{"id":7678,"date":"2022-04-08T08:27:26","date_gmt":"2022-04-08T06:27:26","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7678"},"modified":"2022-04-09T18:28:36","modified_gmt":"2022-04-09T16:28:36","slug":"7678-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/7678-2\/","title":{"rendered":"Johannes 13,1-15"},"content":{"rendered":"<h3>Gr\u00fcndonnerstag | 14.04.2022 | Johannes 13,1-15 | Von Anna Jensen |<\/h3>\n<p>Judas \u2013 dieser Name ist bekannt als der Name des Verr\u00e4ters. \u201eSo ein Judas\u201c, sagen wir, wenn wir von jemandem verraten werden, mit dem wir befreundet sind. Von jemandem verraten werden, der einem nahe steht, das ist viel schlimmer, als wenn ein bekannter Feind einem einen Schlag versetzt. Denn einen Feind kann man kommen sehen, und vielleicht kann man sich vor ihm sch\u00fctzen, ein Verr\u00e4ter aber kommt schleichend, mit einem falschen L\u00e4cheln auf der Lippe, und pl\u00f6tzlich schl\u00e4gt er zu.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von Judas ist eine traurige Geschichte, denn wie kann er so etwas tun? Waren es die drei\u00dfig Silberlinge, mit denen er belohnt wurde, oder war es, weil er nicht mehr an Jesus als Herrn und Meister glaubte? Nach der Tradition bereute Judas sp\u00e4ter und erh\u00e4ngte sich selbst.<\/p>\n<p>Heute feiern wir Gr\u00fcndonnerstag. Wir feiern, dass Jesus sich mit seinen J\u00fcngern zu Tisch setzte und das Abendmahl einsetzte. Aber das Wort Gr\u00fcndonnerstag bedeutet nicht Abendmahl, die Herkunft des Namens ist ungewiss, vielleicht bedeutet er, dass man an diesem Tag der Fastenzeit gr\u00fcnes Gem\u00fcse a\u00df, der Tag hei\u00dft auch \u201ewei\u00dfer Donnerstag\u201c, so auch in D\u00e4nemark der \u201ehelle Donnerstag\u201c, ein Tag der Reinigung. Der Text der Predigt ist in diesem Jahr aus dem Johannesevangelium, wo der Bericht anders als in den anderen Evangelien detailliert davon erz\u00e4hlt, was Jesus sagte, als er zum letzten Mal mit seinen J\u00fcngern zu Tische sa\u00df \u2013 aber wo die Einsetzung des Abendmahls fehlt! Da ist keine Zeichenhandlung, wo Jesus das Brot nahm, dankte, es brach \u2013 und so auch mit dem Wein. Im Zentrum steht eine andere Zeichenhandlung. Jesus erhob sich vom Tisch, nahm eine Sch\u00fcssel Wasser und begann, seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe zu waschen.<\/p>\n<p>Das war dem\u00fctigend und grenz\u00fcberschreitend, nicht nur f\u00fcr Jesus, sondern auch f\u00fcr die, denen er die F\u00fc\u00dfe wusch. Wer wusch die F\u00fc\u00dfe in der Zeit Jesu? Die Fu\u00dfwaschung war eine Arbeit f\u00fcr Sklaven oder Frauen, Petrus, der schlaue J\u00fcnger, hatte Einw\u00e4nde, als er an die Reihe kam, aber Jesus antwortete: \u201eWas ich hier tue, verstehst du jetzt nicht, aber sp\u00e4ter wirst du es verstehen\u201c. Petrus sagte: \u201e#Dann nicht nur meine F\u00fc\u00dfe, sondern auch das Haupt und die H\u00e4nde\u201c Petrus hat die Bedeutung der Zeichenhandlung nicht verstanden: \u201eihr seid schon rein!\u201c Die N\u00e4he Jesu hat ihn gereinigt. Die Fu\u00dfwaschung ist nur eine Zeichenhandlung, so wie unsere Taufe. Hier begn\u00fcgen wir uns mit drei Handvoll Wasser als Zeichen f\u00fcr die Gnadengabe der Taufe, dass wir rein sind vor Gott!<\/p>\n<p>Als Jesus bei jedem einzelnen J\u00fcnger niederkniete, geschah eine Umverteilung der Rollen oder eine Umwertung der Werte. Jesus ist nicht mehr nur Lehrer und Meister, jetzt wird er auch ihr Diener. So wie Jesus den J\u00fcngern dient, so sollen sie auch einander dienen. Nun ist die Rolle des Dieners die gro\u00dfe Rolle, nach der wir alle streben sollen.<\/p>\n<p>Es kann dem\u00fctigend und schamvoll sein, einen Dienst zu empfangen. Einige Gemeinden haben am Gr\u00fcndonnerstag damit experimentiert, einander die F\u00fc\u00dfe zu waschen, was einige in gro\u00dfe Verlegenheit versetzt hat. Es ist dem\u00fctigend, wenn ein anderer Mensch vor einem kriecht, so wie es dem\u00fctigend sein kann, der Diener zu sein, der sich niederbeugen muss, um anderen die F\u00fc\u00dfe zu waschen. Der Begriff des Dienstes kann also eine doppelte Verlegenheit mit sich bringen, sowohl f\u00fcr den, der dient als auch dem, der sich bedienen l\u00e4sst. Das h\u00e4ngt zusammen mit unserem Begriff von Freiheit und Selbstbestimmung. Wir f\u00fcrchten den Tag, an dem wir nicht mehr imstande sind, f\u00fcr uns selbst zu sorgen, sondern Hilfe in Anspruch nehmen m\u00fcssen f\u00fcr selbst die gew\u00f6hnlichsten Dinge wie Essen und Toilettenbesuch. Aber Jesus zeigt in der Fu\u00dfwaschung einen Weg heraus aus unserer Verlegenheit und Scham. So wie Christus seinen J\u00fcngern diente, sollen wir einander dienen. Wenn sowohl der, der dient, als auch der, der (be)dient wird, aufmerksam sind, kann der Dienst in f\u00fcr beide Seiten w\u00fcrdiger Weise geschehen.