{"id":7145,"date":"2022-02-28T17:18:53","date_gmt":"2022-02-28T16:18:53","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7145"},"modified":"2022-03-02T20:03:46","modified_gmt":"2022-03-02T19:03:46","slug":"predigt-zu-2-mose-321-6-15-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-2-mose-321-6-15-20-2\/","title":{"rendered":"2. Mose 32,1-6.15-20"},"content":{"rendered":"<h3>Auch f\u00fcr uns Christen:\u00a0Bildlosigkeit Gottes! | 02.03.22 | Ex 32,1-6.15-20 | Rainer Stahl |<\/h3>\n<p>\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,\u00a0die Liebe Gottes\u00a0und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes\u00a0sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!\u00a0Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Zuerst hoffe ich, Ihnen mit meiner eigenen \u00dcbersetzung dieses beeindruckenden Bibelabschnitts Gespr\u00e4chsanst\u00f6\u00dfe bieten zu k\u00f6nnen:<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>1a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eUnd es sah das Volk,<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 dass Mose z\u00f6gerte, vom Berg herabzusteigen.<\/p>\n<p>b\u03b11\u00a0 Und es versammelte sich das Volk \u00fcber \/ zusammen mit Aaron.<\/p>\n<p>b\u03b12\u00a0 Und sie sprachen zu ihm:<\/p>\n<p>b\u03b21\u00a0\u00a0 \u00bbKomm \/ Steh auf [und] mache uns G\u00f6tter {!}, die vor uns hergehen.<\/p>\n<p>b\u03b22\u00a0\u00a0 Denn siehe, Mose \u2013 der Mann, der uns hinaufgef\u00fchrt hat vom Land \u00c4gypten \u2013,<\/p>\n<p>b\u03b23\u00a0\u00a0 nicht wissen wir, was ihm ist.\u00ab<\/p>\n<p>2a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und es sprach Aaron zu ihnen:<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbRei\u00dft die goldenen Ringe ab, die in den Ohren eurer Frauen, eurer S\u00f6hne<\/p>\n<p>und eurer T\u00f6chter sind.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und bringt sie zu mir.\u00ab<\/p>\n<p>3a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und das ganze Volk riss die goldenen Ringe ab, die in ihren Ohren sind.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und sie kamen [mit ihnen] zu Aaron.<\/p>\n<p>4a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und er nahm es von ihren H\u00e4nden.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und er bildete damit mit dem Mei\u00dfel<\/p>\n<p>a\u03b3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und machte [es] zu einem gegossenen Kalb.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und sie sprachen:<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbDiese {!} sind deine G\u00f6tter {!} Israel,<\/p>\n<p>b\u03b3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die dich herausgef\u00fchrt haben aus dem Land \u00c4gypten!\u00ab<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>5a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und Aaron sah es.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und er baute einen Altar davor \/ vor ihnen.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und Aaron rief aus und sprach:<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbEin Fest f\u00fcr Jahwe \/ f\u00fcr Adonaj \/ f\u00fcr den Herrn morgen!\u00ab<\/p>\n<p>6a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und sie standen fr\u00fch am Morgen auf,<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und sie lie\u00dfen Brandopfer aufsteigen<\/p>\n<p>a\u03b3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und brachten Friedensopfer \/ Schlachtopfer dar.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Dann setzte sich das Volk und a\u00df und trank.<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 Und \/ danach stand es auf, um sich zu vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>15a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und er [Mose] wandte sich um, und Mose stieg vom Berg herab.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und die beiden Tafeln der Weisung in seiner Hand.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Tafeln, beschrieben auf ihren beiden Seiten.<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 Von vorn und von hinten waren sie beschrieben.