{"id":6600,"date":"2021-12-30T10:28:59","date_gmt":"2021-12-30T09:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6600"},"modified":"2021-12-30T10:36:35","modified_gmt":"2021-12-30T09:36:35","slug":"sprueche-169-der-mensch-denkt-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/sprueche-169-der-mensch-denkt-gott\/","title":{"rendered":"Predigt zu Spr\u00fcche 16,9"},"content":{"rendered":"<h3>Der Mensch denkt, Gott lenkt | Neujahrstag | 1. 1. 2022 | Spr\u00fcche 16,9 | verfasst von Hansj\u00f6rg Biener |<\/h3>\n<p>Ich bin mir fast sicher, dass Sie den Predigttext \u201e\u201eDes Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.\u201c in seiner Kurzform l\u00e4ngst kennen: \u201eDer Mensch denkt, Gott lenkt.\u201c In dieser Form ist der Bibelvers zum deutschen Sprichwort geworden. Nicht ohne Grund: In der Luther-Bibel ist der Vers fett gedruckt. Das ist ein Hinweis der Herausgeber, dass man ihn auswendig lernen sollte.<\/p>\n<p>Als Einzelspruch trifft \u201eDer Mensch denkt, Gott lenkt.\u201c auf sehr verschiedene Situationen und kann dann auch sehr Verschiedenes bedeuten. Zwei Beispiele will ich in der Predigt ausf\u00fchren. \u201eDer Mensch denkt, Gott lenkt.\u201c Das k\u00f6nnte ein Kommentar sein zu einem selbstsicheren Pl\u00e4neschmieden. Da bedeutet es dann: \u201eGemach, gemach.\u201c Es k\u00f6nnte auch ein Trostwort werden f\u00fcr Menschen, die gr\u00fcbeln. Dann hei\u00dft es: \u201eLass Dich von Sorgen und Entscheidungszw\u00e4ngen nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Dein Leben ist in Gottes Hand.\u201c Doch wie kann man sich das im Predigttext behauptete \u201eLenken\u201c Gottes denken? Dieser Frage werde ich in der zweiten H\u00e4lfte der Predigt nachgehen.<\/p>\n<p><strong>Ein Mahnwort f\u00fcr Pl\u00e4neschmieder<\/strong><\/p>\n<p>Kommen wir zun\u00e4chst zu der Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der, darf ich sagen, \u201ewir\u201c gro\u00dfe und kleine Pl\u00e4ne machen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir nicht anders, doch vielleicht nehmen wir das Gelingen unserer Pl\u00e4ne viel zu selbstverst\u00e4ndlich. Im Jakobusbrief fuhr der Autor Mitchristen einmal schwer in die Parade: \u201eWohlan nun, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen \u2013, und wisst nicht, was morgen sein wird. [&#8230;] Dunst seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.\u201c (Jakobus 5,13-15)<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns leicht vorstellen, dass die Gefahren f\u00fcr Leib und Leben in der Zeit des Neuen Testaments viel gr\u00f6\u00dfer waren als f\u00fcr uns Mitteleurop\u00e4er heute. \u201eDreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Fl\u00fcsse, in Gefahr unter R\u00e4ubern, [&#8230;] in Gefahr in St\u00e4dten, in Gefahr in W\u00fcsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Br\u00fcdern; [&#8230;] in Hunger und Durst, [&#8230;] in Frost und Bl\u00f6\u00dfe\u201c, so erlebte Paulus seine Missionsreisen. (2. Kor. 11,25-27*) Er erduldete das als Teil seiner Berufung und seiner Pflicht, sich als Apostel zu bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Verglichen mit dem Leben des Paulus und dem, was in vielen Regionen der Welt normal ist, geht es uns Mitteleurop\u00e4ern gut. Wir k\u00f6nnen vieles planen und davon ausgehen, dass es funktioniert. Schiffs- oder Flugkatastrophen sind in unserem Alltag die Ausnahme, Naturkatastrophen und Stromausf\u00e4lle