{"id":6460,"date":"2021-12-18T13:54:44","date_gmt":"2021-12-18T12:54:44","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6460"},"modified":"2021-12-18T13:58:40","modified_gmt":"2021-12-18T12:58:40","slug":"micha-51-5-christvesper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/micha-51-5-christvesper\/","title":{"rendered":"Micha 5,1-5 | Christvesper"},"content":{"rendered":"<h3>Wie kleine Leute viel bewirken | Gottesdienst f\u00fcr den Heiligen Abend 2021 | Micha 5,1-5 |\u00a0 von Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p><em>Und Du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den St\u00e4dten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Ewigkeit her gewesen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Bis es soweit ist, l\u00e4sst er sein Volk plagen, wie eine Frau geplagt ist, bis das Kind geboren ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann aber wird der Rest der Br\u00fcder heimkehren zu den S\u00f6hnen Israels. Und er wird auftreten und weiden in der Kraft Gottes und in der Macht des Namens Gottes. Und die Menschen werden sicher wohnen, denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Und er wird der Frieden sein.<\/em><\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Als ich den Worten, die wir eben als Bibellesung geh\u00f6rt haben, zum ersten Mal begegnet bin, war ich Theologiestudentin in Marburg.<\/p>\n<p>Wir haben an der Universit\u00e4t damals gelernt, dass es viele Texte im Alten Testament gibt, die einen zuk\u00fcnftigen Messias, einen Friedensherrscher ank\u00fcndigen.\u00a0 Und immer beschreiben diese Texte keinen starken Mann, der alle Probleme mit einem Schlag l\u00f6st. Sondern eher einen nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Welt unauff\u00e4lligen Menschen. Ein kleines Kind, eine kleine Wurzel. Und dieses Mal also soll der Herrscher aus einem unbedeutenden Ort kommen. Denn genau das war Bethlehem damals und ist es heute wieder. Etwa 750 Jahre vor Jesu Geburt ist die Weissagung des Propheten Micha geschrieben, eine lange Zeit. Und doch immer im Ged\u00e4chtnis geblieben, weil sich damit so viele Hoffnungen verbunden haben damals, als das ganz Israel zerstritten war und sich einzelne Gebiete miteinander im Krieg befanden.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen damals haben sich diese Hoffnungen erf\u00fcllt mit der Geburt von Jesus Christus. Sie haben alles, was im Alten Testament vom zuk\u00fcnftigen Friedensherrscher geschrieben war, auf Jesus hin gedeutet. Jesu Geburt liegt heute nun auch wieder 2020 Jahre zur\u00fcck. Die Weissagung der Propheten Micha: \u201eAus Bethlehem wird unser Friedensherrscher kommen\u201c ist also fast 2800 Jahre alt.<\/p>\n<p>Das sind die Fakten. Was aber bedeuten diese Fakten f\u00fcr uns? Heute, so viele Jahre sp\u00e4ter, wissen viele Menschen von Jesus mal gerade noch den Namen. Es lohnt sich, dieser Frage nachzugehen: Was bedeutet er uns? Wo betrifft und bewegt er mich?<\/p>\n<p>Als mir damals in Marburg zum ersten Mal diese uralten Weissagungen begegneten, konnte ich mir das alles gut vorstellen. Es war eine kleine Stadt, in der ich studierte. Unbedeutend auf der Landkarte. Und doch ist von dieser kleinen Stadt aus ganz viel in Bewegung geraten f\u00fcr uns evangelische Christen, denn dort sind sich im April 1529 die Reformatoren Martin Luther, Ullrich Zwingli und Philipp Melanchthon zum einzigen Mal begegnet und haben sich im Marburger Religionsgespr\u00e4ch \u00fcber ihre Gedanken ausgetauscht.<\/p>\n<p>Immer wieder habe ich genau das erlebt: Es sind gerade die unauff\u00e4lligen Orte und die Menschen, von denen erst einmal niemand spricht, die ganz viel bewegen. Die Blicke der Welt\u00f6ffentlichkeit gehen in die gro\u00dfen St\u00e4dte, nach Berlin, Stra\u00dfburg, Br\u00fcssel, New York und Moskau.<\/p>\n<p>Aber die Menschen und Orte am Rand des Geschehens sind es, die oft sehr viel bewirken. Vielleicht auch gerade deshalb, weil keiner so genau hinsieht. Wir sehen mit Entsetzen die Fernsehberichte von Menschen, die an die polnisch-weissrussische Grenze verschleppt wurden und dort verhungern und erfrieren. Nicht berichtet wird von den polnischen Einwohnern dort an der Grenze, die ganz allein und gegen den Willen der polnischen und auch der europ\u00e4ischen Regierung zu helfen versuchen. Sie sammeln Hilfsg\u00fcter und versuchen sie zuzustellen. Sie organisieren Beerdigungen f\u00fcr die, die an der Grenze sterben. Sie suchen im Wald nach Menschen, die sich dort versteckt halten. Sie versuchen, sich zu organisieren. Der B\u00fcrgermeister eines kleinen Grenzortes dort tut zusammen mit seiner Gemeinde, was m\u00f6glich ist und f\u00fchlt sich gleichzeitig von Europa im Stich gelassen. Eine Frau wird zitiert den Worten: \u201eich habe Kinder und kann hier keine Nacht mehr schlafen bei dem Gedanken, dass 500 Meter weiter Kinder erfrieren. Also bin ich jeden Tag unterwegs, um zu helfen.