{"id":6924,"date":"2022-02-02T17:19:24","date_gmt":"2022-02-02T16:19:24","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6924"},"modified":"2022-02-02T17:20:26","modified_gmt":"2022-02-02T16:20:26","slug":"6924-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/6924-2\/","title":{"rendered":"Predigt zu Mt 14,22-33"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Auf dem Wasser gehen | 4. Sonntag vor der Passionszeit | 06.02.2022 | Predigt zu Mt 14,22-33 | verfasst von Ralf Reuter |<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal muss man selber raus. In den Regen, ungesch\u00fctzt, den Elementen ausgesetzt. Da hilft nichts. Ich bin gefragt. Kann mich nicht dr\u00fccken. Sonst geht es schief. Entt\u00e4uscht andere. Kann nicht vor mir selber bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Du hast ein Gesch\u00e4ft oder einen Hof und bist kurz vor der Insolvenz. Da musst du raus. Bist bedroht, haftest mit deinem Verm\u00f6gen. Die Familie h\u00e4ngt dran, die Zukunft sowieso. Und deine Angestellten, ihre ganze Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Du arbeitest in der Kirche und zu dir kommt jemand, der missbraucht wurde. Vertraut sich dir an. Da kannst du nicht kneifen. Musst das \u00f6ffentlich machen. Auch gegen Personen, die du kennst. Wei\u00dft nicht, was dran ist, wie es ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein uralter Traum der Menschheit: Auf dem Wasser gehen. Wie die G\u00f6tter den Herausforderungen des Lebens trotzen und sie bestehen. Es gibt viele solcher Geschichten, besonders auch buddhistische, \u00e4hnlich der unsrigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Petrus geht auf dem Wasser. Jesus entgegen. Eine unm\u00f6gliche M\u00f6glichkeit. Oder m\u00f6gliche Unm\u00f6glichkeit? Wie Berge versetzen? Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und Jesus lie\u00df ihn kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein unheimlich starkes Bild, das Matth\u00e4us hier eintr\u00e4gt. Es gibt Situationen, wo du dem Herrn entgegengehst, quasi g\u00f6ttlich wirst in aller Menschlichkeit. Da ist Gott nicht nur mit im Boot des Lebens, hier gehst du selber auf dem Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Wem fallen dazu nicht weitere Beispiele ein. Unglaubliche Rettungstaten in \u00e4u\u00dferen Katastrophen, im Krieg. Wege durch Krankheiten, Leidensgeschichten. Pers\u00f6nliches Retten vor Gewaltausbr\u00fcchen, auch im engsten Kreis.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als viele glauben. Hier wird Petrus himmlische Kraft zugespielt. Beispielhaft f\u00fcr die J\u00fcnger, f\u00fcr uns im Nachfolgen. Keine menschliche \u00dcberh\u00f6hung, nur im Glaubensverh\u00e4ltnis wird dies m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht immer sitzen wir im gesichert im Boot, weder in der Menschheit noch in der Tradition, noch in der Kirche und schon gar nicht im Unternehmen oder der Gesellschaft. Auch sie gilt es zu bewahren, aber manchmal muss man raus.<\/p>\n\n\n\n<p>Da hilft nur noch der Blick auf Jesus. Komm her, der Ruf, sich der Sicherheiten zu entledigen und mutig nach vorne zu gehen. Das Leben hat mehr davon als wir denken, nicht nur f\u00fcr den letzten Weg \u00fcbers Meer.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier blitzt etwas von dem neuen Menschen auf. Von den M\u00f6glichkeiten einer g\u00f6ttlichen Identit\u00e4t im Glauben. Von Erf\u00fcllung, von Einsatz und Echtheit. Von gefordert sein und sich rufen lassen, von echter Nachfolge.