{"id":6535,"date":"2021-12-19T12:09:13","date_gmt":"2021-12-19T11:09:13","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6535"},"modified":"2021-12-20T12:27:05","modified_gmt":"2021-12-20T11:27:05","slug":"predigt-zu-titus-24-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-titus-24-9\/","title":{"rendered":"Predigt zu Titus 2,4-9"},"content":{"rendered":"<h3>Aufgeweckt und aus Gottes Schule geplaudert | Christnacht | 24.12.2021 | Predigt zu Titus 2,4-9 | verfasst von Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p><em>Erschienen ist die die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des gro\u00dfen Gottes und unseres Heilands, Jesus Christus, der sich selbst f\u00fcr uns gegeben hat, damit er uns erl\u00f6ste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig ist zu guten Werken. (Titus2,4-9)<\/em><\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>\u201eErschienen ist\u201c- das ist ein kr\u00e4ftiger Fanfarensto\u00df. Mitten in der stillen heiligen Nacht. Ein m\u00e4chtiges Signal, das die Menschen aus Ruhe und Besinnlichkeit herausholen und in helle Aufregung versetzen will. \u201eErschienen ist\u201c schallte es im r\u00f6mischen Weltreich, wenn ein neuer Kaiser den Thron bestieg. Er allein hatte das Sagen dar\u00fcber, wohin es jetzt in der Welt gehen w\u00fcrde. Aufgeregt fragten die Leute: Was wei\u00df man schon von ihm? Wird er die Herrschaft seines Vorg\u00e4ngers fortsetzen oder alles ganz anders machen? &nbsp;Und was wird dann aus mir?<\/p>\n<p>Bei dem \u201eErschienen ist\u201c in der Heiligen Nacht geht es noch um viel mehr, Hier wird die Herrschaft dessen angek\u00fcndigt, der auch den m\u00e4chtigsten Mann der Welt in der Hand hat, ihn mit jedem Atemzug am Leben h\u00e4lt und es ihm im Handumdrehen nehmen kann. Der Sch\u00f6pfer Himmels und der Erden, allm\u00e4chtig von Ewigkeit zu Ewigkeit, um ihn geht es. Er hat sich allerdings immer nur andeutungsweise gezeigt. Und viele Menschen meinen: vielleicht gibt es ihn gar nicht. Vielleicht bilden religi\u00f6se Menschen sich das nur ein. Nun aber endlich kommt sein \u201eErschienen ist\u201c. Und was genau ist von ihm erschienen, wie zeigt er sich? Wenn man bedenkt, was die Menschen aus der Welt gemacht haben, die im Anfang so gut war, dann ist nichts Gutes von ihm zu erwarten Und Recht behalten w\u00fcrden jene, die in Gottes Namen ein f\u00fcrchterliches Strafgericht angek\u00fcndigt haben, vor allem an denen, die nichts von ihm wissen wollten.<\/p>\n<p>Ach Unsinn, das h\u00e4tten wir ja l\u00e4ngst mitgekriegt. Erschienen ist seine Gnade, die es gut meint mit allen Menschen. Auch mit denen, die nicht an ihn glauben. Alle will er sie heil und froh machen. Und woran merken wir das? Wo ist zu sp\u00fcren, dass in unserer Welt, in der es oft so gnadenlos zugeht, die Gnade Gottes tats\u00e4chlich erschienen, zu sehen und zu greifen ist? Seine Gnade hat Hand und Fu\u00df, Herz und Sinne angenommen, verk\u00f6rpert sich in einem Menschen, hat einen Namen. Angefangen hat es mit ihm in einer Zeit und an einem Ort, in dem sich ganz andere einen Namen gemacht hatten: der Kaiser Augustus und Kyrenius, sein Statthalter in der j\u00fcdischen Provinz. Weil es den beiden gefiel, eine Volksz\u00e4hlung durchzuf\u00fchren, mussten die Menschen sich \u00fcberall auf den Weg in ihre Heimatorte machen. Und es wurde keine R\u00fccksicht darauf genommen, ob sie sich das leisten konnten oder ob Frauen hochschwanger waren. Auf diese gnadenlosen Herren hat die Gnade Gottes sich eingelassen. Denn sie will dort erscheinen, wo niemand sie erwartet: Wo es keinen Platz gibt f\u00fcr ein Paar mit seinem Neugeborenen. Das \u201eErschienen ist\u201c \u2013 dargebracht von den himmlischen Heerscharen \u2013 bekommen M\u00e4nner zu h\u00f6ren, mit denen keiner zu tun haben will.<\/p>\n<p>Das ist sozusagen die Ouvert\u00fcre zu dem St\u00fcck, in dem das Neugeborene als Erwachsener namens Jesus von Nazareth die Hauptrolle spielt. Von Anfang bis zum Ende geh\u00f6rt er zu denen, die keinen festen Wohnsitz haben und auf Gro\u00dfherzigkeit und Gastfreundschaft angewiesen sind. Aber er hatte auch etwas zu bieten. Er hatte Geschichten, so anschaulich und zu Herzen gehend, dass man sie behalten und weitererz\u00e4hlen kann. Von dem Vater, der seinen verkommenen Sohn mit offenen Armen aufnimmt. Von dem Samariter, der wie man meinte, den falschen Glauben hatte; der aber mehr praktische N\u00e4chstenliebe an den Tag legt als rechtgl\u00e4ubige Tempelbeamte. Von dem Weinbergbesitzer, der auch die mit nur kurzer Teilzeit Besch\u00e4ftigten so bezahlt, dass sie leben k\u00f6nnen wie die Vollbesch\u00e4ftigten. Immer fallen seine Geschichten aus dem Rahmen. Und immer leuchtet in ihnen die Welt