{"id":7492,"date":"2022-03-23T13:33:25","date_gmt":"2022-03-23T12:33:25","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7492"},"modified":"2022-03-23T13:33:25","modified_gmt":"2022-03-23T12:33:25","slug":"predigt-zu-2-korinther-13-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/predigt-zu-2-korinther-13-7\/","title":{"rendered":"Predigt zu 2. Korinther 1,3-7"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Geteiltes Leid ist halbes Leid \u2013 geteilter Trost ist doppelter Trost | 4. Sonntag der Passionszeit | Laetare | 27.03.2022 | Predigt zu 2. Korinther 1,3-7 | verfasst von Barbara Pfister |<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4 Er tr\u00f6stet uns in all unserer Bedr\u00e4ngnis, so dass auch wir andere in all ihrer Bedr\u00e4ngnis zu tr\u00f6sten verm\u00f6gen mit dem Trost, mit dem wir selbst von Gott getr\u00f6stet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5 Denn wie wir \u00fcbersch\u00fcttet werden mit dem Leiden Christi, so werden wir durch Christus auch \u00fcbersch\u00fcttet mit Trost.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6 Werden wir aber bedr\u00e4ngt, so geschieht es zu eurem Trost und eurer Rettung; werden wir getr\u00f6stet, so geschieht auch das zu eurem Trost, der wirksam wird, wenn ihr geduldig dieselben Leiden ertragt, die auch wir ertragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7 Und unsere Hoffnung f\u00fcr euch ist unersch\u00fctterlich, weil wir wissen, dass ihr in gleicher Weise wie an den Leiden so auch am Trost teilhabt. (2. Korinther 1,3-7; ZB)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Verzweifeln<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abEine Weltlage zum Verzweifeln\u00bb, so betitelte der Deutschlandfunk letzte Woche einen Beitrag zur Krisenberichtserstattung. Nicht erst nachdem die Corona-Verzweiflung durch die verzweifelte Lage der Ukraine abgel\u00f6st wurde, nimmt die Angst zu. Bereits dem Apostel Paulus erging es so, als er zusammen mit seinem Mitarbeiter Timotheus in der Provinz Asia unter Druck kam:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWir wollen euch n\u00e4mlich, liebe Br\u00fcder und Schwestern, nicht in Unkenntnis lassen \u00fcber die Bedr\u00e4ngnis, die in der Asia \u00fcber uns gekommen ist: So schwer und unsere Kr\u00e4fte weit \u00fcbersteigend ist die Last, die uns auferlegt wurde, dass wir sogar am Leben verzweifelten.\u00bb (2Kor 1,8)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Druck, der \u00fcber die Kr\u00e4fte hinausgeht und selbst den grossen Apostel Paulus am Leben verzweifeln l\u00e4sst. Am Ende des 2. Korintherbriefes (11,23-33) listet Paulus einige seiner Bedr\u00e4ngnisse auf: Gef\u00e4ngnis, Schl\u00e4ge, \u00fcberlebte Steinigung, Schiffbruch, Todesangst, \u00dcberschwemmungen, ausgeraubt werden, Verfolgung, Verleumdung, Verrat, Schlaflosigkeit, Hunger, Durst, K\u00e4lte, Erwartungen von andern und Sorgen f\u00fcr andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vieles davon ist uns v\u00f6llig unbekannt. Doch einige dieser Bedr\u00e4ngnisse kennen wir sehr wohl auch aus unserem Leben. Einige kennen die Zusage von Jesus: \u00abIn der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt \u00fcberwunden.