{"id":6917,"date":"2022-02-02T17:06:02","date_gmt":"2022-02-02T16:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6917"},"modified":"2022-02-15T15:23:50","modified_gmt":"2022-02-15T14:23:50","slug":"predigt-zu-mt-1422-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-mt-1422-33\/","title":{"rendered":"Mt 14,22-33"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Mt 14,22-33 | 6. Februar 2022 | 4. Sonntag vor der Passionszeit | Bert Hitzegrad |<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><em>Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Verlesen des Predigttextes<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus und der sinkende Petrus auf dem See<\/p>\n\n\n\n<p>22 Und alsbald trieb Jesus seine J\u00fcnger, in das Boot zu steigen und vor ihm hin\u00fcberzufahren, bis er das Volk gehen lie\u00dfe. 23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.<\/p>\n\n\n\n<p>24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. 26 Und als ihn die J\u00fcnger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht.<\/p>\n\n\n\n<p>27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin&#8217;s; f\u00fcrchtet euch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! 31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingl\u00e4ubiger, warum hast du gezweifelt?<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;32 Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>OP I<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Orientierung habe ich schon lange verloren. Wo bin ich? In mir steigt die Angst hoch. Jetzt kann ich nicht mehr zur\u00fcck. Dass Vorgespr\u00e4ch verlief schnell \u2026 \u201eein kleiner Eingriff \u2026, drei Tage, dann sind sie wieder fit.\u201c Der An\u00e4sthesist wird schon deutlicher: \u201eJa, wir ziehen Sie f\u00fcr einen Augenblick aus dem Verkehr. Deshalb m\u00fcssen wir ihre Atmung unterst\u00fctzen. Wenn nicht \u2026.\u201c Seine Worte klingen wie die Hinweise auf einem Beipackzettel f\u00fcr ein Medikament. \u201eIn der Regel geht alles gut, aber \u2026.! Haben Sie eine Patientenverf\u00fcgung?\u201c Bisher war die gut abgeheftet, jetzt wird danach gefragt. Ich bin unsicher, ob dies die richtige Entscheidung war. Meine erste OP, das erste Mal, dass ich nicht mehr Herr der Lage bin. Ich habe Angst, und auch die freundlichen Worte \u201eSie sind nicht der erste!\u201c helfen wenig.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfleger schiebt mich zielstrebig die langen G\u00e4nge entlang. Ich schaue in sein Gesicht, er schaut nach vorn. Bremst ab. Schiebt wieder schneller. Biegt ab. Sagt ein kurzes Wort, um den Weg freizukriegen. Er wei\u00df, was er tut. Das macht mich etwas zuversichtlicher. In dem Krankenbett bleibt mir nur der Blick auf meinen Chauffeur und der Blick nach oben. Krankenhausflure sind schon zum F\u00fcrchten, die Decken der Flure noch mehr. K\u00e4sten mit Leuchtstoffr\u00f6hren reihen sich aneinander, hier und dort fehlt eine, daf\u00fcr ein brauner Fleck nach dem anderen \u2013 \u201eWasserschaden\u201c, denke ich und mein Vertrauen sinkt wieder. Dort h\u00e4ngt ein Kabel unmotiviert herab \u2013 den Blick nach oben h\u00e4tte ich mir sch\u00f6ner gew\u00fcnscht. Besser ich schlie\u00dfe die Augen. Wann soll ich mein Gebet sprechen, wann den Himmel bitten, dass er bei mir ist hier unter in den Katakomben tief unter der Erde?