{"id":7598,"date":"2022-04-11T00:01:00","date_gmt":"2022-04-10T22:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7598"},"modified":"2022-04-12T10:17:09","modified_gmt":"2022-04-12T08:17:09","slug":"matthaeus-281-8-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-281-8-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28,1-8"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Ostersonntag | 17.04.2022 | Mt 28,1-8 | Marianne Christiansen |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christus ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaftig auferstanden. Gib das weiter. Nun habe ich es euch gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Furcht und gro\u00dfer Freude liefen sie vom Grabe. Wenn sie in Panik und Schreck gerieten, erhielten ihre Beine trotzdem eine Richtung \u2013 sie liefen hin und erz\u00e4hlten es einigen anderen, einigen, die trauerten, hinter verschlossenen T\u00fcren sa\u00dfen und Angst hatten. Obwohl der Engel am Grabe sagte: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht\u201c, waren sie dennoch voller Furcht \u2013 und voller Freude. Ob es die Freude war oder die Furcht, die sie laufen lie\u00df, das k\u00f6nnen wir nicht wissen, k\u00f6nnen es aber an unseren eigenen Beinen merken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Furcht haben wir. Und Furcht kann l\u00e4hmend sein. Die Furcht vor dem Krieg, die Angst um das Leben der Lieben, die Furcht vor der Zukunft. Unser Volk hat die Furcht kennengelernt in den letzten Jahren \u2013 Angst vor Krankheit und Krieg \u2013 die Furcht, die viele V\u00f6lker der Welt lange erlebt haben, ohne dass wir daran gedacht haben. Und jetzt, wo Krankheit und Krieg nahegekommen sind, k\u00f6nnen wir sogar so sehr von unserer eigenen Furcht eingenommen sein, dass wir die Menschen vergessen, die tats\u00e4chlich betroffen sind und unsere Hilfe brauchen. Ja, die Furcht kennen wir. Sie kann sich in die Beine setzen wie ein Alptraum, wo man laufen will, aber die F\u00fc\u00dfe fest an der Erde kleben, alles wird langsam und angstvoll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frauen laufen jedoch vom Grabe mit ihrer Furcht. Die Furcht l\u00e4hmt sie nicht. Da ist Leben ihre Beine gekommen. Sie laufen mit Furcht&nbsp;<em>und<\/em>&nbsp;mit gro\u00dfer Freude \u2013 sie bringen Worte mit, ein Ger\u00fccht, eine Hoffnung, ein Ruf: Auferstehung. Ihre Beine sind voller Spr\u00fcnge. Wer h\u00e4tte das geglaubt. Niemand!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ger\u00fccht von der Auferstehung ist so wild, dass es niemand erfinden kann und daran von sich aus glauben kann. Aber jemand ruft es hervor. Gott kann die Freude im Leib schaffen, eine \u00fcberstr\u00f6mende Freude am Dasein, die die Beine zum springen bringen und das bange Herz \u00f6ffnen, das in einer Antwort ausbricht: \u201eJa, er ist wahrlich auferstanden\u201c. \u201eJa, ich wei\u00df, du sprichst wahr, der Heiland ist von den Toten auferstanden\u201c. Das ist keine durchdachte Antwort, keine Erkl\u00e4rung oder ein Bekenntnis. Das ist etwas, wof\u00fcr wir nichts k\u00f6nnen. Gott hat Auferstehung in die Welt ges\u00e4t, und die bricht aus und schafft Leben und bringt uns dazu, einander etwas zu geben, was wir nicht haben: Hoffnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn der Ruf, der durch die Zeiten weitergegeben wurde, schafft dieselbe Freude mitten in der Furcht wie in Maria Magdalene und den anderen angstvollen Freudenl\u00e4ufern. Die Auferstehung ist die gro\u00dfe Liebeserkl\u00e4rung zu dieser Welt und diesem Leben. Die Auferstehung Jesu.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Jesus ist es, der auferstanden ist. Kein R\u00e4cher, kein Despot oder eine unmenschliche Machtmaschine, die ein f\u00fcr alle Mal Ordnung in die Welt bringen will und die Menschen dazu zwingen will, nach bestimmten Regeln zu leben. Das ist der Mensch, der hingerichtet wurde wie Millionen von anderen namenlosen Opfern an einem Tag wie diesem. Der Mensch, der sein Leben damit zubrachte, die Liebe Gottes in die Welt hinein zu leben, Barmherzigkeit zu zeigen und das Reich Gottes f\u00fcr alle ohnm\u00e4chtigen Opfer zu \u00f6ffnen, er, der sich gering machte, um den Geringsten die W\u00fcrde Gottes zu geben. Er ist es, der auferstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er bleibt in der Welt. Er l\u00e4sst sich nicht ausrotten. All die Gewalt, unter der die Welt, die Erde und alle Gesch\u00f6pfe leiden, all die Bosheit, die die Menschen, die die Menschen ergreift, so dass sie gleichg\u00fcltig werden angesichts der Leiden anderer, oder die das Recht eines Wahrheitszeugen in Anspruch nehmen, um zu t\u00f6ten und Menschen und das Leben anderer auszurotten \u2013 all das wird nicht triumphieren