{"id":6339,"date":"2021-11-28T01:14:03","date_gmt":"2021-11-28T00:14:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6339"},"modified":"2021-12-01T15:17:03","modified_gmt":"2021-12-01T14:17:03","slug":"6339-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/6339-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,1-13"},"content":{"rendered":"<h3>2. Advent 2021 | Matth\u00e4us 25,1-13 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Preben Kr\u00e6n Christensen |<\/h3>\n<p>Wir haben nun oft genug gr\u00fcndlich die Botschaft geh\u00f6rt, dass wir in einem globalen Dorf leben \u2013 und dass D\u00e4nemark eine multiethnische Gesellschaft geworden ist. Und das kann vielleicht alles richtig sein \u2013 aber wir sind also auch ein christliches Land.\u00a0 Wir sind ein Volk, das an Gott den Vater und seinen Sohn Jesus Christus glaubt \u2013 wir glauben an den lebendigen Gott, den Gott des Lebens, der zu jedem von uns spricht in Geist und Wahrheit. Deshalb z\u00fcnden wir Kerzen an in dieser Adventszeit. Die Frage ist, ob wir dies tun, weil wir so klug sind, dass wir eine Dimension der Hoffnung in die Welt setzen \u2013 oder ob wir uns nur selbstzufrieden hinsetzen, um auf das Licht zu starren.<\/p>\n<p>Wir wissen, wie man dahind\u00f6sen kann, wenn man sitzt und ins Licht starrt, aber die Funktion des Lichts ist eher die, dass es in der Welt leuchten soll. Die Sache ist ganz einfach die, dass Gott sich nicht im Licht versteckt, sondern selbst Licht ist \u2013 das Licht, das die Finsternis vertreibt. Auf diesen Glauben taufen wir unsere Kinder.<\/p>\n<p>Gott ist mit anderen Worten nicht in der Vergangenheit verborgen \u2013 er ist keine historische Versteinerung, die nur mit etwas rituellem Weihnachtsfeiern verbunden ist. Die, die eine Hochzeitsnacht erlebt haben, wissen, wie gro\u00dfartig das ist \u2013 eine F\u00fclle von Liebe! Auf diese Nacht warten wir, und sie trifft ein, wenn der Himmel die Erde k\u00fcsst!<\/p>\n<p>Gott ist das lebendige Wort, und wir sind seine Gesch\u00f6pfe \u2013 verletzlich, und wir brauchen diesen leibenden und barmherzigen Gott. Um uns zu tragen und nicht zuletzt um uns zu verzeihen in den komplizierten Verwicklungen des Lebens.<\/p>\n<p>Nun sitzen wir alle hier, und ich w\u00fcrde gerne wissen, ob wir uns so wie die bereiten Jungfrauen verstehen sollen, die klugen Jungfrauen, die sowohl Lampen als auch \u00d6l bereit haben. Wenn das der Fall w\u00e4re, dann s\u00e4he es nat\u00fcrlich nicht gut aus f\u00fcr den \u00fcbrigen Teil der d\u00e4nischen Bev\u00f6lkerung. Das w\u00fcrde dann bedeuten, dass gut 80 % der d\u00e4nischen Bev\u00f6lkerung mit den Jungfrauen zu vergleichen sind, die sich nicht auf irgendetwas vorbereitet hatten und deshalb drau\u00dfen in der K\u00e4lte bleiben mussten.<\/p>\n<p>Ist der Sinn des Gerichts im Christentum, dass da einige mit dabei sind und andere drau\u00dfen vor? Wenn das der Sinn ist, dann verstehe ich einfach nicht die Worte, die wir bei jeder Taufe h\u00f6ren, dass Gott unseren Ausgang und Eingang bewahren wird. Gott bewahrt \u201edas Kind\u201c, der Mensch bewahrt nicht sich selbst. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich uns selbst und unseren N\u00e4chsten im Alltag beh\u00fcten, aber die ewige Seligkeit \u2013 das Leben bei Gott steht nicht in unsere Macht. Darauf k\u00f6nnen wir h\u00f6chstens hoffen und daran glauben, dass wir dies allein aufgrund der Liebe Gottes zu uns erlangen.