{"id":6312,"date":"2021-11-23T23:16:09","date_gmt":"2021-11-23T22:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6312"},"modified":"2021-11-26T23:19:40","modified_gmt":"2021-11-26T22:19:40","slug":"jeremia-23-5-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-23-5-8\/","title":{"rendered":"Jeremia 23, 5-8\u00a0"},"content":{"rendered":"<h3>Advent \u2013 worauf warten? | 1. Advent | 28.11.2021 | Jer. 23, 5-8&nbsp; | verfasst von Thomas-M. Robscheit |<\/h3>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Hinweis: Wenn der Text z.B. als AT-Lesung verwendet wird, sollte er Jer. 1-8 umfassen.<\/em><\/p>\n<p>Friede sei mit Euch! Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder. Der Advent hat begonnen. Bis vor kurzem war das eine von Hektik mit Zimtaroma und klebriger S\u00fc\u00dflichkeit gepr\u00e4gte Zeit. Alle Jahre wieder auch der Vorsatz, keinen Gl\u00fchwein mehr zu trinken. Geschichte. Alles Geschichte.&nbsp; Das Gedr\u00e4nge auf den \u201eJingle-Bells\u201c- Weihnachtsm\u00e4rkten, die eigentlich Adventsm\u00e4rkte h\u00e4tten hei\u00dfen m\u00fcssen. Eine verblassende Erinnerung. Wird sich das mal wieder \u00e4ndern? Kommt das wieder? Zumindest in diesem Jahr wird es diese vertraute Adventszeit nicht geben. Was gibt es dann? Was ist mit Advent?<\/p>\n<p>Auf welche Ankunft wird gewartet?<\/p>\n<p>Worauf warten Sie?<\/p>\n<p>F\u00e4llt es Ihnen schwer diese Frage zu beantworten?<\/p>\n<p>Es ist leichter zu sagen, was nicht kommen, was wieder verschwinden soll: dass endlich die Beschr\u00e4nkungen der Pandemie \u00fcberwunden werden. Dass zu Weihnachten kein Lockdown oder Besuchsverbot das Fest zerst\u00f6rt. Dass niemand von den Lieben ernstlich erkrankt oder gar verstirbt; dass unser Gesundheitswesen nicht kollabiert.<\/p>\n<p>Vielleicht sieht auch mancher von Ihnen mit gro\u00dfer Sorge auf die mentale Entwicklung in unserem Land, ja&nbsp;in der ganzen Welt: die Spaltung, die Verh\u00e4rtung der Positionen. Dahinter steckt das Versinken in die Bedeutungslosigkeit einer unserer wichtigsten abendl\u00e4ndischen Errungenschaften: sapere aude \u2013 wage weise zu sein; die Diskussion, das Abw\u00e4gen der Argumente, die Synthese aus These und Antithese. Ich habe den Eindruck, dass unsere Gesellschaft in ihren eigen Fundamenten herum hackt und sie aush\u00f6hlt, Demokratie durchl\u00f6chert und sich so selber den Boden entzieht. Ein biblischer Prophet w\u00fcrde schreiben: sie sind wie umherirrende Schafe. \u00c4ngstlich, zerstreut und orientierungslos.<\/p>\n<p>Da w\u00fcnscht man sich einen starken Hirten.<\/p>\n<p>So wie Jeremia (Jer. 23, 4-6) damals in einer politisch schwierigen Zeit, die mit dem Untergang Jerusalems endete:<\/p>\n<p><em>Und ich will Hirten \u00fcber sie setzen, die sie weiden sollen, dass sie sich nicht mehr f\u00fcrchten noch erschrecken noch heimgesucht werden, spricht der HERR.\u202fSiehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein K\u00f6nig sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande \u00fcben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: \u00bbDer HERR ist unsere Gerechtigkeit\u00ab.<\/em><\/p>\n<p>Der Wunsch nach politisch stabilen Zeiten steckt in diesen Zeilen. Verst\u00e4ndlich. Jeremia mu\u00dfte erleben, wie er das drohende Unheil vorhersah, davor warnte und ich kein Geh\u00f6r geschenkt wurde und er recht behielt. Wie frustrierend das ist! Kassandra-Rufe. Wobei, der Vergleich hinkt: Beide haben unter ihren besonderen Lebensumst\u00e4nden sehr zu leiden gehabt. Jeremia beklagt sich bei Gott, warum er ihm das alles aufb\u00fcrdet. Aber w\u00e4hrend die mythologisch erz\u00e4hlte Kassandra die Gabe (oder den Fluch) des Hellsehens hatte, war die Prophetie des historisch greifbaren Jeremias eine andere: Er hat, wie auch andere Propheten der Bibel, auf Missst\u00e4nde hingewiesen, angeklagt und die Linie von der Gegenwart in die Zukunft gezogen: Wenn ihr euer Verhalten nicht \u00e4ndert, wird das schwerwiegende Konsequenzen haben. Das richtet sich an politisch Verantwortliche mit ihrer zweifelhaften Politik, die Selbstbeweihr\u00e4ucherung und die Doppelmoral seiner Zeitgenossen. Er brauchte keine Visionen um das Donnergrollen am Horizont zu sehen; seine menschlichen Sinne und F\u00e4higkeiten waren daf\u00fcr ausreichend. Wenn ich in diesen Tage Interviews vom Sommer lese, in denen sich Virologen zu den Aktivit\u00e4ten der Politik ge\u00e4u\u00dfert hatten, kommt mir vieles erschreckend parallel vor! Jeremia sieht den drohenden Kollaps, droht den falschen Hirten den Untergang an.