{"id":6766,"date":"2022-01-18T14:44:23","date_gmt":"2022-01-18T13:44:23","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6766"},"modified":"2022-01-18T14:47:28","modified_gmt":"2022-01-18T13:47:28","slug":"predigt-zu-matth-85-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-matth-85-13\/","title":{"rendered":"Predigt zu Matth. 8,5-13"},"content":{"rendered":"<h3>Was die Welt zusammenh\u00e4lt | 3. Sonntag nach Epiphanias | 23. 01. 2022 | Predigt zu Matth. 8,5-13 | verfasst von Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p><em>Als Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gel\u00e4hmt und leidet gro\u00dfe Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich soll kommen und ihn gesundmachen? <\/em><\/p>\n<p><em>Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er&#8217;s. <\/em><\/p>\n<p><em>Als das Jesus h\u00f6rte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgesto\u00dfen in die \u00e4u\u00dferste Finsternis; da wird sein Heulen und Z\u00e4hneklappern. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Die Geschichte spielt in dem Ort, in dem Jesus zu der Zeit zu Hause war. Kapernaum hatte er zu seinem Wohnsitz gemacht (Mt.4,13), Kapernaum betrachtete er als \u201eseine Stadt\u201c (Mt. 9,1). Doch was er in seiner gewohnten Umgebung erlebte, war neu f\u00fcr ihn und v\u00f6llig \u00fcberraschend. Den Hauptmann, der da auf ihn zukam, mag er zwar gekannt haben. Die r\u00f6mischen Besatzungssoldaten und ihre Offiziere geh\u00f6rten zum Stadtbild. Doch sie f\u00fchrten ihr Eigenleben und hielten sich fern von der einheimischen Bev\u00f6lkerung. F\u00fcr die R\u00f6mer waren das hier kleinkarierte Provinzler, deren Sprache sie nicht verstanden und deren Sitten sie bel\u00e4chelten. Dass einer ihrer Offiziere auf einen Juden mit einer Bitte zutrat, fiel absolut aus dem Rahmen. Doch der Hauptmann befand sich in einer verzweifelten Situation. Er hatte einen Leibburschen, der ihm rund um die Uhr zu Diensten war. Doch der, ohne den eigentlich nichts ging, konnte sich pl\u00f6tzlich nicht mehr bewegen, war gel\u00e4hmt und litt entsetzliche Schmerzen. Unter den R\u00f6mern gab es niemanden, der helfen konnte. Keinen Helfer mehr zu haben und das Leiden mit ansehen zu m\u00fcssen, das hielt der Mann nicht l\u00e4nger aus.<\/p>\n<p>Hatte er da nicht von dem Rabbi im Ort geh\u00f6rt, der sich ganz in den Dienst des Judengottes gestellt hatte und auf dessen Vollmacht, wie es hie\u00df, Verlass war? Also nichts wie hin und den Rabbi Jesus um Hilfe bitten. Doch statt sich geschmeichelt zu f\u00fchlen, reagierte Jesus irritiert. \u201eErwartest du wirklich, dass ich in das Haus eines Heiden komme?\u201c &nbsp;Zum einen w\u00fcrde ein Jude sich durch das Betreten des Hauses eines Heiden verunreinigen. Und zum andern war Jesus davon \u00fcberzeugt, dass sein Dienst f\u00fcr Gott auf Israel beschr\u00e4nkt war und diese Grenze nicht \u00fcberschritten werden sollte (Mt. 15,24).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend solche Widerst\u00e4nde sich in ihm aufbauen, kommt der Hauptmann ihm zu Hilfe: \u201eLieber Herr, es ist gar nicht n\u00f6tig, dass du zu mir kommst. Ich wei\u00df doch, dass wir Heiden es f\u00fcr euch Juden nicht wert sind, unter unser Dach zu treten. Aber du brauchst nur ein Wort zu sagen, und mein Bursche wird wieder gesund.\u201c Nur ein Wort? Ein Wort allein kann die entscheidende Wende bewirken? \u201eJa, sagt der Hauptmann, ich wei\u00df, wovon ich rede. Beim Milit\u00e4r lebe und arbeite ich in einem System, in dem jeder sich auf das Wort des anderen verlassen kann und entsprechend handelt. Meine Vorgesetzten k\u00f6nnen sich darauf verlassen, dass ihre Anweisungen von mir befolgt werden. Und wenn ich meinen Soldaten Anweisungen gebe, werden sie aufs Wort befolgt. Und ich vertraue darauf, dass auch du ein Mann bist, dessen Wort gilt und wirkt.\u201c<\/p>\n<p>Bevor das vom Hauptmann erwartete Wunder geschieht, zeigt Jesus sich \u00fcberrascht und verwundert. \u201eSolchen Glauben, stellt er fest, habe ich in Israel noch bei keinem gefunden.