<\/p>\n<p>In dem Text von den Jungfrauen h\u00f6ren wir von denen, die sich selbst genug sind, sie wollen nicht mit anderen teilen. Man sieht noch ihre Schuhsohlen, w\u00e4hrend sie hineinlaufen, und dann h\u00f6ren wir, wie die T\u00fcr zugeschlagen wird. Und da stehen wir \u2013 drau\u00dfen in der K\u00e4lte und sind ratlos. Hier stehen wir mit den vielen Bankquittungen f\u00fcr wohlt\u00e4tige Einricht6ungen und Organisationen. Aber damit haben wir den Eintritt nicht verdient. Hier aus der Finsternis und K\u00e4lte m\u00fcssen wir hoffen, dass Gott unser Gebet h\u00f6rt, das ganz einfach nach Hilfe ruft.<\/p>\n<p>Die Frage, die wir nat\u00fcrlich uns selbst und Gott stellen m\u00fcssen, ist die: Was in aller Welt war es, wof\u00fcr er damals vor 2000 Jahren Mensch wurde, als der Stern von Bethlehem sein Licht in die Welt sandte? War das f\u00fcr die, die selber k\u00f6nnen, oder f\u00fcr die, die im Finsteren sitzen? War das f\u00fcr die frommen Pharis\u00e4er und \u00fcberhaupt f\u00fcr die Gesetzestreuen, die er besuchte, oder waren es die Dirne, der Steuerbetr\u00fcger, der Kriminelle, die Ehebrecherin, die Ausgesto\u00dfenen, der Z\u00f6llner? Ganz ehrlich! War das, was er ihnen versprach, nicht die Teilhabe am Reich Gottes? War das, was da geschah, etwa nur dies: Unser Herr reichte ihnen die linke Hand, und wenn man glaubt, nun ist etwas Neues geschehen, etwas ganz entscheidend Neues \u2013 dann schl\u00e4gt er hart und brutal die T\u00fcr zu \u2013 hin zu ihm und seinem Reich mit seiner rechten Hand, die\u00a0 selbst Tyson in den schatten stellt.<\/p>\n<p>Ja, wenn wir nach menschlichem Ma\u00dfstab urteilen, dann w\u00e4re es vielleicht richtig, dass es jedem bzw. jeder so geht, wie er bzw. sie es verdient hat. Aber hier in diesem pr\u00e4chtigen Raum, zu dem also alle Zugang haben, ob ihre Lampen nun leuchten oder nicht, ob ihre Lampen vor \u00d6l strotzen oder nicht, da wird und gesagt, dass Gnade vor Recht ergeht. Das bedeutet, vor unserem Gott gelten unsere eigenen Leistungen oder unser Mangel an Leistungen also nicht. Wenn das Christentum nicht so zu verstehen sein sollte, m\u00fcsste ich etwas missverstanden haben.<\/p>\n<p>Immer wieder erlebe ich, dass ich meine Lampe vergessen habe, und wenn ich einmal daran gedacht habe, sie mitzunehmen, fehlt mir in der Regel v\u00f6llig der Brennstoff. Da bleibt nur Christus \u2013 aber das ist aus meiner Sicht auch genug f\u00fcr jeden christlichen Menschen. Ich habe nur die Hoffnung, dass er das Licht ist, das f\u00fcr mich brennt \u2013 dass er die Flamme ist, die mich w\u00e4rmt.\u00a0 Dass er die Quelle des Lebens sein wird, von der ich trinken kann \u2013 dass er der Hirte sein wird, wenn ich mich verirrt habe. Dass er mich tr\u00f6sten wird, wenn ich Angst habe, wenn ich verlassen bin und wenn mich Einsamkeit und Angst bedr\u00fccken.\u00a0 Und dann habe ich den Glauben daran, dass er mich erwecken wird, wenn ich einschlafe. Dass er die Lampe f\u00fcllt und mich weitergehen l\u00e4sst in diesem Leben hier mit seinen Sorgen und seinem Segen.