{"id":6353,"date":"2021-12-08T17:06:00","date_gmt":"2021-12-08T16:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6353"},"modified":"2021-12-10T13:54:44","modified_gmt":"2021-12-10T12:54:44","slug":"predigt-zu-1-korinther-4-1-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-1-korinther-4-1-5\/","title":{"rendered":"Predigt zu 1. Korinther 4, 1-5"},"content":{"rendered":"<h3>3. Advent | 12. 12. 2021 | 1. Korinther 4, 1-5 | verfasst von Winfried Klotz |<\/h3>\n<p>4, 1 Ihr seht also, wie ihr von uns denken m\u00fcsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben.&nbsp;&nbsp;&nbsp; 2,7<\/p>\n<p>2 Von Verwaltern wird verlangt, dass sie zuverl\u00e4ssig sind.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Lk 12,42<\/p>\n<p>3 Aber f\u00fcr mich z\u00e4hlt dabei nicht, wie ich von euch oder von irgendeinem menschlichen Gericht beurteilt werde. Auch ich selbst ma\u00dfe mir kein Urteil an.<\/p>\n<p>4 Mein Gewissen ist zwar rein, aber damit bin ich noch nicht freigesprochen, denn mein Richter ist der Herr.&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Apg 24,16S<\/p>\n<p>5 Urteilt also nicht vorzeitig, bevor Christus kommt, der das Verborgene ans Licht bringen und die geheimsten Gedanken enth\u00fcllen wird. Dann wird Gott das Lob austeilen, so wie jeder und jede es verdient.&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;3,8; R\u00f6m 2,16<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Paulus im Rechtfertigungsstress, so k\u00f6nnte ich diesen Abschnitt \u00fcberschreiben. Das klingt etwas \u00fcbertrieben, aber wenn ich den vorhergehenden Abschnitt und das Folgende einbeziehe, dann ist das nicht abwegig. Paulus im Rechtfertigungsstress, von denen beurteilt und gemessen, die durch ihn und Apollos die gute Nachricht von Jesus geh\u00f6rt und angenommen haben.<\/p>\n<p>Apollos, da fangen die Probleme schon an, wer ist der bessere Prediger von beiden? Wer von beiden hat weisheitsvoller, eindr\u00fccklicher, verst\u00e4ndlicher gepredigt? Wer hat mehr N\u00e4he zu den Gl\u00e4ubigen gehabt und war der bessere Seelsorger und Ratgeber? Wer ist der Sympathischere mit dem man sich freundschaftlich verbunden f\u00fchlt? Wem lohnt es sich also zu folgen? Sehr menschlich oder muss ich nicht sagen, eigens\u00fcchtig haben die Korinther da sortiert. Sie haben sich in Fanclubs aufgeteilt und gegeneinander agiert.<\/p>\n<p>Wer ist der Bessere? Oder um gleich unsere Situation in den Gemeinden heute einzubeziehen: Wer ist die oder der Bessere? Wir betrachten diesen Abschnitt doch nicht aus historischem Interesse, sondern weil auch wir in der Wirkungsgeschichte des Evangeliums von Jesus leben als Gemeinden und Christen mit allen menschlichen Schw\u00e4chen und Irrwegen. Weil auch bei uns nicht purer Sonnenschein die Kirchen und Gemeindeh\u00e4user durchflutet und alle Herzen fr\u00f6hlich und dankbar macht, sondern Gerangel um Einfluss und Macht, um Sympathie und Anerkennung den gemeinsamen Weg verdunkeln. Weil auch bei uns der Dienst in Kirche und Gemeinde eher nach den Kriterien von Leistung und Erfolg beurteilt wird als nach geistlichen Kriterien.<\/p>\n<p>Exkurs: Ich will das ein wenig pers\u00f6nlich unterlegen: Als ich nach dem Studium ins Predigerseminar kam und mich nun im Raum von Kirche und Bekenntnis w\u00e4hnte, spielte das Bekenntnis \u00fcberhaupt keine Rolle. Ich wurde von kirchenleitender Stelle nie nach meiner pers\u00f6nlichen Glaubensgeschichte gefragt, das in der Ordination abzulegende Versprechen war nicht Gegenstand eines Gespr\u00e4chs. Gepr\u00fcft wurden nur die F\u00e4higkeiten in Predigt, Seelsorge und Unterricht, dazu noch ein wenig Kirchenrecht. Mein Eindruck \u2013 und das hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert ist: PfarrerInnen sind Angestellte der Kirche, verpflichtet auf Schrift und Bekenntnis, die aber beliebig bleiben. Und so wird bei Auseinandersetzungen die Kirchenordnung bem\u00fcht, w\u00e4hrend geistliche Kriterien nebul\u00f6s bleiben.<\/p>\n<p>Geistliche Kriterien: Paulus schreibt: \u201eIhr seht also, wie ihr von uns denken m\u00fcsst: Wir sind Menschen, die im Dienst von Christus stehen und Gottes Geheimnisse zu verwalten haben. Von Verwaltern wird verlangt, dass sie zuverl\u00e4ssig sind.