{"id":6731,"date":"2022-01-10T10:00:08","date_gmt":"2022-01-10T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6731"},"modified":"2022-01-10T16:01:39","modified_gmt":"2022-01-10T15:01:39","slug":"johannes-45-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-45-30\/","title":{"rendered":"Johannes 4,5-30"},"content":{"rendered":"<h3>Johannes 4,5-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 2. Sonntag nach Epiphanias | Von Anne-Marie Nybo Mehlsen |<\/h3>\n<p>M\u00fcde und durstiger Gott sucht menschliche N\u00e4he \u2013 hier sitzt er am Brunnen und streckt die Hand aus nach einem Mitmenschen, einer Frau, die kaum damit rechnet, als ein Mensch angesehen zu werden, der etwas zu geben hat. Sie erwartet nur, ausgegrenzt zu werden.<\/p>\n<p>H\u00f6rt einmal hinein in ihr Gespr\u00e4ch, das Jesus beginnt:<\/p>\n<ul>\n<li>Gib mir etwas zu trinken! (Ein grundlegendes menschliches Bed\u00fcrfnis).<\/li>\n<li>Wer bist du, dass du mich f\u00fcr einen Mitmenschen h\u00e4ltst und mich um Hilfe bittest? (Was willst du von mir, niemand rechnet mit mir!)<\/li>\n<li>Wenn du Gottes Gabe kennen w\u00fcrdest und w\u00fcsstest, wer ich bin, w\u00fcrdest du mich bitten, dir Quellenwasser zu geben. (Wir k\u00f6nnten die Rollen tauschen?)<\/li>\n<li>Ja, und in diesem Falle brauchtest du einen Eimer \u2013 oder was? (Ich kann in der Tat mehr als du \u2013 ich habe n\u00e4mlich den Eimer!)<\/li>\n<li>Das Wasser, das ich gebe, l\u00f6scht den Durst f\u00fcr immer und wird zu einer Quelle, aus der Wasser zum ewigen Leben str\u00f6mt! (Da ist etwas, was wichtiger ist als Wasser!)<\/li>\n<li>Ja, sicher, dann brauche ich nicht hierher zu kommen. (Das kannst du ja sagen, du hast nicht die M\u00fchen des Alltags. Ich habe geh\u00f6rt, dass du \u201eGott\u201c und \u201eewiges Leben\u201c gesagt hast, aber das hier ist die wirkliche Welt!)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun wechselt das Gespr\u00e4ch das Thema, und Jesus sagt:<\/p>\n<ul>\n<li>Geh hin und rufe deinen Mann! (Was nun, wenn ich sage, dass ich dich gesehen habe?)<\/li>\n<li>Ich habe keinen Mann! (Ich kann gut selbst, danke!)<\/li>\n<li>Darin hast du Recht, du hast f\u00fcnf M\u00e4nner gehabt, und der, den nu nun hast, ist nicht dein Mann. (Ich habe dich gesehen, und ich bin immer noch da!)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und nun reden sie wirklich miteinander, die Frau sagt:<\/p>\n<ul>\n<li>Herr! Du siehst und verstehst mehr als die meisten, dann wei\u00dft du auch, dass ich \u00fcber Gott nachgedacht habe und \u00fcber das, was uns als Menschen mit verschiedenem Glauben trennt. Ist das hier auf dem Berg oder ist es in Jerusalem, wo Gott uns begegnen wird?<\/li>\n<li>Nun greifst du zu Schrift und Regeln, und dann ist es vielleicht mehr in Jerusalem als hier, aber Gott ist Geist und begegnet Menschen, die ihn ehrlich anrufen. Ich habe \u00fcbrigens gerade die Grenze \u00fcberschritten, von der du gerade sprichst?<\/li>\n<li>Ja, das wei\u00df ich wohl, dass Christus kommt \u2013 dann wissen wir Bescheid \u00fcber Gott. Ich will es sehen, ehe ich es glaube!<\/li>\n<li>Ich bin es! Ich bin ja hier!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im biblischen Universum treffen M\u00e4nner ihre Zuk\u00fcnftige am Brunnen. Hier ist es Gott selbst, der m\u00fcde und durstig mit einer Frau Theologie diskutieren muss \u2013 die hoffentlich vielseitig ist und daf\u00fcr gesorgt hat, ihm Wasser zu geben, w\u00e4hrend sie reden.<\/p>\n<p>Im Jahr 2022 begegnen wir uns noch immer manchmal in der K\u00fcche am Wasserhahn &#8211; selbst nachdem wir viele Jahre zusammengelebt haben, bringt uns der Bedarf an Wasser zusammen.<\/p>\n<p>Manchmal begegnen wir uns im Gespr\u00e4ch, aber doch selten in einem so intensiven Gespr\u00e4ch \u00fcber Gott.