<\/p>\n<p>16a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Tafeln aber: Sie waren Werk Gottes,<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 und das Geschriebene: Geschrieben von Gott war es,<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 eingeritzt in die Tafeln \u2013.<\/p>\n<p>17a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Da h\u00f6rte Josua den L\u00e4rm des Volkes wegen seines Jauchzens<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 und meinte zu Mose:<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbKriegsgeschrei ist im Lager!?\u00ab<\/p>\n<p>18a\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Er [Mose] aber sagte:<\/p>\n<p>\u00bb[Doch] kein Laut von Siegesliedern.<\/p>\n<p>Und kein Laut von Klageges\u00e4ngen.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Laut von Wechselges\u00e4ngen h\u00f6re ich.\u00ab<\/p>\n<p>19a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und es geschah, als er sich dem Lager n\u00e4herte,<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sah er das Kalb und die T\u00e4nze.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und es entbrannte der Zorn des Mose.<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 Und er warf die Tafeln aus seiner Hand<\/p>\n<p>b\u03b3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und zerschmetterte sie unten am Berg.<\/p>\n<p>20a\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 Und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten,<\/p>\n<p>und verbrannte es in Feuer,<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zermalmte es, bis es zerstob,<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0\u00a0\u00a0 und verstreute es in Wasser<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0\u00a0\u00a0 und lie\u00df es die S\u00f6hne Israels trinken.\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>Vielleicht vor zehn Jahren entdeckte ich in einem der Antiquariate auf der Leipziger Buchmesse ein mich sofort beeindruckendes Buch aus dem Jahr 1924 \u2013 von Uriel Birnbaum: \u201eMoses\u201c.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Der Verfasser hatte dort den Zusammenhang dieser biblischen Geschichten gro\u00dfartig wiedergegeben: \u201eEr f\u00fchrte das Volk der Feuers\u00e4ule nach zu dem Berge der Berufung, er stieg empor zu dem flammenden Gipfel, blieb vierzig Tage dort oben, dem Volke durch feuriges Gew\u00f6lk verborgen, und sprach mit Gott. Er mit Menschenh\u00e4nden nahm aus Gottes eigenen H\u00e4nden die Tafeln des Bundes und zerschlug im Zorne die Handschrift des Herrn. Er [\u2026] zermalmte das goldene Kalb und verbrannte den Goldstaub und zwang h\u00f6hnisch seinen eigenen abtr\u00fcnnigen Bruder \u2013 den Hohepriester \u2013 den Schw\u00e4chling, die Asche zu trinken.\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Damals beim Kauf war es nicht der Text, der mich \u00fcberw\u00e4ltigt hatte \u2013 den hatte ich ja am Antiquariatsstand gar nicht lesen k\u00f6nnen \u2013, sondern der Zyklus seiner Bilder. Auf jedem Bild gibt es einen zweizeiligen unteren Rand, auf dem die entscheidenden Formulierungen der entsprechenden biblischen Szene aufgef\u00fchrt sind.<\/p>\n<p>Auf dem folgenden Bild des Kalbes zum Beispiel: \u05d0\u05dc\u05d4 \u05d0\u05dc\u05d4\u05d9\u05da \u05d9\u05e9\u05e8\u05d0\u05dc \u05d0\u05e9\u05e8 \u05d4\u05e2\u05dc\u05d5\u05da \u05de\u05d0\u05e8\u05e5 \u05de\u05e6\u05e8\u05d9\u05dd \u00a0\u2013 \u00a0\u00ab\u2019ell\u00e4h \u2019\u00e4loh\u00e4jcha \u00a0jisra\u2019el \u2019asch\u00e4r h\u00e4<sup>c<\/sup>\u00e4lucha me\u2019\u00e4r\u00e4z mizrajim\u00bb \u2013 \u201eDiese sind deine G\u00f6tter Israel, die dich herausgef\u00fchrt haben aus dem Land \u00c4gypten!\u201c (Vers 4). Und dann bietet der K\u00fcnstler noch den Vers 6:\u00a0 \u201eUnd sie standen fr\u00fch am Morgen auf, und sie lie\u00dfen Brandopfer aufsteigen und brachten Friedensopfer \/ Schlachtopfer dar. Dann setzte sich das Volk und a\u00df und trank. Und \/ danach stand es auf, um sich zu vergn\u00fcgen.