{"id":6821,"date":"2022-01-17T09:44:00","date_gmt":"2022-01-17T08:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6821"},"modified":"2022-02-08T11:15:08","modified_gmt":"2022-02-08T10:15:08","slug":"2-mose-34-29-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-mose-34-29-34\/","title":{"rendered":"2. Mose 34, 29-34"},"content":{"rendered":"<h3>Predigt f\u00fcr letzten Sonntag n. Epiphanias, IV, | 30.1.2022 | 2. Mose 34, 29-34 | von Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/p>\n<p>2. Mose 34,29-34<\/p>\n<p><em>Als nun Mose vom Berg Sinai herabstieg, hatte er zwei Tafeln des Gesetzes in der Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts gl\u00e4nzte, weil er mit Gott geredet hatte.&nbsp; Als aber Aaron und ganz Israel sahen, dass die Haut seines Angesichts gl\u00e4nzte f\u00fcrchteten sie sich, ihm zu nahen. Da rief sie Mose und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde und redete mit ihnen. Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berg Sinai.<\/em><\/p>\n<p><em>Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. Und wenn er hineinging vor dem Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und zu den Israeliten redete, was ihm geboten war, sahen die Israeliten, wie die Haut seines Angesichts gl\u00e4nzte. Dann tat er die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.<\/em><\/p>\n<p>Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Ab und zu machen wir ein paar Tage Urlaub auf einem Campingplatz, der unmittelbar am Bodenseeufer gelegen ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6822 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"563\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/IMG_20190628_211941.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/>Jeden Abend bietet sich uns dort das gleiche Schauspiel: Die Sonne geht am anderen Ufer unter in einem unbeschreiblichen Glanz, der sich fast eine Stunde lang auf See, Bergkulissen und eine nahe Stadt ergie\u00dft. Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, dass auf einem Campingplatz zu Urlaubszeiten reges Treiben herrscht. Wenn aber diese Stunde des Sonnenuntergangs kommt, dann wird es still. Die Menschen sitzen am Ufer und sind bewegt. H\u00e4ngen ihren Gedanken nach, lassen sich ber\u00fchren. Und wenn dann die Sonne wirklich untergegangen ist und die Leute zu ihren Pl\u00e4tzen zur\u00fcckkehren, dann habe ich den Eindruck, dass das Erlebte immer noch auf ihren Gesichtern nachleuchtet. Die Menschen sind etwas begegnet, das gr\u00f6\u00dfer ist als sie selbst. Das ver\u00e4ndert. Sie sind einem Wunder begegnet. Denn auch wenn sich nat\u00fcrlich ein Sonnenuntergang und die daran beteiligten physikalischen Vorg\u00e4nge der Lichtbrechung im Wasser erkl\u00e4ren lassen, so bleibt doch wunderbar, dass diese Lichteffekte mit Sonne, Bergen, Wasser und Wolken an diesem Ort so zusammentreffen. Wir k\u00f6nnten es nicht selbst machen, es trifft uns. Ich k\u00f6nnte f\u00fcr mich sogar so formulieren: Wir Menschen begegnen f\u00fcr einen kurzen Moment unsers Daseins dem Heiligen, das leuchtet nach.<\/p>\n<p>In unserem Predigttext ist es Mose, der dem Heiligen begegnet, der Gott begegnet. Mose kommt ver\u00e4ndert zur\u00fcck von dieser Begegnung. Sein Gesicht leuchtet, so beschreibt es der Predigttext. Das hebr\u00e4ische Wort \u201eKaran\u201c, das an dieser Stelle benutzt wird, hat zwei Bedeutungen: Zum einen eben \u201egl\u00e4nzen, leuchten\u201c. Aber zum anderen auch \u201egeh\u00f6rnt sein\u201c. So als ob der Glanz Gottes, der Mose getroffen hat, wie Strahlen wieder von ihm ausgehen w\u00fcrde. Wie gl\u00e4nzende H\u00f6rner, so mag man sich das damals vorgestellt haben. Besonders sch\u00f6n ist das bei den Darstellungen Marc Chagalls zu beobachten, der Mose oft mit zwei H\u00f6rnern gemalt hat.<\/p>\n<p>Wir wissen, was dieser Gottesbegegnung vorausging: Mose erh\u00e4lt von Gott die zehn Gebote auf Gesetzestafeln. Er hatte diese Gebote schon einmal erhalten, dann aber, als er vom Berg Sinai zur\u00fcckkam, sein Volk vorgefunden, als es um ein G\u00f6tzenbild herumtanzte, um das goldene Kalb: Auch dies ein Wesen mit zwei gl\u00e4nzenden H\u00f6rnern. Der menschliche Versuch, das Leuchten Gottes abzubilden, bleibt ungen\u00fcgend. Diese H\u00f6rner verursachen keinen Glanz, der auf andere \u00fcbergeht, sie setzen nichts in Bewegung. Mose hat dann in seinem Zorn \u00fcber diesen G\u00f6tzendienst die Gesetzestafeln zerschmettert. Unserem Predigttext heute geht voraus, dass Mose zum zweiten Mal Gott begegnet und zum zweiten Mal die