auf, wie Gott sie haben will. So hat Jesus nicht nur erz\u00e4hlt, so hat er auch gelebt: immer bei denen, die nicht mitkamen, nicht mitz\u00e4hlten, nicht dazugeh\u00f6rten. Ihnen ist er nachgegangen, hat ihnen Augen, Ohren und Mund gegeben und sie wieder auf die Beine gebracht. Immer und \u00fcberall als Zeichen daf\u00fcr, wie es zugeht in der Welt, in der allein Gott das Sagen hat. Darauf hat er sich am Ende festnageln lassen. Wie ein Verbrecher, f\u00fcr den es keine Gnade gibt, ist er gestorben. Doch in der anderen Nacht, die der Nacht seiner Geburt gegen\u00fcbersteht, in der Osternacht hat Gott ihn aus dem Tode herausgeholt und daf\u00fcr gesorgt, dass er lebendig geblieben ist und lebendig bleibt mit dem, was er gesagt und getan hat. Damit zeigt sich die Gnade Gottes, wie es eindeutiger nicht geht. Denn heil kann diese Welt nur werden, wenn die zu Verlierern und Opfern geworden, die aus dem Rahmen Fallenden zu ihrem Recht und zu ihrer W\u00fcrde kommen.<\/p>\n<p>Und diese Gnade \u2013 hei\u00dft es \u2013 \u201eerzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.\u201c Himmel, klingt das anstrengend, und alle Weihnachtsfreude geht da fl\u00f6ten! Aber nur, solange wir die Gnade als vorwurfsvolle Besserwisserin mit erhobenem Zeigefinger sehen. Eine gute P\u00e4dagogin, eine gute Erzieherin aber ist keine sauert\u00f6pfische Spielverderberin. Sie macht etwas mit ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Sie macht neugierig, weckt Interesse an dem, was sie vormacht, und sie hilft, es ihr nachzutun. So geht es zu in der Schule Gottes, in der wir uns befinden. Die meisten von uns begleitet der Glaube an Gott von Kindesbeinen an. Voll drauf haben wir ihn immer noch nicht, geben bisweilen fast auf, fangen wieder an. Immer von neuem wird sie geweckt, die Sehnsucht nach ihm und seiner Freude, die Hoffnung darauf, dass es doch noch gut wird mit dieser Welt. Und nie und nimmer werden wir danach trachten, Gott los zu sein. Und weltliche Begierden, die Gier, alles f\u00fcr uns haben zu m\u00fcssen und Spa\u00df zu haben, koste es, was es wolle \u2013 nein, da machen wir nicht mit. Und damit sind wir nicht allein. Das wird \u00fcberall um uns herum gerade bei jungen Leuten ge\u00fcbt und trainiert. Gegen den Strom einer Gesellschaft zu schwimmen, die davon lebt, dass andere Gesellschaften ausgebeutet werden. Bedacht und vern\u00fcnftig, ma\u00dfvoll umzugehen mit dem, was wir zum Leben brauchen, darin werden wir ge\u00fcbt. Und ebenso darin, gerecht zu leben: darauf zu achten, dass Menschen, die bei uns leben, zu ihrem Recht kommen. Wer in diesem Unterricht mitmacht, kann auch als \u00e4lterer Mensch noch viel bewirken.<\/p>\n<p>Und wie ist das mit dem \u201efromm leben\u201c? Verbindliche Traditionen, in denen Fr\u00f6mmigkeit gelebt hat, verschwinden. Heute will sie gelernt und trainiert werden in einer Atmosph\u00e4re weltanschaulicher Beliebigkeit. Und da lernen wir, mit alle n anderen, Andersdenkenden und Andersglaubenden mit Respekt zu begegnen. Und wir lernen, den eigenen Standpunkt, den eigenen Glauben zu finden und ihm Ausdruck zu geben. Das sieht bei jedem Menschen, auch schon bei unseren Kindern, wieder anders aus. Doch tragf\u00e4hige Br\u00fcckenpfeiler der Fr\u00f6mmigkeit haben sich in allem Abbruch und bei aller Beliebigkeit erhalten: Ich denke an das Vaterunser, und ich denke an den Segen. Und deshalb hei\u00dft frommsein heute wie zu allen Zeiten: Im Zeichen des Vaters im Himmel und seines Willens zu leben und, mich einbeziehen zu lassen in den Segen seiner Gnade und ihn weiterzugeben. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>&nbsp;<\/u><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgeweckt und aus Gottes Schule geplaudert | Christnacht | 24.12.2021 | Predigt zu Titus 2,4-9 | verfasst von Rudolf Rengstorf | Erschienen ist die die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6523,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52,1,157,546,114,647,349,3,109,200],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-titus","category-aktuelle","category-beitragende","category-christnacht","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-titus","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-rudolf-rengstorf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6535"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6539,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6535\/revisions\/6539"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6535"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6535"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6535"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6535"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}