{"id":6633,"date":"2021-12-30T10:44:04","date_gmt":"2021-12-30T09:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6633"},"modified":"2021-12-30T11:44:23","modified_gmt":"2021-12-30T10:44:23","slug":"matthaeus-21-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-21-12\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3>1. Sonntag nach dem Christfest | Matth\u00e4us 2,1-12 (d\u00e4nische Perikopenordnung)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften moralischen Mahner in D\u00e4nemark ist der Psychologe und Soziologe Svend Brinkmann. Seinen ersten gro\u00dfen Erfolg hatte er mit dem Buch: \u201eSteht fest\u201c. Das war eine moralische Kritik an der Tendenz unserer Zeit, dass alles in Bewegung sein soll. Alles soll sich bewegen, und wir sollen uns immer ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Das Buch war eine notwendige Auseinandersetzung mit einer atemlosen Welt. Denn, wie das ein anderer vor ein paar Wochen formuliert hat, ein Direktor einer gr\u00f6\u00dferen Bank: Wenn alles in einer Firma in den n\u00e4chsten drei Monaten ge\u00e4ndert werden muss, dann hat man ein Problem. Dann hat man keinen Kern. Dann hat man, in dieser Sprache gesprochen, kein Produkt.<\/p>\n<p>Und das ist ja richtig: Wenn alles in Bewegung ist, dann verschwindet immer alles. Wir m\u00fcssen feststehen, hier ist die Bemerkung von Brinkmann angebracht.<\/p>\n<p>Aber wir Martin Luther einmal gesagt hat, die Welt ist wie ein betrunkener Bauer. Wenn man ihm von der einen Seite aufs Pferd hilft, f\u00e4llt er auf der anderen Seite herunter.<\/p>\n<p>Es ist als seinen wir wie betrunkene Bauern, die immer von der einen Seite des Pferdes zu anderen herunterfallen. Denn wenn wir erst damit aufgeh\u00f6rt haben, in st\u00e4ndiger Ver\u00e4nderung zu leben, sitzen wir hilflos fest. Von einem Extrem ins andere.<\/p>\n<p>Ein kluger Mann hat einmal gesagt, dass Ketzerei eine Wahrheit ist, die man \u00fcbertrieben hat. So kann die Ideologie des \u201eSteht fest!\u201c \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen, und auch mit der Ideologie des Ver\u00e4nderns kann man es zu weit treiben. \u201eSteht fest!\u201c kann auch zu Stillstand und Tod werden. So wie es in einem beliebten Lied des Liederbuchs der d\u00e4nischen Heimvolkshochschulen hei\u00dft:<\/p>\n<p>Kampf geh\u00f6rt zum Leben,<\/p>\n<p>nicht Kampf f\u00fcr\u2018s t\u00e4gliche Brot,<\/p>\n<p>nein Kampf f\u00fcr Freiheit im Leben und Tod \u2013<\/p>\n<p>denn ewiger Stillstand ist Tod.<\/p>\n<p>\u201eSteht fest!\u201c, das kann ewigen Stillstand bedeuten. Konstante Bewegung aber auch. Es muss einen dritten Weg geben.<\/p>\n<p>Denn es war ja eigentlich gut, dass die Heiligen drei K\u00f6nige nicht stehen blieben. Sie wurden durch das Wort in Bewegung gesetzt. In Bewegung gebracht von dem Stern, den das Wort an den Himmel stellte, um zu leuchten. Sie wurden in Bewegung gesetzt, um zum Wort zu kommen. Bewegung war f\u00fcr sie nicht das Ziel, es war Mittel zur Erreichung des Ziels.<\/p>\n<p>Und das Problem unserer Tage ist wohl, dass wir das Mittel zum Ziel machen, dass die Bewegung zum Ziel an sich wird. Dass wir ver\u00e4ndern, nur um zu ver\u00e4ndern. Das w\u00e4re ja wirklich geistlos.<\/p>\n<p>Die Heiligen drei K\u00f6nigen wurden in Bewegung gesetzt. Sie bewegten sich zum Kind in der Krippe. Ihr Leben wurde von ihm in Bewegung gesetzt, der still in der Krippe lag, und von dem Stern, der stillstand \u00fcber der Stelle, was das Kind lag, wie geschrieben steht. Und es war ja gut, dass etwas stillstand in all der Bewegung. Und die Heiligen drei K\u00f6nige wussten, dass ihre Bewegung nicht das Ziel war, sondern nur das Mittel zur Erreichung des Ziels. Das was das Entscheidende.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es das Problem unserer Zeit, dass wir Mittel und Ziel verwechseln. Dass wir Ver\u00e4nderung zum Entscheidenden machen, weil wir kein Ziel haben, nach dem wir streben. Deshalb ist das Anliegen Brinkmanns auch so merkw\u00fcrdig leer, wenn es zum einzigen Ziel wird, dass man feststeht. Da hat ja das Lied aus dem Heimvolkshochschulgesangbuch Recht. Bewegung und Ver\u00e4nderung sind notwendig, um ein Ziel zu erreichen. Aber das Ziel darf nicht durch die Reise in den Schatten gestellt werden, denn das w\u00fcrde vor allem bedeuten, dass man von sich selbst eingenommen ist.<\/p>\n<p>Aber das war ja nicht das, was die K\u00f6nige taten. Sie verga\u00dfen die Reise, als sie am Ziel niederknieten. Und das Ziel schickte sie zur\u00fcck in die Welt \u201eauf einem anderen Weg\u201c, wie es auch in der Schrift hei\u00dft.\u00a0 So war die Bewegung nicht Ziel an sich. Das Ziel war etwas anderes als die Bewegung. Es war da, wo der Stern stehen blieb. Oder feststand, ist man versucht zu sagen. Das war das Ziel, und die Ver\u00e4nderung der K\u00f6nige war nicht die Bewegung, sondern sie lag im Stillstand. Es war das Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend, das alles ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Wir sollen uns vorsehen, dass wir nicht von einem Extrem ins andere fallen oder sind wie der betrunkene Bauer, der auf das Pferd gehievt wird und auf der anderen Seite wieder herunterf\u00e4llt. Sich bewegen und doch feststehen, beides ist wichtig, und beides ist in der Tat m\u00f6glich, wie die Erz\u00e4hlung von den heiligen drei K\u00f6nigen uns zeigt.\u00a0 Denn der, der einen festen Halt hat, hat auch den Mut, sich zu bewegen. Das sind die Worte des Evangeliums von heute. Sich in die Welt und zu einander bewegen. Vom Kind in der Krippe her.<\/p>\n<p>Das ist ein merkw\u00fcrdiger Horizont, dass sich alles \u00e4ndern soll und ver\u00e4ndert werden soll, nur weil das m\u00f6glich ist. Da muss etwas sein, was Ver\u00e4nderung erforderlich macht, und dieses \u201eEtwas\u201c war f\u00fcr die K\u00f6nige das Kind in der Krippe. Lass auch das Kind in der Krippe die Ver\u00e4nderung sein, die uns in Aussicht gestellt wird: Dass wir uns von ihm bewegen und in die Welt schicken lassen mit der Botschaft von Weihnachten, dass da Trost ist f\u00fcr die Trostlosen, Friede f\u00fcr die Friedlosen, Vergebung f\u00fcr das Unvergebbare, ja Evangelium f\u00fcr die Welt. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p>DK-Aalborg<\/p>\n<p>E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In D\u00e4nemark ist dies der Sonntag der Heiligen drei K\u00f6nige.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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