\u00bb (Joh 16,33b LUT). Hier wird genau dasselbe Wort verwendet, das uns im Korintherbrief so geh\u00e4uft begegnet: \u00abIn der Welt habt ihr Bedr\u00e4ngnis\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Niederdr\u00fcckende, dem wir tagt\u00e4glich ausgeliefert sind, hat eine \u00e4usserliche wie eine innerliche Seite. Denken wir nur an den Begriff Depression, der beschreibt, dass das niedergedr\u00fcckt werden nun seinen Tiefpunkt erreicht hat. Wir sprechen von Wirtschaftsdepression als Gegenst\u00fcck zur Hochkonjunktur und von Depression als Leere, Freudlosigkeit und Dunkelheit in unserem Innern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verst\u00e4ndlicherweise h\u00e4ngen \u00e4ussere und innere Bedr\u00e4ngnis oft zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat mir vor wenigen Tagen bei einem Geburtstagsbesuch einer 95 j\u00e4hrige Frau erz\u00e4hlt, wie der Krieg in der Ukraine sie belastet. Dieser Konflikt, der sich mehr als 1000km \u00f6stliche von uns entfernt ereignet, bedr\u00e4ngt ihr Inneres, weil er ganz viele Bilder und Gef\u00fchle wachruft, welche diese Frau an ihr eigenes Erleben im 2. Weltkrieg erinnert. Das auseinandergerissen werden von Familien: der eine an die Front, die andern fl\u00fcchten ins Ausland, weckt Erinnerungen an den Trennungsschmerz durch Entzweiung und Tod innerhalb der eigenen Familie. Da wird die \u00e4ussere Bedr\u00e4ngnis zur Inneren Angst und das Leid der Fremden l\u00e4sst einem selbst verzweifeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 95 j\u00e4hrige Frau verabschiedet mich mit den Worten: \u00abDanke, dass sie zugeh\u00f6rt haben und ich das teilen durfte. Das tat gut.\u00bb &#8211; Geteiltes Leid ist halbes Leid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedr\u00e4ngnis und Leiden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich lese zur Zeit ein Buch \u00fcber das Leiden: \u00abSterne leuchten nachts\u00bb &#8211; Gott im Leiden lieben lernen.1 Bereits auf den ersten Seiten zerst\u00f6rt der Autor mein Drang, solche oben genannten Bedr\u00e4ngnisse verstehen und einordnen zu wollen. Er gibt den Tipp, Gott nicht immer verstehen zu wollen, sondern<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">lernen ihn in solchem Leid zu erkennen.2 Gott verstehen, ihn durchschauen und Gott erkennen ist nicht dasselbe \u2013 jedenfalls nicht im Sprachgebrauch der Bibel. Gott erkennen heisst, ihm nahekommen, uns ihm hingeben und uns ihm anvertrauen3 \u2013 mitten im Leid, da wo wir ihn nicht verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu einem \u00e4hnlichen Schluss kommt auch der Apostel Paulus. F\u00fcr ihn gibt es zwar einen gewissen Vorteil, weil er mindestens zum Teil seine Bedr\u00e4ngnis nachvollziehbar erkl\u00e4ren kann. Handelt es sich doch gr\u00f6sstenteils um \u00abLeiden um Christi willen\u00bb, wie es uns Vers 5a sagt: \u00abWir werden \u00fcbersch\u00fcttet mit dem Leiden Christi\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nirgends hat Jesus Christus denen, die ihm nachfolgen versprochen, dass er Leid von ihnen fernhalten wird. Viel mehr fordert er seine J\u00fcnger und J\u00fcngerinnen auf, ebenfalls \u00abdas Kreuz auf sich zu nehmen\u00bb (Vgl. Mt 16,24ff). Paulus erlebt t\u00e4glich, dass Jesus nachfolgen heisst, auch seinen Leidensweg mitzugehen. Somit passen seine Worte aus dem 4. Kapitel des 2. Korintherbriefes ausgezeichnet in die Passionszeit, in der wir stehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abVon allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein. [\u2026] Oft wissen wir nicht mehr weiter. [\u2026] Auf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es heisst, am Sterben Jesu teilzuhaben. \u2026 Mitten im Leben sind wir um Jesu willen st\u00e4ndig dem Tod ausgeliefert. [\u2026] Doch wir vertrauen auf Gott, und deshalb lassen wir uns nicht davon abhalten, zu reden und das Evangelium zu verk\u00fcnden.