{"id":7392,"date":"2022-03-14T10:36:22","date_gmt":"2022-03-14T09:36:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7392"},"modified":"2022-03-17T08:47:40","modified_gmt":"2022-03-17T07:47:40","slug":"7392-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/7392-2\/","title":{"rendered":"Johannes 8,42-51"},"content":{"rendered":"<h3>Okuli | Joh 8,42-51 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 20.03.22 | Elof Westergaard |<\/h3>\n<p>Der Evangelist Johannes liebt Kontraste. In diesem Text stehen sich Gott und Teufel, Wahrheit und L\u00fcge, Ehre und Ehrlosigkeit gegen\u00fcber. Der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis spielt zudem im ganzen Evangelium eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Dem Evangelisten geb\u00fchrt Dank daf\u00fcr, dass er diese Gegens\u00e4tze in der Verk\u00fcndigung Jesu hervorhebt, denn sie machen deutlich, dass nicht alles relativ ist, sondern dass es wirklich in unserem Tun Dinge gibt, die gut sind und Dinge, die schlecht sind.<\/p>\n<p>Es gibt Wahrheit und L\u00fcge, und es ist n\u00f6tig, so wie wir das in D\u00e4nemark im Gottesdienst noch immer tun, dem B\u00f6sen zu entsagen, nein sagen zum Teufel und Gott danken.<\/p>\n<p>Es ist aber zugleich wichtig zu wissen, dass die Verk\u00fcndigung Jesu nicht dualistisch und lebensfeindlich ist.<\/p>\n<p>Der Kern der Verk\u00fcndigung Jesu sind die Verbindung, der Zusammenhang, die Verbundenheit zwischen Gott und Mensch, Himmel und Erde.<\/p>\n<p>Das wird schon im Johannesevangelium am Anfang formuliert mit den Worten: <em>Gott lie\u00df sein Wort Fleisch und Blut werden<\/em>.<\/p>\n<p>Gott hat damit die Welt nicht ihrer eigenen Finsternis \u00fcberlassen. Jesus ist die Leiter zwischen Himmel und Erde. Er ist die Br\u00fccke \u00fcber dem Abgrund. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.<\/p>\n<p>Wir Menschen k\u00f6nnen nun wirklich darauf vertrauen, wieder mit den Worten des Johannes, dass die Finsternis das Licht nicht verdr\u00e4ngen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Die Gegens\u00e4tze zwischen Leben und Tod, Gott und dem Teufel, Wahrheit und L\u00fcge, Licht und Finsternis sind wirklich wahr, aber das Evangelium bedeutet, dass Gott uns auch dort begegnet, wo die Finsternis und der Teufel zu herrschen scheinen.<\/p>\n<p>Die Finsternis kann deshalb das Licht nicht f\u00fcr immer verdr\u00e4ngen, die L\u00fcge kann die Wahrheit nicht verdecken, und der Tod kann das Leben nicht besiegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Wenn es wichtig ist, nicht in dem Kontrast zu verharren, so deshalb, weil es eine st\u00e4ndige menschliche Versuchung ist, sich ein Weltbild zu verschaffen, wo wir andere in die Finsternis verweisen und Feindbilder aufbauen.<\/p>\n<p>Das B\u00f6se muss bek\u00e4mpft werden, und man muss alles ablehnen, was das Leben zerst\u00f6rt, aber ehe wir andere verurteilen, sollen wir immer an die Schatten denken, die wir selbst hinterlassen, und auf die, die wir verurteilen, mit dem Blick sehen, mit dem Gott auf uns blickt.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen die Liebe nicht vergessen, den Blick der Gnade und den Willen zur Vers\u00f6hnung, den Gott gezeigt hat, indem er Fleisch und Blut wurde und seinen Sohn in die Welt sandte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>In diesen Tagen und Wochen, wo die russische Invasion der Ukraine und der Krieg, der nun stattfindet, unsere Herzen und Gedanken erf\u00fcllen \u2013 auch wenn wir weit weg von der Ukraine leben \u2013 besteht aller Grund, an dem Trost Gottes festzuhalten, dass die Finsternis nicht siegen wird.<\/p>\n<p>Ohnm\u00e4chtig m\u00fcssen wir zusehen, dass der Krieg w\u00fctet und St\u00e4dte und Menschen zerst\u00f6rt, Millionen in die Flucht treibt. Und zugleicht l\u00e4sst uns der Krieg um die Zukunft Europas bangen, ja nun zeichnet sich ein Bild von Jahrzehnten mit einem neuen kalten Krieg, der die Zeit unserer Kinder und Enkelkinder pr\u00e4gen wird.<\/p>\n<p>Die Bilder des Krieges und einer finsteren Zukunft sind f\u00fcr uns zuweilen unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Kritik ist n\u00f6tig an dem, der nur in der Welt der Kontraste lebt, wie z.B. der russische Patriarch, der von der Notwendigkeit des Krieges gesprochen hat und in ihm einen Dienst an seiner h\u00f6heren Sache sieht, und wenn Putin alle Gegner als Faschisten bezeichnet. Hier ist Kritik wirklich angebracht, so wie auch aller Grund besteht, die fehlende Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung in Russland und in anderen Diktaturen zu kritisieren.<\/p>\n<p>Zugleich sollten wir immer offen sein f\u00fcr Selbstkritik, wenn wir uns ein zu stereotypes und vereinfachtes Bild von anderen in diesem Konflikt machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Vor allem sollen wir einander helfen, an der Hoffnung des Evangeliums festzuhalten, das Wort Gottes an uns h\u00f6ren zum Trost und zur Hoffnung.<\/p>\n<p>Was vor zweitausend Jahren geschah, als Gott sein Wort Fleisch und Blut werden lie\u00df und seinen Geist aussandte, geschieht noch immer.<\/p>\n<p>Das Johannesevangelium schlie\u00dft mit den Worten:<\/p>\n<p>\u201eEs sind noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat. Wenn aber eins nach dem anderen aufgeschrieben werden sollte, so w\u00fcrde, meine ich, die Welt der B\u00fccher nicht fassen, die zu schreiben w\u00e4ren\u201c.<\/p>\n<p>Der Bericht der Evangelien hat nat\u00fcrlich nicht das ganze Leben Jesu erfassen k\u00f6nnen, aber ich h\u00f6re in diesen Worten, dass das Leben Jesu nicht zu Ende gebracht ist. Die Br\u00fccke \u00fcber dem Abgrund und die Verbindung zum Himmel sind uns noch immer gegeben, das letzte Wort in der Geschichte Gottes mit uns ist noch nicht gesprochen. Der Geist der Liebe, der Wahrheit und des Friedens weht noch immer. Das Leben kann dank der Gnade Gottes nicht zerst\u00f6rt werden. Im Namen Jesu &#8211; Amen.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Bischof Elof Westergaard<\/p>\n<p>Korsbr\u00f8dregade 7<\/p>\n<p>DK 6760 Ribe<\/p>\n<p>eve(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okuli | Joh 8,42-51 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | 20.03.22 | Elof Westergaard | Der Evangelist Johannes liebt Kontraste. 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