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pfleger hat es eilig. Liegt schon alles bereit, nur der Patient fehlt noch? Zange, Watte, Tupfer, die Kan\u00fcle, um dem K\u00f6per das zu geben, was er jetzt braucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wesen mit blauen Hauben und wei\u00dfen Kitteln schauen kurz in mein Krankenbett und wenden sich wieder ab. Wie wohltuend w\u00e4re es gewesen, h\u00e4tte jemand noch ein gutes Wort gefunden \u2013 \u201eAlles Gute! Es wird schon! Sie brauchen keine Angst haben!\u201c. Oder wenn jemand mir wie damals meine Mutter \u00fcber die Stirn gestrichen h\u00e4tte: \u201eKopf hoch, Junge! Du bist nicht allein!\u201c Doch ich bin ziemlich allein, wei\u00df immer noch nicht, wo wir sind, wie lange es noch dauert und ob am Ende wirklich alles gut wird. Ich muss vertrauen, dass alle, denen ich mich in die H\u00e4nde gebe, ihren Job k\u00f6nnen und mit mir und meinem Leben schonend umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fahrt verlangsamt sich. Eine T\u00fcr \u00f6ffnet sich wie von Geisterhand. Das Licht ist glei\u00dfend hell, die Stimmen ged\u00e4mpft, leise Betriebsamkeit. Wir sind am Ziel? Nein, das Schwerste liegt noch vor mir. Aber nun h\u00f6re ich sie, die guten Worte: \u201eGuten Morgen, ich bin die An\u00e4sthesieschwester Elke! Machen Sie sich keine Sorgen, bei&nbsp; uns sind Sie in guten H\u00e4nden!\u201c Und ich schaue auf ihre H\u00e4nde, \u00fcber die sie die blauen Vinyl-Handschuhe st\u00fclpt! Mein \u201eGuten Morgen!\u201c klingt leise und verhalten. Sie sp\u00fcrt es. \u201eKeine Angst! Kommen Sie erst einmal r\u00fcber auf den OP-Tisch.\u201c Mein Krankenhaus-Bett war bisher meine sichere Zone. Auch wenn ich damit gef\u00fchlt kilometerlange G\u00e4nge geschoben wurde, es war noch mein Schutzbereich, den ich jetzt ganz verlasse. Zeit f\u00fcr mein Gebet. Ja, es wird Zeit, ich brauche jetzt die Worte auf meinen&nbsp; Lippen und auf meiner Seele \u2013 \u201eVater unser \u2026 Dein Wille geschehe \u2026 erl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen \u2026. Von Ewigkeit zu Ewigkeit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Fahrt durch die G\u00e4nge des Krankenhauses \u2013 die Fahrt der J\u00fcnger \u00fcber die st\u00fcrmische See. Die Angst des Petrus \u2013 und mein Gebet vor der OP. Zwei Geschichten, zwei Erfahrungen, die sich trotz so ferner Zeiten und Orte in ihrem Kern treffen. Jesus reicht die Hand, dem sinkenden und schon von der rauhen See nass geworden Petrus und dem in seinem OP-Hemdchen zitternden und wartenden Patienten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertrauen I<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus reicht die Hand \u2013 und damit verwandelt sich ein kleiner Glaube, das Zweifeln und Verzweifeln in die Rettung durch&nbsp; den, dem sogar Meer und Wind gehorchen. So wird ein kleiner Ausflug mit dem Boot zu einem Lehrst\u00fcck f\u00fcr das, was uns tr\u00e4gt in unsicherer Zeit, im Sturm des Alltags im Wellengang der Unsicherheit: das Vertrauen, dass er bei uns ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die J\u00fcnger hatten allerdings guten Grund, erschrocken zu sein und das F\u00e4hnlein des Zweifelns und Verzweifelns in den Wind zu h\u00e4ngen. Jesus hatte sie alleingelassen, tats\u00e4chlich. Er hatte sie voraus geschickt, seine M\u00e4nner, seine J\u00fcnger, die sich ja auskannten mit Booten, Netzen, Wind und Meer. Die Menschen, die seine N\u00e4he suchten, die Lahmen, die Blinden, die Verzweifelten schickte er fort. Jesus brauchte Ruhe. Auch er musste Kraft sch\u00f6pfen, auf dem Berg &#8211; Gott und dem Himmel nahe. Wo sonst? Aber Kraft wof\u00fcr?