{"id":7153,"date":"2022-02-28T17:41:09","date_gmt":"2022-02-28T16:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7153"},"modified":"2022-03-02T20:39:41","modified_gmt":"2022-03-02T19:39:41","slug":"predigt-zu-2-mose-32-1-6-15-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-2-mose-32-1-6-15-20\/","title":{"rendered":"2. Mose 32,1-6.15-20"},"content":{"rendered":"<h3>Das goldene Stierbild |\u00a002.03.22 | Ex 32,1-6.15-20 | Winfried Klotz |<\/h3>\n<p><em>32, 1 Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zur\u00fcckkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! Denn wir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat. (1-24) [5.Mose 9,8-21]<\/em><\/p>\n<p><em>2 Aaron sprach zu ihnen: Rei\u00dft ab die goldenen Ohrringe an den Ohren eurer Frauen, eurer S\u00f6hne und eurer T\u00f6chter und bringt sie zu mir.\u00a0<\/em><em>3 Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron.\u00a0<\/em><em>4 Und er nahm sie von ihren H\u00e4nden und bildete das Gold in einer Form und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat! [1. K\u00f6n 12,28; Ps 106,19-20; Apg 7,41]\u00a0<\/em><em>5 Als das Aaron sah, baute er einen Altar vor ihm und lie\u00df ausrufen und sprach: Morgen ist des HERRN Fest.\u00a0<\/em><em>6 Und sie standen fr\u00fch am Morgen auf und opferten Brandopfer und brachten dazu Dankopfer dar. Danach setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um ihre Lust zu treiben. [1.Kor 10,7]<\/em><\/p>\n<p><em>15 Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand; die waren beschrieben auf beiden Seiten.\u00a0<\/em><em>16 Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben. [Kap 31,18]\u00a0<\/em><em>17 Als nun Josua das Geschrei des Volks h\u00f6rte, sprach er zu Mose: Es ist ein Kriegsgeschrei im Lager.\u00a0<\/em><em>18 Er antwortete: Es ist kein Geschrei wie bei einem Sieg und es ist kein Geschrei wie bei einer Niederlage, ich h\u00f6re Geschrei wie beim Tanz.\u00a0<\/em><em>19 Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berge.\u00a0<\/em><em>20 und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und lie\u00df es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab&#8217;s den Israeliten zu trinken.<\/em><\/p>\n<p>Vorbemerkung:<\/p>\n<p>Aschermittwoch &#8211; Beginn der Fastenzeit; im Blick ist weniger das \u00e4u\u00dfere Fasten- auch das kann Sinn machen- sondern viel mehr ein Fasten, wie es z. B. in Jesaja 58 angesprochen ist:<\/p>\n<p>\u201eNein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! L\u00f6st die Fesseln der Gefangenen, nehmt das dr\u00fcckende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdr\u00fcckung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!\u201c (V. 6+7)<\/p>\n<p>Die Hinwendung zu Gott soll zu echter Liebe zu unseren Mitmenschen f\u00fchren! Ein Gottesdienst, der Gott gef\u00e4llt, f\u00fchrt zu Gerechtigkeit und Frieden; wenn nicht, ist Gottesdienst ein \u00c4rgernis f\u00fcr Gott und ein Schaden f\u00fcr die Menschen! (Amos 5, 21-24)<\/p>\n<p>Aschermittwoch- wie lebe ich vor Gott und wie mit meinen Mitmenschen? Dazu ist uns heute ein Abschnitt aus dem 2. Buch Mose gegeben, die Geschichte vom goldenen Stierbild.