{"id":7774,"date":"2022-04-10T14:23:14","date_gmt":"2022-04-10T12:23:14","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7774"},"modified":"2022-04-12T23:42:55","modified_gmt":"2022-04-12T21:42:55","slug":"ezechiel-371-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ezechiel-371-14\/","title":{"rendered":"Ezechiel 37,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>\u201eIhr werdet leben!\u201c | Karsamstag | 16.4.2022 | Ez. 37,1-14 | Dr. Rainer Stahl |<\/h3>\n<p>\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p>die Liebe Gottes<\/p>\n<p>und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes<\/p>\n<p>sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Wie Sie es von mir schon kennen, steht am Anfang der Versuch einer \u00dcbersetzung, die so genau wie m\u00f6glich versucht wurde:<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>1a\u03b1\u00a0 \u201eUnd es war auf mir die Hand Jahwes \/ des Herrn.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 Da f\u00fchrte er mich im Geist Jahwes \/ des Herrn hinaus<\/p>\n<p>a\u03b3\u00a0\u00a0 und lie\u00df mich inmitten der Ebene nieder.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Sie aber war voller (menschlicher) Knochen.<\/p>\n<p>2a\u00a0\u00a0\u00a0 Und er lie\u00df mich um sie herumgehen.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0 Und siehe: Sie waren sehr viele auf der Oberfl\u00e4che der Ebene.<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0 Und siehe: Sie waren sehr verdorrt.<\/p>\n<p>3a\u03b1\u00a0 Und er sprach zu mir:<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 \u00bbMenschensohn: K\u00f6nnen leben diese Knochen?\u00ab<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0 Ich aber sprach:<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0 \u00bbAdonaj \/ mein Herr Jahwe: Du wei\u00dft es!\u00ab<\/p>\n<p>4a\u03b1\u00a0 Und er sagte zu mir (, Menschensohn):<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 \u00bbProphezeie \u00fcber diese Knochen!<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0 Und sage zu ihnen:<\/p>\n<p>b\u03b2 \u201aIhr verdorrten Knochen, h\u00f6rt das Wort Jahwes \/ den Herrn:<\/p>\n<p>5a\u00a0\u00a0\u00a0 So spricht Adonaj \/ mein Herr Jahwe zu diesen Knochen:<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe ich lasse kommen in euch den Geist, und ihr werdet leben!<\/p>\n<p>6a\u03b11 Ich gebe euch Sehnen, und ich \u00fcberziehe euch [mit] Fleisch,<\/p>\n<p>a\u03b12 und ich \u00fcberspanne euch mit Haut.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 Und ich gebe in euch den (\/ meinen) Geist, und ihr werdet leben!<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Und ihr werdet erkennen, dass ich Jahwe \/ der Herr bin!\u2018\u00ab<\/p>\n<p>7a\u00a0\u00a0\u00a0 Ich prophezeite, wie er mir befohlen hatte.<\/p>\n<p>b1\u00a0 Und es geschah &lt;Stimme&gt; wie ich prophezeite: Und siehe, ein Beben.<\/p>\n<p>b2\u00a0 Und es r\u00fcckten zusammen: ein Knochen zu dem ihm entsprechenden Knochen.<\/p>\n<p>8a1\u00a0 Und ich sah, und siehe auf sie (kamen) Sehnen, und Fleisch \u00fcberzog (sie).<\/p>\n<p>a2\u00a0 Und sie wurden oben\u00fcber \u00fcberspannt mit Haut.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Aber der Geist war noch nicht in ihnen.<\/p>\n<p>9a\u03b1\u00a0 Er aber sprach zu mir.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 \u00bbProphezeie zu dem Geist!<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0 Prophezeie, Menschensohn und sage zu dem Geist:<\/p>\n<p>\u201aSo spricht Adonaj \/ mein Herr Jahwe:<\/p>\n<p>Von den vier Windrichtungen komme der Geist!\u2018<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0 Hauche diese Ermordeten an, dass sie leben.\u00ab<\/p>\n<p>10a\u00a0\u00a0\u00a0 Und ich prophezeite, wie mir befohlen war.