\u201c Er hat bei dem heidnischen Hauptmann den Glauben entdeckt, dass Worte Wunder wirken k\u00f6nnen. Und das ist der Glaube, den Jesus sucht, den er f\u00fcr entscheidend h\u00e4lt. So entscheidend, dass er zum Kennzeichen derer wird, die am Ende am Tisch Gottes im Himmelreich sitzen. Ein Glaube, der von Gott gar nicht redet, ihn nicht ausdr\u00fccklich bekennt. Weil Gott offenbar in diesem Glauben selbst anwesend ist.<\/p>\n<p>Also: Glaube, Wort und Wunder geh\u00f6ren zusammen. Nicht jedes Wort bewirkt Wunder. Aber das Wort eines Menschen, dem ich glaube, dem ich vertraue, bewirkt Wunder, ver\u00e4ndert das Leben auf heilsame Weise.<\/p>\n<p>So leben Freundschaften davon, dass einer sich auf den anderen verlassen kann. Und wo dieses Vertrauen ersch\u00fcttert ist, werden Hilfsbereitschaft und Solidarit\u00e4t schwinden. Und eine Ehe lebt davon, dass das Eheversprechen gilt und Treue gehalten wird. Da ist Glaube am Werk, der Menschen in guten wie in b\u00f6sen Tagen zusammenh\u00e4lt. Und Gott ist dabei, auch wenn von ihm nicht die Rede ist.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit wurde ich auf die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie gerufen. Weil ich dort regelm\u00e4\u00dfig Besuche mache, kannten mich einige der Patienten. Einer von ihnen verweigerte eines Tages entschieden die weitere Einnahme von Medikamenten. Die Schwester sagte am Telefon; \u201eEr braucht diese Medikamente unbedingt. Wenn er sie verweigert, wird er in kurzer Zeit in eine gef\u00e4hrliche Psychose abrutschen. Doch pl\u00f6tzlich hat er Angst, wir wollten ihn vergiften. Kein Arzt kann ihn \u00fcberzeugen. Der Pastor soll kommen, hat er gesagt!\u201c Als ich kam, war der Patient sehr laut auf der Station. Er beruhigte sich dann schnell. Ich sagte ihm: \u201eSie k\u00f6nnen das ruhig einnehmen. Das wird ihnen helfen.\u201c Er gab jeden Widerstand auf und nahm das Medikament. Das Wort eines vertrauensw\u00fcrdigen Menschen wirkte Wunder.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Eine Gro\u00dffamilie war \u00fcber lange Jahre zerstritten wegen einer Erbauseinandersetzung. Einer der Geschwister stand im Verdacht, die anderen betrogen zu haben. Seitdem hatte er alle Kontakte zu den Familien der Geschwister abgebrochen. Ich habe versucht zu vermitteln \u2013 vergeblich. \u201eSo lange ich f\u00fcr die anderen ein Betr\u00fcger bin\u201c, sagte er mir, \u201esind die f\u00fcr mich gestorben.\u201c Eines Tages bekam er einen Brief von dem Bruder, der den Betrugsvorwurf direkt ge\u00e4u\u00dfert hatte. \u201eWenn ich dir Unrecht getan haben sollte\u201c, hie\u00df es da. \u201etut mir das leid, und ich bitte um Entschuldigung.\u201c Dieses eine Wort, auf das der Adressat sehns\u00fcchtig gewartet hatte, brachte das Eis zum Schmelzen. Ohne viel weitere Worte wurden Kontakte wieder aufgenommen. Selbst gemeinsame Feste sind wieder m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich: Warum kann der eine Arzt mir helfen, und der andere nicht? Fachlich qualifiziert sind sie beide. Die Medikamente, die sie verschreiben, sind die gleichen. Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass ich mich bei dem einen angenommen und gut aufgehoben f\u00fchle. Bei dem anderen aber hatte ich den Eindruck, ein Fall ohne Gesicht und Seele zu sein.<\/p>\n<p>Wie das Wort Jesu in einem Haus wirken konnte, das er gar nicht betreten hat, bleibt mir r\u00e4tselhaft. Was ich aber mitnehme ist dies: Unser Leben wird getragen von Worten, auf die wir uns verlassen k\u00f6nnen. Gott sei Dank!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rudolf Rengstorf war Gemeindepastor, Rundfunkbeauftragter und Superintendent in Stade.<\/p>\n<p>Seit seiner Pensionierung lebt er in Hildesheim<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die Welt zusammenh\u00e4lt | 3. Sonntag nach Epiphanias | 23. 01. 2022 | Predigt zu Matth. 8,5-13 | verfasst von Rudolf Rengstorf | Als Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gel\u00e4hmt und leidet gro\u00dfe Qualen. 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