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Gegenwind des Lebens, f\u00fcr fehlendes Vertrauen, um doch noch im letzten Moment die rettende Hand zu reichen. Das kostet Kraft. Das braucht Orientierung. Die Stille vor Gott ist eine Tankstelle, ein Moment des Auftankens, des Eintauchens in Gottes N\u00e4he, in seine Liebe, um sie \u00fcberflie\u00dfen zu lassen in eine Welt, die Angst macht, die nicht selten zum F\u00fcrchten ist. So wie die kleine Bootspartie am Abend, der untergehenden Sonne entgegen, das Tagewerk und das rettende Ufer liegen im R\u00fccken \u2013 und pl\u00f6tzlich kommen diese f\u00fcr den See Genezareth bekannten heimt\u00fcckischen Fallwinde, dr\u00fccken das Boot im Gegenwind zur\u00fcck, w\u00fchlen das Wasser und sogar die Gem\u00fcter der gestandenen Fischer auf, die Menschenfischer geworden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie geraten in Not. Waren es die M\u00e4chte der Natur oder doch eher die fragenden und klagenden Seelen der verzweifelten J\u00fcnger. \u201eWo ist Jesus?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch er kommt, aber anders als erwartet. Und so wird sogar die Begegnung mit Jesus zur Angstpartie. Als er endlich das Boot erreicht, erschrecken die J\u00fcnger schon wieder. Jesus geht auf dem Meer, wandelt auf dem Wasser. Gott ist der immer der ganz andere, der nicht in unsere menschlichen Ma\u00dfst\u00e4be und Kategorien &nbsp;passt. Ein Gespenst, das nicht zu greifen und zu begreifen ist. Der gn\u00e4dige und barmherzige Gott, der allm\u00e4chtige und z\u00fcrnende Gott, der Leid nicht einfach fortwischt und das Meer und den Sturm tanzen l\u00e4sst mit einer Schneise der Verw\u00fcstung. Der aber auch Einhalt gebieten und in seiner Allmacht dem B\u00f6sen die Macht nehmen kann. Nur: Wann kommt er, wo ist er?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den M\u00e4nnern auf dem Boot kommt er rechtzeitig. Ihr Boot geht nicht unter, ihr Herz wird wieder an die richtige Stelle ger\u00fcckt: \u201eIch bin\u2019s!\u201c sagt ihr Meister, den sie am Ufer w\u00e4hnten. \u201eIch bin\u2019s!\u201c Und weil er es ist, der Wind und Wellen, das Meer und den Sturm in Schach halten kann, kann er aus gutem Grund sagen: \u201eSeid getrost! F\u00fcrchtet Euch nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Wie oft schallen die Mut machenden Worte her\u00fcber aus den Erz\u00e4hlungen der Bibel. Die erschrockenen Hirten h\u00f6ren mit diesen Worten die Freude \u00fcber den Heiland, der geboren ist. Der Engel am verlassenen Grab begr\u00fc\u00dft so die erschrockenen Frauen am Ostermorgen. Und auch als der Auferstandene seinen Mitstreitern begegnet, versteckt hinter verschlossenen T\u00fcren, da gilt auch ihnen der Ruf und der Zuspruch: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ruf ver\u00e4ndert, die Worte machen Mut, lassen das Vertrauen wachsen. Manche werden sogar \u00fcberm\u00fctig. Petrus will es wagen, sich auf das Wort Jesu einzulassen! \u201eKomm her!