<\/p>\n<p>b\u03b1\u00a0 Und es kam in sie der Geist, und sie lebten.<\/p>\n<p>b\u03b2\u00a0 Und sie stellten sich auf ihre F\u00fc\u00dfe:<\/p>\n<p>b\u03b3\u00a0 Ein sehr, sehr gro\u00dfes Heer \/ eine sehr, sehr gro\u00dfe Menschenmenge.<\/p>\n<p>11a\u00a0\u00a0\u00a0 Und er sagte zu mir, Menschensohn:<\/p>\n<p>\u00bbDiese Knochen \u2013 sie sind das gesamte Haus Israel!<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Siehe, sie waren Sagende: \u201aVerdorrt waren unsere Knochen, und zugrunde gegangen unsere<\/p>\n<p>Hoffnung, und aufgerieben wir.\u2018<\/p>\n<p>12a\u03b1\u00a0 Darum prophezeie und sage ihnen:<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 \u201aSo spricht Adonaj \/ mein Herr Jahwe:<\/p>\n<p>a\u03b3\u00a0\u00a0 Ich bin \u00f6ffnend eure Gr\u00e4ber, und ich ziehe euch aus euren Gr\u00e4bern, mein Volk.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Und ich lasse euch kommen in das Land Israel.<\/p>\n<p>13a\u00a0\u00a0\u00a0 Und ihr werdet erkennen, dass ich Jahwe \/ der Herr bin.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Bei meinem \u00d6ffnen eurer Gr\u00e4ber und bei meinem Herausziehen von euch aus euren<\/p>\n<p>Gr\u00e4bern, mein Volk.<\/p>\n<p>14a\u03b1\u00a0 Und ich werde geben meinen Geist in euch, und ihr werdet leben.<\/p>\n<p>a\u03b2\u00a0 Und ich werde euch zur\u00fcckgeben auf euren Boden.<\/p>\n<p>b\u00a0\u00a0\u00a0 Und ihr werdet erkennen, dass ich Jahwe \/ der Herr es bin, der es redet,<\/p>\n<p>und ich es tue \u2013 Raunung Jahwes \/ des Herrn\u2018.\u00ab\u201c<\/p>\n<p>Diese so ferne und \u00fcberhaupt nicht nachvollziehbare Erz\u00e4hlung, diese Vision in der Bibel hat bei mir Erinnerungen an lange vergangene Erlebnisse lebendig werden lassen: Unsere kleine Gruppe des sogenannten \u201eLehrkurses\u201c \u2013 vier Teilnehmer aus der DDR, zwei Teilnehmer aus der Schweiz \u2013 war am 8. September 1989 im Osten Syriens auf der Fahrt den Euphrat entlang nach Mari. Bei dieser Fahrt wurde auch ein kurzer Besichtigungsstopp in den Ruinen der Stadt Dura Europos gemacht. Im 2. Jahrhundert nach Christus kann das R\u00f6mische Reich \u2013 man stelle sich das vor (!) \u2013 diese Stadt einnehmen und zu einem Bestandteil seines syrischen Limes machen. Aber schon Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus wird die Stadt wieder von den Parthern, von den Persern, erobert und ist seither verlassen. Aus der r\u00f6mischen Zeit konnten zwei hochinteressante Ruinenst\u00e4tten entdeckt werden, die unter zum Schutz aufgef\u00fclltem Schutt erhalten geblieben waren: An der s\u00fcdwestlichen Stadtmauer in einiger Entfernung vom Haupttor zwei Wohnh\u00e4user, beide umgebaut zu Versammlungsst\u00e4tten von Religionsgemeinschaften, zuletzt aber zugesch\u00fcttet, um die direkt danebenstehende Stadtmauer zu stabilisieren. Wenn man das Stadttor durchquert hatte und nach links, also nach Nordwesten, ging, fand man einen Wohnkomplex, in dem eine Synagoge eingebaut gewesen war, und wenn man nach rechts, also nach S\u00fcdosten, etwa gleichweit vom Stadttor entfernt ging, fand man einen Wohnkomplex, der zu einer christlichen Hauskirche umgebaut gewesen war.<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Dieser Befund ist f\u00fcr mich von tiefer Symbolik: Ganz am Rand der Stadt, gleich hinter der Stadtmauer, auf derselben Stra\u00dfe \u2013 dadurch ihre tiefe Verwandtschaft anzeigend \u2013: Synagoge und Kirche. Aber im Zentrum der Stadt, in der Mitte der Gesellschaft: der Artemis-Tempel, daneben die Tempel f\u00fcr von Palmyra her eingef\u00fchrte Gottheiten: der Tempel der Atargatis und der Tempel f\u00fcr G\u00f6tter, die zum Kreis des \u201eHimmelsherrn\u201c geh\u00f6rten. Die beiden Hauszentren sind vor allem dadurch aufgefallen, dass Fresken entdeckt werden konnten! In der