{"id":7574,"date":"2022-04-04T13:14:00","date_gmt":"2022-04-04T11:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7574"},"modified":"2022-04-08T08:34:30","modified_gmt":"2022-04-08T06:34:30","slug":"matthaeus-211-9-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-211-9-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 21,1-9"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Palmarum | Mt 21,1-9 | 10.04.2022 | Leise Christensen |<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man eine Zeitung aufschl\u00e4gt in diesen Tagen, ist sie voll von Berichten \u00fcber den Krieg in der Ukraine, davor waren es die Probleme im Kongo, der V\u00f6lkermord in Ruanda vor 25 Jahren, die K\u00e4mpfe in Syrien, Afghanistan. Es nimmt kein Ende mit dem Grauen, das zuf\u00e4llige Menschen trifft \u2013 in vielen L\u00e4ndern, in diesen Tagen in der Ukraine.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heute feiern wir Palmarum \u2013 den Beginn der stillen Woche, wie man die ersten Tage in der Osterwoche nennt. Die stillen Tage. Die Tage, wo Zeit ist zum Nachdenken. Zu Beginn der stillen Tage kommt Jesus&nbsp;&nbsp;reitet auf einem Esel in Jerusalem, dem langsamen, starken und unersch\u00fctterlichen Esel, der immer die Ankunft des K\u00f6nigs im antiken Orient signalisiert hat. Sanftm\u00fctig kam er, wie geschrieben steht. In den stillen Tagen sollen wir dar\u00fcber nachdenken, was das bedeutet.&nbsp;&nbsp;Es ist ein gro\u00dfer Unterschied, ob man donnernd mit Tod und Zerst\u00f6rung in der modernen Kriegsmaschinerie kommt oder ganz langsam und sanftm\u00fctig mit der Kraft eines Esels. So wie Jesus. Es gibt viele Arten und Weisen, wie man Macht n der Gesellschaft gewinnt, damals wie heute, um nun die beiden Extreme zu nennen. Durch Machtanwendung und Bomben und \u2013 ja wirklich \u2013 durch Sanftmut. Viele hatten gehofft, dass Jesus mit seinen besonderen Gaben, die Wasser in Wein verwandeln und tausende Menschen mit f\u00fcnf Broten und zwei Fischen s\u00e4ttigen konnten und dann auch alle Krankheiten und N\u00f6te heilen konnten, dass er mit all diesen Gaben die verhasste r\u00f6mische Besatzungsmacht beseitigen w\u00fcrde und den Menschen in Jerusalem ordentliche Verh\u00e4ltnisse sichern w\u00fcrde und \u00fcberhaupt ein K\u00f6nig sein w\u00fcrde, den man ernst nimmt. Man hatte vielleicht gehofft, dass er mit etwas mehr Kraft als einem Esel kommen w\u00fcrde, vielleicht mit einigen Raketen in der Satteltasche oder jedenfalls mit gro\u00dfer g\u00f6ttlicher Kraft und St\u00e4rke und etwas weniger Sanftmut. Ja, man hatte gehofft, dass er nun als K\u00f6nig auf einem Esel kommen w\u00fcrde und dass er die Probleme l\u00f6sen w\u00fcrde. Dass er sich der Sache des Volkes annehmen und die Machtverh\u00e4ltnisse kl\u00e4ren w\u00fcrde. So wie man heute seine Sache mit Gewalt durchzusetzen versucht. Damals wie heute will man seine Sache jetzt l\u00f6sen, schnelle Ver\u00e4nderungen, seinen Willen durchsetzen. Schnell. Deshalb rief man damals \u201eHosianna\u201c, als Jesus in die Stadt ritt auf einem sanftm\u00fctigen Esel. Hosianna bedeutet einfach: \u201eSo erl\u00f6se uns doch. Rette uns doch!\u201c Sie sahen, dass Jesus K\u00f6nig war, der erwartete K\u00f6nig, die Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfung. Aber mit Jesus verh\u00e4lt es sich anders. Der kommt nicht schnell mit dem Flugzeug, mit Bomben und Gewalt. Er kommt langsam, ohne Waffen. Sanftm\u00fctig. Und es dauert Zeit, ehe sein Reich kommt. Man kann es nicht durch Bomben erzwingen. Gewiss, es kann notwendig sein mit Machtanwendung. Aber es gibt auch Dinge, die man nicht erzwingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wir alle haben das in uns, anderen weh zu tun. Uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das zu tun, was wir wollen, ohne R\u00fccksicht auf andere. Gegen die Gemeinschaft handeln oder gegen die Liebe. Zu glauben, dass das, was ich will, auch das beste ist f\u00fcr alle. So denken wohl alle Diktatoren. Dieser Gedanke, dass ich das, was ich tue, nicht f\u00fcr mich tue, sondern f\u00fcr das Volk \u2013 die wissen es nur noch nicht. Das Gute und das b\u00f6se k\u00e4mpfen \u00fcber alle gegeneinander \u2013 aber vielleicht am meisten auch in uns selbst, in jedem von uns. Diese Erkenntnis kommt langsam zu uns