{"id":6783,"date":"2022-01-17T15:09:05","date_gmt":"2022-01-17T14:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6783"},"modified":"2022-01-18T15:15:46","modified_gmt":"2022-01-18T14:15:46","slug":"predigt-zu-lukas-175-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-lukas-175-10\/","title":{"rendered":"Predigt zu Lukas 17,5-10"},"content":{"rendered":"<h3>3. Sonntag nach Epiphanias 2022 | Lukas 17,5-10 | verfasst von Marianne Christiansen |<\/h3>\n<p>Die J\u00fcnger wollen gerne einen gr\u00f6\u00dferen Glauben. Jesus antwortet: Glauben kann man nicht messen, so dass man zwischen kleinem und gro\u00dfem Glauben unterscheidet. Ein Gramm Glaube kann Unm\u00f6gliches bewirken. Aber statt auf euren eigenen Glauben zu starren und seine Gr\u00f6\u00dfe zu messen, solltet ihr lieber daran denken, euer Leben im Dienst zu leben und nur das zu tun, was euch befohlen ist, ohne euch zu beklagen.<\/p>\n<p>Darum geht es. Und wenn wir nun die J\u00fcnger sind \u2013 wissen wir dann, was uns befohlen ist?<\/p>\n<p>Ja, das tun wir wohl. Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst, liebe deine Feinde, tue denen Gutes, die dich hassen, bete f\u00fcr die, die dich verfolgen, gib dem Nackten Kleidung, s\u00e4ttige den, der hungert, heile den Kranken, besuche den Gefangenen; vergebe, gebe nach, verzeihe usw.<\/p>\n<p>Es verwundert nicht, dass die J\u00fcnger um mehr Glauben bitten. Angesichts der unersch\u00f6pflichen Aufgaben des Alltags ergibt sich der Wunsch nach Glauben. Der kann uns vielleicht das Gef\u00fchl vermitteln, dass das alles Sinn macht. Vielleicht l\u00e4sst der Glaube uns Gott sp\u00fcren und gibt uns eine Gewissheit, dass Gott mit uns ist. Vielleicht kann er uns Geduld geben, den Mitmenschen und das Leben zu ertragen. Vielleicht kann er uns sogar \u00fcbermenschliche Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten geben?<\/p>\n<p>Aber wissen wir \u00fcberhaupt, wovon wir reden, wenn wir vom Glauben reden? Vermutlich nicht. Allein in unserer (d\u00e4nischen) Sprache gibt es eine Menge von Bedeutungen des Wortes f\u00fcr Glaube \u2013 das reicht von religi\u00f6ser Glaubenslehre \u00fcber pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung bis hin zu unsicherer Vermutung \u00fcber etwas. Und dazu kommen die Bedeutungen, die in der Verwandtschaft des d\u00e4nischen Wortes \u201atro\u2018 mit dem deutschen Wort Treue und Vertrauen liegen: Treue, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Hingabe &#8211; w\u00e4hrend das deutsche Wort Glaube m.E. verwandt ist mit Liebe: Glaube ist etwas lieb haben, etwas hochsch\u00e4tzen und f\u00fcr wahr halten. Und dazu kommt, dass Jesus aram\u00e4isch gesprochen hat und seine Aussagen dann auf griechisch \u00fcberliefert sind, wo das Wort <em>pistis<\/em> Bedeutungen hat wie Treue, Verl\u00e4sslichkeit, Verhei\u00dfung, Beweis und Vertrauen.<\/p>\n<p>Wir wissen vielleicht nie richtig, wovon wir reden, wenn wir vom Glauben reden. Weder, wenn es um unseren eigenen Glauben geht, noch gar wenn es sich um den Glauben anderer handelt. Und dennoch reden wir vom Glauben wie die J\u00fcnger. Der Verfasser des Hebr\u00e4erbriefes hat vom Glauben geschrieben und ihn so definiert: \u201eEs ist aber Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht\u201c (Hebr. 11,1). Luther sprach in seinem Katechismus vom Glauben als einer Gabe, die der Heilige Geist durch das Evangelium schenkt: <em>Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten.<\/em><\/p>\n<p>Glaube ist also etwas, was man sich nicht selbst beschaffen kann, sondern was hervorgerufen wird \u2013 von dem, der sich als glaubw\u00fcrdig erweist und Glauben in uns weckt.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen wenig und viel vom Glauben sagen. Es bleibt, dass die J\u00fcnger ihn gerne haben wollen und dass sich viele Mensch en heute Glauben w\u00fcnschen. \u00dcber Glauben wird geforscht, es werden Forschungsergebnisse ver\u00f6ffentlicht, die zeigen, dass Glaube gesund ist und Leben verl\u00e4ngert, dass Glaube sogar nachweislich den Blutdruck herabsetzt. Und noch immer wissen wir nicht, wovon wir reden, Im Predigttext sieht es so aus, dass Jesus das Verst\u00e4ndnis der J\u00fcnger und unser Verst\u00e4ndnis vom Glauben zur\u00fcckweist, wo Glaube als etwas verstanden wird, das es in kleinen und gro\u00dfen Mengen gibt und Riesenkr\u00e4fte verleiht. Stattdessen verweist er sie und uns darauf, in einer Art Anstellungsverh\u00e4ltnis zu Gott zu leben, einem Verh\u00e4ltnis, das viel Arbeit bedeutet, nicht viel Dank, aber doch das Bewusstsein, Aufgaben zu haben und nicht selbst Gott oder das Ziel des Lebens zu sein. Vielleicht ist auch dies Glaube.