\u201c<\/p>\n<p>Wir wohnen hier an der deutsch-fraunz\u00f6sischen Grenze. Zum Gl\u00fcck ist es keine Au\u00dfengrenze der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen uns in die Lage der Menschen hineinversetzen. Wie ginge es uns, wenn am Ende der Ormersweiler Stra\u00dfe alles zu Ende w\u00e4re? Wie ist es den Menschen hier ergangen in der wechselvollen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts, als am Ende der Ormersweiler Stra\u00dfe alles zu Ende war? Als alle evakuiert werden mussten? Als junge M\u00e4nner an die russische Front mussten, weil sie ja nicht in der Lage gewesen w\u00e4ren, gegen die Franzosen nur wenige hundert Meter weiter zu k\u00e4mpfen? Als es eben nicht mehr m\u00f6glich war, sicher zu wohnen?<\/p>\n<p>Oft sind es die kleinen Schicksale, die die Welt bewegen und in Bewegung bringen. Die kleinen Menschen, die kleinen Orte.<\/p>\n<p>Von Bethlehem wusste damals kaum einer den Namen. Und was aus dem Kind Jesus, das dort geboren wurde, einmal werden w\u00fcrde, das h\u00e4tte sich niemand in seinen k\u00fchnsten Tr\u00e4umen vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, dass wir Menschen am Rand des Geschehens in den kleinen Orten unser Selbstbewusstsein behalten und unsere M\u00f6glichkeiten nutzen. Kaum etwas gibt es noch in unseren D\u00f6rfern hier an der Grenze. Schule und Kindergarten liegen ebenso weit entfernt wie die \u00a0Arbeitspl\u00e4tze. Fast jedes Dorf aber hat noch seine Kirche, in der sich heute Abend die Menschen versammeln und an diesen kleinen Ort Bethlehem denken, von dem aus sich die Geschichte der Welt ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Wenn ich den Blick \u00fcber die D\u00f6rfer hier im H\u00fcgelland schweifen lasse, so sind es die Kircht\u00fcrme, die mich erkennen lassen, mit welchem Ort ich es zu tun habe. Immer noch sind die Kirchen ein Mittelpunkt, auch wenn sie seltener aufgesucht werden.<\/p>\n<p>Es liegt eine Chance darin, sich auf das zu\u00a0 besinnen, was uns verbindet. Und es h\u00e4ngt von uns allen ab, ob es diese Kirche, die die wechselvolle Geschichte des Ortes begleitet hat, in 20 Jahren so noch gibt.<\/p>\n<p>Wer heute nach Bethlehem reist, der hat es schwer. Denn Bethlehem liegt nicht mehr in Israel selbst, sondern hinter der Grenze, im pal\u00e4stinensischen Gebiet. Viele Kontrollen muss man \u00fcber sich ergehen lassen, um schlie\u00dflich in einem unscheinbaren und armen Ort anzukommen. Vielleicht ist heute Bethlehem wieder so, wie es zum Zeitpunkt von Jesu Geburt einmal war.\u00a0 Der Frieden, der in der alten Weissagung des Propheten Micha angek\u00fcndigt ist, herrscht heute in Israel sicherlich nicht.<\/p>\n<p>Denn Frieden, die Sicherheit f\u00fcr alle, die in den Weissagungen angek\u00fcndigt sind und f\u00fcr die\u00a0 Jesus gelebt hat, sind nur m\u00f6glich, wenn wir Menschen sie auch m\u00f6glich machen. Jesus ist uns darin\u00a0 zum Vorbild geworden, er hat uns gezeigt, wie es geht, an ihn k\u00f6nnen wir uns halten, von ihm Hilfe erbitten. Wir wissen um die Bem\u00fchungen und oft auch Machtlosigkeit der Politiker*innen. Es sind die kleinen Menschen und die\u00a0 kleinen Orte, die wie an der polnischen Grenze dann doch kleine Friedenslichter leuchten lassen. Die nicht aufgeben, in der Bethlehemer Geburtskirche das Friedenslicht anzuz\u00fcnden und in die Welt zu tragen. Und so jedes Jahr an Weihnachten neu daran zu erinnern, was uns versprochen, was uns aufgetragen ist.<\/p>\n<p>Es sind die kleinen Orte und kleinen Menschen, die wichtig sind. Wir sind es, die wichtig sind, die mithelfen k\u00f6nnen, dass die Worte wahr werden: Sicherheit und Frieden f\u00fcr die Menschen. An Weihnachten erinnern wir uns daran. Von Weihnachten ausgehend tragen wir die Botschaft, von Bethlehem ausgehend das Licht in die Welt.<\/p>\n<p>Jesus ist uns vorangegangen. Wenn wir ihm nachfolgen, wird es gelingen. AMEN<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kleine Leute viel bewirken | Gottesdienst f\u00fcr den Heiligen Abend 2021 | Micha 5,1-5 |\u00a0 von Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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