\u201c<\/p>\n<p>Dabei ist besonders beeindruckend, dass der K\u00fcnstler das Stierbild \u00fcbergro\u00df dargestellt hat und die es verehrenden Menschen von wimmelnder Kleinheit,<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> so dass bei mir die Frage aufkommt: Wie hatte Aaron aus den goldenen Ohrringen dieser winzigen Menschen solch ein Standbild formen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7146\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt.jpg 684w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/p>\n<p>Und gleich auf der Seite rechts daneben hat der K\u00fcnstler Mose dargestellt, wie er dieses Stierbildes und der Feierei vor ihm gewahr wurde:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7147\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt1-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt1-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt1-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenannt1.jpg 681w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/p>\n<p>Unter diesem Bild hatte er zum Beispiel hervorgehoben: \u05d5\u05d9\u05e8\u05d0 \u05d0\u05ea \u05d4\u05e2\u05d2\u05dc \u05d5\u05de\u05d7\u05dc\u05ea \u00a0\u2013 \u00abwajjar\u2019 \u2019\u00e4th ha<sup>c<\/sup>eg\u00e4l umcholoth\u00bb \u2013 \u00a0\u201eSah er das Kalb und die T\u00e4nze\u201c (Vers 19). Daran anschlie\u00dfend bietet der K\u00fcnstler den Abschluss dieses 19. Verses: \u201eUnd es entbrannte der Zorn des Mose. Und er warf die Tafeln aus seiner Hand und zerschmetterte sie unten am Berg.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt ist das Stierbild \u2013 nun von hinten gesehen \u2013 viel kleiner, die feiernden und tanzenden Menschen winzig, aber Mose \u00fcbergro\u00df und voller Emotion.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Geht es Ihnen wie mir? Diese interpretatorischen Leistungen durch Uriel Birnbaum machen diese Szenen lebendig und herausfordernd.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a><\/p>\n<p>Eine interessante Deutung seitens Uriel Birnbaums darf ich noch andeuten: \u201eUnd wie jung gar sind Christentum und Islam \u2013 und dabei sind doch letzten Endes beide Weltreligionen selbst nur gro\u00dfe Erweiterungen des urspr\u00fcnglichen Stromes [\u2026]. Er wird noch viele Seen durchflie\u00dfen, in vielen T\u00e4lern sich stauen und viele Schluchten durchbrausen [\u2026]. Aber nie mehr kann er versiegen, nie mehr einged\u00e4mmt werden [\u2026] bis die Erkenntnis des wahren Gottes, wie sie Mose als erstem zur G\u00e4nze zu Teil wurde, sich ausgebreitet haben wird \u00fcber alle Menschen [\u2026].\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Jetzt muss ich ein Gest\u00e4ndnis ablegen: Gerade die so sorgf\u00e4ltig wie m\u00f6glich angefertigte \u00dcbersetzung lie\u00df mich ganz ratlos zur\u00fcck. Was w\u00e4re von diesem Bibelwort her zu predigen? Gerade auch: Welche Einsicht w\u00fcrde uns die Spannung zwischen beiden so fernen und abst\u00e4ndigen Szenen gewinnen lassen?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist klar, dass diese S\u00e4tze von der Glaubenseinsicht jud\u00e4ischer Theologen in die Einzigkeit und Ausschlie\u00dflichkeit Gottes gepr\u00e4gt sind. Am deutlichsten wird das an der Abgrenzung gegen die in dieser Skizze angedeutete Kultentscheidung des Aaron \u2013 die ich mutig \u00fcbersetzt hatte mit: \u201eDiese sind deine G\u00f6tter Israel, die dich herausgef\u00fchrt haben aus dem Land \u00c4gypten!\u201c (V. 4). Wirklich in der Mehrzahl: \u05d0\u05dc\u05d4 \u00a0\u2013 \u00a0\u00ab\u2019ell\u00e4h\u00bb \u2013 \u201ediese\u201c, nicht \u201edieser\u201c. Und dann kann man auch mutig einmal \u201eG\u00f6tter\u201c sagen und nicht \u201eGott\u201c. Oder vorher schon: \u201eKomm \/ Steh auf [und] mache uns G\u00f6tter, die vor uns hergehen. [\u2026]\u201c (V. 1). Vor allen solchen Herausforderungen und Gef\u00e4hrdungen will dieses Bibelwort bewahren.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang hat mich die \u00fcberw\u00e4ltigende Glaubenszuversicht Uriel Birnbaums in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts \u00fcberzeugt: \u201e[\u2026] bis die Erkenntnis des wahren Gottes [\u2026] sich ausgebreitet haben wird \u00fcber alle Menschen [\u2026].\u201c Darum geht es \u2013 gerade auch heute! Das ist uns aufgetragen: Die Einsicht in die Einzigkeit Gottes! \u2013 Nur: Er! Sonst: Niemand!