p>Jesus erinnert sie daran, dass die Wunder Gottes nicht den Leuten aus Nazareth vorbehalten sind \u2013 oder den Israeliten oder denen die ihnen gleichen mit dem richtigen Glauben. Nein, es war eine Witwe aus Sidon im Libanon, die Besuch bekam vom Propheten Elias. Und ein anderer Prophet sorgte daf\u00fcr, dass der Syrer Naaman geheilt wurde.<\/p>\n<p>Sie wurden w\u00fctend, erz\u00e4hlt Lukas in seinem Evangelium, und jagten Jesus aus der Stadt und wollten ihn umbringen. Das gelang nicht \u2013 noch nicht.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen!<\/em><\/p>\n<p><em>Heute ist diese Prophetie, die ihr geh\u00f6rt habt, in Erf\u00fcllung gegangen.<\/em><\/p>\n<p>Jetzt geh\u00f6rt alle Zeit Gott!<\/p>\n<p>Steh auf und sieh das! H\u00f6re es! Merke es! Es gilt dir. Ganz gleich in was f\u00fcr einer hoffnungslosen Finsternis du dich befindest.<\/p>\n<p>Es geschieht jetzt.<\/p>\n<p>Es geschieht heute.<\/p>\n<p>Er kommt hier und jetzt in unserer Kirche.<\/p>\n<p>Er kommt und er <em>ist<\/em> Gott bei uns \u2013 und immer, wenn wir von ihm h\u00f6ren oder h\u00f6ren, was er sagt, dann bringt dies Freiheit, \u00dcberraschung und eine St\u00f6rung. Dann kommt er mit etwas Neuem. Mit Ver\u00e4nderung, neuen M\u00f6glichkeiten, Verwandlung. Er kommt von vorn &#8211; aus der Zeit, die kommt.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen!<\/em> Die Zukunft hat begonnen. Das nennen wir auch Vergebung, Vers\u00f6hnung, Vergebung der S\u00fcnden.<\/p>\n<p>Das ist Gnade und das ist eine Forderung, dann auch so zu leben.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren st\u00e4ndig, dass Jesus bewusst unsere festen Vorstellungen davon angreift, was der richtige Glaube und das rechte Leben ist, er provoziert uns dazu, neugierig zu sein und unsere Phantasie zu gebrauchen \u2013 und f\u00fcr unseren N\u00e4chsten Zeichen der Hoffnung zu sein. Das ist befreiend und erschreckend zugleich. Zitternd.<\/p>\n<p>Das betrifft uns alle.<\/p>\n<p>Das betrifft die, die ein fixes und fertiges Bild davon hatte, wer Gott ist und wie wir denken und glauben sollen, oder die meinte, wir k\u00f6nnten uns zu dem, wer Gott ist, meditieren oder philosophieren.<\/p>\n<p>Oder es betrifft ihn, der in seinen Vorurteilen wohl zu klug war, um an Gott zu glauben \u2013 oder ihn, der in seiner Verzweiflung glaubte, Gott h\u00e4tte ihn versto\u00dfen.<\/p>\n<p>Oder es betrifft uns, die den Stern der Weihnacht etwas aus der Distanz sehen, als gem\u00fctlichen Schmuck \u2013 aber wohl nicht als Wegweiser, denn wir sind wohl selbst Sterne in unserem eigenen Leben.<\/p>\n<p>Zu uns kommt er.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen! <\/em>Zu dir und mir.<\/p>\n<p>Er h\u00e4lt die Hoffnung fest! Als ein Ausrufezeichen.<\/p>\n<p>Und als ein Fragezeichen:<\/p>\n<p>L\u00e4sst du die Hoffnung eine in die Zukunft gerichtete und verwandelnde Kraft in deinem Leben sein? Da ist adventliches Leben in der Welt.<\/p>\n<p>Dem sollst du folgen, w\u00e4hrend die Lichter des Adventskranzes nacheinander angez\u00fcndet werden, wenn der Weihnachtsbaum erstrahlt und wenn der Stern der Heiligen der K\u00f6nige dir den Weg erhellt hinein in alle Alltage der Weihnacht.<\/p>\n<p>Die Zeit Gottes kommt immer dann, wenn Unterdr\u00fcckte befreit werden, und immer dann, wenn Hungernde Brot bekommen, immer dann, wenn Trauernde getr\u00f6stet werden, und immer dann, wenn Fremde aufgenommen werden.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen! <\/em>Und sie kommt. \u00dcberraschend und neu. Und wir beten: \u201eDein Wille geschehe, dein Reich komme\u201c.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen!<\/em> Sie ist gerade dort, wo Christus ist \u2013 und im ganzen Kirchenjahr werden wir davon h\u00f6ren, dass die Zeit Gottes beim den Geringsten beginnt:\u00a0 Den Gefangenen, Unterdr\u00fcckten, den Blinden. im Stall, bei den Hirten, in einem Mann am Kreuz. Die Zeit Gottes beginnt in den finstersten Ecken in uns und in der dunkelsten Tiefe unseres Herzens. Hier wird die Christus-Hoffnung eingepflanzt, zitternd und stark.<\/p>\n<p>Ganz gleich wo du heute in der Kirche bist \u2013 und wie gro\u00df oder klein dein Glaube oder deine Hoffnung ist \u2013 so bist du hier Christus begegnet. Er kommt zu dir und zu mir. Und h\u00e4lt uns die Hoffnung entgegen.<\/p>\n<p>Und wir begegnen ihm, wenn wir aus der Kirche kommen. Wir begegnen Christus in der armen Frau, die ihr Zuhause in zwei T\u00fcten hat und wahnsinnig geworden ist aus Trauer und Einsamkeit. Wir begegnen ihm in dem jungen Mann, der unter der Br\u00fccke \u00fcbernachtet, zum Fr\u00fchst\u00fcck Bier trinkt und seiner Mutter in Polen eine SMS schickt. Wir begegnen Christus in den Betten auf den Intensivabteilung und in dem kleinen verkommenen M\u00e4dchen auf der Stra\u00dfe. Da sollen wir die Hoffnung festhalten und entgegenhalten. Und wir sollen das freigiebig und vorbehaltlos tun. Denn so haben wie es empfangen. An diesem ersten Advent \u2013 und an jedem Sonntag.<\/p>\n<p><em>Die Zeit Gottes ist gekommen!<\/em><\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Tine Illum<\/p>\n<p>DK-6091 Bjert<\/p>\n<p>Email: ti(at)km.dk<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit Gottes ist gekommen! | Erster Advent | 28.11.21 | Lukas 4,16-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Tine Illum | \u201eHalte die Hoffnung fest!\u201c So hei\u00dft es in einem modernen d\u00e4nischen Adventslied. Das ist ein Gebet und eine Aufforderung. 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