{"id":6708,"date":"2022-01-10T12:01:51","date_gmt":"2022-01-10T11:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6708"},"modified":"2022-01-11T10:33:41","modified_gmt":"2022-01-11T09:33:41","slug":"1-korinther-21-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-21-10\/","title":{"rendered":"1. Korinther 2,1-10"},"content":{"rendered":"<h3>Gemeinsam unterwegs | 2.So.n.Ep.| 16.1.2022 | Predigt zu 1. Kor 2,1-10 | verfasst von Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p>Predigt f\u00fcr den zweiten Sonntag n. Epiphanias \u2013 16.1.2021 \u2013 IV-<\/p>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p><em>1.Kor 2,1-10<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin zu euch nicht mit hohen Worten oder mit gro\u00dfer Weisheit gekommen, um das Geheimnis des Glaubens zu verk\u00fcndigen. Denn ich hielt es f\u00fcr richtig, unter Euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in gro\u00dfer Schwachheit, in Furcht und Zittern.<\/em><\/p>\n<p><em>Und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit \u00fcberredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft.<\/em><\/p>\n<p><em>Damit Euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. <\/em><\/p>\n<p><em>Wovon wir reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen, nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimen verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit. Die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat, denn wenn sie die erkannt h\u00e4tten, so h\u00e4tten sie Jesus nicht gekreuzigt.<\/em><\/p>\n<p><em>Sondern es ist gekommen, wie es geschrieben steht: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr geh\u00f6rt hat und in keines <\/em><\/p>\n<p><em>Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. Das hat uns Gott offenbart durch seinen Geist.<\/em><\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Sie wundern sich vielleicht, dass ich hier stehe, viele von Ihnen werden mich nicht kennen. Ich bin sozusagen ausgeliehen. Ausgeliehen vom Nachbardekanat, wo ich in Sankt Ingbert und Zweibr\u00fccken t\u00e4tig bin als evangelische Pfarrerin. &#8222;Ausgeliehen, weil es an Personal fehlt im eigenen Dekanat?&#8220;, so fragen Sie sich vielleicht.<\/p>\n<p>Ja, Personal wird wertvoller in der Kirche, das wissen wir alle. Aber das ist nicht der Grund, warum ich heute hier bei Ihnen bin. Der Grund, warum ich hier bin ist der, dass wir Kollegen und Kolleginnen uns entschieden haben, auf die Personalknappheit zu reagieren, indem wir enger und besser zusammenarbeiten und uns erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Ich habe meine erste Pfarrstelle 1990 angetreten, also vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren mit damals mal gerade 27 Jahren. Die Anzahl der Aufgaben, die mir bei meiner Ordination vorgelesen wurde, verschlug mir fast den Atem. F\u00fcr drei Gemeinden sollte ich Schule halten und Konfirmandenunterricht, Gottesdienste und Kasualien, Kindergottesdienste und Frauenkreise, Jugend \u2013 und Kindergruppen. Sieben Geb\u00e4ude waren zu verwalten und zu renovieren, drei Presbyterien zu leiten, ein Altenheim zu betreuen, Seelsorge und Besuche, es wollte einfach kein Ende nehmen. Eigentlich h\u00e4tte ich die Kirche sofort wieder verlassen m\u00fcssen und den angestrebten Beruf an den Nagel h\u00e4ngen m\u00fcssen, wenn nicht, ja wenn ich nicht mich auf meine Vorfahren im Glauben besonnen h\u00e4tte. Einer davon Paulus, von dem unser heutiger Predigttext stammt. Nicht, dass ich mich in Bedeutung und F\u00e4higkeiten mit ihm vergleichen w\u00fcrde. Aber es hat mich doch getr\u00f6stet, dass es schon von allem Anfang an so war, dass Mitarbeitende in Gottes Landwirtschaft ihre Kr\u00e4fte einteilen mussten. Dass sie vertrauen mussten auf Gottes guten Geist, der zur richtigen Zeit mit einem kr\u00e4ftigen und liebevollen frischen Wind antreibt. Dass sie sich aufeinander verlassen konnten und f\u00fcreinander eintraten.