<\/p>\n<p>Verlesung des Textes<\/p>\n<p>Vom \u201eTanz ums goldene Kalb\u201c reden wir sprichw\u00f6rtlich, wenn wir jemandes Fixierung auf Besitz, Geld und Gut kritisch betrachten. Irgendein Besitz wird zum Gott- G\u00f6tzen, zu einem Lebensinhalt, von dem alles abh\u00e4ngt. Manchmal ist das auch eine Beziehung, wird ein Mensch zum Idol; ohne ihn ist das Leben sinnlos, ohne Halt, ohne Schutz, ohne Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Wenn das durch die W\u00fcste wandernde Volk Israel von Aaron fordert, \u201eauf, mach uns einen Gott, der vor uns hergeht\u201c, dann geht es aber in den Augen des Volkes nicht um G\u00f6tzendienst, nicht um eine gleichsam g\u00f6ttliche Verehrung von irdischen Dingen, sondern es geht ihnen um Gott, Israels Gott. Sie sehen sich verlassen, Mose ist auf den Berg gestiegen zum Gespr\u00e4ch mit Gott und lange ausgeblieben. \u201eWir wissen nicht, was diesem Mann Mose widerfahren ist, der uns aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat\u201c, sagen sie. Mose, personales Bindeglied zu Gott, fehlt und muss ersetzt werden. Die Situation auf dem Weg durch die W\u00fcste ist zu gef\u00e4hrlich als dass man darauf verzichten k\u00f6nnte, Gott bei sich zu haben. Kurz: das Volk sagt zu Aaron: Wir brauchen Gott in unserer Mitte, deshalb mach uns ein Zeichen f\u00fcr seine Gegenwart bei uns! Denn nichts anderes ist ein solches Stierbild, Platzhalter, Thron f\u00fcr einen m\u00e4chtigen Gott.<\/p>\n<p>Und so macht Aaron ein Stierbild, oder wie es absch\u00e4tzig vom Verfasser unseres Abschnittes genannt wird, ein goldenes Kalb. Oft bestanden solche Kultbilder aus einem mit Goldblech \u00fcberzogenen Holzkern; hier ist die Rede davon, dass Aaron ein Gussbild anfertigt. Dazu spenden die Israeliten gro\u00dfz\u00fcgig ihren Goldschmuck; das f\u00e4llt ihnen offensichtlich nicht schwer. Und damit eine ganze Sache draus wird, l\u00e4sst Aaron auch noch einen Opferaltar bauen und k\u00fcndigt an: \u201eMorgen ist des HERRN Fest!\u201c Wer die Lutherbibel vor Augen hat sieht, hier steht der Gottesname; es geht bei diesem Fest offensichtlich darum, Israels Gott anzubeten und zu verehren! Also kein Abfall von Gott zu einem G\u00f6tzen in den Augen der Israeliten und Aarons, Moses Stellvertreter. Der Erz\u00e4hler unseres Bibelwortes dagegen h\u00e4lt es f\u00fcr Abfall von Gott.<\/p>\n<p>Israel feiert ein gro\u00dfes Fest zu Ehren Gottes; es bejubelt den Gott, den das Stierbild repr\u00e4sentiert: \u201eDas ist dein Gott Israel, der dich aus \u00c4gyptenland gef\u00fchrt hat!\u201c so rufen sie aus. In \u00fcblicher Weise feiern sie Gottesdienst mit Opfern, Essen und Trinken, mit Gesang und Tanz. Jedenfalls kann man vermuten, dass das gemeint ist, wenn es hei\u00dft \u201eum ihre Lust zu treiben\u201c. Wer braucht nicht auf einer langen Wanderung durch die W\u00fcste Zeiten der Entspannung, um Sorgen und Druck zu vergessen? Aber es schwingt noch etwas anderes mit: hier l\u00e4uft etwas aus dem Ruder! Da klingt vermutlich die Erfahrung des Erz\u00e4hlers an; wo Gott erg\u00e4nzt wird durch ein Abbild, da sind aus der heidnischen Umwelt bekannte Ausschweifungen nicht weit.<\/p>\n<p>Geht uns das alles etwas an?<\/p>\n<p>Noch einmal: Mose, das personale Bindeglied zu Gott, bleibt lange weg, das Volk sucht F\u00fchrung und Sicherheit auf dem Weg durch die W\u00fcste, es braucht Gott; um Gott zu gew\u00e4hrleisten wird er in ein Bild gefasst, ist das nicht verst\u00e4ndlich- entschuldbar?