<\/p>\n<p>Herrgott, es ist ja keine gro\u00dfe Sache, die einzuladen in sein Haus, mit denen man sich gutsteht. Menschen, die dasselbe meinen, Menschen, die vorbereitet sind und die Lampen und das \u00d6l und alles andere in Ordnung haben \u2013 die kann man ja gerne einladen in sein Haus. Schwieriger wird mit den \u201eanderen\u201c, wie man zu sagen pflegt, Menschen, die nicht in den richtigen Kreisen verkehren, Menschen, die nicht aufgetankt haben, weder in Bezug auf die Natur noch in Bezug auf die Familie.<\/p>\n<p>Wenn Gott uns nicht die T\u00fcr \u00f6ffnet, dann habe ich etwas missverstanden. Dann habe ich falsch geglaubt, gehofft und geliebt. Und dann geschieht hier nichts Neues! Aber alles wurde ja neu f\u00fcr uns. Und das ist seitdem unser Trost gewesen. Wie unsere Vorv\u00e4ter sich daran tr\u00f6steten, dass Gott uns die T\u00fcr ge\u00f6ffnet hat, die sie selbst nicht \u00f6ffnen konnten, auch wenn sie mit noch so vielen guten und frommen Werken aufwarteten \u2013 so \u00f6ffnet er die T\u00fcr f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Ich habe immer Gott verstanden als das Licht, dass ich selbst leihen darf, weil ich selbst kein Licht habe.<\/p>\n<p>Ich habe immer geglaubt, dass Gott mein Gebet h\u00f6rt, wenn ich bete.<\/p>\n<p>Und wenn das nicht so ist, dann ist der Gott, der Weinachten Mensch wurde, auf den wir jedes Jahr in der Adventszeit warten und den wir erwarten, nicht besser als unsere eigene Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Wir brauchen und d\u00fcrfen es nicht zulassen, dass die Finsternis uns terrorisiert, sondern wir d\u00fcrfen Licht anz\u00fcnden und das Licht am leben erhalten. In unserem Innern \u2013 aber auch im t\u00e4glichen Leben miteinander.<\/p>\n<p>Bald werden wir sehen, dass das, was die Freude des Lebens ist, nicht das ist, was wir erreicht haben, sondern das, was uns widerfuhr.<\/p>\n<p>Angesichts des Wortes: \u201eWerde Licht\u201c, muss die Finsternis weichen. Nacht wird zum Tage, Winter wird zum Sommer, Friede wird denen zuteil, die geliebt sind.<\/p>\n<p>Wenn der Adventskranz verwelkt ist und die nadeln abgefallen sind, z\u00fcnden wir das Licht ein letztes Mal an, aber das Licht, das wir nicht anz\u00fcnden k\u00f6nnen, dass z\u00fcndet Gott f\u00fcr uns an. Alles wird Licht \u2013 die Vergangenheit wird zu Asche. Das Leben ist jetzt!<\/p>\n<p>Wir wissen aber auch, dass der Tag, wo der L\u00e4rm verstummt und die H\u00e4nde ruhen an unserer Seite, oder gefaltet sind auf unserer Brust \u2013 der Tag ist, an dem die Finsternis kommt. An dem Tag sehen wir das Licht zu uns kommen mit Frieden trotz unserer Angst und unseren Sorgen \u2013 da wird die Trauer zu Freude. Da wird die Hand Gottes unsere Hand ergreifen. Wir glauben an diesen lebendigen Gott, auch wenn die Herzen beben. Wir glauben, dass das Licht den finsteren Gedanken besiegt. Deshalb \u201etragen wir Fackeln voll Freude\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Deshalb z\u00fcnden wir Licht an in dieser Adventszeit. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Propst Preben Kr\u00e6n Christensen<br \/>\nDK-6710 Esbjerg V<\/p>\n<p>E-Mail: pkch(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zitat eines Liedes von Grundtvig im d\u00e4nischen Gesangbuch Nr. 733, deutsch im Deutsch-d\u00e4nischebn Kirchengesangbuch Nr. 733.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. 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