<\/p>\n<p>Und hat Hoffnung. Hoffnung auf einen guten Hirten, einen gerechten K\u00f6nig. Diese Hoffnung l\u00e4\u00dft ihn die Qual der Ignoranz aushalten. Er wird kommen. Der gerechte K\u00f6nig. Irgendwann, ganz gewi\u00df! Darauf wartet Jeremia in seiner Verzweiflung.<\/p>\n<p>Worauf warten Sie? Auch auf einen starken Mann oder eine starke Frau? Im Radio heute die H\u00f6rerbefragung zum Thema Impfpflicht. Ein nicht geringer Teil ist daf\u00fcr. Aber nicht aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden. Sie meinen ein Gesetz, ein hartes Durchgreifen w\u00fcrde die Diskussionen und Spaltungen in der Gesellschaft beenden. Der Wunsch, den auch Jeremia hat. Er kannte es nicht anders. Ein Volk hat einen guten oder einen schlechten K\u00f6nig. Klug oder dumm; mitmenschlich oder zynisch. Es gibt einen, der sagt, wo es langgeht. Dabei dann die Hoffnung, dass es ein gerechter K\u00f6nig ist. Auch in uns steckt dieser Wunsch. Unsere Glaubensbilder sind voll davon: Gott ist K\u00f6nig, sitzt auf dem Thron; Jesus der gute Hirte. Er kennt die seinen und sie folgen ihm nach. Wie tr\u00f6stlich ist diese Vorstellung, dass jemand den Weg kennt und auch in dunklen T\u00e4lern f\u00fchrt. So kann man Frieden finden.<\/p>\n<p>Warten wir auf diesen starken Mann in unserer zerrissenen Welt? G\u00e4be es doch ein Gesetz, alles w\u00e4re einfacher. Vielleicht. Einfacher. Aber auch richtig?<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, liebe Schwestern, liebe Br\u00fcder. Wir leben nicht mehr zu Jeremias Zeiten: Wir sind heute \u00fcberzeugt davon, dass Menschen nicht nur tr\u00f6ge Schafe sind. Wir pochen auf Freiheit, auf Rechte. Damit verbunden sind aber auch Verantwortung&nbsp;und Pflichten. Es mag sein, dass wir wie irrende Schafe sind. Aber m\u00fcssen nicht warten. Nicht auf einen starken Mann, nicht auf eine durchsetzungsfreudige Frau, nicht auf ein Gesetz! Wir haben einen guten Hirten, auch wenn viele ihn f\u00fcr schwach halten. Wir sehen seinen Stab und kennen die Richtung. Es ist an uns, ihm entgegenzugehen, heraus aus der Finsternis und den N\u00e4chsten im Blick. Kleine Schritte, die andere mitnehmen, die Orientierung denen geben, die den Hirtenstab nicht sehen. Dann wird Advent. Wir sind die, die ankommen! Im Stall bei einem Baby. Bei einem Baby, dessen Menschenliebe die Welt ver\u00e4ndert hat und immer wieder ver\u00e4ndern kann, dort wo Menschen nicht warten, sondern ihm entgegen gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Advent \u2013 worauf warten? | 1. Advent | 28.11.2021 | Jer. 23, 5-8&nbsp; | verfasst von Thomas-M. Robscheit | &nbsp; Hinweis: Wenn der Text z.B. als AT-Lesung verwendet wird, sollte er Jer. 1-8 umfassen. Friede sei mit Euch! Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Br\u00fcder. Der Advent hat begonnen. Bis vor kurzem war das eine von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6262,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[605,23,1,2,157,114,819,349,109,318],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6312","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-advent","category-jeremia","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-23-chapter-23-jeremia","category-kasus","category-predigten","category-thomas-m-robscheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6312","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6312"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6312\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6314,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6312\/revisions\/6314"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6312"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6312"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6312"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6312"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6312"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6312"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6312"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}