auch. Und wir nehmen es als selbstverst\u00e4ndlich, dass im Fall des Falles der Staat sch\u00fctzt und n\u00fctzt. Trotzdem holen uns die Unw\u00e4gbarkeiten gelegentlich ein und durchkreuzen unsere Pl\u00e4ne. Wir haben das ja erst im vergangenen Jahr erlebt. Ich will aber beim Beispiel Reisen bleiben und denke an die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Menschen Reisen planen und sich dann wundern&#8230; \u201eWohl an, wir fliegen Shoppen nach Barcelona\u201c \u2013 und dann strandet man wegen Corona. Doch auch dann sind wir noch privilegiert. Die Regierungen werden sich k\u00fcmmern. So haben sie ja in der Corona-Krise Touristen aus aller Herren L\u00e4nder zur\u00fcckgeholt. Und wenn ein Abenteuerurlaub in der Sahara wegen eines Aufstands zum echten Abenteuer wird, kommen Fallschirmj\u00e4ger aus Frankreich. Die Europ\u00e4er winken mit ihrem roten Pass und werden ausgeflogen, die Afrikaner bleiben im B\u00fcrgerkrieg zur\u00fcck&#8230;<\/p>\n<p>\u201eWenn der Herr will\u201c, soll man laut Bibel sagen, \u201e&#8230; denn Gott lenkt.\u201c Es gab in Mitteleuropa einmal eine Zeit, in der am Ende von Briefen s. c. J. stand, sub conditione Jacobaea \u2013 \u201eunter dem Vorbehalt, wie ihn Jakobus macht\u201c. \u201ewenn Gott will\u201c, das habe ich in meinem Christenleben gef\u00fchlt nie geh\u00f6rt. Wohl aber im englischsprachigen Kontext als The Lord willing. J\u00fcngst sogar im Fernsehen aus dem Mund von US-Pr\u00e4sident Joe Biden. Unter Muslimen h\u00f6rt man In sch\u0101&#8217;a ll\u0101h. Das bezieht sich auf einen Vers aus dem Koran, der uns von Jakobus her vertraut klingen kann: \u201eSag nicht von einer Sache: \u201aDas tue ich morgen\u2018, ohne [hinzuzuf\u00fcgen]: \u201aGott m\u00f6ge es wollen!\u2018 Gedenke deines Herren, wenn du es vergessen hast, und sag: \u201aVielleicht f\u00fchrt mich mein Herr zu etwas, das rechtem Weg n\u00e4her ist als dies.\u201c (Sure 18, Vers 23, \u00dcbersetzung von Hans Zirker) Das Inschallah ist seit einigen Jahren auch in die Pop- und Jugendkultur eingegangen, und man w\u00fcrde hoffen, dass es nicht nur dahingesagt ist.<\/p>\n<p>Zusammengefasst also die Lebenserfahrung aus fr\u00fcherer Zeit: \u201eSei bei Deinen Planungen nicht zu selbstsicher oder arrogant. Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.\u201c F\u00fcr die Alten war sogar denkbar, dass Gott aktiv Pl\u00e4ne scheitern l\u00e4sst: \u201eGott widersteht dem Hochm\u00fctigen, aber den Dem\u00fctigen gibt er Gnade.\u201c (1. Petrus 5,5)<\/p>\n<p><strong>Ein Trostwort f\u00fcr Gr\u00fcbler<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe von Menschen gesprochen, deren Planen \u2013 von au\u00dfen betrachtet \u2013 zu selbstsicher erscheint. Es gibt aber auch Menschen, bei denen Unsicherheit die \u00dcberhand zu gewinnen droht. Da k\u00f6nnte das \u201eDes Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.\u201c auch ein Trostwort werden.<\/p>\n<p>Gewiss gab es auch in fr\u00fcheren Jahrhunderten viele Anl\u00e4sse zum Gr\u00fcbeln. Daran kann kein Zweifel bestehen. Aber auch hier ist unsere Situation in Mitteleuropa eine Besondere. Uns ist heutzutage weniger vorgegeben als fr\u00fcher. Wir erben nicht mehr Stand und Beruf; die Partnerwahl wird nicht von Eltern und Verwandten organisiert. Das hei\u00dft f\u00fcr jeden von uns: Immer wieder stehen Entscheidungen von gro\u00dfer Bedeutung vor uns. Man nennt das neudeutsch \u201eLebensplanung\u201c, als ob wir vom Leben einen Plan h\u00e4tten. Nicht dass die anderen keine Meinung h\u00e4tten oder nicht reinreden k\u00f6nnten, aber am Ende ist es doch ein \u201eDas musst du selber entscheiden.