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(4,8-13 NG\u00dc \u2013 gek\u00fcrzt)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geteiltes Leid ist halbes Leid! Doch Paulus teilt mit der Gemeinde in Korinth nicht nur seine Bedr\u00e4ngnis und sein Leiden um Christi willen, sondern auch sein Trost, inmitten des Leidens. Paulus will sich nicht selbst aus der Bedr\u00e4ngnis retten, sondern in seiner Verzweiflung von Gott getr\u00f6stet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott des Trostes<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abGepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes\u00bb. (2Kor 1,3)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Erbarmen und Trost geht es nicht nur um eine lindernde Wirkung auf unser Gem\u00fct. Die beiden Eigenschaften Gottes sind in der Bibel immer tatkr\u00e4ftig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Barmherzigkeit l\u00e4sst den Vater im Gleichnis vom \u00abverlorenen Sohn\u00bb seinem Sohn entgegeneilen, ihn in die Arme schliessen und ihm eine neue Lebensweise er\u00f6ffnen. (Vgl. Lk 15,20ff) Sein erbarmungsvolles Mitleid gegen\u00fcber den Menschen, die wie Schafe ohne Hirten umherirren, bewirkt, dass es Jesus die Eingeweide umdreht. (Vgl. Mt 9,36) So sehr ber\u00fchrt ihn die Not seiner geliebten Menschen, dass er bereit ist alles einzusetzen f\u00fcr ihre Rettung, selbst sein Leben. (Vgl. Joh 10,11)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Gott, der sein Volk wie eine Mutter tr\u00f6stet, wie wir es in der Lesung geh\u00f6rt haben (Vgl. Verse aus dem Trostbuch des Jesaja Kp. 40-66), hat dessen Geschick gewendet, es aus der Gefangenschaft befreit und aus dem Elend in eine neue Freiheit und ein neues Leben gef\u00fchrt. Erbarmen und Trost sind also weit mehr als Worte. Gott als Vater des Erbarmens k\u00fcmmert sich inmitten des Leides tatkr\u00e4ftig um seine Kinder. Und Gott, der wie eine Mutter tr\u00f6stet, wischt die Tr\u00e4nen des leidenden Kindes ab (Vgl. Offb 21,4), hebt es auf ihren Schoss und tr\u00e4gt es (Vgl. Jes 66,12+13).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat es Paulus erlebt: Gott neigt sich mir zu, greift rettend ein und hilft. Ich leide nicht nur mit Christus, sondern er ist mitten in meiner Bedr\u00e4ngnis mein Retter, Helfer und Erl\u00f6ser. Und wie erleben wir diesen Trost konkret? So, dass geteilter Trost, doppelter Trost wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">mitleiden, mitgetr\u00f6stet werden, mitauferstehen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDenn wie wir \u00fcbersch\u00fcttet werden mit dem Leiden Christi, so werden wir durch Christus auch \u00fcbersch\u00fcttet mit Trost.\u00bb (2Kor 1,5)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geteiltes Leid mit Christus ist halbes Leid. Inmitten von Bedr\u00e4ngnis, Not, Leid und Verzweiflung erkennen wir, dass wir mit Christus verbunden sind. Dass wir somit nie allein rufen m\u00fcssen: \u00abMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.\u00bb (Ps 22,2; Mt 27,46)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Schrei ist immer nur ein Echo von dem, der dies bereits vor uns geschrien und durchlitten hat, als er verachtet, blutig geschlagen und durchbohrt wurde; als er unsere Krankheit und unsere Schmerzen ertrug, sich bestrafen liess, um zu erwirken, dass wir Frieden mit Gott haben und durch seine Wunden geheilt werden k\u00f6nnen. (Vgl. Jes 53,3-5)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Passionszeit h\u00f6rt nicht mit Karfreitag auf, sondern mit Ostern. Und der heutige Sonntag, Laetare \u2013 \u00abFreut euch\u00bb &#8211; steht f\u00fcr diese Osterhoffnung, mitten in der Leidenszeit. Darum sagt Paulus nicht nur:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDenn wie wir \u00fcbersch\u00fcttet werden mit dem Leiden Christi\u00bb, sondern auch: \u00abso werden wir durch Christus auch \u00fcbersch\u00fcttet mit Trost.