<\/p>\n<p>Jesus insistiert auf dem Menschlichen als dem, was uns gemeinsam ist, er offenbart seinen Durst, dass er Hilfe braucht, bittet um ihre Mitmenschlichkeit. Und schlie\u00dflich endet es damit, dass er ihre Gemeinschaft im Geist behauptet, ihre gemeinsame Sehnsucht nach Ewigkeit, Heimat, Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Er schafft mit seinem K\u00f6rper und seinem leiblichen Durst eine N\u00e4he, die Mauern einrei\u00dft, Grenzen und Formen \u00fcberwindet und damit direkt zu Herzen geht.<\/p>\n<p>Sie dagegen verschanzt sich hinter dem Materiellen, dem Formellen, das sie trennt. Sie behauptet eine un\u00fcberwindliche Distanz.<\/p>\n<p>Er nennt sie erst Mitmensch, Helferin.<\/p>\n<p>Sie nennt ihn einen Juden und einen Mann.<\/p>\n<p>Wo begegnen sich Gott und Mensch in Geist und Wahrheit?<\/p>\n<p>Eine Frau begegnete ihm einmal an einem Brunnen. Mitten in ihrem Alltag. Mitten in ihrer Finsternis \u2013 gepr\u00e4gt von der Verwerfung ihrer Menschenw\u00fcrde durch andere und auch sie selbst. Sie tut ihr Bestes, um unscheinbar zu sein, und sie geht zur Mittagszeit zum Brunnen, was niemand sonst tut. Sie antwortet dem Fremden, so dass er wei\u00df, dass sie nur seine Verachtung und Verwerfung erwartet.<\/p>\n<p>Jesus spricht zu ihrer Sehnsucht, zu ihrer Seele. Er spricht die Sprache des Herzens. Die Sprache des Herzens ist das, was uns wirklich voreinander blo\u00dfstellt, bevor wir auch nur etwas preisgegeben haben.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch am Rande von Jakobs Brunnen ist das Gespr\u00e4ch der Liebe, der Dialog der Seele mit dem Gott, der sieht.<\/p>\n<p>Wussten wir es schon \u2013 oder ahnten wir es nicht? Dass da so viel Liebe, so viel N\u00e4he und ehrliche Z\u00e4rtlichkeit darin liegt, das Wort Gottes zu h\u00f6ren? Wussten wir das vielleicht einmal, ahnten es \u2013 aber wir haben es vergessen oder wagten nicht, es zu glauben?<\/p>\n<p>Der Weg zur\u00fcck zur Quelle, aus der Wasser zum ewigen Leben quillt, beginnt in Offenheit. Ein Zuh\u00f6ren, ein wenig Aufmerksamkeit und ein Verzicht auf Fassaden, Bollwerke der Abwehr, die allm\u00e4hlich zu einem Instinkt werden, mit dem wir das Leben auf Abstand halten. Das ist ein Dialog. Gott ruft \u2013 <em>das bin ich<\/em> \u2013 du kannst antworten, ganz nahekommen \u2013 die Distanz aufgeben und wie die Frau am Brunnen alle Waffen niederlegen.<\/p>\n<p>Gott und Mensch begegnen sich \u2013 in einer Begegnung der Liebe. Sie verwickeln sich, ja es ist als tauschten sie die Rollen! Und das ist die gro\u00dfe Pointe. Gott wurde Mensch, um in unserem Alltag \u2013 unserem Leben gegenw\u00e4rtig zu sein. Gott insistiert auf Vereinigung \u00fcber Regeln und H\u00e4user und heilige St\u00e4tten und allen Strophen des Gesangbuches hinaus. Er will uns n\u00e4mlich auch begegnen, wenn wir drau\u00dfen sind, weit weg von allem, was richtig ist. Wenn wir verworfen sind von uns selbst und von anderen. Wenn das Leben austrocknet, hart ist und leer. Er sieht uns, er kennt uns und ist noch immer hier.<\/p>\n<p>Er sitzt am Rande eines Brunnens, durstig, m\u00fcde und verletzlich. Er insistiert auf der N\u00e4he, auf dem Gespr\u00e4ch in Geist und Wahrheit. Er hat uns gesagt, wer er ist. Er sagt, was wir auch sind, und was wir in der Ewigkeit werden k\u00f6nnen, wenn die Sehnsucht befreit und erf\u00fcllt werden darf. Wenn wir uns zur Menschheit bekennen und ihm als dem Gott begegnen, der die Quellen der Liebe frei in uns str\u00f6men l\u00e4sst. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastorin Anne-Marie Nybo Mehlsen<\/p>\n<p>DK-4100 Ringsted<\/p>\n<p>Email: amnm(a)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes 4,5-30 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 2. 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