mit dem Reiter auf dem Esel damals in Jerusalem. Das reich, mit dem er kommt, kann man nicht erzwingen, es kommt von innen, von dem Korn, das er in uns gepflanzt hat. Das Korn, das von der Sehnsucht handelt, die wir&nbsp;<em>auch<\/em>&nbsp;haben nach&nbsp;&nbsp;Frieden und Liebe, die Hoffnung, die wir haben auf Gemeinschaft, Zusammengeh\u00f6rigkeit, von unserem Glauben daran, dass die geschaffene Welt trotz allem, was dagegen spricht, gut ist, weil sie von Gott gewollt ist, von dem Gedanken, dass auch das Sanftm\u00fctige Wert hat. Das Reich Jesu ist nicht von dieser Welt und hat mit den Wirren dieser Welt nichts zu tun. Der Friede, mit dem er kommt, ist nicht notwendigerweise ein Friede f\u00fcr die Welt, ein Friede in der Welt oder ein Friede f\u00fcr die Tyrannen dieser Welt.&nbsp;&nbsp;Wir k\u00f6nnen uns ja nur umsehen in der Welt und sehen, dass der Friede keine Realit\u00e4t ist, wenn man damit meint Friede vor aller Waffenmacht, \u00dcbergriffen, Unterdr\u00fcckung und Hunger. Nein, das war nicht der Friede, mit dem Jesus an jenem Tag nach Jerusalem kam. Es war vielmehr ein Friede f\u00fcr den Sinn eines jeden einzelnen Menschen. Ja, ja, denken wir vielleicht, was in aller Welt sollen wir damit anfangen? In einer Welt voller Gewalt und Probleme, drau\u00dfen in der Welt und bei uns. Hier sitzen wir in einem Alltag, wo Sanftmut nicht gerade gefragt ist, wo Dinge wie Effektivit\u00e4t, Initiativreichtum, Schnelligkeit und Mut gesch\u00e4tzte Tugenden sind. Man stelle sich eine Bewerbung f\u00fcr eine Stelle vor, wo der Bewerber schreibt, er sei sehr sanftm\u00fctig. Wir wissen, wo diese Bewerbung endet. Und dann jemand noch so sehr sagen, er sei K\u00f6nig, das interessiert einen Arbeitgeber nicht. Hier sitzen wir mit einer Welt im Krieg, mit Not, Tod und Zerst\u00f6rung, und dann wird nur geredet von Sanftmut und von einem Frieden, der nicht von dieser Welt ist, sondern in das Reich Gottes geh\u00f6rt. Was sollen wir anfangen mit so einem nicht handgreiflichen Frieden? Die Antwort ist einfach und schwierig zugleich: Alles sollen wir damit anfangen! Der Friede Gottes ist keine politische Gr\u00f6\u00dfe, die man mit leichter Hand ausstreuen kann \u00fcber die Konflikte diese Welt. Der Friede Gottes ist das, was dem Menschen in seinem Inneren gegeben wird. Der Friede Gottes ist das, was dem Menschen gegeben wird, so dass wir trotz allem eine Hoffnung f\u00fcr das Leben haben. Der Friede Gottes ist das, was und wieder aufhilft, wenn wir gefallen sind, wenn wir meinen, dass wir nicht mehr k\u00f6nnen. Der Friede Gottes ist das, was und Kr\u00e4fte gibt, gegen alle die Neigungen zu k\u00e4mpfen, es nicht gut zu meinen mit anderen Menschen. Solange die Welt besteht, wird Gottes Wort von einer lebenden, kommenden Wirklichkeit erz\u00e4hlen, die von Gott in uns ges\u00e4t ist. Gottes Wort \u2013 in der Gestalt eines Mannes auf einem Esel \u2013 spricht Trost zu f\u00fcr die, die Angst haben Hoffnung f\u00fcr die Gefangenen und Gemeinschaft f\u00fcr die Einsamen. Als lebendiges Wort hat Gott in allen gestakten gewirkt. Er ist den Menschen gefolgt bis in die Grenzen des Daseins mit seinem Frieden. Er ist mitgegangen bis in die tiefste Finsternis und hat dort Licht gebracht, wie wir das sp\u00e4ter in dieser Woche h\u00f6ren), so wie er uns im schlimmsten Sturm festgehalten hat. Das ist der Friede, mit dem Jesus an jenem tag in Jerusalem kam, das ist der Friede, der unseren Kindern in der Taufe geschenkt wird und den wir im Abendmahl empfangen. Dort wiederholen wir den Ruf aus Jerusalem: Hosianna \u2013 befreie uns. All dies tut er, auch wenn die Welt oft etwas anderes will, und das tut er, damit wir trotz allem den Mut haben, unsere Leben zu leben \u2013 f\u00fcr den N\u00e4chsten und f\u00fcr uns selbst. Amen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Pastorin Leise Christensen<\/p>\n\n\n\n<p>DK 8200 Aarhus N<\/p>\n\n\n\n<p>Email: lec(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palmarum | Mt 21,1-9 | 10.04.2022 | Leise Christensen | Wenn man eine Zeitung aufschl\u00e4gt in diesen Tagen, ist sie voll von Berichten \u00fcber den Krieg in der Ukraine, davor waren es die Probleme im Kongo, der V\u00f6lkermord in Ruanda vor 25 Jahren, die K\u00e4mpfe in Syrien, Afghanistan. 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