\u00bb (2Kor 1,5) Und dies doppeln auch die Verse aus dem 4. Kapitel nach, deren zweite H\u00e4lfte ich euch vorher unterschlagen habe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abAuf Schritt und Tritt erfahren wir am eigenen Leib, was es hei\u00dft, am Sterben Jesu teilzuhaben. Aber gerade auf diese Weise soll auch sichtbar werden, dass wir schon jetzt, in unserem irdischen Dasein, am Leben des auferstandenen Jesus teilhaben. [\u2026] Denn wir wissen: Der, der Jesus, den Herrn, von den Toten auferweckt hat, wird auch uns zusammen mit Jesus auferwecken.\u00bb (2Kor 4,10+14)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gottes Trost bewirkt in uns Hoffnung \u2013 auf Auferweckung zu einem neuen Leben. Dieses neue Leben hat f\u00fcr Christen bereits begonnen. Ist doch unsere Taufe ebenfalls ein Bild f\u00fcr unser Sterben mit Christus. Am Anfang unseres Glaubensweges sind wir bereits zum ersten Mal mit Jesus auferweckt worden und nun gilt: \u00abNicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Und solange ich noch dieses irdische Leben habe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sich selbst f\u00fcr mich hingegeben hat.\u00bb (Gal 2,20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christus lebt in mir durch den heiligen Geist. Wisst ihr, wie Jesus den Heiligen Geist genannt hat? Tr\u00f6ster, Beistand, Ermutiger und Ermahner \u2013 einer der gerufen wir um einem andern helfend zur Seite zu stehen (Vgl. Joh 14,26). Es ist genau dasselbe Wort, das im Korintherbrief den Gott des Trostes beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWir werden durch Christus auch \u00fcbersch\u00fcttet mit Trost.\u00bb (2Kor 1,5b) Wir leben \u2013 mitten in Bedr\u00e4ngnis \u2013 und in uns lebt der Tr\u00f6ster und Beistand. Wir haben den Gott des Trostes immer mit dabei, ganz nah, untrennbar mit uns verbunden. Darum ist von Gott erfahrener Trost, doppelter Trost.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Getr\u00f6stet um zu tr\u00f6sten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch mehr:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abEr tr\u00f6stet uns in all unserer Bedr\u00e4ngnis, so dass auch wir andere in all ihrer Bedr\u00e4ngnis zu tr\u00f6sten verm\u00f6gen mit dem Trost, mit dem wir selbst von Gott getr\u00f6stet werden. [\u2026] Werden wir aber bedr\u00e4ngt, so geschieht es zu eurem Trost und eurer Rettung; werden wir getr\u00f6stet, so geschieht auch das zu eurem Trost, der wirksam wird, wenn ihr geduldig dieselben Leiden ertragt, die auch wir ertragen. Und unsere Hoffnung f\u00fcr euch ist unersch\u00fctterlich, weil wir wissen, dass ihr in gleicher Weise wie an den Leiden so auch am Trost teilhabt.\u00bb (2Kor 1,4+6-7)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Trost, den Paulus erlebt hat, kann er nun den Korinthern weitergeben. Geteilter Trost ist doppelter Trost. Denn glaubhaft und hilfreich andere tr\u00f6sten kann nur, wer selbst in durchlebter und durchlittener Bedr\u00e4ngnis Gott als Trost erfahren hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andere tr\u00f6sten heisst nicht, ihnen eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ihr Leid geben oder billigen Trost zusprechen mit gut gemeinten Worten, die aber nichts helfen wie z.B. \u00abKopf hoch, das wird schon wieder.\u00bb Auch m\u00fcssen wir nicht unbedingt unsere eigene Leid- und Trosterfahrung dem andern erz\u00e4hlen und seine Situation mit unserer vergleichen. Jemandem beistehen und ihn tr\u00f6sten kann auch heissen aushalten, einfach da sein, gemeinsam schweigen, praktisch helfen oder dem Gegen\u00fcber anbieten an seiner Stelle zu glauben, zu hoffen und sich an den Verheissungsworten der Bibel festzuhalten, wenn er oder sie es selbst nicht mehr kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht passiert es dann ganz unerwartet, dass wir miterleben, wie andere an unserem Trost teilhaben, indem Bedr\u00e4ngte auf einmal erkennen: Gott ist selbst jetzt in mir am Werk. Er bewirkt etwas. Nicht dank dem Leid, das ich erfahre, sondern trotz dem Leid.4 Mitten im Schweren kann Dankbarkeit wachsen. Inmitten von Kampf und Verzweiflung sehe ich Hinweise darauf, wie Gott die<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dinge voraussehend lenkt. 