{"id":6495,"date":"2021-12-18T14:28:00","date_gmt":"2021-12-18T13:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6495"},"modified":"2022-01-10T16:57:17","modified_gmt":"2022-01-10T15:57:17","slug":"predigt-zu-lukas-21-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-21-20\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 2,1-20"},"content":{"rendered":"<h3>Weihnachten 2021 | Predigt zu Lukas 2,1-20 | verfasst von Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten, der Heilige Abend! Welcher Tag, welche Stunde! Ich meine, dass wir dieses Jahr Weihnachten besser verstehen als fr\u00fcher. Warum? Das werden wir gleich sehen. Zuvor ein R\u00fcckblick. Er hilft uns zu verstehen, was Weihnachten eigentlich, im Grunde genommen, bedeutet.<\/p>\n<h2>1.<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weihnachten feierten wir bisher mit Weihnachtsbaum, Geschenken, im Kreise der Familie. In den Gottesdiensten f\u00fchrten Kinder ein Krippenspiel auf. Die Geschwister, die Eltern und Gro\u00dfeltern schauten freudig zu. Manche von uns erinnern sich noch, wie sie zuschauten oder gar selbst mitspielten. Vorn am Altar spielten sie.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sangen im Gottesdienst Weihnachtslieder, fr\u00f6hliche Weihnachtslieder. Schon in der Vorweihnachtszeit sind nicht wenige in die Kirchen geeilt, um Bachs Weihnachtsoratorium zu h\u00f6ren. Der Eingangschor beginnt mit den Worten: \u201eJauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage!\u201c In Leipzig sang in der Thomaskirche der Thomanerchor, und Mitglieder des weltbekannten Gewandhausorchesters spielten. Feierlich, sch\u00f6n!<\/p>\n<h2>2.<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun ist alles anders. Die Pandemie ver\u00e4nderte unser ganzes Leben. Wir m\u00fcssen auf vieles, das uns bisher selbstverst\u00e4ndlich war, verzichten. Mit der Ansteckungsgefahr hat unser Umgang miteinander seine Leichtigkeit verloren. Die Zahl der Erkrankten steigt, die Zahl der Verstorbenen steigt. Allein in Deutschland sind inzwischen mehr als 100.000 Menschen durch das Virus gestorben. T\u00e4glich kommen weitere hinzu.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Lage in den Kliniken spitzt sich zu. \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte arbeiten am Limit. In der Intensivpflege werden die Betten knapp. Milit\u00e4rmaschinen sind bereits im Einsatz, um Patienten von einem Ende der Bundesrepublik an ein anderes Ende zu fliegen. Kaum sind die Maschinen gestartet, sind die Betten der ausgeflogenen schon wieder gef\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Warum erz\u00e4hle ich Ihnen das? Sie wissen das genauso gut wie ich. Ich rufe es Ihnen ins Ged\u00e4chtnis, um im Folgenden aufzuzeigen, was Weihnachten eigentlich bedeutet, ungeachtet der uns lieb gewordenen Br\u00e4uche und Rituale. Der Sinn von Weihnachten ist ja ein anderer. Weihnachten ist ein Neuanfang. Weihnachten markiert einen Neuanfang.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gut, diesen Neuanfang feiern wir nun seit bald 2.000 Jahren alle Jahre wieder. \u201eAlle Jahre wieder\u201c, sagen manche etwas abf\u00e4llig. Ist es aber wirklich so banal, alle Jahre wieder Weihnachten zu feiern?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kinder freuen sich auf ihren Geburtstag. Sie laden Freunde ein. Die Eltern veranstalten ein sch\u00f6nes Fest. Im Kindergarten singen die Kinder zu Ehren und zur Freude des Geburtstagskindes. Wenn wir \u00e4lter werden, feiern wir ebenfalls, wenn auch manchmal etwas traurig, weil wir schon wieder ein Jahr \u00e4lter geworden sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein rund 60 Jahre alter Sketch bringt das auf den Punkt. Darum zeigt ihn das Fernsehen alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit. Eine Dame ist alt geworden. Ihr 90. Geburtstag steht an. Ihre Freunde, die sie immer eingeladen hatte, sind verstorben. Nur sie und ihr alter Diener leben noch. Der hat den Tisch wie immer gedeckt, f\u00fcr die alte Dame und ihre Freunde. Dann fragt er, ob alles so ablaufen soll wie im letzten Jahr. Sie antwortet: \u201eThe same&nbsp;procedure as every year\u201c (alles so wie jedes Jahr).