Gebote erh\u00e4lt. Mose kann Gott nicht direkt sehen. Sondern wie schon damals, bei Mose Berufung am Dornbusch, begegnet Gott Mose verborgen. Gottes Glanz ist zu gro\u00df als dass ein Mensch ihn aushalten k\u00f6nnte. Bei der Begegnung auf dem Berg Sinai stellt Gott Mose in eine Felsspalte, um dann an ihm vor\u00fcberzuziehen. Mose kann wohl den Glanz Gottes wahrnehmen, nicht aber ihm ins Angesicht sehen. Der Glanz aber geht auf Mose \u00fcber. Er leuchtet, als er zur\u00fcckkommt, so dass er sein Gesicht verbergen muss. Mose zieht sich zur\u00fcck, nachdem er Gott begegnet ist. Eine Decke \u00fcber dem Gesicht kann man nicht tragen, wenn man um ein goldenes Kalb herumtanzt. Sondern nur in aller Stille, Ruhe, Einkehr. Gott zu begegnen macht erst einmal einsam. Man muss zu verarbeiten suchen, verinnerlichen, was einem da widerfahren ist, bevor man anderen davon weitergeben kann.<\/p>\n<p>Gott zu begegnen ber\u00fchrt in aller Tiefe, im Innersten, bringt innerlich in Bewegung, bevor sich diese Bewegung dann auch im \u00c4u\u00dferen Bahn bricht.<\/p>\n<p>Gottes Volk ist von allem Anfang an ein Volk in Bewegung gewesen. Ein Volk unterwegs&nbsp; zu neuen Ufern. Ob es &nbsp;Abraham und Sarah auf dem Weg in verhei\u00dfene neue Land waren oder Mose und das Volk Israel &nbsp;auf dem Weg aus der Sklaverei. Ob es Noemi und Ruth auf den Wegen zwischen Israel und Moab oder die Israeliten waren auf dem Weg ins Exil und von dort wieder zur\u00fcck. Ob es Maria und Josef waren unterwegs aufgrund einer willk\u00fcrlichen Volksz\u00e4hlung und dann auf der Flucht nach \u00c4gypten. Ob es Jesus und seine J\u00fcnger waren oder Paulus auf dem Weg zu seinen Gemeinden und viele, viele andere.<\/p>\n<p>Gottes Volk ist niemals angekommen. Wer das Recht f\u00fcr sich einklagen m\u00f6chte, f\u00fcr alle Zeiten se\u00dfhaft zu bleiben und Grenzen um diese Se\u00dfhaftigkeit zu ziehen, k\u00f6nnte in der Gefahr stehen, ein goldenes Kalb zu verehren und vom Glanz Gottes unber\u00fchrt zu bleiben.<\/p>\n<p>Von allem Anfang an besteht Gott auch auf seinem Recht, nicht bildlich abbildbar zu sein. \u201eIhr k\u00f6nnt mich nicht von Angesicht zu Angesicht sehen, versucht es erst gar nicht, macht mich nicht dingfest\u201c \u2013 so k\u00f6nnte man das erste Gebot \u00fcbersetzen, das auf den Gesetzestafeln zu&nbsp; lesen ist, die Mose vom Berg Sinai mitbringt.<\/p>\n<p>Wir brauchen uns auch gar kein Bild von Gott zu machen. Denn Gott selbst hat sein Bild (1.Mose 1,27) in jeden Menschen hineingelegt. Wir sehen den Abglanz Gottes in jedem Menschen, der uns begegnet. Das ist der gro\u00dfe Unterschied zu alle den Naturreligionen, die damals praktiziert wurden und von denen heute nur noch die Arch\u00e4ologen sprechen: Unser Gott l\u00e4sst sich nicht in einem G\u00f6tzenbild verehren und festhalten, sondern begegnet uns in unsrem Gegen\u00fcber immer wieder neu. Gott bleibt in Bewegung und bringt in Bewegung. Er \u00fcberrascht uns, l\u00e4sst uns staunen. Leuchten.<\/p>\n<p>Wie wir ihm begegnen und wann? Ich kann es nicht planen. Es bleibt ein Wunder. Was ich lernen kann, ist, eine Begegnung mit ihm f\u00fcr m\u00f6glich zu halten, mich bereit zu halten. Und mich, wenn es geschieht, auf ihn einzulassen.<\/p>\n<p>Nachdenklichkeit ist das Mindeste, was sich auf den Gesichtern der Menschen abzeichnet, die vom gl\u00e4nzenden Ufer des Bodensees zur\u00fcckkehren. Nachdenklichkeit, Staunen, Dankbarkeit, Frieden. Das Gef\u00fchl auch von Heimat in der Bewegung, vom Angekommensein im Unterwegssein. Vom Einlassen auf Neues. Vielleicht von Geborgenheit im gro\u00dfen Gott?<\/p>\n<p>AMEN<\/p>\n<hr>\n<p>Liedvorschlag : EG&nbsp;450<\/p>\n<p>Bildnachweis: Suse G\u00fcnther privat.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Suse G\u00fcnther, Pfarrerin<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1990-2002 Gemeindepfarramt Bruchm\u00fchlbach<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">2002-2009 Krankenhaus Landstuhl<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">2009-2016 Ev. Krankenhaus Zweibr\u00fccken<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">2017- Kreiskrankenhaus St. Ingbert und dienstliche Aushilfe im Dekanat Zweibr\u00fccken<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Verheiratet, zwei T\u00f6chter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt f\u00fcr letzten Sonntag n. Epiphanias, IV, | 30.1.2022 | 2. Mose 34, 29-34 | von Suse G\u00fcnther | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN 2. 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