<\/p>\n<p>Paulus schreibt an seine Gemeinden. In Rom, in Galatien, in Philippi, in Thessaloniki und dieses Mal in Korinth. Weit auseinanderliegende Gemeinden mit ihren je eigenen Problemen in einer Zeit, als es keine Flugzeuge und kein Internet gab. Gemeinden, die nur deshalb von Jesus Christus erz\u00e4hlen und in seinem Sinn handeln konnten, weil es eben viele gab, die mithalfen. Wenn Paulus sich auf den Standpunkt gestellt h\u00e4tte: \u201eIch bin euer Gemeindeleiter, ich sage wo es lang geht\u201c, dann w\u00e4re die Sache wohl gr\u00fcndlich schief gegangen. Stattdessen hat er sich auf seine Mitarbeitenden verlassen. In seinen Briefen gr\u00fc\u00dft er sie ausdr\u00fccklich in den Schlussworten. Im ersten Korintherbrief, aus dem ja unser Predigttext heute stammt, zum Beispiel\u00a0 mit folgenden Worten: \u201eDarum, liebe Geschwister, seid fest, unersch\u00fctterlich und nehmt immer zu im Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist\u201c (1.Kor. 15,58) .<\/p>\n<p>Wir haben in der Kirche in den vergangenen Jahrhunderten oft anders gearbeitet. Der Mann \u2013 und sp\u00e4ter dann auch die Frau &#8211; auf der Kanzel war in der Kirchengemeinde sehr oft zum Alleinherrscher, zur Alleinherrscherin gek\u00fcrt, hat manches Mal vielleicht auch darunter gelitten, konnte oder wollte die vorgegebenen Strukturen aber kaum \u00e4ndern: Pfarrer hatten eben Einzelk\u00e4mpfer zu sein.<\/p>\n<p>Ein Blick in die Bibel h\u00e4tte uns da eines Besseren belehren k\u00f6nnen. \u201eIch bin zu Euch gekommen in Schwachheit, in Furcht und in Zittern\u201c schreibt der gro\u00dfe Paulus. Paulus, der es bereits in seinem ersten Leben als j\u00fcdischer Schriftgelehrter gelernt hatte, den Ton anzugeben. Paulus, der dann Jesus begegnet ist und sich von ihm pers\u00f6nlich berufen wei\u00df. Paulus, der in der ganzen damals bekannten Welt herumgekommen ist. Der Wunder erlebt hat, der Gemeinden gegr\u00fcndet hat, auf den so viele ihre Hoffnung setzen. Dieser Paulus hat ganz offensichtlich auch seine schwachen Momente. Viele Ausleger haben versucht Paulus eine Krankheit zu diagnostizieren, die diese Schw\u00e4chen begr\u00fcnden k\u00f6nnte. Aber ist es nicht normal, dass einer, der so unerm\u00fcdlich arbeitet, auch einmal krank wird? Dass er sich selbst als schwach erlebt, als jemand, der auf die St\u00e4rke Jesu Christi bauen muss? Wie auch immer. Auff\u00e4llig ist nicht, dass Paulus diese schwachen Zeiten hatte. Auff\u00e4llig ist viel mehr, dass er davon im Brief schreibt. Er h\u00e4tte es ja auch verschweigen und damit weiter am Mythos Paulus stricken k\u00f6nnen: Der Mann, dem einfach alles aus eigener Kraft gelingt. Aber an diesem Mythos ist Paulus selbst offensichtlich nicht nur gar nicht interessiert, sondern er hat ihn auch nicht n\u00f6tig. Denn es gibt Menschen, die f\u00fcr ihn einspringen. Die mit ihm gemeinsam an der Sache Jesu arbeiten und sich berufen f\u00fchlen. Und es gibt Jesus, der mit ihm unterwegs ist.