{"id":7542,"date":"2022-04-05T09:00:00","date_gmt":"2022-04-05T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7542"},"modified":"2022-04-08T14:53:36","modified_gmt":"2022-04-08T12:53:36","slug":"johannes-171-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-171-8\/","title":{"rendered":"Johannes 17,1-8"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Entsch\u00e4mung | Palmarum&nbsp;|&nbsp;10.04.2022&nbsp;| Joh 17,1-8 | Udo Schmitt&nbsp;|<\/p>\n\n\n\n<p>(1. Der Einzug &#8211; Anfang vom Ende)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie soll ich dich empfangen?\u201c \u2013 haben wir gerade gesungen. \u201eNanu\u201c, werden einige gesagt haben, \u201eein Adventslied, passt das denn?\u201c Ja das passt. Denn an den \u201eEinzug in Jerusalem\u201c erinnern wir gleich zweimal im Kirchenjahr: Einmal zu Beginn der Adventszeit &#8211; und einmal zu Beginn der Karwoche am Sonntag Palmarum, also heute. Zugegeben &#8211; der Kontrast k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer kaum sein: Im Advent sind wir fr\u00f6hlich gestimmt, z\u00fcnden Kerzen an, freuen uns auf das Weihnachtsfest und die Geburt des Christkinds. Das Hosianna am 1. Advent klingt schmetternd, siegesgewiss und triumphal: \u201eHosianna, Davids Sohn, sieh dein K\u00f6nig kommt zu dir\u201c. Am Palmsonntag ist alles sehr viel ged\u00e4mpfter und verhaltener. Das Wetter ist zwar besser als im Dezember, aber die Aussicht auf den Karfreitag tr\u00fcbt die Stimmung, bald schon werden Kerzen gel\u00f6scht werden, ein Leben wird ausgel\u00f6scht. Und die heute noch \u201eHosianna\u201c rufen, werden morgen schon vor Pilatus schreien: \u201eKreuzige ihn, kreuzige ihn!\u201c \u2013 Tod statt Geburt, Verzweiflung statt Vorfreude, Advent ist die Ankunft, Palmarum ist der Anfang &#8211; vom Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>(2. Ein \u00fcberraschender Einblick)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Palmsonntag &#8211; Was f\u00fcr ein widerspr\u00fcchlicher und kontrastreicher Tag! Und der Predigttext, der f\u00fcr den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist, mildert die Spannung nicht, im Gegenteil. Das Johannesevangelium, mit seiner geheimnisvollen, abgehobenen Sprache, gew\u00e4hrt uns vielmehr einen \u00fcberraschenden Einblick in die innere&nbsp;Beziehung zwischen Vater und Sohn, zwischen Gott und Christus. Hier blicken wir quasi dem Gottessohn \u00fcber die Schulter und h\u00f6ren h\u00f6chst Vertrauliches, n\u00e4mlich ein Gebet \u2013 Worte, die anscheinend nicht f\u00fcr unsere Ohren gedacht sind. Wie in einem Film oder beim Lesen eines fremden Tagebuches l\u00e4sst uns der Evangelist Johannes in das Herz des Gottessohnes schauen und seine innersten Gedanken h\u00f6ren. Doch h\u00f6rt es selbst:&nbsp;&#8211; Text &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>(3. Drau\u00dfen: Die Schreier und Tr\u00e4umer)<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein seltsamer Text \u2013 was f\u00fcr ein seltsamer Kontrast, ich sagte es schon. Er passt zu diesem Tag, der so voll von Widerspruch &#8211; reich ist an Ungereimtem. Jesus zieht in Jerusalem ein, die Massen sind begeistert, haben geh\u00f6rt von dem, der Wunder vollbringen kann, der Kranke heilen und Tote zum Leben erwecken kann. \u201eHosianna!\u201c, rufen sie: \u201eHilf uns doch!\u201c, sie schreien und tr\u00e4umen zugleich, tr\u00e4umen in ihren k\u00fchnsten Tr\u00e4umen von Errettung und Erl\u00f6sung, endlich: Ewiges Leben! Endzeit! Ein Ende der elenden Not! Endlich: Da kommt er auf einem Esel eingeritten in die aufgeheizte heilige Stadt &#8211; \u201eHeil! Heil dir Davidssohn! Heil dem neuen K\u00f6nig! Dem der da kommt, im Namen des Herrn!\u201c Jetzt ist er drin. Jetzt! Jetzt liegt es in seiner Hand! Die Macht ist zum Greifen nahe, ein Wink von ihm gen\u00fcgt. Jetzt laufen sie ihm nach, hecheln hinterher, h\u00e4ngen an seinen Lippen, noch ein Schritt, wenn er jetzt ans Mikrofon tritt und hineinschreit: \u201eWollt ihr den totalen Sieg, wollt&nbsp;&nbsp;ihr ihn totaler und radikaler als ihr ihn euch \u00fcberhaupt vorstellen k\u00f6nnt?\u201c, sie alle w\u00fcrden \u201eHeil\u201c schreien. Jetzt ist der Augenblick h\u00f6chster Anspannung und Erregung, ein Wort von ihm, ein Wort nur, und die Massen brechen los wie ein Sturm, fegen endlich die r\u00f6mischen Legion\u00e4re, die verhassten Besatzer aus dem Land und es beginnt das Reich Gottes unter dem neuen F\u00fchrer, dem Messias. \u201eFriedef\u00fcrst komm, gr\u00fcnde nun dein ewig Reich! Hosianna!