{"id":6830,"date":"2022-01-20T19:09:19","date_gmt":"2022-01-20T18:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6830"},"modified":"2022-01-24T19:11:49","modified_gmt":"2022-01-24T18:11:49","slug":"matthaeus-1422-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1422-33\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 14,22-33"},"content":{"rendered":"<h3>Letzter Sonntag nach Epiphanias | Matth\u00e4us 14,22-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Mikkel Tode Raahauge |<\/h3>\n<p>So bitten wir dich, unser Gott,<\/p>\n<p>beug du unseren steifen und stolzen Sinn<\/p>\n<p>wie der Wind das Schilf beugt,<\/p>\n<p>so dass wir dir \u00fcberall folgen,<\/p>\n<p>dorthin wo dein Wort uns schickt. Amen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nat\u00fcrlich nicht, was euch angeht, aber wenn ich in irgendeiner Weise jemandem signalisiert habe, dass ich an Gott glaube (die meisten \u2013 nicht alle, aber die meisten! \u2013 erlauben sich noch, dies anzunehmen, wenn ich ihnen erz\u00e4hle, dass ich Pfarrer bin), dann kann das schnell sehr weit f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen Gespr\u00e4che sein z.B. \u00fcber Leben und Tod, \u00fcber all das, was dazwischenkommt und das was einmal danach kommt.\u00a0 Diese Gespr\u00e4che k\u00f6nnen fruchtbar sein oder auch belanglos., aber das was ihnen immer gemeinsam ist, ist dies: da wird in irgendeiner Weise immer betont, dass wir keineswegs damit fertig sind, vom Gott und dem Teufel zu reden, auch wenn einige das vielleicht gerne so h\u00e4tten. Und das ist ja immerhin Wasser auf die M\u00fchlen des Pfarrers.<\/p>\n<p>Etwas anderes, was sich aus der Begegnung zwischen zwei Menschen ergibt, wo der Glaube an Gott fremd ist f\u00fcr den einen und nicht f\u00fcr den anderen, das sind Fragen unterschiedlicher Art. Sehr oft beginnen sie mit einer Formulierung wie dieser: \u201eWas meinst du denn dann dazu\u2026? Und dann geht es gerne um Homosexualit\u00e4t, Frauen, den Islam oder um durchaus sehr spezielle Passagen aus dem Alten Testament, mit dessen Theologie der Frager mehr oder weniger vertraut sein kann. Aber die Fragen k\u00f6nnen auch davon handeln, wie mein Leben als Christ im Grunde anders ist als ihres, wie <em>meine<\/em> Welt aussieht, und wie <em>ich<\/em> durch das Leben gehe und was mir der Glaube bringt, den sie nicht haben.<\/p>\n<p>Hin und wieder geschieht es dann nach diesen einleitenden Runden um den hei\u00dfen Brei, dass die Leute fast zusammenfassend rufen: \u201eWie herrlich muss das sein, glauben zu k\u00f6nnen!\u201c \u2013 gefolgt von einer kurzen Bemerkung, dass sie das aber aus irgendeinem Grund nicht k\u00f6nnen &#8211; in der Regel ist das etwas mit der Naturwissenschaft \u2026 Und selbst wenn sie ja tats\u00e4chlich Recht haben, die Christen haben herrliche Zeiten, wie es ein einem Lied hei\u00dft, so trifft mich dennoch immer der Gedanke, dass da etwas ist, was ich nicht ordentlich erkl\u00e4rt habe. Dass der Glaube anders ist als viele Nicht-Gl\u00e4ubige (um nun der Einfachheit halber diesen unsch\u00f6nen und missverst\u00e4ndlichen Ausdruck zu verwenden) sich das unmittelbar vorstellen.<\/p>\n<p>Erstens ist der Glaube an Gott ja nicht als irgendeine F\u00e4higkeit oder Qualit\u00e4t zu betrachten, die einige wenige Erw\u00e4hlte gleichsam besitzen, w\u00e4hrend das bei anderen nicht der Fall ist, so dass man sich selbst daf\u00fcr loben kann oder den Glauben dazu benutzen kann, sich \u00fcber andere zu erheben. Man kann nicht einfach proklamieren: \u201eJetzt hab\u2018 Ichs!\u201c \u2013 und dann ansonsten auf die einschlagen, die man selbst f\u00fcr ungl\u00e4ubig h\u00e4lt. Es gibt gewiss Leute, die das so sehen, aber dann hat man also etwas missverstanden, w\u00fcrde ich sagen.<\/p>\n<p>Aber zweitens sind ja mein Dasein und meine Welt nicht so ganz anders als die aller m\u00f6glichen anderen Leute, blo\u00df weil ich an Gott glaube. Das zu behaupten w\u00e4re nichts anderes als ein Wahn oder eine Flucht vor der Wirklichkeit, ja ein Selbstbetrug allerschlimmster und unsympathischen Art. Denn mein Glaube ist kein Tor zu irgendeiner Parallelwelt oder alternativen Wirklichkeit \u2013 eher ganz im Gegenteil! Denn ich erfahre fast t\u00e4glich \u2013 jedenfalls sehr oft! \u2013 wie mein Leben mir ganz absurd und zeitweise fast sinnlos vorkommt.