k\u00f6nnen. Der Tod, der gr\u00f6\u00dfte Despot, der alles zum Schweigen bringt, st\u00f6\u00dft hier auf Widerspruch, und wird weiter auf Widerspruch sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auferstehung Jesu ist eine Liebeserkl\u00e4rung an diese Welt. Denn man k\u00f6nnte ja meinen, dass in dieser Welt, so wie sie aussieht, kein Platz ist f\u00fcr die vollkommene Liebe. Nat\u00fcrlich, er wurde get\u00f6tet, nat\u00fcrlich, das war kein Platz f\u00fcr ihn und seinen unrealistischen Blick auf Menschen und seine Kritik an den Machthabern. Er war zu gut f\u00fcr diese Welt, und niemand k\u00f6nnte ihm das vorwerfen, wenn er jeglichen Glauben an Menschen verloren h\u00e4tte und sich f\u00fcr die Freiheit und geistliche Seligkeit der Ewigkeit entschieden h\u00e4tte. Jesus h\u00e4tte eine Idee werden k\u00f6nnen. Eine geistliche Vereinigung mit Gott, drau\u00dfen im Universum. Eine Erinnerung daran, dass da einmal ein Licht der eigenen Liebe Gottes auf diesem verlorenen Planeten war, der ihn nicht erkannte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er wollte jedoch nicht verschwinden. Er wollte unbedingt bleiben \u2013 gleichsam in einer hoffnungslosen Liebe zu dieser Welt. Vielleicht weil sie so fein und unsagbar sch\u00f6n ist, vielleicht wegen der Art und Weise, wie das verwelkte Laub auf faulen Baumst\u00e4mmen w\u00e4chst, wegen der blauen Scilla-Blumen, die blauer sind als der Himmel. Vielleicht wegen der pr\u00e4chtigen Insekten und ganz kleinen standhaften V\u00f6gel, die \u00fcber die Torheiten der Menschen hinweg singen, wegen der tiefen heimlichen Tiere in den Abgr\u00fcnden des Meeres, deren Namen nur Gott kennt. Vielleicht wegen des verlorenen Sinnes der Menschen, die lieben und sehnen und \u00fcber den Tod trauern. Vielleicht wegen unverdienter \u00fcberstr\u00f6mender Liebe zu dem verletzlichen Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jesus bleibt in der Welt. Die hoffnungslose Liebe \u00fcberwindet den Tod. Er ist gegenw\u00e4rtig in seinem Wort, das Hoffnung und Glauben schafft. Er ist gegenw\u00e4rtig in einem anderen Menschen, der zu Hilfe kommt, und dem Menschen, der Hilfe braucht. Er ist gegenw\u00e4rtig mit seinem Geist, der in bangen K\u00f6rpern Mut einfl\u00f6\u00dft und Kr\u00e4fte in die H\u00e4nde gibt, um die Werke der Liebe zu tun. Jedes Mal, wenn wir bei einer ganz kleinen Mahlzeit mit Brot und Wein im d\u00e4nischen Abendmahlsritual sagen: \u201eDer auferstandene Herr und Heiland, der nun gegenw\u00e4rtig ist mit all dem Reichtum deiner Liebe\u201c. Dann sprechen wir zu ihm als einem Vermittler, der die ewige Liebe Gottes menschlich macht. Wir nehmen ihn mit dem Mund und Herzen zu uns.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist m\u00f6glicherweise nicht die richtige Art und Weise zu beschreiben, wie der auferstandene Jesus in der Welt gegenw\u00e4rtig ist. Die Auferstehung, die wir heute feiern, wird immer eine Mischung sein von einer wilden Behauptung, einem ruf: \u201eEr ist auferstanden\u201c und einer Erfahrung, einer Hoffnung: \u201eJa, er ist wahrlich auferstanden\u201c. Die Erfahrung der Auferstehung, die Freude, die aufkommt und Kr\u00e4ften in den beinen gibt und Mut f\u00fcr das Leben, muss Gott in uns hervorrufen. Vielleicht tut er das, indem er unsere Augen \u00f6ffnet f\u00fcr diese wunderbare Welt und das Wunder, dass es das Leben gibt, vielleicht tut er das, indem er Vers\u00f6hnung schafft zwischen Feinden, so dass sie einander als Menschen sehen. Vielleicht tut er das, indem er das Worte Jesu und das Wort von ihm in unseren herzen klebendig macht, so dass der Glaube in uns entsteht und wir die Hoffnung empfangen, dass der Tod \u00fcberwunden ist und niemals das letzte Wort hat. Denn das tat Jesus. Das ist Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Furcht und gro\u00dfer Freude gehen laufen wir der Zukunft entgegen. As besteht aller guter Grund daf\u00fcr, dass uns das erz\u00e4hlt wird., dass Christus auferstanden ist, dass Gott die Welt liebt und dass der Tod nicht der Sinn des Lebens ist. Nun haben wir es geh\u00f6rt, es ist uns gesagt. Wir haben die Hoffnung, um sie weiterzugeben. Frohe Ostern! Amen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisch\u00f6fin Marianne Christiansen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ribe Landevej 37&nbsp;<br>6100 Haderslev<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Email: mch(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag | 17.04.2022 | Mt 28,1-8 | Marianne Christiansen | Christus ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaftig auferstanden. Gib das weiter. Nun habe ich es euch gesagt. Mit Furcht und gro\u00dfer Freude liefen sie vom Grabe. 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