{"id":6486,"date":"2021-12-17T00:54:37","date_gmt":"2021-12-16T23:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6486"},"modified":"2021-12-18T17:12:14","modified_gmt":"2021-12-18T16:12:14","slug":"predigt-zum-heiligabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zum-heiligabend\/","title":{"rendered":"Predigt zum Heiligabend"},"content":{"rendered":"<h3>Heiligabend (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Laura Lundager Jensen |<\/h3>\n<p>Ein Stern ist eine gl\u00fchende Kugel aus Plasma, die von der Schwerkraft zusammengehalten wird und die vom Strahlendruck aus ihren inneren Fusionsprozessen entstanden ist. Ein Stern leuchtet, weil die Fusion in seinem Inneren Energie freisetzt, die durch das Innere des Sterns transportiert wird und danach in den Raum hinausstrahlt von der Oberfl\u00e4che des Sterns in der Form elektronischer Wellen.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr die Bildung von Sternen sind Wolken von interstellarem Gas, und wenn eine solche Wolke beginnt, sich zusammenzuziehen wegen der inneren Schwerkraft, dann steigen der Druck, die Dichte und die Temperatur. Ist genug Wasserstaff vorhanden, wird der Punkt erreicht, wo die zentralen Teile warm und dicht genug sind, um Fusionsprozesse in Gang zu setzen.<\/p>\n<p>Und ein Stern ist geboren.<\/p>\n<p>Das meiste Licht am Himmel, das wir sehen, kommt von Sternen.<\/p>\n<p>So erkl\u00e4rt die Wissenschaft die Zusammensetzung der Sterne.<\/p>\n<p>Aber wenn wir nun in einer sternenklaren Nacht gehen, wissen wir, dass Sterne viel mehr sind als chemische Prozesse in einer Kugel von Plasma.<\/p>\n<p>Dann wissen wir, dass Sterne aus Tr\u00e4umen bestehen und Sehnsucht, aus Gr\u00f6\u00dfe und Poesie. Aus all dem, was die Welt gro\u00df und bezaubernd macht und uns mit Demut erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Sie bestehen aus Hoffnung.<\/p>\n<p>Und wir wissen, wenn die Sterne Schulter an Schulter zusammenstehen am Himmelbogen, dann sind sie wie ein Sternenteppich, der sich vorsichtig um uns gelegt hat, so dass wir uns hinein ins Leben wagen \u2013 durch die Natur, hin zur Morgensonne.<\/p>\n<p>Und die Macht der Sterne \u00fcber uns ist so gro\u00df, dass es geschehen kann, wenn die Wolkendecke und der Nebel die Sterne verdecken, dass wir nahe daran sind, den Mut, die Tr\u00e4ume und die Hoffnung zu verlieren.<\/p>\n<p>Aber jede Winterdepression verzieht sich \u2013 jedenfalls etwas \u2013 in einer sternenklaren Nacht.<\/p>\n<p>Deshalb war es so sch\u00f6n, Sterne zu sehen w\u00e4hrend der schlimmsten Corona-Zeit, wo keine Flugzeuge verkehrten, denn pl\u00f6tzlich waren da nur Sterne, mitten in der hoffnungslosen Pandemie leuchteten die Sterne besonders klar f\u00fcr uns Menschen.<\/p>\n<p>Und wir brauchen die Hoffnung der Sterne wie lebensnotwendige Spalten in der Wirklichkeit, die einen Weg heraus anzeigen hin zu Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Die Sternehoffnung h\u00e4lt uns fest \u2013 trotz allem.<\/p>\n<p>H\u00e4lt uns fest, wenn der Tod eintrifft und wir wie Kinder nach unseren Lieben im Nachthimmel suchen.<\/p>\n<p>H\u00e4lt uns fest jetzt, wie die steigende Corona-Infektion wieder droht und wir f\u00fchlen, dass alles um uns herum eng wird.<\/p>\n<p>Und h\u00e4lt uns fest, so dass wir gegenw\u00e4rtig sind und handeln in einer Zeit, wo es unm\u00f6glich erscheinen kann angesichts der Klimaprobleme, die die Naturkr\u00e4fte mit Tornados und \u00dcberschwemmungen bewirken.<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der es uns schwerf\u00e4llt die Konsequenzen der gesellschaftlichen Digitalisierung, die uns die Freiheit zu nehmen droht.<\/p>\n<p>Die jungen Leute sehen das vielleicht besonders deutlich, denn es geht um ihre Zukunft.<\/p>\n<p>Das meiste Licht, das wir sehen, kommt von den Sternen, sagt die Wissenschaft.<\/p>\n<p>Aber das r\u00fchrt etwas in uns an \u2013 es r\u00fchrt das Licht an, das schon in uns gelegt ist. Es geschieht, wenn uns das Sternenlicht trifft, reflektieren wir es so als seien unsere Herzen Spiegel der Sterne.<\/p>\n<p>Und die Hoffnung w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Eben darum geht es an Weihnachten.<\/p>\n<p>Und deshalb ist das st\u00e4rkste Bild im Weihnachtsevangelium die Erz\u00e4hlung davon, dass da \u2013 in der Nacht als Jesus geboren wurde \u2013 ein neuer Stern aufging am Himmel, so stark und so klar, dass er am n\u00e4chtlichen Himmel zu sehen war.<\/p>\n<p>Und die Leute fragten, ob das nicht vielleicht das war, wovon ihr geliebter Prophet Jesaja geweissagt hatte:<\/p>\n<p>\u201e\u2026 die im Finsteren wandeln sollen ein gro\u00dfes Licht sehen. Ein Licht, das leuchtet f\u00fcr die, die im Land der Finsternis wohnen\u201c.<\/p>\n<p>Und sie gingen zu denen, die sowohl heilige Schriften als auch Sterne deuten konnten \u2013<\/p>\n<p>Und die, die das konnten, machten sich auf den Weg, hin zu dem Stern, den ganzen Weg nach Bethlehem.