\u201c (V. 1-2)<\/p>\n<p>Diener Christi, Verwalter der Geheimnisse Gottes beschreibt ein enges Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis nicht zu einer Kirche, sondern zu dem, der Br\u00fccke \u00fcber den Abgrund all dessen ist, was uns von Gott, der Quelle des Lebens trennt, Jesus Christus. Ein Diener Christi, ein Verwalter der Geheimnisse Gottes, hat zuerst f\u00fcr sich selbst den Dienst Christi erfahren; ihm\/ ihr ist Gottes Geheimnis er\u00f6ffnet worden, n\u00e4mlich Leben und Seligkeit durch den gekreuzigten Christus. (Kap. 2, 1-2) Er \/sie hat die Gewissheit empfangen durch den Geist Gottes, dass Gott durch den gekreuzigten Jesus gottlose Menschen gerecht macht, heiligt und erl\u00f6st. (Kap. 1, 30) Das ist Ausgangspunkt f\u00fcr den Dienst f\u00fcr Christus; dazu kommt eine F\u00fchrung in den Dienst, die Welt ein bisschen besser machen zu wollen ist noch keine Berufung in den Dienst Christi.<\/p>\n<p>Das ist nach Paulus der Stand eines Dieners, einer Dienerin Christi. Treu, zuverl\u00e4ssig sollen Menschen sein, die Christus dienen. Sie leben in der Gegenwart des Auferstandenen und erwarten sein Kommen. Jesus hat in einem Gleichnis beschrieben, wie ein verantwortungsbewusster Diener handelt: \u201eWer von euch ist nun der treue und kluge Diener, dem sein Herr den Auftrag gegeben hat, die \u00fcbrige Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem p\u00fcnktlich seine Tagesration auszuteilen? Ein solcher Diener darf sich freuen, wenn der Herr zur\u00fcckkehrt und ihn bei seiner Arbeit findet.\u201c (Mt. 24, 45-46)<\/p>\n<p>Paulus im Rechtfertigungsstress, so habe ich am Anfang gesagt; eine erste Antwort an seine Kritiker liegt im Hinweis auf seine Abh\u00e4ngigkeit vom Herrn, dessen Diener er ist. Darin ist seine Freiheit gegen\u00fcber seinen Kritikern und ihren Beurteilungen begr\u00fcndet. Er schreibt dann: \u201eAber f\u00fcr mich z\u00e4hlt dabei nicht, wie ich von euch oder von irgendeinem menschlichen Gericht beurteilt werde. Auch ich selbst ma\u00dfe mir kein Urteil an. Mein Gewissen ist zwar rein, aber damit bin ich noch nicht freigesprochen, denn mein Richter ist der Herr.\u201c (V. 3+4) Das hei\u00dft nicht: \u201eIch habe mir nichts vorzuwerfen!\u201c wie landl\u00e4ufig gerne gesagt wird. Denn Paulus sieht sich, was die Kritik von Christen in Korinth betrifft, weder ihrem noch sonst einem irdischen Gericht verantwortlich, ja auch er selbst beurteilt sich nicht; \u201emein Richter ist der Herr\u201c; er allein durchschaut, was die Beweggr\u00fcnde f\u00fcr ein bestimmtes Handeln sind, deshalb kann er allein das letztg\u00fcltige Urteil sprechen. Deshalb die Mahnung: \u201eUrteilt also nicht vorzeitig, bevor Christus kommt, der das Verborgene ans Licht bringen und die geheimsten Gedanken enth\u00fcllen wird. Dann wird Gott das Lob austeilen, so wie jeder und jede es verdient.\u201c<\/p>\n<p>Paulus ist doch nicht im Rechtfertigungsstress, wenn wir die Mahnung des letzten Verses betrachten; er sucht vielmehr ein Einverst\u00e4ndnis mit seinen Kritikern, ohne sie selbst zu verurteilen. Das ist klug! Er hebt die Sache auf eine h\u00f6here Ebene, eben die des endg\u00fcltigen und wahrhaftigen Gerichts, die nur dem Herrn zusteht und die nur er ausf\u00fchren kann. Paulus m\u00f6chte seine \u201eKinder\u201c im Glauben neu gewinnen- nicht verlieren. Sehr sch\u00f6n beschreiben seine Worte einige Verse sp\u00e4ter sein Verh\u00e4ltnis zu den Christen in Korinth: \u201eIch sage das nicht, um euch zu besch\u00e4men. Ich m\u00f6chte euch nur auf den rechten Weg bringen. Ihr seid doch meine geliebten Kinder! Selbst wenn ihr in eurem Christenleben Tausende von Erziehenden h\u00e4ttet, so habt ihr doch nicht eine Vielzahl von V\u00e4tern. Als ich euch die Gute Nachricht brachte, habe ich euch gezeugt als Menschen, die zu Jesus Christus geh\u00f6ren, und bin so euer Vater geworden. Darum bitte ich euch: Nehmt mich zum Vorbild!\u201c (Kap. 4, 14-16)<\/p>\n<p>Wer beauftragt ist, die gute Nachricht von Jesus weiterzusagen soll sich Paulus zum Vorbild nehmen. Es geht bei diesem Dienst nicht um Propaganda, nicht darum, eine Wahrheit einzupeitschen, sondern mit gro\u00dfer Geduld und Liebe Menschen eine befreiende Botschaft bringen, mit ihnen gehen, ihnen nachgehen, sie anh\u00f6ren, Zur\u00fcckweisung und Kritik ertragen. Ein Diener, eine Dienerin Christi muss leidensbereit sein; viel Gebet und manchmal auch Tr\u00e4nen geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich: wer danach strebt, von allen anerkannt zu werden, muss aufpassen, dass er oder sie die Anerkennung durch den Herrn nicht verliert. Amen.<\/p>\n<p>Winfried Klotz, Pfr. i. R. Bad K\u00f6nig, Odenwald<\/p>\n<p>winfried.klotz@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Advent | 12. 12. 2021 | 1. 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