\u201c ruft Jesus ihm zu und Petrus, das Schwergewicht unter den nachfolgenden M\u00e4nnern, bekommt Angst und das Wasser tr\u00e4gt ihn nicht mehr. Die alte Angst \u00fcberf\u00e4llt ihn: Der Wind und die Wellen sind klare Fakten, der Glaube, das Vertrauen sind dagegen Leichtgewichte, die so schnell in den kleinen und gro\u00dfen Katastrophen verloren gehen. \u201eKleingl\u00e4ubig\u201c nennt Jesus ihn. Er, der die Schl\u00fcssel zur Vergebung von Schuld erh\u00e4lt; er, der Felsen, auf dem Jesus seine Kirche bauen wird \u2026 kleingl\u00e4ubig , verzagt, mit einem Vertrauen, das dem Gegenwind nicht stand h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Rettungsring wird ausgeworfen. Der kleine Glaube reicht, um die rettende Hand zu ergreifen. Der Kleinglaube wird zum Samenkorn aus dem ein echter Glaube, ein tiefes Vertrauen, die rettende Zuversicht wachsen kann. Petrus zieht sich nicht selbst aus dem Wasser, es ist sein Herr und Heiland, der ihm die Hand reicht und die er nur ergreifen muss. Not lehrt beten und die drohende Gefahr l\u00e4sst ihn nach der rettenden Hand greifen. Und er greift nicht ins Leere!&nbsp; \u201eDu bist wahrhaftig Gotts Sohn!\u201c lautet auch gleich das Bekenntnis der mitreisenden Mannschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mal sehen, wie lange ihr Glaube h\u00e4lt, mal abwarten, wie oft sie noch das Vertrauen verl\u00e4sst, mal hoffen, dass der wahrhaftige Gott, immer wieder seine rettende Hand ausstreckt \u2026.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>OP II<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut eineinhalb Stunden sp\u00e4ter wache ich auf. Irgendwie bin ich in einen freundlich-orange gehaltenen Raum gekommen. Wie, wei\u00df ich nicht. Auch noch nicht, wo ich bin. Schon im Himmel oder nur das Vorzimmer? Eine junge Frau l\u00e4chelt mich an: \u201eWillkommen auf der Station IIB. Meine Name ist Jana, ich bin Schwesternsch\u00fclerin. Keine Sorge, Sie haben alles gut \u00fcberstanden. Wenn Sie k\u00f6nnen, dann d\u00fcrfen Sie auch schon aufstehen, aber vorsichtig!\u201c Ich taxiere die junge Dame und bef\u00fcrchte, sie wird mich nicht halten k\u00f6nnen. \u201eVertrauen Sie mir! Ich bin bei Ihnen!\u201c Wie sch\u00f6n die Worte, verlockend das Leben dankbar zur\u00fcck zu erhalten und neu zu wagen. Wenn da nicht diese H\u00fcrde w\u00e4re \u2013 das Vertrauen, das fehlt &#8211; und alles blockiert und die \u00c4ngste mich l\u00e4hmen. \u201eIch reiche Ihnen die Hand \u2013 wagen Sie es!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertrauen II<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir geraten immer wieder in Lebenssituationen, da rei\u00dft es uns den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg, da h\u00e4lt nicht nur die schwankende Wasseroberfl\u00e4che nicht, sondern auch die eingefahrenen Gleise. Ich sp\u00fcre, ich bin nicht mehr Herr \u00fcber mich selbst oder meinen Lebensweg. Ich muss mich in die H\u00e4nde anderer begeben. Die Angst ist vorprogrammiert, die Erfahrung zu scheitern oder dem nicht gewachsen zu sein, folgt auf dem Fu\u00df. Allein gute Worte \u2013 das \u201eSeid getrost \u2013 f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c reichen da nicht aus. Die ausgereckte Hand muss es sein. Das zarte H\u00e4ndchen der Schwesternsch\u00fclerin, die schwielige Hand des Nachbarn, der anbietet: \u201eSo lange Du noch nicht fit bist, sorge ich f\u00fcr Deinen Garten!