<\/p>\n<p>Um dem Licht zu folgen.<\/p>\n<p>Um dem Traum zu folgen.<\/p>\n<p>Um der Hoffnung zu folgen \u2013 die sich in dieser Nacht durch die Spalte des Himmels ihren Weg zu den Menschen bahnte.<\/p>\n<p>Der Traum, dass etwas Sternenstaub auf die Erde fallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber als sie ankamen, da fanden sie nicht einen Schatz am Ende des Regenbogens oder eine Kiste voll vom feinsten Sternenstaub.<\/p>\n<p>Was sie fanden, war ein kleines Kind, neu geboren, hilflos, hungrig vielleicht, schreiend vielleicht. Es lag in einem Kuhstall, ja in der Futterkrippe der Kuh, ein gepackt in Stroh und alte Lappen \u2013 verletzlich und hilflos.<\/p>\n<p>Das Licht, von dem sie getr\u00e4umt hatten, , erwies sich als ganz klein, fast unsichtbar, fast nichts.<\/p>\n<p>Aber nur fast.<\/p>\n<p>Denn das Wunder geschah, dass der Stern am Himmel, dem sie gefolgt waren, in dem kleinen Kind seine Ruhe gefunden hatte.<\/p>\n<p>Und die Sterndeutet bemerkten es.<\/p>\n<p>Das, wonach sie am Sternenhimmel gesucht hatten,<\/p>\n<p>war pl\u00f6tzlich vor ihnen \u2013 ganz im Augenblick gegenw\u00e4rtig<\/p>\n<p>in einem kleinen Kind.<\/p>\n<p>Und eben das ist Weihnachten<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung davon, dass der Stern, der die Tr\u00e4ume in sich tr\u00e4gt, die Sehnsucht, die Hoffnung und die Begegnung, in dieser Nacht erschien und nun voll und ganz bei uns in der Welt ist \u2013 und hier noch immer durch die Sterne am Himmel gen\u00e4hrt wird.<\/p>\n<p>Mit dem Glauben daran, dass da noch immer eine Hoffnung ist, die w\u00e4chst und zunimmt auch in unserem Leben.<\/p>\n<p>Der Glaube daran, dass uns etwas Gutes bevorsteht, nach dem wir unsere H\u00e4nde ausstrecken d\u00fcrfen und das wir teilen d\u00fcrfen \u2013 hier in unserer Kirche.<\/p>\n<p>In dem Leben, darin und in uns.<\/p>\n<p>Der Glaube daran, dass wir durchkommen \u2013 auch wenn es schwerf\u00e4llt, wenn wir von au\u00dfen unter Druck stehen mit Forderungen und Erwartungen von Gesellschaft und Familie, aber auch von innen, dass wir Sterne werden auf der Szene unseres Lebens.<\/p>\n<p>Das, was die drei Wissenschaftler sahen, als sie vor dem Jesuskind niederknieten, das in all seiner totalen Ohnmacht dalag, war dies: Diese Ohnmacht war die Macht, die sie in die Welt bringen sollten.<\/p>\n<p>Die Macht, die in den Zeichen der Sterne f\u00fcr uns am Himmel liegt, dass wir den Mut haben, den Sternenspiegel in den Augen Herzen des Anderen zu sehen, und dass wir sehen, dass sie unsere menschliche Schwachheit strahlen lassen.<\/p>\n<p>Ein Stern besteht sicher aus gas in einem Plasma.<\/p>\n<p>Aber die Erkl\u00e4rungen der Wissenschaft stehen nicht allein.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise bestehen Sterne aus Hoffnung, Tr\u00e4umen und Licht, das dem, der den Mut hat, nach ihnen zu greifen, die Kraft gibt mitzugehen, zu Weihnachten und zum Leben.<\/p>\n<p>In der Weihnacht wurde ein Stern geboren \u2013 ein Licht wurde an gez\u00fcndet in der Finsternis, und die Finsternis soll nie das Licht besiegen.<\/p>\n<p>Das sahen die Weisen in den Sternenaugen des Jesuskindes \u2013 und diese Hoffnung sollen wir uns zu Herzen nehmen.<\/p>\n<p>Und denkt daran: Das meiste von dem Licht, was wir sehen k\u00f6nnen, kommt von Sternen.<\/p>\n<p>Aber das Licht das am st\u00e4rksten leuchtet, am sch\u00f6nsten und hoffnungsvollsten, ist das Licht der Weihnacht, das wir einander in den Augen anz\u00fcnden. Frohe Weihnachten. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br \/>\nLangetoften 1, Osted<br \/>\nDK-4320 Lejre<br \/>\nE-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligabend (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Laura Lundager Jensen | Ein Stern ist eine gl\u00fchende Kugel aus Plasma, die von der Schwerkraft zusammengehalten wird und die vom Strahlendruck aus ihren inneren Fusionsprozessen entstanden ist. Ein Stern leuchtet, weil die Fusion in seinem Inneren Energie freisetzt, die durch das Innere des Sterns transportiert wird und danach in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6456,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,185,157,545,114,349,608,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6486","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-christvesper","category-deut","category-kasus","category-laura-lundager-jensen","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6486"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6486\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6488,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6486\/revisions\/6488"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6486"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6486"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6486"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6486"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}