5 Auf einmal werden andere Ziele wichtig, als diejenigen f\u00fcr die es sich bis anhing zu Leben lohnte.6 Was mich zerst\u00f6ren wollte hat mich veredelt und aus Mist ist D\u00fcnger geworden, der meinen Charakter wachsen l\u00e4sst, so, dass aus Fluch Segen wird.7<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sch\u00f6n, wenn Gott uns als Getr\u00f6stete brauchen kann, um andere zu tr\u00f6sten. Ich m\u00f6chte schliessen mit der Kurzgeschichte einer Frau, die das erlebt hat:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Strauss aus Leid und Trost Erfahrungen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIn einem Dorf wohnte ein grosses Gl\u00fcck. Ein Mann und eine Frau bekamen ein M\u00e4dchen, das der Sonnenschein aller wurde. Eines Tages wurde das Kind vor den Augen der Eltern auf der Strasse \u00fcberfahren. Das ganze Dorf nahm Anteil an der Trauer der Eltern. Auch nach \u00fcber einem Jahr war die Mutter \u00fcber den Verlust ihres Kindes untr\u00f6stlich. Sie konnte keine Kinder mehr spielen sehen ohne bitteren Gedanken. Langsam wuchs in ihr Hass und Zorn, Neid und Eifersucht auf alles Lebendige und Gesunde. In ihren Gedanken lebten alle Menschen gl\u00fccklich und zufrieden. Nur sie war geschlagen und voller Leid. In ihrer Not ging sie zum Pfarrer. Der bat sie, durch das Dorf zu gehen und sich aus jedem Haus, in dem kein Leid wohnt, eine Blume zu erbitten. Mit dem Strauss sollte sie dann nach einer Woche wieder kommen. Die Frau ging durch ihr Dorf von einem Haus zum andern. Als sie nach einer Woche zum Pfarrer kommt, hat sie nicht eine einzige Blume, aber einen Strauss von Erfahrungen. Sie musste erleben, dass in jedem der H\u00e4user ein Leid wohnt, eine Not ist und Trost n\u00f6tig war. So konnte sie manchen Leuten aus ihrer eigenen Schmerzerfahrung beistehen. Das war der Anfang einer inneren Heilung.\u00bb8<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abGepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tr\u00f6stet uns in all unserer Bedr\u00e4ngnis, so dass auch wir andere in all ihrer Bedr\u00e4ngnis zu tr\u00f6sten verm\u00f6gen mit dem Trost, mit dem wir selbst von Gott getr\u00f6stet werden.\u00bb (2Kor 1,3+4)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">VDM Barbara Pfister Bubikon E-Mail: barbara_pfister@gmx.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Barbara Pfister, geb. 1977, Pfarrerin Stellvertreterin in der ev. ref. Kirche Wetzikon (Z\u00fcrich) seit September 2020. Diese Predigt wurde im Wochengottesdienst im Altersheim Wildbach gehalten am 25. M\u00e4rz 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liedvorschl\u00e4ge zum Thema Trost\/Tr\u00f6ster\/getr\u00f6stet werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 239) In dir ist Freude (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 652) Jesus meine Freude (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 659) Von Gott will ich nicht lassen (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 671) Ach bleib mit deiner Gnade (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 342) O Heiliger Geist, o Heiliger Gott (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 506) Komm, o Tr\u00f6ster, Heiliger Geist (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 515)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schriftlesung: Trostverse aus Jesaja 40-66 z.B. Jesaja 54,7-10 oder Jesaja 66,10-14<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geteiltes Leid ist halbes Leid \u2013 geteilter Trost ist doppelter Trost | 4. 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