<\/p>\n<p>Vielen\u00a0 Pfarrern und Pfarrerinnen geht es heute \u00e4hnlich. Personal wird knapp und Geld auch. Das f\u00fchrt aber nun zum Gl\u00fcck nicht dazu, den Kopf in den Sand zu stecken. Sondern dazu, dass wir uns in den Gemeinden ganz neu \u00fcberlegen, was uns m\u00f6glich ist. Wer hat welche Gaben und kann sie auch f\u00fcr andere \u00fcbernehmen? Gl\u00fccklicherweise gibt es, wie auch schon in den Gemeinden des Paulus, Menschen, die mit am Strang ziehen, die ehrenamtlich oder mit stundenweiser Bezahlung ihre Kr\u00e4fte einbringen. Ob im Kindergottesdienst oder bei Besuchen, als Sekret\u00e4rin, Organist oder im Besuchsdienstkreis, im Chor oder Frauenkreis, in der Jugendarbeit oder im Presbyterium\u2026<\/p>\n<p>Viele treten aus in der heutigen Zeit, wir wissen das. Aber etwas anderes soll auch betont werden: Viele arbeiten mit, lassen sich beauftragen von Gott und den Menschen. Anders als noch vor 50 Jahren, so ist mein Eindruck, geh\u00f6rt man heute nicht mehr der Kirche an, weil es schon immer so war. Sondern deshalb, weil man sich gerufen f\u00fchlt und bewusst dazu entschieden hat. Ich m\u00f6chte der Kirche angeh\u00f6ren, weil ich mit anderen zusammen unterwegs sein m\u00f6chte auf den Spuren Jesu in dieser Welt. So k\u00f6nnte man \u00fcbersetzen, was Paulus im heutigen Predigttext schreibt: \u201eIch bin zu euch gekommen, weil ich es f\u00fcr richtig hielt, unter euch nichts zu wissen als Jesus Christus\u2026\u201c<\/p>\n<p>Paulus m\u00f6chte denen, die ihm am Herzen liegen, seinen Gemeinden, erz\u00e4hlen von dem, was ihn bewegt und antreibt: Gottes guter Geist und seine Kraft.<\/p>\n<p>Paulus ist nicht der, der auf der Kanzel steht und allen sagt, wo es lang geht und wie Glaube funktioniert. Er sagt von sich selbst, dass er immer wieder schwach ist und dass vieles an Gott ihm Geheimnis ist und gerade deshalb wertvoll. W\u00e4re Gott in allen Facetten ausgeleuchtet und in Formeln gefasst, w\u00fcrde ihm das Wunderbare fehlen, w\u00fcrden uns keine Wunder geschehen. So aber begegnet Gott uns immer wieder neu, \u00fcberraschend, bewegend.<\/p>\n<p>Ja, warum bin ich heute hier bei Ihnen?<\/p>\n<p>Weil wir Kollegen und Kolleginnen uns entschieden haben, uns miteinander auf den Weg zu machen, als Freunde, als die, die sich gegenseitig unterst\u00fctzen. Weil wir\u00a0 gerne mit Ihnen in der Gemeinde unterwegs sind. Weil wir uns gemeinsam von Gottes gutem Geist bewegen lassen\u00a0 m\u00f6chten. Weil es auch in Zukunft noch so viel zu tun gibt mit Gott und zu sagen von Gott, der uns leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und weil wir mit Paulus darauf vertrauen, dass Gott uns am Ende das bereitet, was noch kein Auge gesehen und kein Ohr geh\u00f6rt hat. Und uns\u00a0 mit offenen Armen begegnet. AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p>Suse G\u00fcnther, *1963, verheiratet, zwei T\u00f6chter<br \/>\n1990-2002 Gemeindepfarrerin in Bruchm\u00fchlbach<br \/>\n2002-2009 Krankenhaus Pfarrerin im Krankenhaus Landstuhl<br \/>\n2009-2017 Krankenhaus Pfarrerin in Zweibr\u00fccken<br \/>\nSeit 2016 systemische Therapeutin (SGsT)<br \/>\nSeit 2017 Krankenhaus Pfarrerin in St. Ingbert und Beratung \u201eZeit f\u00fcr Dich\u201c im Dekanat Zweibr\u00fccken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam unterwegs | 2.So.n.Ep.| 16.1.2022 | Predigt zu 1. Kor 2,1-10 | verfasst von Suse G\u00fcnther | Predigt f\u00fcr den zweiten Sonntag n. Epiphanias \u2013 16.1.2021 \u2013 IV- Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. 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