{"id":6928,"date":"2022-02-02T09:26:00","date_gmt":"2022-02-02T08:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=6928"},"modified":"2022-02-15T15:25:55","modified_gmt":"2022-02-15T14:25:55","slug":"predigt-zu-joh-1223-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-joh-1223-33\/","title":{"rendered":"Joh 12,23-33"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\" id=\"4-sonntag-vor-der-passionszeit-johannes-12-23-33-danische-perikopenordnung-verfasst-von-mikkel-tode-raahauge\"><strong>4. Sonntag vor der Passionszeit | Johannes 12,23-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Mikkel Tode Raahauge | <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt, so denke ich, eine Reihe von Dingen im Leben eines jeden Menschen, zu denen man sich irgendwie nur schwer verhalten kann. Das gilt nat\u00fcrlich den Dingen, die mehr oder weniger individueller Art sind, z.B. das Verh\u00e4ltnis zu unseren Eltern oder andere wichtige Beziehungen, zu unserem K\u00f6rper, zu Alkohol, Sex, zu Geld oder was es nun sein mag. Die meisten von uns werden sicher an irgendetwas denken, was wir nicht n\u00e4her betrachten wollen \u2013 einfach weil man ahnt, wenn man das tut, dann ist die Gefahr gro\u00df, dass man gen\u00f6tigt ist, sowohl sich selbst als auch sein ganzes Dasein in einem neuen Licht zu sehen. Und wenn man daran denkt, was f\u00fcr gro\u00dfe Konsequenzen das haben kann, dann ist es in vielen F\u00e4llen am leichtesten \u2013 vielleicht auch am sichersten, es nur beiseite zu schieben, es liegen zu lassen und damit zu leben, wie man sagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gilt f\u00fcr Dinge, die mehr oder wenig er individuell sind, in der Tat, aber ich glaube auch, dass dies einigen von den Dingen gilt, die zwar ganz tief pers\u00f6nlich erlebt werden, aber zugleich ganz allgemein sind. Und hier denke ich besonders an zwei Dinge: Einmal an das Verh\u00e4ltnis zu unserer eigenen Fehlbarkeit und Unzul\u00e4nglichkeit, im Gro\u00dfen und Ganzen das, was wir hier in der Kirche S\u00fcnde nennen, n\u00e4mlich die bittere Erkenntnis, die jeder Mensch f\u00fcr sich macht, dass ich das Gute, was ich will, nicht tue, und dass B\u00f6se tue, was ich nicht will. Nur wenig kann einem so kalt \u00fcber den R\u00fccken laufen als dies, wenn man an alle die Male denkt, wo man selbstbezogen seine Zeit oder seine Worte gebraucht oder vergeudet hat, indem man einem anderen Menschen mehr oder weniger bewusst wehgetan hat. Deshalb ist es ja so schwer, sich nur mit einer kleinen Bemerkung zu entschuldigen, und daf\u00fcr so leicht, irgendwelche Erkl\u00e4rungen zu finden oder seine Verfehlungen einfach totzuschweigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem aber, so denke ich, gibt es eine Sache, mit der wir alle uns am liebsten nicht zu sehr besch\u00e4ftigen. Etwas, was kein Mensch \u2013 ganz gleich wie fromm und gut man ist \u2013 leicht wegsteckt. Eine Sache, die die meisten von uns unmittelbar betrifft, und vor der man sich aus gutem Grund f\u00fcrchten muss, n\u00e4mlich der Umstand, dass wir sterben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt zwar Leute, die behaupten, das sie sich nicht vor dem Tode f\u00fcrchten \u2013 wir sind hier in der Kirche vielleicht in der Tat besonders geneigt zu glauben, dass wir mit dieser Frage im Klaren sind \u2013 aber ich muss gestehen, dass es mir schwer f\u00e4llt, daran zu glauben. Nat\u00fcrlich gibt es Leute, die meinen, dass der Tod die nat\u00fcrlichste Sache der Welt ist. Menschen werden geboren, und Menschen sterben, ganz wie Pflanzen und alles andere auf Erden, was lebt, und der Tod kann so auf eine Art medizinisches Faktum reduziert werden. Aber dieses Denken setzt eben voraus, dass man dabei den Menschen selbst auf ein St\u00fcck Natur reduziert., eine Sammlung von Atomen, eine neutrale Maschine, die sich durch Zeit und Raum bewegt ohne Ziel und Sinn. Dieses Denken ist inhuman im eigentlichen Sinn des Wortes, und auch wenn es noch so verlockend sein kann \u2013 denn dann geht mich der Tod ja nichts an \u2013 dann ist die Wirklichkeit immerhin doch eine andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dasselbe k\u00f6nnen wir nun hierzu sagen: Man sich unter Verweis auf Gott und sich selbst oder andere einbilden, der Tod sei gleichsam abgesagt \u2013 das ist er aber nicht, und