{"id":6482,"date":"2021-12-19T12:10:00","date_gmt":"2021-12-19T11:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6482"},"modified":"2021-12-23T12:25:18","modified_gmt":"2021-12-23T11:25:18","slug":"gen-11-5-1-joh-47-11-joh-11-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/gen-11-5-1-joh-47-11-joh-11-14\/","title":{"rendered":"Gen 1,1-5 \/ 1. Joh 4 \/ Joh 1"},"content":{"rendered":"<h3>Erster Weihnachtstag | 1. Mose 1,1-5; 1. Joh. 4,7-11 und Joh. 1,1-14 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Anna Jensen |<\/h3>\n<p>\u201eWas kann das f\u00fcr eine Nacht sein, wo die Hunde nicht bei\u00dfen, die Schafe keine Angst haben, wo der Spie\u00df nicht t\u00f6tet und das Feuer nicht brennt?\u201c fragt gereizt der Hirte sich selbst in Selma Lagerl\u00f6fs Erz\u00e4hlung \u201eDie Heilige Nacht\u201c. Der gereizte Hirte war gest\u00f6rt worden in der finsteren Nacht, als ein fremder Mann den Hirten aufsuchte, um um Hilfe zu bitten, denn er hatte kein Feuer und seine Frau hatte gerade ein kleines Kind zur Welt gebracht. Die Hirtenhunde sprangen auf und wollten bellen, aber es kam kein Laut von ihnen, sie bissen dem Fremden in die Hand und ins Bein, aber ihre Kiefern und die Z\u00e4hne gehorchten ihnen nicht. Die Schafe lagen so dicht gedr\u00e4ngt am Feuer, dass der Fremde nicht herankommen konnte, aber er trat auf ihre R\u00fccken und spazierte hin zum Feuer, ohne dass die Schafe aufwachten. Der Hirte war ein harter und unfreundlicher Mann. Als er sah, dass sich der Fremde n\u00e4herte, warf er seinen Hirtenstab wie einen Spie\u00df gegen den Mann. Der Stab flog gegen den Fremden, bog aber ab und flog weit hinein ins Feld. Der Fremde bat um Feuer, und er nahm die Glut mit seinen blo\u00dfen H\u00e4nden, ohne sich zu verbrennen, er hatte nichts, worin er die Glut tragen konnte. Da fragte der Hirte den Fremden: \u201eWas ist das f\u00fcr eine Nacht, und woher kommt es, dass alles dir Barmherzigkeit erweist?\u201c Da antwortete der Fremde: \u201eDas kann ich dir nicht sagen, wenn du es nicht selbst sehen kannst.\u201c<\/p>\n<p>Der Hirte war blind f\u00fcr die magische Nacht, die Weihnacht. Aber die Neugier war in ihm geweckt, und aus der Distanz folgt er dem Fremden hin zu einer Felsenh\u00f6hle. Hier findet er eine Frau mit einem kleinen neugeborenen Kind. Und auch wenn der Hirte ein harter Mann war, nahm er seinen Rucksack und fand ein weiches Schafsfell, das er dem Kinde gab, damit das kleine Kind nicht frieren sollte. Aber als der Hirte zeigte, dass auch er barmherzig sein konnte, da \u00f6ffneten sich seine Augen, und er sah um sich in einem engen Kreis einen Schwarm von kleinen Silberengeln. Die spielten Harfe und sagen: \u201eIn dieser Nacht ist uns ein Heiland geboren.\u201c Die Engel waren pl\u00f6tzlich \u00fcberall, in der H\u00f6hle, auf dem Wege, und der Himmel war voll von ihnen. Da war ein solcher Jubel und eine solche Freude, Gesang und Spiel, dass der Hirte auf die Knie fallen und Gott danken musste.<\/p>\n<p>Das Johannesevangelium ist anders als die anderen Evangelien. Es erz\u00e4hlt nicht von der Geburt Jesu in detaillierten Beschreibungen, sondern hat eine andere poetische Einleitung. Die Einleitung ist in ganz gew\u00f6hnlichen allt\u00e4glichen Worten geschrieben, aber da steht etwas zwischen den Zeilen. Wir sp\u00fcren, da geht es um etwas, aber wir k\u00f6nnen es nur sehen, wenn unsere Augen offen sind daf\u00fcr. Als Jesus im Johannesevangelium seinen ersten J\u00fcnger berief, war Nathanael imponiert dar\u00fcber, dass Jesus seinen Namen kannte. Jesus sagte zu ihm: \u201eGlaubst du, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum gesehen habe? Du sollst gr\u00f6\u00dfere Dinge sehen als dies\u201c. Und er sagte zu ihm: \u201eWahrlich, wahrlich sage ich euch: Ihr soll den Himmel offen sehen und die Engel Gottes steigen auf und nieder \u00fcber dem Menschensohn.