{"id":7038,"date":"2022-02-12T15:37:00","date_gmt":"2022-02-12T14:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7038"},"modified":"2022-02-15T21:21:26","modified_gmt":"2022-02-15T20:21:26","slug":"markus-426-32-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-426-32-2\/","title":{"rendered":"Markus 4,26-32"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Sexagesimae | 20.02.2022 | Mk 4,26-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen |<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Winterst\u00fcrme, Regen, Schnee, K\u00e4lte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind mitten im Winter \u2013 in D\u00e4nemark feiert man noch \u201eLichtmesse\u201c mitten im Winter \u2013 wir essen Kohl und sehen uns missmutig das Wetter an \u2013 auch wenn es keinen Frost hat, ist die Grundstimmung kalt und windig, selbst wenn die Sonne hervorscheint. Jetzt singen wir das d\u00e4nische Winterlied: \u201eHier hei\u00dft\u2019s schweigen, tief sich neigen\u201c,<a href=\"applewebdata:\/\/E727DD7E-BEFE-4271-A249-82A87E0B25AB#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;und das Lied von Ole Sarvig \u201eWie das Jahr geht\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/E727DD7E-BEFE-4271-A249-82A87E0B25AB#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Lieder von einer Welt, die roh und kalt ist. Lieder von Eichenb\u00e4umen die nun mit nackten Zweigen traurig in den Himmel ragen. Die Winterstimmung, die wie der Schnee alles zudeckt, was noch nicht ist \u2014 die tote Erde und die verwelkten Blumen \u2013 die aber auch all das verdeckt, was im Werden ist, ein Warten auf das, was kommt. Und auch wenn ich die bunten Lieder des Fr\u00fchlings liebe, liebe ich die Winterlieder sehr. Lieder dar\u00fcber, dass die Wartezeit nicht notwendigerweise vergeudete Zeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eGeduld ist die Begleiterin der Weisheit\u201c, sagte man fr\u00fcher. In der Zeit des Wartens haben wir Sinn daf\u00fcr, all das zu sehen und zu studieren, was wir nicht mit blo\u00dfem Auge sehen k\u00f6nnen und was wir deshalb mit dem inneren Auge ausmalen m\u00fcssen. Das, worauf wir hoffen, nach dem wir uns sehnen und seufzen. Da ist eine besondere Forderung nach Wahrnehmung in den Liedern vom Warten und der Stille des Winters, und wir m\u00fcssen ganz anders stillwerden und zuh\u00f6ren. In dem Lied von Ole Sarvig vom Gang des Jahres durch den Winter ist eben dies sehr gegenw\u00e4rtig. Und auch wenn die Winterzweige der B\u00e4ume nun tot in den Himmel ragen, wird uns erz\u00e4hlt, dass wir nicht verlassen sind, auch wenn wir zur\u00fcckgelassen sind. Zwar sind wir allein, aber nicht unbedingt einsam.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das ist die Erz\u00e4hlung vom Tod, der zwar ein Verlust ist, der aber zugleich Leben und Hoffnung in sich tr\u00e4gt:<\/p>\n\n\n\n<p>Die, welche alles verloren haben<\/p>\n\n\n\n<p>wie Ihr,<\/p>\n\n\n\n<p>bei denen will ich wohnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsichtbar<\/p>\n\n\n\n<p>f\u00fcr alle Welt,<\/p>\n\n\n\n<p>und warten dort<\/p>\n\n\n\n<p>auf Sommerwind.<\/p>\n\n\n\n<p>So hei\u00dft es in Ole Sarvigs Gedicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild vom Gang des Jahres, vom Sommer \u00fcber den Winter zum Fr\u00fchling \u2013 vom S\u00e4en zur Ernte und dem Warten des Winters, wie es das heutige Evangelium so sch\u00f6n beschreibt. Ein Bild, das wir gerade jetzt in seiner ganzen Kraft verstehen, wo der Winter Natur und Leib im Griff hat und wo zugleich die Fr\u00fchlingszeichen im Kleinen Hoffnung ank\u00fcndigen. Und die Hoffnung der Auferstehung str\u00f6mt unter der Oberfl\u00e4che des