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, so glaube ich, bleibt es eine Vertrauensgeschichte. Eine wackelige Angelegenheit wie die Wellen auf hoher See. Wie der Wind, der einem Bewegung erm\u00f6glicht wie auch bedroht. Sobald du ihn siehst, brichst du ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Petrus, dem mutigen Vorg\u00e4nger. Dem seine menschlichen Zweifel die g\u00f6ttlichen M\u00f6glichkeiten beschneiden. Das wird uns immer wieder geschehen. Hier bleiben wir mit Umkehr, mit Vergebung, mit Neuanfang verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er den starken Wind sieht, erschreckt er und schreit: Herr, rette mich! Es ist der Gebetsruf in der Not, vor dem Versinken im Wasser, wie die Psalmen ihn kennen. Auch Jesus betete, bevor er auf das Wasser ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist er uns in seinem Menschsein nahe und reicht uns in seiner G\u00f6ttlichkeit die Hand. Mit ihm gibt es keine unm\u00f6glichen M\u00f6glichkeiten. Auf ihn bewegen wir uns zu. Er h\u00e4lt uns. Glaube ist Vertrauen in ein Leben mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo du f\u00fcr die Deinen k\u00e4mpfst, das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich machst. Wo du die Hilfesuchenden nicht im Regen stehenl\u00e4sst, sondern zu ihnen hinausgehst. Unerschrocken vor den anderen, mit klarem Blick auf den Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil es in diesen Tagen in Stadt und Land diskutiert wird: Missbrauch, wo und wie auch immer, ist S\u00fcnde im Herrn. Du erkennst das Angesicht der Opfer in seinem Angesicht, gehst auf dem Wasser dem g\u00f6ttlichen Angesicht entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann es nicht sein, wenn Kirche im Boot sitzen bleibt und so tut, als k\u00f6nne man diesen Sturm ohne den Herrn aussitzen. Mit diesem Jesus gehen wir nicht nur in St\u00e4dte und \u00fcbers Land, wir m\u00fcssen mit ihm manchmal auch aufs Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu gibt es diese wunderbare Geschichte von Petrus. Der trotz seines Zweifels fragt und sich traut, auf ein Wort von Jesus loszugehen. Ohne R\u00fccksicht darauf, was die anderen denken. Ohne Angst, schlecht auszusehen und zu scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Leben der Menschheit wird immer auch ein Gehen auf dem Wasser sein. Ein sich bewegen in Unsicherheit. Ein nicht Wissen, wie es ausgeht. Deshalb hat Gott seinen Sohn aufs Wasser gesandt, ihm gehen wir entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen nach Lichtmess kippt das Jahr aus dem Weihnachtsgeschehen heraus in die Zeit der Passion und Ostern. Noch sind wir in der Schwebe. Noch droht das Meer. Doch wir wissen schon vom Kreuz, den Pf\u00e4hlen im Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur im Glauben, im spirituellen Erleben, k\u00f6nnen wir diese Pf\u00e4hle erahnen und \u00fcber sie gehen. K\u00f6nnen hier Mensch sein und immer wieder neu werden. Die Boote verlassen und auf andere zugehen. Auf die Zukunft, auf den Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Pastor Ralf Reuter<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00f6ttingen<\/p>\n\n\n\n<p>E-Mail: Ralf.Reuter@evlka.de<\/p>\n\n\n\n<p>Ralf Reuter, Pastor f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte der Wirtschaft in der Hannoverschen Landeskirche und zugleich Pastor an der Friedenskirche G\u00f6ttingen<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur, Psalm und Lieder:<\/p>\n\n\n\n<p>Exegetisch grundlegend: Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matth\u00e4us (Mt 8-17), EKK I\/2; S. 404-412<\/p>\n\n\n\n<p>Vorschlag zur Psalmlesung: Ps 107, 23-32<\/p>\n\n\n\n<p>Lieder: Da wohnt ein Sehnen tief in uns; Vertrauen wagen; Vertraut den neuen Wegen (395)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Wasser gehen | 4. Sonntag vor der Passionszeit | 06.02.2022 | Predigt zu Mt 14,22-33 | verfasst von Ralf Reuter | Manchmal muss man selber raus. In den Regen, ungesch\u00fctzt, den Elementen ausgesetzt. Da hilft nichts. Ich bin gefragt. Kann mich nicht dr\u00fccken. Sonst geht es schief. 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