\u201c<\/p>\n<p>Johannes l\u00e4sst als Autor sein Evangelium in derselben Weisen beginnen wie das erste Buch Mose. Also der Beginn unseres Alten Testaments. Im Anfang \u2026 Damit greift der Autor zur\u00fcck auf das Alte und wiederholt das Bekannte \u2013 und doch kommt etwas Neues. Wann beginnt es?<\/p>\n<p>Alle Kinder sind daran interessiert, wie sich ihre Eltern kennengelernt haben. Wann beginnt ein Menschenleben? Beginnt es bei der Geburt, ober vielleicht in Wirklichkeit schon etwas vorher, n\u00e4mlich wenn sich die Eltern begegnen? Die Begegnung der Eltern f\u00fchrte zu einer Beziehung, das war der Beginn der Geschichte der Kinder.<\/p>\n<p>Das Johannesevangelium erz\u00e4hlt vom <em>Beginn<\/em> der Geschichte Jesu. Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Das Wort ist f\u00fcr uns nicht handgreiflich. Das Wort, das im Anfang bei Gott war, und das Wort, das Gott war. Gottes Wort wurde Fleisch und Blut, wurde ein Mensch wie wir, mit einem Menschennamen \u2013 und doch ist es so schwer, sich dazu zu verhalten. Das Johannesevangelium bietet keine Geburtsgeschichte wie Lukas mit der Jungfrau Maria, Josef, Stall, Hirten und Engeln. Da sind keine handgreiflichen Bilder, denn das Johannesevangelium will etwas anderes, Ihr werdet gr\u00f6\u00dfere Dinge sehen!<\/p>\n<p>Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. In diesen kurzen S\u00e4tzen liegt die ganze Sch\u00f6nheit des Lebens, aber auch die Trag\u00f6die des Lebens.<\/p>\n<p>Im Anfang, als Gott die Welt schuf, war alles so gut. Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, und er segnete sie. Er gab ihnen die Erde, gab ihnen alle Fische, V\u00f6gel, die Tiere und die Pflanzen. Gott sah alles, was er geschaffen hatte, und er sah, wie gut es war.<\/p>\n<p>Dann kam die Trag\u00f6die. Als die Schlange Eva dazu verf\u00fchrte, vom Baum der Erkenntnis zu essen, kam die Finsternis in die Welt. Von da an lebte der Mensch nicht mehr ewig, der Tod wurde das Los, dem wir alle unterworfen sind, und der Mensch erhielt die Macht, zwischen Gut und B\u00f6se zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Gott und Mensch waren nun getrennt. Die Gemeinschaft und die N\u00e4he zu Gott war nun unterbrochen, als der Mensch seine Fehler erkannte. Die Menschen begannen Gott zu f\u00fcrchten und versteckten sich schamhaft. Die Scham lag wie ein dicker Teppich zwischen Gott und Mensch und f\u00fchrte dazu, dass sich der Mensch immer mehr von Gott entfernte.<\/p>\n<p>Denn wozu brauchen wir eigentlich Gott? Die Welt geht ihren schiefen Gang, die Pandemie trennt Menschen, die Gemeinschaft haben m\u00f6chten, trennt zwischen den reichen L\u00e4ndern, die einen Impfstoff haben, und den armen Leuten, die ihn nicht haben, zwischen denen, die sich impfen lassen, und denen, die das nicht wollen. Die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me bleiben, im Osten trampeln Soldaten umher, um Eindruck zu machen, und Ungerechtigkeiten geschehen t\u00e4glich. Nicht die Welt an sich ist b\u00f6se, sondern die Art und Weise, in der wir Menschen einander behandeln und wehtun. Gottes Forderung der Liebe zu einander l\u00e4sst uns abducken und versagen, ganz wie Adam und Eva es im Paradies taten. Wir wollen uns nicht dem\u00fctigen vor Gott, wir brauchen keinen Rat und keine Ratschl\u00e4ge von einem Gott, der mehr als zweitausend Jahre alt ist. Wie der hartherzige Hirte schlie\u00dfen wir die Augen vor dem Wunder, das da vor unseren Augen ist in den Worten des Johannesevangeliums. Ihr sollt den Himmel offen sehen und den Engel steigen auf und nieder.