ganzen Liedes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Christentum wird oft daf\u00fcr kritisiert, dass es naturfern sei \u2013 zuweilen sogar weltfremd. Eine Religion, die nur vom Menschen erz\u00e4hlt, nur den Menschen erh\u00f6ht \u2013 und die deshalb dazu neigt, die Umwelt zu vergessen, ohne die wir nicht leben k\u00f6nnen. Sagt man. Es hat uns der Natur entfremdet. Die Bilder der Natur wurden uns fremd. Es hat zur Ausbeutung und Unterwerfung der Natur beigetragen &#8211; letztlich zur Klimakrise mit katastrophalen Aussichten. Sagt man.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn im Sch\u00f6pfungsbericht steht, dass wir \u00fcber Tiere und B\u00e4ume herrschen sollen, hat man das in dem Sinne missverstanden, als eine Herrschaft, die willk\u00fcrlich herrschen und ihre Sklaven missbrauchen darf. Aber der Herr, der seine Leute misshandelt, ist letztlich ein Verlierer, der nicht begreift, dass ein Gut, dass nicht in jeder Hinsicht funktioniert, keinen festen Bestand haben kann. Der nicht verstanden hat, dass die F\u00fcrsorge f\u00fcr die alte Mutter und die Magd letztlich viel mehr bedeutet. Herrschen ist nicht dasselbe wie misshandeln \u2013 nur Diktatoren denken so.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nicht der Verantwortung auszuweichen, es gibt auch andere Dinge, die zur Entfremdung von der Natur beigetragen haben, als das Christentum. Die Bewegung der Geschichte weg von der Natur ist eine Herausforderung. Wir haben vergessen, dass wir von der Natur abh\u00e4ngig sind, haben vergessen, dass die Natur weise ist, dass die Natur Bilder enth\u00e4lt, die nicht nur erschauern lassen, wenn die H\u00f6he der Berge und die Weite des Meeres einen Horizont er\u00f6ffnen, sondern auch Bilder enth\u00e4lt, die Glauben und Hoffnung schenken. Wie der verdorrte Baum, der pl\u00f6tzlich wieder neue Triebe hervorbringt, wie das Fr\u00fchchen, das durch den Schnee hervorkommt. Und uns tut eine Natur gut, die eine Natur ist, die auch Z\u00e4hne zeigt. Eine Natur, die nackt dasteht, wo Frost und K\u00e4lte uns ersch\u00fcttern \u2013 so dass wir merken, dass wir sind und leben. Eine Natur, die von Gericht und Zerst\u00f6rung k\u00fcndet \u2013 reinigt und aufr\u00e4umt, so dass das Neue Platz greifen und emporwachsen kann. Und das l\u00e4sst sich vielleicht sch\u00f6n sagen, wenn man an der h\u00f6chsten Stelle im Ort wohnt und nie riskiert, dass der Keller mit Wasser volll\u00e4uft. Leicht sagen, wenn man Leute hat, die verfaulte B\u00e4ume um einen herum f\u00e4llen. Leicht sagen, wenn uns keine Sturmflut oder kein Erdrutsch bedroht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein Sturm wie&nbsp;<em>Malik<\/em>, der uns neulich traf, zeigt eine Gr\u00f6\u00dfe und ein W\u00fcten, die Gleichg\u00fcltigkeit, Gewohnheiten und Routinen ersch\u00fcttern. Und das ist gesund \u2013 zwar nicht f\u00fcr die Versicherungsgesellschaften, aber f\u00fcr die Seelen. Gesund, tief ersch\u00fcttert zu werden. Gesund zu erleben, dass all das, was wir f\u00fcr sicher hielten und unersch\u00fctterlich wie Rieseneichen \u00fcber Nacht umgeworfen werden kann \u2013 aber dass das Leben damit nicht aufh\u00f6rt, sondern sich ver\u00e4ndert. Denn das Bild k\u00f6nnen wir gebrauchen, wenn wir ganz andere innere zerst\u00f6rende St\u00fcrme erleben, wenn Tod und Verlust uns treffen, wenn wir all unser Warten und alle unsere Geduld und ohnm\u00e4chtigen Versuche aufbieten m\u00fcssen, um nach vorn zu blicken auf Hoffnung und Gnade.