<\/p>\n<p>Dann kehrt Mose zur\u00fcck von seiner Konferenz mit Gott, in den H\u00e4nden die zwei Tafeln des Gesetzes; Josua h\u00f6rt ein Geschrei im Lager und meint, es werde gek\u00e4mpft, aber Mose wei\u00df es besser: das ist Geschrei wie beim Tanz! Mose sieht das \u201eKalb\u201c, das Tanzen, zerbricht voller Zorn die Tafeln, zermalmt das Gold des Stierbildes zu Pulver, gibt es ins Wasser und l\u00e4sst es das Volk trinken. Der dabei gesprochene Fluch, etwa so: \u201aGott strafe alle, die verantwortlich sind f\u00fcr den Abfall von ihm\u2018, wird nicht berichtet. (vgl. 4. Mose 5- Fluchwasser) Warum diese heftige Reaktion? Moses Handeln bedeutet: Ihr habt den Bund mit Gott gebrochen und schwere Schuld auf euch geladen! Ausgesprochen wird die Schuld in der zweimal berichteten F\u00fcrbitte Moses f\u00fcr das Volk: \u201eDas Volk hat eine gro\u00dfe S\u00fcnde getan, sie haben sich einen Gott von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre S\u00fcnde!\u201c (V. 31-32a)<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an die zehn Gebote; das zweite Gebot sagt: \u201eDu sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen G\u00f6ttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. (2. Mose 20, 4-5a- Einheits\u00fcbersetzung) Da geht es nicht um die Ablehnung k\u00fcnstlerischer Darstellung, sondern darum, den Versuch, sich Gott verf\u00fcgbar zu machen, zu verwerfen. Wer sich ein Gottesbild macht will Gott ins Irdische bannen und sich so Schutz und Segen sichern. Geschieht etwas \u00c4hnliches nicht da, wo jemand sich einen Talisman um den Hals oder ins Auto h\u00e4ngt? Vergleichbar mit \u201eMitbringseln\u201c von heiligen Orten, die als Segensspender dienen sollen. Eine Gottesbeziehung, die nicht auf den vertrauenden Glauben gegr\u00fcndet ist, muss sich Gott zum verf\u00fcgbaren Objekt machen! Ich denke, genau das war der Irrweg derer, die von Aaron forderten: Mach uns einen Gott, der vor uns hergeht!<\/p>\n<p>Wie steht es bei uns? F\u00fcr uns ist Jesus das personale Bindeglied zu Gott. Leben wir als Christen und Christinnen durch ihn im vertrauenden Glauben an Gott, oder haben wir uns Hilfsmittel gemacht, damit Gott uns gewiss wird? Bei Paulus im Galaterbrief geht der Kampf um \u201eChristus plus Gesetz\u201c. Unser Bibelwort ermahnt uns dazu, mit ganzem Herzen auf Gott zu vertrauen, der uns durch Jesus Christus mit sich verbindet. ER macht uns durch seinen Geist im Herzen gewiss, dass wir seine Kinder sind, bei ihm geborgen und von ihm gef\u00fchrt auch auf den W\u00fcstenwegen unseres Lebens. Amen<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Nachbemerkung: Ich schreibe diese Predigt in den Tagen des Angriffs Russlands gegen die Ukraine; ich nehme diese bedr\u00fcckende Situation in der Predigt nicht auf. Sie sollte aber im Gottesdienst vorkommen, vor allem im Gebet.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge (Ich nenne nur neuere Lieder aus dem Beiheft zum Ev. Gesangbuch f\u00fcr die EKHN; weitere Lieder und liturgische Hinweise finden sich unter https:\/\/www.daskirchenjahr.de\/tag.php?name=aschermittwoch&amp;zeit=Fasten&amp;typ=lieder): Meine Hoffnung und meine Freude (Taiz\u00e9) EG+ 109; Ich glaube an Gott, den Vater (A. Frey) EG+51; Wir sind hier zusammen in Jesu Namen, EG +43; Thy word is a lamp unto my feet (Amy Grant) EG+ 114.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Winfried Klotz, 1952 geboren, Pfr. i. R. Bad K\u00f6nig\/Odenwald, verh., 3 erwachsene Kinder<\/p>\n<p>winfried.klotz@web.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das goldene Stierbild |\u00a002.03.22 | Ex 32,1-6.15-20 | Winfried Klotz | 32, 1 Als aber das Volk sah, dass Mose ausblieb und nicht wieder von dem Berge zur\u00fcckkam, sammelte es sich gegen Aaron und sprach zu ihm: Auf, mach uns einen Gott, der vor uns hergehe! 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