{"id":6559,"date":"2021-12-21T10:14:40","date_gmt":"2021-12-21T09:14:40","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6559"},"modified":"2021-12-21T11:26:11","modified_gmt":"2021-12-21T10:26:11","slug":"6559-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/6559-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 10,32-42"},"content":{"rendered":"<h3>Zweiter Weihnachtstag | Matth\u00e4us 10,32-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Rasmus H.C. Dreyer |<\/h3>\n<p>\u201eIch bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!\u201c sagt Jesus in diesem Text. Was wurde aus dem Frieden auf Erden und dem Wohlgefallen f\u00fcr die Menschen im Weihnachtsevangelium? Nein, wir sind schon weiter. Jesus ermahnt uns, das Kreuz auf uns zu nehmen, um seiner w\u00fcrdig zu sein.\u00a0 Der weihnachtliche Friede war kein Idyll. Der Glaube an den kleinen Knaben, der in Bethlehem geboren wurde, sollte Konsequenzen haben und zu Verfolgungen f\u00fchren: \u201eIch bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!\u201c<\/p>\n<p>In D\u00e4nemark feiern wir mitten in der Weihnachtszeit einen M\u00e4rtyrertag, den Sankt Stephanstag. Er f\u00e4llt auf den zweiten Weihnachtstag, und jedes Jahr sind viele von Euch ziemlich \u00fcberrascht, wenn ihr zum Gottesdienst kommt und nicht vom Kind in der Krippe h\u00f6rt, sondern von der Steinigung des Stephanus \u2013 des ersten christlichen M\u00e4rtyrers. So wie ich eben vorgelesen habe, wie Jesus voraussagt, dass der Glaube zu Mord und Leiden f\u00fchrt, und wie die Botschaft von der Liebe Gottes auf Widerstand sto\u00dfen wird und ein \u00c4rgernis sein wird, das Streit bis in die Familien bringt.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, wie ich selbst davon betroffen wurde und die Ver\u00e4rgerung bei den Leuten erlebt habe. Das war ein zweiter Weihnachtstag, an dem ich im Dom von Roskilde predigte. Ein w\u00fctender Kirchg\u00e4nger ermahnte mich danach, dass alle die Geschichten \u00fcber die Verfolgung f\u00fcr die D\u00e4nen nicht relevant seien. Denn damit hatte ich nat\u00fcrlich den weihnachtlichen Frieden gest\u00f6rt, dass ich von dem Streit und den Verfolgungen sprach, die die Botschaft von der Macht der Liebe, von dem Kind in Bethlehem noch heute verursacht. Aber wir hier in unserem relativ friedlichen Land sollten die Konsequenzen des Glaubens an Jesus als dem Erl\u00f6ser kennen. Der Glaube darf nicht zu einem Idyll werden, und dies ist ja ein gro\u00dfes Risiko in unserer gem\u00fctlichen Weise, Weihnachten zu feiern. Wir m\u00fcssen als ein christliches Land und als christliche Menschen durchaus Verantwortung tragen f\u00fcr unsere christlichen Br\u00fcder und Schwerstern, die unter Verfolgung en leiden. Daran soll uns der Sankt Stephanstag, unser kirchlicher M\u00e4rtyrertag, gerade erinnern.<\/p>\n<p>Der Sankt Stephanstag ist \u00e4lter als das Weihnachtsfest, das ja wegen der fehlenden biblischen Datierung am Tag der Sonnenwende gefeiert wird, ein Beschluss aus dem vierten Jahrhundert. Stephan wurde wegen seines Glaubens und seiner Verk\u00fcndigung nur wenige Jahre nach dem Todd und der Auferstehung Jesu ermordet, vermutlich um das Jahr 35. Stephanus wusste, dass Gott uns so sehr liebt, dass er in Jesus zu uns kommen w\u00fcrde. Keiner brauchte mehr einen Weg zu Gott zu finden \u2013 sei es mit einem Lastauto oder mit noch so vielen unschuldigen und frommen Werken. Und Stephanus hielt fest an seinem Glauben, auch wenn er auf die Probe gestellt wurde und seine Gegner meinten, ihr Gott sei so gro\u00df und unangreifbar, dass er sich nie so mit Menschen einlassen w\u00fcrde, wie Jesus dies tat.