\u201c &nbsp;Oder die Hand Deiner Frau. Bei ihrer z\u00e4rtlichen Ber\u00fchrung sp\u00fcrst du den Ehering, 33 Jahre, Treue, Vertrauen, Verst\u00e4ndnis, gemeinsame Geschichten und Hoffnung auf Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes \u201eF\u00fcrchtet euch nicht\u201c ist ja ein Fingerzeig auf mehr. Ein Fingerzeig auf Gottes N\u00e4he, die er immer wieder zeigt, zu Wasser und zu Land, in den gr\u00fcnen Auen des prallen Lebens und im finstern Tal der Palliativstationen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Auch dann, wenn mir die Orientierung fehlt und mir der Kompass f\u00fcr mein Leben aus der Hand gleitet: Er ist da und reicht mir die Hand. Er will, dass ich nicht untergehe. Aber zum Gl\u00fcck steht nicht jeden Tag ein Sturmtief vor der T\u00fcr oder die Wellen schlagen \u00fcber die Deiche. Aber f\u00fcr diese Tage ist es notwendig, dass Jesus mich an die Hand nimmt und mitnimmt in die Stille, um auf Gott zu h\u00f6ren, in die Einsamkeit, um seine N\u00e4he zu sp\u00fcren, auf den Berg am Rande des Sees, um eine Ahnung zu bekommen, wohin der Weg f\u00fchren wird. Der Weg aus der Angst, der Weg in ein tiefes Vertrauen: \u201eAuch wenn mein Glaube nur klein und br\u00fcchig ist, Du, Gott, wirst mich halten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>OP III<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich darf nicht nur aufstehen. Ich darf auch schon wieder etwas essen. Die Krankenschwester hat es aufbewahrt und in der Mikrowelle aufgew\u00e4rmt. Das Leben geht weiter . Das Leben beginnt wieder neu. Die Fahrt \u00fcber die langen Flure des Krankenhauses, meine \u00c4ngste, meine Bef\u00fcrchtungen, mein fehlendes Vertrauen werden mir lange in Erinnerung bleiben. Aber noch mehr die Erfahrung, dass ich in aller Anonymit\u00e4t und Sterilit\u00e4t des Krankenhauses Menschen, Engel, Boten Gottes traf, die sprachen: \u201eSei getrost. F\u00fcrchte dich nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vertrauen \u2013 Ausblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da ist ein gutes Samenkorn gelegt worden, das wachsen soll. Ich arbeite daran, dass aus dem Kleinglauben wenigstens ein mittelgro\u00dfer Glaube wird. Der Kompass des Lebens ist neu justiert und zeigt mir Wege aus der Angst. Und schlie\u00dflich: Sie wird mir gut tun, die Ruhe, die Stille, die N\u00e4he bei Gott. Zeiten des Gespr\u00e4chs mit ihm, der mir seine N\u00e4he zusagt. Beten nicht erst wenn der OP-Saal sich \u00f6ffnet, sondern so oft wie m\u00f6glich, jeden Morgen, jeden Abend, bei der Fahrt mit dem Auto, beim Ausflug \u00fcber den See.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich w\u00fcnsche, dass wir auch im Toben der Wellen und im Heulen des Sturmes seine Stimme h\u00f6ren. Mitten im Leben, mitten in der Angst ruft er uns zu: \u201eSeid getrost \u2026 f\u00fcrchtet euch nicht!\u201c und er reicht uns die Hand. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus zum ewigen Leben. Amen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Verfasser:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pastor Bert Hitzegrad<br>Claus-Meyn-Str. 11<br>21781 Cadenberge<br>Mail: <\/em><a href=\"mailto:bhitzegrad@aol.com\"><em>bhitzegrad@aol.com<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Verfasser ist Pfarrer in der Landeskirche Hannovers und betreut zwei Gemeinden im n\u00f6rdlichen Niedersachsen \u2013 dicht an Elbe und Nordsee. Dort zog gerade Sturmtief Nadia vorbei, was der Besch\u00e4ftigung mit dem Text einige realistische Noten gab. Wie man allerdings lesen und h\u00f6ren kann fand ein Gro\u00dfteil der Predigtarbeit im Cuxhavener Krankenhaus statt \u2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mt 14,22-33 | 6. Februar 2022 | 4. Sonntag vor der Passionszeit | Bert Hitzegrad | Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus! 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