<\/p>\n<p>Tief bewegt hatte mich, dass zum Tag meiner Verabschiedung aus der praktischen Arbeit als Generalsekret\u00e4r des Martin-Luther-Bundes in den Ruhestand \u2013 am 11. M\u00e4rz 2016 \u2013 von den Herrnhutern gerade ein Wort aufgegeben worden war, das so klar wie nur m\u00f6glich diese Wahrheit zur Sprache bringt: Jesaja 45,6b-7, in meiner eigenen \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p>\u201eIch bin Jahwe \/ bin Adonaj \/ bin der Herr. Nur Nichtsein ist dann noch.<\/p>\n<p>Bildner des Lichts und Sch\u00f6pfer der Finsternis.<\/p>\n<p>Macher des Friedens \/ des Wohls und Sch\u00f6pfer des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ich, Jahwe \/ Adonaj \/ der Herr bin Macher von diesem allen.\u201c<\/p>\n<p>Ist es nicht so, dass die ganze Erz\u00e4hlung, die wir in Exodus \/ 2. Mose gelesen haben, derselben geistigen Welt entspricht wie diese Definition, die wir im Jesaja-Buch gefunden haben? Das ist es, was uns auch 2022 aufgetragen ist! Auch uns Christinnen und Christen!<\/p>\n<p>Wir haben die Bilder von Uriel Birnbaum aufgenommen. Deshalb m\u00f6chte ich jetzt noch auf eine andere Bilderfahrung hinweisen: In N\u00fcrnberg wurde ab dem Jahr 2000 eine kleine Kirche zur Kathedralkirche der Metropolie der Rum\u00e4nischen Orthodoxen Kirche f\u00fcr Deutschland und Zentraleuropa umgebaut. Bis 2006 wurde die Kirche durch Grigore Popescu und Maria Popescu ausgemalt. Als ich vor Jahren als Gast bei einer Diakonen-Weihe in dieser Kirche war, haben mich die Wandmalereien tief beeindruckt. Damals fiel mir an der Westwand der Kirche der Lebensbaum mit Bildern von Bekennern Christi auf \u2013 auch mit Medaillon-Bildern f\u00fcr Pfarrer Paul Schneider (ermordet 1939) und f\u00fcr Pfarrer Dietrich Bonhoeffer (ermordet 1945)! Aber auch mit Medaillon-Bildern f\u00fcr Edith Stein (ermordet 1942), f\u00fcr den Landwirt Franz J\u00e4gerst\u00e4tter (ermordet 1943) und f\u00fcr Pater Maximilian Kolbe (ermordet 1941)! Mir hat dann der Amtsbruder, der damals zum Diakon geweiht worden war \u2013 Vater Jonu\u0163 Paun, jetzt Pfarrer in Bamberg \u2013 einen wundersch\u00f6nen Bildband \u00fcber diese Kirche geschenkt.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p>Was fiel mir beim genauen Studium des Buches auf? Was ist in dieser Kirche ganz entscheidend? Es gibt keinerlei Gem\u00e4lde f\u00fcr Gott Vater! Das einzige Bild f\u00fcr Gott, das dargestellt ist, ist das Bild f\u00fcr Jesus Christus \u2013 und das gibt es vielmals! Im Tonnengew\u00f6lbe zwischen der Kuppel und der Westwand der Apsis gibt es ein beeindruckendes Gem\u00e4lde \u00fcber Pfingsten, \u00fcber die Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes an die J\u00fcnger.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Da haben die K\u00fcnstler die Dreieinigkeit durch drei Rott\u00f6ne der kreisrunden Fl\u00e4che dargestellt, aus der die roten Kraftstr\u00f6me auf die H\u00e4upter der J\u00fcnger flie\u00dfen!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7148\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt-16x12.jpg 16w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Unbenan2nt.jpg 1225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>So lade ich Sie ein: \u00dcben Sie sich in dem Glauben an den nicht darstellbaren Gott ein! Wir sind Gott besonders nahe, wenn wir ihn ganz geheimnisvoll bleiben lassen \u2013 und seinen Entscheidungen und seinem Weg mit uns vertrauen! Alle Bilder sind Hilfsmittel, um dieses Vertrauen einzu\u00fcben. Aber wirklich durchhalten werden wir dieses Vertrauen dann m\u00fcssen, wenn wir keine Sicherungen in unseren H\u00e4nden haben. Wenn uns alles aus den H\u00e4nden geschlagen ist. Wenn wir \u00fcberw\u00e4ltigt werden von der Angst um unsere Gesundheit und unser Leben, wenn wir uns vielleicht auf den letzten irdischen Weg einlassen m\u00fcssen, wenn wir zwar von Pflegern und Schwestern, von \u00c4rztinnen und \u00c4rzten gut versorgt werden, aber doch ganz unklar bleibt, wie die Dinge ausgehen werden. Dann festhalten, dass der unsichtbare Gott uns nicht verlassen wird \u2013 das w\u00e4re wichtig. Wie einmal mir gesagt wurde, als ich wieder zu einer Chemotherapie in die Klinik kam: \u201eMan hat sich auf der Station gefreut, dass Sie kommen!