<\/p>\n<p>Jedenfalls sind die Worte Jesu eine Auseinandersetzung mit dem Glauben als einer Eigenschaft oder einer Leistung, die man in gr\u00f6\u00dferem oder kleinerem Ma\u00dfe besitzt. Der Glaube ist eine <em>Relation<\/em>, eine Beziehung.<\/p>\n<p>Der zurzeit viel diskutierte Hollywood-Film <em>Don\u2019t look op<\/em> endet (<em>spoiler alert!<\/em>) in meinen Augen sch\u00f6n: Als die Personen schlie\u00dflich aufgeben und dem Tode und ihrer eigenen Nutzlosigkeit ins Auge sehen m\u00fcssen, wird die Gabe des Glaubens das Wichtigste: Die Treue, das Vertrauen, die Liebe, die Hingabe. In vielen anderen Filmen und modernen Darstellungen vollbringt der Glaube Wunder und tut das Unm\u00f6gliche. In diesem Film vollbringt er vielleicht auch ein Wunder, aber das Wunder besteht darin, dass zerbrochene Beziehungen geheilt werden, dass Menschen sich die Hand geben, das Leben und den Tod teilen und dies alles in die Hand Gottes legen, wie das in alten Tagen hie\u00df und vielleicht heute wieder hei\u00dft.<\/p>\n<p>Gerade jetzt hoffen wir in der ganzen Welt auf ein Wunder, das das Unheil abwendet, das wir im reichen Teil der Welt \u00fcber die Erde gebracht haben. Um Glauben zu bitten, um Wunder zu vollbringen, das ist uns nicht fremd \u2013 auch weil das leichter w\u00e4re als den schwierigen Weg zu gehen durch Verzicht und Lebensver\u00e4nderungen, ja man kann es ruhig Reue und Bu\u00dfe nennen.<\/p>\n<p>Aber Jesus verweist uns zur\u00fcck auf den Ruf zu einem Leben als Diener \u2013 in einer Beziehung zu Gott und zum Himmel. Das zu tun, was wir k\u00f6nnen und sollen.<\/p>\n<p>\u201eWenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unn\u00fctze Knechte, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren\u201c.<\/p>\n<p>Es ist eine Befreiung am Ende der Tage seiner eigenen Nutzlosigkeit in die Augen zu sehen im Frieden. Wenn wir nach dem Nutzen unseres Lebens beurteilt werden sollten, dann m\u00fcssten wir N\u00e4chte lang wach liegen und evaluieren und Ausschau halten nach den wohlgepflanzten Maulbeerb\u00e4umen und gelungenen Weltrettungen.<\/p>\n<p>Nein, wenn alles gesagt und getan ist, dann sind wir noch immer so unn\u00fctz wie damals als wir aus dem Mutterleib kamen, und das gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Es ist gro\u00df, ein Diener zu sein. Der gr\u00f6\u00dfte von allen ist Jesus, der selbst damit endet \u2013 ganz im Gegensatz zu Weltordnung \u2013 dass er die Diener an den Tisch bittet, eine Sch\u00fcrze anzieht und die J\u00fcnger bedient, die nie damit aufh\u00f6ren k\u00f6nnen zu diskutieren, wer den gr\u00f6\u00dften Glauben hat, wer der gr\u00f6\u00dfte von ihnen ist. Er ist unter uns als der, der uns dient und f\u00fcr uns sorgt, uns etwas zum Leben gibt, Worte und Brot und Wein und Wasser.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen Gott darum bitten, die Wunder zu vollbringen, um die zu bitten uns die Phantasie fehlt. Und wir m\u00fcssen um Glauben bitten in all seinen Bedeutungen und um den Mut, als unn\u00fctze Diener zu leben so gut wir es k\u00f6nnen. Glaube ist feste Zuversicht dessen, was man hofft. So lasst uns denn auf das Beste hoffen. Amen.<\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Marianne Christiansen<\/p>\n<p>Ribe Landevej 37<br \/>\n6100 Haderslev<\/p>\n<p>Email: mch(at)km.dk<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias 2022 | Lukas 17,5-10 | verfasst von Marianne Christiansen | Die J\u00fcnger wollen gerne einen gr\u00f6\u00dferen Glauben. Jesus antwortet: Glauben kann man nicht messen, so dass man zwischen kleinem und gro\u00dfem Glauben unterscheidet. 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