\u201c Und egal, was herauskommt: Wir schultern nicht nur die Last der Lebensplanung, sondern auch die Lasten ihrer Folgen. \u201eEs war ja Deine Entscheidung. Du hast es so gewollt.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe angesprochen, dass wir nicht mehr auf die Rollen und Berufe unserer Eltern festgelegt sind. Also stehen vor uns Schulwahl und\/oder -wechsel, wenn es mit dem Schulweg nicht klappt. Wir stehen vor Berufswahl und\/oder -wechsel, wenn wir uns verw\u00e4hlt haben. Oder wenn es am Arbeitsplatz schwierig wird: Wollen wir bleiben? K\u00e4mpfen oder schweigen oder k\u00fcndigen? Ich habe die Familie angesprochen. Da geht es um das Finden von Freunden\/Freundinnen bis hin zur \u201eendg\u00fcltigen\u201c Partnerwahl. Und weiter: In Zeiten, wo man Kinder verh\u00fctet, wird Familienplanung zum Thema. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt f\u00fcr ein Kind und wann ist er verpasst? Und l\u00e4ngst kommt vor dem allen noch die Frage der sexuellen Identit\u00e4t. Die wird uns offenbar nicht mehr in blau und rosa in die Wiege gelegt und mit dem geschenkten Spielzeug gefestigt, sondern soll Sache einer aktiven Wahl sein bis hin zu Operationen. Und sp\u00e4testens hier sprechen wir davon, dass nicht alles einfach r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden kann.<\/p>\n<p>Karriereplanung, Familienplanung. Mit einem Plan B, C oder D neue Visionen und Alternativen entwickeln. Sich neu erfinden, wie man von manchen Promis sagt. Das ist Teil der Freiheit zur Selbstbestimmung, die schon Jugendliche einklagen. Dass das alles nicht so leicht ist, wird uns mit zunehmendem Leben bewusster. Dass Gott uns dabei f\u00fchren k\u00f6nnte, ist ein nicht mehr selbstverst\u00e4ndlicher Gedanke. Dass uns andere Kn\u00fcppel zwischen die Beine werfen, schon. Und manche sehen in dieser Welt ja sowieso und insgesamt finstre M\u00e4chte am Werk. Wo das Vertrauen gegangen ist, kommt der Hass.<\/p>\n<p><strong>\u201eGott lenkt&#8230;\u201c \u2013 Wie man sich das fr\u00fcher dachte<\/strong><\/p>\n<p>Dass Gott in dieser Welt und in unserem Leben lenkend eingreift, ist kein selbstverst\u00e4ndlicher Gedanke. Aber: Fragen wir zun\u00e4chst die Alten. Die waren ja auch nicht dumm. Die fr\u00fchere Sch\u00f6pfungslehre nannte Gott den Sch\u00f6pfer der Welt am Anfang und [!] den Erhalter der Welt in jedem Moment bis zum J\u00fcngsten Tag:<\/p>\n<p>Gott erh\u00e4lt die Materie und ihre Form [conservatio],<\/p>\n<p>Gott erm\u00f6glicht Ver\u00e4nderung in der Welt [concursus] und<\/p>\n<p>Gott lenkt die Welt letztlich zum Guten [gubernatio].<\/p>\n<p>Sie h\u00f6ren sofort: Man glaubte fr\u00fcher an Gott, wo wir heutigen eher Naturgesetze am Wirken sehen. Mit einer Ausnahme, und die ist gerade bei unserem Predigttext wichtig. Die Alten sagten: Gott lenkt die Welt letztlich zum Guten. Das w\u00fcrden wir von Naturgesetzen nicht sagen und das macht einen Teil der Ungeborgenheit unseres Lebens aus. Naturgesetze sind ja neutral gegen alles: Sie kennen weder Wunder noch Gebetserh\u00f6rungen und haben auch nicht so etwas wie pers\u00f6nliche Interessen am Wohlergehen von Menschen. Den Naturgesetzen sind wir egal. Gott, so die \u00dcberzeugung der Alten, sind wir nicht egal. Im alten Weltbild gab es also mehr Raum f\u00fcr Bitten und Betteln, f\u00fcr Ringen und K\u00e4mpfen mit Gott.