\u201c Und ein Pfleger zu mir sagte: \u201eSie haben ja Ihr Losungsbuch mitgebracht!\u201c Solche Glaubensversuche wird Gott nicht entt\u00e4uschen!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>\u201eUnd der Friede Gottes,\u00a0der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,\u00a0bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Liedvorschlag: EG 407:\u00a0 \u201eStern, auf den ich schaue, Fels, auf dem ich steh,<\/p>\n<p>F\u00fchrer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh,<\/p>\n<p>Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,<\/p>\n<p>Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du\u201c (Strophe 1 als Beispiel).<\/p>\n<p>*Dies kann ich nur singen lassen, weil dieser Stern, weil dieser F\u00fchrer, weil dieses Brot, weil dieses Ziel der Friedensf\u00fcrst ist! In Russisch gesagt: Der \u00ab\u041a\u043d\u044f\u0437\u044c \u043c\u0438\u0440\u0430\u00bb (Jesaja 9,6 \u2013 so die Verseinteilung in der russischen Bibel) \u2013 Notiert am 24. Februar 2022.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p>Erlangen<\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p>[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, seit 1998 Dienst f\u00fcr den Martin-Luther-Bund (das lutherische Diasporawerk) in Erlangen, seit 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0\u00a0 Dabei versuche ich, die Aufteilung der Verse in der Hebr\u00e4ischen Bibel genau einzuhalten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0\u00a0 F\u00fcr die Zweifelnden unter Ihnen zitiere ich nur die Verdeutschung von Martin Buber und Franz Rosenzweig: \u201eDies sind deine G\u00f6tter, Jisrael, die dich hinanholten aus dem Land \u00c4gypten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0 Hier darf ich die Symbole erl\u00e4utern: Begriffe nach \/ geben parallele Verstehensm\u00f6glichkeiten. Begriffe in eckigen Klammern bezeichnen kl\u00e4rende Erl\u00e4uterungen und in V. 18 einen Zusatz der griechischen \u00dcbersetzung. Ausrufezeichen in geschwungenen Klammern geben wertende Hinweise meinerseits.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>\u00a0 Ein biblischer Zyklus in f\u00fcnfzig Bildern mit einem einleitenden Essay, Thyrsos-Verlag, Wien und Berlin 1924.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> \u00a0Uriel Birnbaum, a.a.O., S. 19-20.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a>\u00a0 A.a.O., S. 56.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a>\u00a0\u00a0 A.a.O., S. 57.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a>\u00a0\u00a0 Nur an dieser Stelle m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass Uriel Birnbaum, geboren am 13. November 1894 in Wien, mit M\u00fchen der Gef\u00e4hrdung durch die deutsche Mordmaschinerie entkommen war \u2013 weil er sich von 1943 bis 1945 verstecken konnte. Er war im Dezember 1956 in Amersfoort, Niederlande, verstorben. Vgl.: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uriel_Birnbaum\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uriel_Birnbaum<\/a> (Zugriff am 29.1.2022).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a>\u00a0 Uriel Birnbaum, a.a.O., S. 15.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a>\u00a0\u00a0 Rum\u00e4nische Orthodoxe Kathedrale N\u00fcrnberg. Freskenmalerei und Geschichte, hg. von Grigore und Maria Popescu, Cluj-Napoca \u2013 Klausenburg 2009.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a>\u00a0\u00a0 Grigore und Maria Popescu, a.a.O., S. 42 und 43. Ich empfehle zu beachten, dass am unteren Bildrand die Schlusswand der Apsis der Kirche mit den gemeinsam betenden Maria und Christus zu sehen ist. Am oberen Bildrand ist ein kleiner Blick in den Tambur der Kuppel zu sehen \u2013 mit dem \u201enicht mit Menschenhand gemalten Bild\u201c Christi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch f\u00fcr uns Christen:\u00a0Bildlosigkeit Gottes! | 02.03.22 | Ex 32,1-6.15-20 | Rainer Stahl | \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,\u00a0die Liebe Gottes\u00a0und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes\u00a0sei mit Euch allen!\u201c Liebe Leserin, lieber Leser!\u00a0Liebe Schwestern und Br\u00fcder! 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