<\/p>\n<p>\u201eSie schrien aber laut und hielten sich ihre Ohren zu und st\u00fcrmten auf ihn ein und steinigten ihn\u201c, und Stephanus fiel auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese S\u00fcnde nicht an\u201c.\u00a0 Und als er das gesagt hatte, verschied er (Apostelgeschichte, 7,59-60).<\/p>\n<p>Stephanus war der erste M\u00e4rtyrer der Kirche. Aber was ist ein M\u00e4rtyrer \u2013 und hier reden wir wohlgemerkt von einem christlichen M\u00e4rtyrer, der unschuldig stirbt? Das Wort M\u00e4rtyrer stammt aus dem Griechischen und bedeutet Zeuge. Das bedeutet jemand, der den Mund aufmacht und spricht, wenn er gefragt wird, und sagt, was er wei\u00df und glaubt. M\u00e4rtyrer sein bedeutet deshalb nicht notwendigerweise, dass man misshandelt oder get\u00f6tet wird wie Stephanus, sondern es bedeutet, dass man frei auftritt und es wagt, den Mund aufzumachen. Und dass man sich \u00fcberhaupt nicht damit abfindet, dass der Glaube an Gott und Jesus unterdr\u00fcckt und verfolgt wird.<\/p>\n<p>Martin Luther hat gesagt, dass alle Christen Papst, Bischof und Priester sind, wenn wir aus der Taufe gekrochen sind. Und ja, das w\u00fcrde vielleicht die Glaubw\u00fcrdigkeit der Volkskirche durchaus st\u00e4rken, wenn ein Bischof oder zur Not ein Propst sich freiwillig von L\u00f6wen auffressen lassen w\u00fcrde. Aber die Verpflichtung, Zeugnis f\u00fcr Christus abzulegen, die gilt uns allen. Das gilt auch f\u00fcr die Verantwortung f\u00fcr unsere Mitchristen.<\/p>\n<p>Jeden Tag werden Christen irgendwo in der Welt get\u00f6tet. Das ist uns in den letzten Jahrzehnten n\u00e4hergekommen. Man denke nur an den franz\u00f6sischen Priester Jaques Hamel, der 2016 vor dem Altar seiner Kirche enthauptet wurde. Man denke an die Bombenangriffe, bei denen Frauen und Kinder w\u00e4hrend des Gottesdienstes in einer der gr\u00f6\u00dften Kirche Kairos get\u00f6tet wurden. Man denke an das Mitglied des britischen Parlaments, der von seinen eigenen W\u00e4hlern bei einem offenen B\u00fcrgertreffen in einer Kirche in England ermordet wurde. Man denke an die jahrelangen Christenverfolgungen in Syrien, im Irak, ja heute auch in dem fr\u00fcher christlichen Land T\u00fcrkei. Oder, wenn man das vergessen haben sollte, der widerliche Angriff vor einigen Jahren auf einem Weihnachtsmarkt vor der Kaiser Wilhelm Ged\u00e4chtniskirche in Berlin. Der Lastwagen, dessen Todesfahrer seinen \u00dcberfall damit beendete, dass er den gro\u00dfen Weihnachtsbaum des Markts umfuhr. Das ist sicher kein Zufall. Und ja, vielleicht wollen und sollten wir das nicht einen Religionskrieg nennen. Trotz allem d\u00fcrfen wir nicht den Blick daf\u00fcr verlieren, dass auch christliche Terroristen im Namen ihrer Religion gewaltt\u00e4tig werden. Der verstorbene Bischof von Roskilde Jan Lindhardt hat einmal sinngem\u00e4\u00df gesagt, wenn die eine Seite in einem Konflikt meint, dass es um Religion geht, dann sollte die andere Seite das auch ernst nehmen.