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat die Menschen auch fr\u00fcher schon die Frage nach dem B\u00f6sen bewegt. Sie haben es sich so zurechtgelegt:<\/p>\n<p>Gott l\u00e4sst B\u00f6ses zu (permissio) oder verhindert es (impeditio),<\/p>\n<p>Gott wendet B\u00f6ses zum Guten (directio) und<\/p>\n<p>setzt eine Grenze, dass die Welt nicht zerst\u00f6rt werden kann (determinatio).<\/p>\n<p>Das erste sehen wir leicht. Das andere ist erneut Sache des Glaubens. Gewiss k\u00f6nnen wir uns wundern und dankbar sein, wenn wir in einer Sache unbeschadet davonkommen. Aber: Wir k\u00f6nnen schlechtweg nicht wissen, ob und wann \u201eGott\u201c f\u00fcr uns eingegriffen hat. Andere sehen da vielleicht sowieso nur Zufall. \u201eGott wendet B\u00f6ses zum Guten.\u201c Das bezieht sich auf Genesis 50,20, den Abschluss der Josefsgeschichte. Sie erinnern sich vielleicht an die Geschichten, die noch heute auch im Religionsunterricht erz\u00e4hlt werden: Josef, das vom Vater verh\u00e4tschelte sp\u00e4te Kind, das von seinen missg\u00fcnstigen Br\u00fcdern nach \u00c4gypten verkauft wird, dort mit Irrungen und Wirrungen seinen Weg bis zum Kanzler macht, seine Br\u00fcder wiedertrifft, sich aber nicht r\u00e4cht, sondern l\u00e4ngst gelernt hat: \u201eIhr gedachtet es b\u00f6se mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist,&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht kennen Sie das ja sogar in der R\u00fcckschau Ihres Lebens. Da gab es sicher Tage, an denen Pl\u00e4ne scheiterten, \u2013 aber vielleicht wirken die Katastrophen von damals heute nicht mehr so gro\u00df, weil Sie Ihren Weg gemacht haben und Frieden mit der Vergangenheit schlie\u00dfen konnten. Vielleicht hatten Sie ja sp\u00e4ter einmal das Gef\u00fchl, jetzt ist es richtig, dass ich hier bin, um etwas zum Guten zu bewegen. Vielleicht f\u00fchlen Sie sich heute an ihrem Platz richtig und der Kummer von damals ist nicht mehr so wichtig. Das w\u00e4re sch\u00f6n. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass so ein Bewusstsein nicht leicht und von selber kommt. Das wussten auch die Alten. Volles Einverst\u00e4ndnis mit der F\u00fchrung Gottes, so die Alten, gibt es erst in der Ewigkeit.<\/p>\n<p><strong>\u201eGott lenkt&#8230;\u201c \u2013 Wie man das heute glauben k\u00f6nnte&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u201eGott lenkt \u2013 am Ende alles zum Guten.\u201c Wie sehr k\u00f6nnte das Menschen entspannen, \u2013 sowohl f\u00fcr die eigene Lebensf\u00fchrung als auch im Blick auf die Welt. Das konnte und kann man niemandem andemonstrieren, zumal, so die Alten, der volle Blick sich erst in der Ewigkeit einstellen w\u00fcrde. Die Bibel bietet aber verschiedene Bilder zur Deutung unserer Situation in der Zwischenzeit. Und wenn uns ein Bild anspringt, hat das auch seine Botschaft.<\/p>\n<p>Sie kennen vielleicht das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matth\u00e4us 25,14\u201330, Lukas 19,12\u201327). In dem geht es um einen Gutsbesitzer, der eine Zeit ins Ausland geht, und darum, wie sich seine Mitarbeiter in dieser Zeit bew\u00e4hren. Es bezog sich einst auf anvertrautes Gut, das es zu pflegen und zu vermehren galt. Es kommt, wie es kommen muss. Die Mitarbeiter engagieren sich mehr oder weniger und gewinnen demgem\u00e4\u00df mehr oder eben nichts hinzu. Irgendwann kommt dann die