\u00a0 Wir sind abwechselnd sowohl die Dienenden als auch die, denen gedient werden soll, beide Rollen besitzen die W\u00fcrde, welche ihnen Christus gibt.<\/p>\n<p>Indem er sich selbst erniedrigt, sowohl bei der Fu\u00dfwaschung als auch sp\u00e4ter bei der Kreuzigung, erh\u00f6ht Christus den Menschen. \u201eVers\u00f6hner derer, die verlor\u2018n\u201c hei\u00dft es in dem Lied \u201eAllein Gott in der H\u00f6h sei Ehr\u201c.<\/p>\n<p>Das Abendmahl schenkt Menschen W\u00fcrde. Dem\u00fctig knien wir nieder, in der Erkenntnis, dass wir Hilfe brauchen, dass Christus uns das geben kann, nach dem wir uns sehnen. Und dann geschieht das Wunder. Christus gibt uns sich selbst! <em>Er<\/em> dem\u00fctigt sich, <em>er<\/em> l\u00e4sst sich zerrei\u00dfen, <em>er <\/em>l\u00e4sst sich brechen wie das Brot, damit wir alle ein St\u00fcck von ihm bekommen. Damit geschieht eine Umwertung der Werte, und wir k\u00f6nnen erhobenen Hauptes unseren Weg gehen. Im Abendmahl erf\u00e4hrt der Mensch Aufrichtung, dass ist die Verhei\u00dfung: Dass in Jesu Blut ein neues Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Menschen begr\u00fcndet wird, wo alle Vergebung empfangen f\u00fcr das, was sie falsch gemacht haben.<\/p>\n<p>Als Jesus seinen J\u00fcngern erz\u00e4hlt hatte, dass einer ihn verraten w\u00fcrde, sahen die J\u00fcnger einander an und fragten sich unsicher, von wem Jesus sprach. Schlie\u00dflich fasste Petrus Mut und fragte: \u201eWer ist es?\u201c Jesus antwortete: \u201eDer ist\u2019s, dem ich den Bissen eintauche und gebe\u201c. \u00a0Dann brach Jesus ein St\u00fcck Brot, tauchte es in \u00d6l, gab es Judas und sprach: \u201eWas du tust, das tue bald\u201c. Als Judas den Bissen genommen hatte, ging er hinaus. \u201eUnd es war Nacht\u201c.<\/p>\n<p>Es war Nacht, ja, f\u00fcr ein Werk der Finsternis ist es, Jesus zu verraten. Aber trostreich ist es, dass Judas davon ging mit dem Brot in der Hand, dem Brot, das Jesus ihm selbst gereicht hatte. Man w\u00fcrde zu weit gehen, wenn man sagte, dass Judas mit dem Segen Jesu ging, aber er ging mit dem Wissen Jesu von dem, was bevorstand, und er ging mit dem milden und vergebenden Blick Jesu, ja er ging mit dem Brot in der Hand, er ging mit ihm, der das Brot des Lebens ist.<\/p>\n<p>Das ist eine trostreiche Pointe f\u00fcr Judas, dass es auch f\u00fcr ihn Vergebung gibt, er geht mit dem Brot der Gnade in der Hand. Und das ist f\u00fcr uns alle ein Trost, die wir hin und wieder unser Tun bereuen: Wenn wir vom Abendmahl kommen, dann gehen wir mit dem Brot im Magen, wir tragen Jesus mit in unser Leben, dass er in uns wirken m\u00f6ge, uns seine Nahrung geben m\u00f6ge, dass wir den Mut finden, nicht uns selbst zu dienen wie ein Judas, sondern ihm, der unser Herr ist, und einander zu dienen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob Judas eine Wahl hatte. Ob er h\u00e4tte anders handeln k\u00f6nnen. Als er das Brot aus der Hand Jesu erhielt, so wird erz\u00e4hlt, fuhr der Satan in ihn. Deshalb ist die letzte Strophe von <em>Allein Gott in der H\u00f6h sei Ehr <\/em>wichtig, denn hier rufen wir den Heiligen Geist an, unsren Tr\u00f6ster: \u201eO Heil\u2018ger Geist, du h\u00f6chstes Gut, du allerheilsamst Tr\u00f6ster: vor Teufel\u2019s Gwalt fortan beh\u00fct, die Jesus Christus erl\u00f6set\u201c.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von Judas zeigt uns: Auch wenn das Schlimmste geschieht, dass wir die sind, die Jesus verraten, dann gibt es auch eine Hoffnung f\u00fcr uns, denn Judas erhielt das Brot in die Hand. Morgen ist Karfreitag. Judas machte seine Vorbereitungen, er verlie\u00df Jesus und die J\u00fcnger.<\/p>\n<p>Es war Nacht. Amen.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Pastorin Anna Jensen<\/p>\n<p>5230 Odense M<\/p>\n<p>E-mail: <a href=\"mailto:ansj@km.dk\">ansj(at)km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcndonnerstag | 14.04.2022 | Johannes 13,1-15 | Von Anna Jensen | Judas \u2013 dieser Name ist bekannt als der Name des Verr\u00e4ters. \u201eSo ein Judas\u201c, sagen wir, wenn wir von jemandem verraten werden, mit dem wir befreundet sind. 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