<\/p>\n<p>Infolge der Organisation Offen T\u00fcren, die verfolgte Christen unterst\u00fctzt, werden etwa 100 Millionen Christen in der ganzen Welt verfolgt.\u00a0 Das schlimmste Land ist das offiziell religionsneutrale Nordkorea. Aber auch Eritrea, Syrien, der Irak, der Iran, Afghanistan geh\u00f6ren zu den L\u00e4ndern, in denen Christen verfolgt werden. Im afghanischen Parlament \u00e4u\u00dferte das Mitglied Nazir Ahmad Hanafi im Jahre 2015, also ehe die Taliban an die Macht kamen, dass jeder, der zum Christentum konvertiert, hingerichtet werden solle. Man versteht das afghanische Sprichwort:\u00a0 Als der Teufel auf die Erde kam, landete er in Kabul.<\/p>\n<p>Die kaltbl\u00fctigsten und grausamsten Verfolgungen von Christen geschahen im Islamischen Staat. Ihr Kalifat ist gl\u00fcckerweise beendet. Aber IS begann seinerzeit seine Untaten in alten christlichen St\u00e4dten im Irak und Syrien damit, dass die viele Christen kreuzigten.<\/p>\n<p>Das alte christliche Nahe Osten ist nun fast vor unseren Augen verschwunden. Und doch besteht Hoffnung. Die Christen kehren langsam zur\u00fcck. In einer Reportage aus der christlichen Stadt Qaraqosh, die die muslimischen Iraker Al-Hammdaniya nennen, trafen Journalisten einer d\u00e4nischen Zeitung einen der zur\u00fcckgekehrten christlichen Iraker, Edmund Gewarkes. Der Reporter trifft ihn vor der Tahira-Kirche der Stadt, einer der gr\u00f6\u00dften Kirchen im Irak, die der IS vergeblich versucht hatte niederzubrennen. Edmund Gewarkes sagt:<\/p>\n<p>\u201eSie nur hin, dann siehst du die finsterste Bosheit, die wir je gesehen haben\u201c, und er f\u00e4hrt fort: \u201eIhr \u2026 sollt die Welt wissen lassen, was der Islamische Staat uns Christgen angetan hat\u201c.<\/p>\n<p>Ein alter christlicher Mann aus der Geburtsstadt Jesu Bethlehem erkl\u00e4rte vor einigen Jahren dem Journalisten Klaus Wiwel, warum wir unsere christlichen Br\u00fcder und Schwestern in den L\u00e4ndern, in denen das Christentum begann, vergessen haben: \u201eIm Westen sind wir nur Araber, in den arabischen L\u00e4ndern sind wir nur Christen. Wir verlieren an beiden Fronten\u201c.<\/p>\n<p>Niemand hat wohl Nachteile bei uns, weil er Christ ist. F\u00fcr viel ist das auch Gewohnheit und Tradition geworden. Wir riskieren ja auch nicht t\u00e4glich, wegen unseres Glaubens gesteinigt zu werden, wie das Stephanus widerfuhr. Gott sei Dank! Aber die Geschichte von Stephanus und die blutrote liturgische Farbe in unseren Kirchen an diesem Tag helfen uns zu verstehen, dass wir vielleicht unseren Glauben und die Leiden unserer Br\u00fcder und Schwestern viel ernster nehmen sollten.<\/p>\n<p>Zwei Jahrtausende nach dem Kind in der Krippe ist das Christentum noch immer der Glaube, der in der Welt am meisten gef\u00e4hrdet ist. Amen.<\/p>\n<p>Pastor Rasmus H.C. Dreyer<\/p>\n<p>DK-4244 Agers\u00f8<\/p>\n<p>E-mail: <a href=\"mailto:rhd@km.dk\">rhd(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweiter Weihnachtstag | Matth\u00e4us 10,32-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Rasmus H.C. Dreyer | \u201eIch bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!\u201c sagt Jesus in diesem Text. Was wurde aus dem Frieden auf Erden und dem Wohlgefallen f\u00fcr die Menschen im Weihnachtsevangelium? Nein, wir sind schon weiter. 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