verharrt man dennoch in dieser Illusion, wird man sicher eines Besseren belehrt. Aber alles in allem glaube ich, dass das etwas ganz Grundlegendes ist und \u00fcbrigens sehr verst\u00e4ndlich, wenn wir so gerne den Tod entdramatisieren. Ich glaube \u2013 insoweit ich selbst diesen Mechanismus einigerma\u00dfen gut kenne \u2013 das es darum geht, dass wir den Gedanken an den Tod nicht ertragen k\u00f6nnen und deshalb um alles in der Welt versuchen uns \u00fcber ihn zu erheben oder die Macht \u00fcber ihn zu gewinnen, so dass er irgendwie unsch\u00e4dlich gemacht wird und das Leben damit auch etwas mehr ungef\u00e4hrlich und sicher wird, wo wir die abgehobenen und unantastbaren Herren sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das meint unser Herr Christus, wenn er davon spricht, dass man sein Leben liebt \u2013 und dass der, der dies tut, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter schlimm entt\u00e4uscht wird und es verliert. Denn wenn der Tod zu uns kommt und das Seine fordert, dann erweist er sich nie als ein neutrales oder unwesentliches Ereignis. Er kommt immer als eine brutale Trennung von all dem, was wir lieben, und all denen, die wir lieben \u2013 ganz gleich ob das nun unser eigener Tod ist oder der Tod eines anderen. Er kommt \u00fcber uns als eine unertr\u00e4gliche Wirklichkeit, die einen Schatten \u00fcber unser Leben wirft, als F\u00fcrst dieser Welt, der unsere Tr\u00e4ume zerst\u00f6rt, unsere Herzen bricht und unsere Zukunft stiehlt, ohne irgendetwas zur\u00fcckzulassen \u2013 leider.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nun heute ruft eine Stimme vom Himmel, und sie gilt uns. Es erklingt eine Botschaft, dass Gott seinen Namen verherrlicht hat und ihn wieder verherrlichen wird. Das ist eine Verk\u00fcndigung davon, dass dies \u00fcberhaupt der Grund ist, dass Gott Mensch geworden ist, n\u00e4mlich um den F\u00fcrsten dieser Welt zu verjagen und alle Menschen an sich zu ziehen. Denn in ihm, der nun freiwillig sein Leiden und seinen Tod auf sich nimmt, im Mann am Kreuz, in ihm bezahlt Gott selbst f\u00fcr alle unsere \u00dcbertretungen, damit wir wieder die Schultern senken und den Blick erheben k\u00f6nnen. In ihm geht Gott selbst hinein in unseren Tod, um sein Leben mit uns zu teilen und damit zu zeigen, dass die Liebe Gottes zu uns wie ein Weizenkorn ist, das drei\u00dfig-, sechzig-, hundert-, millionen- und milliardenfach tr\u00e4gt, weil es jedem Menschen gegen\u00fcber unterstreicht: Dort wo unsere Zukunft endet, da beginnt die Zukunft Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles bedeutet nun nicht, dass unser Verh\u00e4ltnis zum Leben und zum Tod wie durch einen Zauber ver\u00e4ndert ist. Es bedeutet nicht, dass wir notwendigerweise besser imstand sind, unserer tats\u00e4chlichen Lage ins Auge zu sehen. Aber es bedeutet: <em>Wenn<\/em> wir in unserem Leben die Verwundbarkeit, die Ohnmacht und den Tod erfahren, die es enth\u00e4lt, <em>wenn <\/em>wir unser Leben in dieser Welt hassen und einsehen m\u00fcssen, dass wir nicht unsere eigenen Herren sein k\u00f6nnen \u2013 dann k\u00f6nnen wir auf den Gekreuzigten als unseren Herren&nbsp; sehen und unser Leben in ihm lieben, weil wir in ihm sehen k\u00f6nnen, dass Gott es zuerst geliebt hat. Und dann k\u00f6nnen wir vielleicht etwas von der Zuversicht sp\u00fcren, das Leben zu leben, wie es ist, und den Tod zu sterben, der einmal unser Tod sein wird \u2013 im Vertrauen darauf, dass wir niemals uns selbst \u00fcberlassen sein werden, sondern dass Gott uns mit Jesus Christus in seiner Liebe eine lebendige Hoffnung und eine offene Zukunft gegeben hat. Denn so hat der Vater den Sohn erh\u00f6ht, damit er mit seinem Tod und seiner Auferstehung und erh\u00f6hen wird. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pastor Mikkel Tode Raahauge<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Skovshoved, DK 2930 Klampenborg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Email: mitr(at) km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag vor der Passionszeit | Johannes 12,23-33 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | verfasst von Mikkel Tode Raahauge | Es gibt, so denke ich, eine Reihe von Dingen im Leben eines jeden Menschen, zu denen man sich irgendwie nur schwer verhalten kann. 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