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist das Naturromantik \u2013 aber dann ist die Bibel voll davon \u2013 voll von Bildern aus der Natur, gebraucht als Bilder f\u00fcr den Willen Gottes. Kleine K\u00f6rner werden in die Erde gelegt und wachsen zum gr\u00f6\u00dften Trost. Der Stumpf setzt neue Triebe, das Kreuz schenkt neues Leben. Wasser, das Kraft gibt und neues Leben schenkt in der Bewegung der Taufe. Unsere Winterlieder enthalten Zerst\u00f6rung und Einsamkeit und Tod \u2013 aber sie verweisen uns auf die Bilder der Natur und von da aus hin auf das Leben, zu neuer Sch\u00f6pfung und Hoffnung \u2013 zu Ostern und Auferstehung. In einem winterstillen und innerlichen Vertrauen darauf, dass Christus in uns wohnt und als der neue Baum der Gnade w\u00e4chst in den Verzweigungen der Herzwurzel in den sinnreichen Systemen der Blutadern. Unsichtbar in einem winterstillen Warten der Welt, aber stark wie das willige Wachstum der Schneegl\u00f6ckchen hinter dem Zaun.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Menschenleben folgt dem Gang des Jahres in der Wahrheit, dass ein Leben nur zu Leben wird, wenn es voll gelebt wird \u2013 und dass voll im Geist Jesu leben den Mut haben soll, zu sehen, dass der Winter-Tod, die Winterstille zum Leben geh\u00f6ren \u2013 und zu uns. Dass man wagt, zu sehen, dass das Leben kostet, aber dass gerade diese Weisheit uns gn\u00e4dig und geduldig in die Ewigkeit bringt. Christus in uns wohnen lassen hei\u00dft eins sein mit dieser Bewegung, wo Leben den Tod in neue Hoffnung verwandelt \u2013 f\u00fcr uns und f\u00fcr die, die wir an die Hand nehmen und mit denen wir zusammen durch die Winterstille zum Sommerlicht gehen. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>___<\/p>\n\n\n\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br>Langetoften 1, Osted<br>DK-4320 Lejre<br>E-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n\n\n\n<p>___<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/E727DD7E-BEFE-4271-A249-82A87E0B25AB#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;D\u00e4nisch \u201dHer vil ties, her vis bies\u201d, Nr. 557 im d\u00e4nischen Gesangbuch, deutsch im deutsch-d\u00e4nischen Kirchengesangbuch<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/E727DD7E-BEFE-4271-A249-82A87E0B25AB#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;D\u00e4nisch \u201dSom \u00e5ret g\u00e5r\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 20.02.2022 | Mk 4,26-32 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Laura Lundager Jensen | Winterst\u00fcrme, Regen, Schnee, K\u00e4lte. Wir sind mitten im Winter \u2013 in D\u00e4nemark feiert man noch \u201eLichtmesse\u201c mitten im Winter \u2013 wir essen Kohl und sehen uns missmutig das Wetter an \u2013 auch wenn es keinen Frost hat, ist die Grundstimmung kalt und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7063,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,1,185,157,149,349,608,3,109,671],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-7038","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-aktuelle","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-kapitel-4-chapter-4-markus","category-kasus","category-laura-lundager-jensen","category-nt","category-predigten","category-sexagesimae"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7038"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7038\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7062,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7038\/revisions\/7062"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7038"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=7038"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=7038"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=7038"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=7038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}