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, so feierten wir. 2021 aber ist es anders. Es ist anders als im vorletzten Jahr und selbst im letzten. Da traf uns bereits die Pandemie, doch es mussten keine Flugzeuge mit Schwerkranken starten. In diesem Jahr sind wir an einem Tiefpunkt angekommen. Politiker sprechen davon, dass Deutschland in einer Notlage ist wie noch nie.<\/p>\n<h2>3.<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Situation kann uns erkl\u00e4ren, was Weihnachten eigentlich ist. \u201eWeil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein\u201c, hei\u00dft es in einem neueren Kirchenlied.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geburt Jesu war ein Tiefpunkt. Die Geburt fand in einem Stall statt! Das Kind \u00fcberlebte. Die Mutter \u00fcberlebte auch. Heutige Geburtskliniken sehen in Deutschland ganz anders aus. Gott sei Dank! \u2013 In dem Stall in Bethlehem wurde die Welt ver\u00e4ndert. Der dort geboren wurde, war ein K\u00f6nig. K\u00f6nige reisten extra an, um dem Kind zu huldigen. Engel lobten und priesen Gott!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Kind lehrte uns, als es erwachsen geworden war, Gott mit \u201eVater\u201c anzureden: \u201eVater unser im Himmel.\u201c Was das hei\u00dft, ist schwer zu begreifen. Die alte Kluft zwischen Gott und uns Menschen war gewaltig. Ich versuche, es mit einem Beispiel zu erkl\u00e4ren. Das Beispiel zeigt, wie tief und weitreichend eine Grenze sein kann. Wir k\u00f6nnen so in etwa ahnen, was die \u00dcberwindung der Grenze zwischen Gott und Mensch bedeutet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es war der Abend des 24. Dezember 1989. Erst an diesem Tag durften wir G\u00f6ttinger ins nur 19 km entfernte Kirchgandern fahren. Die Mauer in Berlin war schon am 9. November gefallen. Wir durften erst am 24. Dezember die Grenze zur damaligen DDR \u00fcberqueren. Der eiserne Vorhang, der uns so nahe beieinander Wohnende jahrzehntelang getrennt hatte, stand noch da, aber er existierte nicht mehr als Sperre. Meine Familie und ich, wir waren abends in den Gottesdienst nach Kirchgandern gefahren. Der Pfarrer begann sein Gebet mit den Worten: \u201eHeute m\u00fcssen wir nicht f\u00fcr unsere Br\u00fcder und M\u00e4nner beten, die an der Grenze ihren Dienst tun m\u00fcssen.\u201c Diese Worte sind so eindr\u00fccklich f\u00fcr mich gewesen, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Weit bedeutender, gr\u00f6\u00dfer ist der Unterschied zwischen der Zeit vor Weihnachten und danach, also auch heute. Wegen dieser Bedeutung, um ihretwillen, k\u00f6nnen wir trotz der Pandemie, trotz der \u00fcber 100.000&nbsp;Toten singen: \u201eO du fr\u00f6hliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren.\u201c Wir d\u00fcrfen wissen, dass das Kind sp\u00e4ter sterben wird, einen grausamen Tod sterben wird, aber dass es auch auferstehen wird. Gott l\u00e4sst das Kind, sein Kind, nicht allein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Heute \u2013 feiern wir die Geburt dieses Kindes!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten 2021 | Predigt zu Lukas 2,1-20 | verfasst von Ulrich Nembach | Liebe Gemeinde, Weihnachten, der Heilige Abend! Welcher Tag, welche Stunde! Ich meine, dass wir dieses Jahr Weihnachten besser verstehen als fr\u00fcher. Warum? Das werden wir gleich sehen. Zuvor ein R\u00fcckblick. Er hilft uns zu verstehen, was Weihnachten eigentlich, im Grunde genommen, bedeutet. 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