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass sich alle Mensch en nach Gott sehnen. Wir sehnen uns nach einer Liebe, die so gro\u00df ist, dass sie uns umgreifen kann, uns lieben kann trotz allem, was wir sind. Wir sehen uns nach jemand, der das Gute in jedem Menschen sehen kann. Wir sehnen uns nach einem paradiesischen Zustand, wo alles so gut ist.<\/p>\n<p>In der Weihnacht erleuchtet ein Licht in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Das Licht war so stark, dass alle menschliche Bosheit, alle L\u00fcge und alle Falschheit, alle Selbstbehauptung und Furcht dieses Licht nicht beseitigen kann. Selbst der letzte Feind, der Tod, wurde im Lichte des Ostermorgens \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Die Geburt Jesu, als Licht in der Finsternis, wurde ein neuer Anfang. In Jesus kam Gott den Menschen nahe. Der Weg zum Paradies wurde gefunden. Der Weihnachtsbaum in all seinem Glanz erinnert uns an den Baum des Lebens, den pr\u00e4chtigen Baum aus dem Paradies. Wir stellen ihn auf in unseren Kirchen und unseren Stuben. Der Zweig vom Baum des Lebens steht wieder so sch\u00f6n, mit \u00c4pfeln, kleinen V\u00f6geln und Lichtern auf den Zweigen. Der Garten des Paradieses, in dem die Engel Gottes flogen wird f\u00fcr uns von Jesus wieder ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>\u201eWas kann das f\u00fcr eine Nacht sein, wo die Hunde nicht bei\u00dfen, die Schafe keine Angst haben, wo der Spie\u00df nicht t\u00f6tet und das Feuer nicht brennt?\u201c \u201eIch kann es dir nicht sagen, wenn du es nicht selbst sehen kannst\u201c.<\/p>\n<p>Die Geburt Jesu bedeutet einen neuen Beginn. Ich kann es dir nicht sagen, wenn du es nicht selbst sehen kannst. Amen.<\/p>\n<p>Gebet: Gott, du bist das Licht der Welt. Lass das Licht der Weihnacht in Bethlehem f\u00fcr uns leuchten. Wir danken dir f\u00fcr unsere Familien und unsere Kinder, f\u00fcr die Menschen mit denen wir Weihnachten feiern. Wir bitten dich: Sei bei all denen, die unfreiwillig allein sitzen m\u00fcssen, tr\u00f6ste und st\u00e4rke die, die Angst haben, sei bei all denen, die unter der Pandemie und Krankheit leiden. Sei mit den Pflegekr\u00e4ften und all denen, die dazu beitragen, den weihnachtlichen Frieden zu sichern. Erinnere uns t\u00e4glich daran, dass die Erde mit allem, was auf ihr ist, von dir geschaffen und gewollt ist, und dass wir deshalb verantwortlich mit den Ressourcen der Erde umgehen und Verantwortung trag en f\u00fcr unsere Mitmenschen. Hilf uns, dass wir jeden Tag im Vertrauen zu deiner Liebe, deiner Gnade und F\u00fcrsorge leben und daran genug haben. Danke f\u00fcr die Taufe, in der du uns zu deinen Kindern berufen hast. F\u00fcr das Brot und den Wein, wo du uns dich selbst schenkst. Sei mit aller Obrigkeit, unserem Parlament, der K\u00f6nigin und ihrer Familie. Sei mit der Kirche hier in unserer Gemeinde und der ganzen Christenheit auf Erden. Lass uns versammelt sein in einer Gemeinschaft mit dir. Bewahre uns in der und dem Glauben an dein Reich. Amen.<\/p>\n<p>Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p>5230 Odense M<\/p>\n<p>E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Weihnachtstag | 1. Mose 1,1-5; 1. 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