gro\u00dfe Stunde, und sie m\u00fcssen Rechenschaft vor ihrem Chef ablegen. Es mag sein, dass dieses das Lebensgef\u00fchl trifft. Ein Gott f\u00fchrt nur aus der Ferne wie ein Gutsbesitzer, der seinen Mitarbeitern einen Auftrag gibt und freie Hand l\u00e4sst. Er mischt sich nicht ein, verlangt aber am Ende dann doch Rechenschaft. Und das hei\u00dft dann f\u00fcr die Zwischenzeit, nicht nachl\u00e4ssig sein, sondern m\u00f6glichst viel aus seinen Talenten machen. Nicht nur f\u00fcr sich selber, sondern auch mit dem Blick auf Gott. [Ich habe das lange f\u00fcr mich so gesehen, doch mit der Zeit als zu fordernd empfunden. Ich werde als Sechzigj\u00e4hriger definitiv nicht mehr viel \u201eaufholen\u201c k\u00f6nnen, wo ich \u201ezu wenig\u201c geleistet habe.]<\/p>\n<p>Ich greife als zweites Bild das von Weinstock heraus, den Gott als Winzer hegt und pflegt \u2013 und planvoll beschneidet (Johannes 15,1-8). Das wichtigste Werkzeug im Weingarten sei das Messer, wahlweise die Schere. F\u00fcr mich als fr\u00fcherem Stadtkind, das sich mit Gr\u00fcn nicht auskennt, keine angenehme Vorstellung, aber ich habe dazu gelernt. In der \u201eSendung mit der Maus\u201c gab es einmal eine Serie zum Weinbau, die heute noch in der Mediathek zu sehen ist. Man findet sie leicht bei den Sachgeschichten unter dem Stichwort Weinbau (https:\/\/www.wdrmaus.de\/filme\/sachgeschichten\/weinbau_teil1.php5 bis _teil4.php5). Da hat man ein Winzerjahr begleitet und testweise einen Weinstock sich selber \u00fcberlassen. Er wurde nicht beschnitten, nicht gerichtet, nicht gelichtet, Pilze wurden nicht entfernt. In der vierten Folge zeigt sich der Weinstock pr\u00e4chtig entwickelt, gr\u00f6\u00dfer als die anderen. Er tr\u00e4gt jede Menge Trauben, \u2013 aber sie sind ungenie\u00dfbar sauer. Die Kraft der Sonne und die N\u00e4hrstoffe, so der Kommentar im letzten Film, haben sich auf so viele Trauben verteilen m\u00fcssen, dass jede einzelne Traube zu wenig abbekam. Die Lehre f\u00fcr mich: Nicht den vielen M\u00f6glichkeiten nachdenken, die uns im Leben irgendwann abgeschnitten wurden, sondern auf die Ergebnisse heute achten.<\/p>\n<p>Am Ende des Tages muss man sich als Christ, Christin sowieso an Jesus festhalten. Eingebettet in den Lebensweg Jesu soll, muss es doch auch mit meinem Leben gut werden. Die Taufe hat mich mit seinem Leben \u201emir zugut\u201c verbunden. Ich habe seither eine pers\u00f6nliche Zusage: Durch alle H\u00f6hen und Tiefen, ja auch durch Karfreitage des Lebens hindurch, soll ich am Ende bei Gott herauskommen. Unterwegs st\u00e4rkt mich das Abendmahl: Ein bisschen Brot als Zeichen, dass einmal alle Menschen satt werden sollen, ein bisschen Wein als Zeichen, dass einmal alle Menschen froh sein werden. So kann man dann wohl auch das neue Jahr als \u201eJahr des Herrn\u201c 2022 angehen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Als Teaser in die Begr\u00fc\u00dfung einzuf\u00fcgen<\/strong><\/p>\n<p>Lassen Sie mich mit einer Reihe von Fragen beginnen: Wie gehen Sie ins neue Jahr? Sind Sie froh, dass das alte Jahr vorbei ist und erwartungsvoll f\u00fcr das neue? Oder haben Sie keine Pl\u00e4ne und Erwartungen f\u00fcr das neue Jahr, weil man in diesen Zeiten ja nur noch Corona-depressiv sein kann, und es eh anders kommt, als man will? Der Predigttext des heutigen Neujahrstags besteht aus einem einzigen Satz: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt. (Spr\u00fcche 16,9) Oder k\u00fcrzer: \u201eDer Mensch denkt, Gott lenkt.