\u00a0 Ich erlebe eine sehr tiefe Differenz zwischen dem, was ich mir <em>w\u00fcnschen<\/em> k\u00f6nnte f\u00fcr mein Leben und dem, wie es <em>tats\u00e4chlich<\/em> aussieht. Ich kenne sehr wohl das unangenehme Gef\u00fchl, dass meine bangen Ahnungen, meine Unsicherheiten und meine Schw\u00e4chen sich mir in den Weg stellen, mir die Aussicht versperren und mir den Lebensmut nehmen. Und dann wei\u00df ich, dass mein ganzes Leben, das ich doch \u00fcber alles auf Erden liebe, unter dem Vorzeichen des Todes steht und dass mir diese furchterregende Realit\u00e4t ganz unertr\u00e4glich vorkommt.<\/p>\n<p>Mein Glaube kann mich vor all dem nicht verschonen. Und er kann auch nicht einen solchen leckeren rosenroten Filter \u00fcber mein Dasein werfen, so dass es glanzvoll, ewig froh und harmlos erscheint, wenn es darauf ankommt. Es geht nicht um eine blau\u00e4ugige und naive Einstellung zum Leben, es ist nicht die Rede von einem gro\u00dfen roten Alarmknopf, auf den ich blo\u00df dr\u00fccken kann, wenn der Laden brennt und es schief l\u00e4uft im Leben. Nein, ganz im Gegenteil, dann gebietet mir der Glaube, dass ich gerade dieses unsichere Leben ernst nehmen soll. Es geht nicht um einen Frieden <em>von<\/em> dieser Wirklichkeit und all dem, was sie in Wirklichkeit bietet, sondern um Frieden <em>zu<\/em> dieser Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Denn der Glaube kommt aus dem H\u00f6ren; das ist gewiss und wahr.\u00a0 Und ich habe von einem allm\u00e4chtigen und ewigen Gott geh\u00f6rt, der seinen Sohn hier mitten in meine Wirklichkeit gesandt hat, um Leben und Schicksal mit mir zu teilen in allen Lebenslagen. Ich habe geh\u00f6rt, dass er die Kranken heilte und sich der Hilflosen erbarmte. Ich habe geh\u00f6rt, dass er mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern und denen, die keiner ausstehen konnte, zu Tische sa\u00df. Ich habe geh\u00f6rt, dass er am dritten Tage auferstand, um meinen Tod zu \u00fcberwinden und mir eine Zukunft zu er\u00f6ffnen, und dass er gen Himmel fuhr, um mir einen Platz zu bereiten in seinem Reich, von wo er einst kommen wird, um mich heimzuholen zu ewigem Leben und Seligkeit.\u00a0 In ihm, in Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, in dem mir Gott sein ewiges Wort verk\u00fcndet hat, in ihm habe ich geh\u00f6rt, dass Gott Liebe ist. Und das macht den ganzen Unterschied aus! Denn wenn ich h\u00f6re,, dass ich so einen Gott habe, dann habe ich auch wie Petrus mehr Mut, dem Befehl Gottes zu folgen, den ersten Schritt zu tun hinaus auf\u00a0 unsicheren Boden, in festem Vertrauen darauf: Wenn mein Glaube versagt und der Boden unter meinen F\u00fc\u00dfen verschwindet \u2013 im Leben wie im Tode, dann ist unser Erl\u00f6ser bereit, mich an die Hand zu nehmen und auf dem Abgrund zu rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Und damit bin ich ja ein freier Mensch! Denn dann kann ich, mit freier Sicht auf den Himmel, meinem Leben und meiner Welt treu sein und mich all der Dinge annehmen, die ich tun soll, und all der Menschen, die mich brauchen, ohne die Furcht davor, was aus all dem werden soll. Und muss ich auch erfahren, dass Gott mich nicht von der Wirklichkeit erl\u00f6sen will, so hat er mir doch verhei\u00dfen, mit mir zu gehen \u2013 den ganzen Weg, in der Wirklichkeit, die die meine ist. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n<p>Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n<p>Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | Matth\u00e4us 14,22-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Von Mikkel Tode Raahauge | So bitten wir dich, unser Gott, beug du unseren steifen und stolzen Sinn wie der Wind das Schilf beugt, so dass wir dir \u00fcberall folgen, dorthin wo dein Wort uns schickt. Amen. 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