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(4. Drinnen: Die Stille im Auge des Sturms)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Wort nur von ihm. Ein Wort nur. Doch Jesus sagt es nicht. Welch ein Kontrast: Um ihn herum das Schreien der Masse und er der eine schweigt. Diese Stille. Im Auge eines Sturmes ist es ruhig, sagt man, still, ja fast friedlich. Jesus hat ihnen nichts zu sagen. \u2013 Was jetzt noch zu sagen ist, das sagt er dem Vater. In der Stille. Und wir d\u00fcrfen Anteil daran nehmen, d\u00fcrfen dank Johannes durchs Schl\u00fcsselloch gucken, M\u00e4uschen spielen, ganz leise jetzt: Blenden wir einmal den L\u00e4rm um ihn herum aus, vergessen den Jubel und Trubel, das Gejohle der Massen, das Geschrei in den engen Gassen, und konzentrieren wir uns ganz auf ihn, den Einen und h\u00f6ren, was er sagt. Und siehe da auch er sagt: \u201eJa\u201c. \u2013 \u201eJa, jetzt.\u201c \u2013 \u201eJetzt ist es so weit, Vater.\u201c \u2013 \u201eVater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue. Und nun, Vater, verherrliche du mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(4. Das Ziel: Die Verherrlichung)<\/p>\n\n\n\n<p>Verherrlichung. \u2013 Johannes liebt diese erhabenen W\u00f6rter, die uns f\u00fcr unseren Alltagsgebrauch viel zu hochtrabend erscheinen, die aber eben diesen unverwechselbaren, feierlichen Klang haben. Johannes eben. \u201eIch habe dich verherrlicht, Vater\u201c. Jesus gibt einen Bericht, sagt: Chef, Auftrag erledigt. Er sagt: Meine Leute wissen nun wer du bist &#8211; wie du bist &#8211; was du willst. N\u00e4mlich dass du der Vater, der liebende Vater, bist. Kein grausamer Tyrann. Und du forderst nicht Rache noch Strafe, sondern willst Liebe, willst, dass auch wir uns lieben. Ich habe meinen Leuten gezeigt wie du bist. Bei mir konnten sie es lernen. Von mir konnten sie es h\u00f6ren. An mir konnten sie es sehen, dass du der einzig wahre Gott bist. Und dass du in Wahrheit Liebe bist &#8211; ganz und zuinnerst und zutiefst Liebe. Nun zeige der Welt, was diese Liebe ist. Zeige sie an mir: Nun verherrliche auch mich, den Sohn.&nbsp;Gib mir die Kraft den Weg zu gehen, der vor mir liegt, den Weg zu meiner Erh\u00f6hung und Verherrlichung als Herrscher, den Weg zu meiner Erh\u00f6hung und Verherrlichung am Kreuz.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Johannes, muss man wissen, ist das Kreuz ein Sieg und keine Niederlage, es ist die Erh\u00f6hung des Sohnes, seine Inthronisation und Kr\u00f6nung vor aller Welt und zugleich seine R\u00fcckkehr zum Vater. Im Kreuz ber\u00fchren sich Himmel und Erde. Oder wie Johannes sagen w\u00fcrde es ist Verherrlichung und Vollendung.<\/p>\n\n\n\n<p>(4. Am Ende: Der stille Sieg)<\/p>\n\n\n\n<p>Palmsonntag: Im Auge des Sturms, inmitten von Schreiern und Tr\u00e4umern, hat Jesus das Ziel seines Weges vor Augen, seine letzte Woche hat begonnen. Am Anfang seines Weges, so berichten es Lukas und Matth\u00e4us, versuchte ihn der Teufel in der W\u00fcste, bot ihm die Herrschaft an \u00fcber alle Reiche, versprach Reichtum und Ruhm. Er widerstand der Versuchung. Am Ende des Weges dr\u00e4ngen sich die Massen um ihn, schreien, betteln ihn an, er m\u00f6ge doch ihr F\u00fchrer sein, ein Verf\u00fchrer. \u2013 \u201eDie Welt\u201c, sagte mein Opa immer: \u201edie Welt, sie will betrogen sein\u201c. Jesus widersteht der Versuchung. Sein Sieg wird gr\u00f6\u00dfer sein &#8211; totaler und radikaler sein &#8211; als sie es sich je vorstellen k\u00f6nnten. Er wird die R\u00f6mer nicht besiegen, nein. Er wird keine Armeen brauchen, nein. Sein Sieg wird noch viel gr\u00f6\u00dfer sein \u2013 er wird den letzten und grausamsten aller Herrscher \u00fcberwinden\u2026 &#8211; den Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so gehen wir hinein in die Karwoche. In eine stille Zeit \u2013 auch wenn alles drum herum schreit. Eine Zeit der Besinnung auf das, was war und kommen wird. Eine Besinnung auf den, der war, der ist und der kommen wird. Und das w\u00fcnsche ich ihnen, dass sie auch einen Moment der Ruhe finden in dieser Woche, bei allem Trubel und allem, was noch zu bedenken und vorzubereiten ist, eine Minute des Innehaltens, Nachdenkens und des Friedens.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Liedvorschl\u00e4ge\u00a0<\/strong>(au\u00dfer den \u00fcblichen Passions- und Tagesliedern):<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie soll ich dich empfangen (EG 11)<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tochter Zion (EG 13)<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Komm in unsre stolze Welt (EG 428)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Da ber\u00fchren sich Himmel und Erde (HuE 2)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Udo Schmitt, geb. 1968, Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, von 2005-2017 am Niederrhein, seit 2017 im Bergischen Land.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Dorfstr. 19 \u2013 42489 W\u00fclfrath (D\u00fcssel)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>udo.schmitt@ekir.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entsch\u00e4mung | Palmarum&nbsp;|&nbsp;10.04.2022&nbsp;| Joh 17,1-8 | Udo Schmitt&nbsp;| (1. 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