\u201c Wie das zu verstehen ist, wird Thema der Predigt sein. Und als Mottolieder f\u00fcr 2022 habe ich aus dem Evangelischen Gesangbuch einige Vertrauenslieder herausgesucht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge (EG)<\/strong><\/p>\n<p>61 Hilf, Herr Jesu, lass gelingen&#8230;<\/p>\n<p>361 Befiehl du deine Wege&#8230;<\/p>\n<p>368 In allen meinen Taten&#8230;<\/p>\n<p>374 Ich steh in meines Herren Hand&#8230;<\/p>\n<p>395 Vertraut den neuen Wegen&#8230;<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>\u201eEin neues Jahr beginnt\u201c<\/strong> (Melodie \u201eEin neuer Tag beginnt\u201c von Helga Poppe\/Pr\u00e4senzverlag der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal, Text Dr. Hansj\u00f6rg Biener in enger Anlehnung an den Originaltext von Helga Poppe\/Pr\u00e4senzverlag der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal)<\/p>\n<p>0.+R. Ein neues Jahr beginnt, und ich freu mich, ja ich freue mich.<\/p>\n<p>Ein neues Jahr beginnt, und ich geh es mutig an.<\/p>\n<ol>\n<li>Gott, ich hoff, der Weg ist gut, auf dem du mich leitest,<\/li>\n<\/ol>\n<p>sinkt mir manchmal auch der Mut, du gehst mir voran.<\/p>\n<p>Refrain<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Was mir Angst und Sorgen schafft, das kann ich dir sagen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Du selbst schenkst mir neue Kraft, denn ich bin auch mal schwach.<\/p>\n<p>Refrain<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Deine Liebe schenkst du mir, ich kann dir vertrauen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich bin dein, geh\u00f6re dir, du l\u00e4sst mich nicht los.<\/p>\n<p>Refrain<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Dr. Hansj\u00f6rg Biener (*1961) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und derzeit als Religionslehrer an N\u00fcrnberger Gymnasien t\u00e4tig. Au\u00dferdem ist er au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des evangelischen Religionsunterrichts an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mensch denkt, Gott lenkt | Neujahrstag | 1. 1. 2022 | Spr\u00fcche 16,9 | verfasst von Hansj\u00f6rg Biener | Ich bin mir fast sicher, dass Sie den Predigttext \u201e\u201eDes Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.\u201c in seiner Kurzform l\u00e4ngst kennen: \u201eDer Mensch denkt, Gott lenkt.\u201c In dieser [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6601,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,122,1,2,157,120,114,121,271,836,349,550,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-6600","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sprueche","category-adv_weihn_neujahr","category-aktuelle","category-at","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-festtage","category-hansjoerg-biener","category-kapitel-16-chapter-16-sprueche","category-kasus","category-neujahrstag","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6600"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6605,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6600\/revisions\/6605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6600"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=6600"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=6600"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=6600"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=6600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}