Hauskirche ein Raum mit biblischen Szenen; in der Synagoge eine vollst\u00e4ndige Ausmalung des Synagogenraums:<\/p>\n<p>Zum Beispiel die Kindheit des Mose, der Durchzug der Israeliten durch das Meer, die Salbung des David, der Tempel von Jerusalem, das Bild des Jesaja <u>und auch<\/u>: Ezechiel im Tal der Gebeine! Dieses Fresko verbindet eine ganze Reihe von Szenen und stellt Ezechiel auf unserem Ausschnitt dreimal dar. Zum Beispiel: Gott setzt Ezechiel in dieses Tal, wobei die Tatsache, dass die K\u00f6pfe und Gliedma\u00dfen schon Fleisch und Haut haben, voraussetzt, dass das Wunder schon im Geschehen sei. Die H\u00e4nde, die von oben in das Bild hineingreifen, m\u00fcssen als H\u00e4nde des wirkenden Jahwes \/ des Herrn gedeutet werden!<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7772\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-300x211.jpg\" alt=\"\" width=\"566\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-768x541.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-1536x1081.jpg 1536w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461-18x12.jpg 18w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Untitled-design-e1649765187461.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/p>\n<p>Am 21. September 1989 waren wir dann im Museum in Damaskus und konnten dort die Rekonstruktion des Synagogenraums bestaunen \u2013 alle Malereien hervorragend restauriert. Vor Ort war diese gro\u00dfartige Kunst vielleicht nur f\u00fcr zehn Jahre erhalten gewesen! Und in ihr dann auch diese Szene vom Totenfeld, aus dem die Knochen wiederbelebt werden!<\/p>\n<p>Da werden wir der grundlegenden Bedeutung, des eigentlichen Sinnes dieser Szene bewusst: Jede j\u00fcdische Gemeinschaft lebt im Bewusstsein, genauer: in der Glaubensahnung, dass Gott ihr immer wieder Zukunft schenken wird. Durch vielf\u00e4ltige Bedrohungen und Gef\u00e4hrdungen hindurch und aus ihnen heraus: Am 9. Oktober 2019 war ich nach Halle zu einer alttestamentlichen Beratung mit Kolleginnen und Kollegen gefahren. Ich kam erst einige Stunden sp\u00e4ter an, weil mein Zug von Erlangen auf einem Umweg \u00fcber Eisenach (!) gef\u00fchrt worden war. Aber w\u00e4hrend unserer Beratung musste uns unsere Hallenser Kollegin informieren, dass die Stra\u00dfen gesperrt seien, Z\u00fcge nicht mehr f\u00fchren, alles abgesperrt sei: Weil ein Attent\u00e4ter versucht hatte, in die Synagoge einzudringen und die Gemeinde zum Fest \u201eJom Kippur\u201c, zum Fest \u201eVers\u00f6hnungstag\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> angreifen wollte. Aber die T\u00fcr des Synagogen-Geb\u00e4udes hatte gehalten!<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Abends konnte ich mit in ein Friedensgebet in der Marktkirche gehen und am n\u00e4chsten Morgen recht fr\u00fch wieder nach Erlangen zur\u00fcckfahren. Aber der Attent\u00e4ter hatte doch zwei Unbeteiligte ermordet und zwei andere Unbeteiligte verletzt! Da waren Bewahrung und Zerst\u00f6rung am selben Tag eingetreten. Ist es nicht so, dass diese Szene im Ezechiel-Buch uns immer wieder in solche Spannungen zwingt?<\/p>\n<p>Aber nun: Wie kann ich diese Szene als Christ predigen? Welche Botschaft hat diese Szene f\u00fcr unsere weltweite Gemeinschaft der christlich Glaubenden? Denn der entscheidende Ansatzpunkt dieser Szene \u2013 das Wiedererstehen des Volkes Gottes, des Volkes Israel (!) \u2013 gilt f\u00fcr uns als Christinnen und Christen, f\u00fcr uns als die Gemeinschaft der vielkonfessionellen, der internationalen Kirche so doch nicht!? Das ist ihr Inhalt f\u00fcr unsere j\u00fcdischen Freunde!<\/p>\n<p>Zwei Wege bieten sich mir an:<\/p>\n<p>Zuerst die Frage, ob und wenn ja, wie diese Szene von den Autoren unseres Neuen Testaments aufgenommen wurde. Grundlegend ist hierbei festzuhalten: Die Hebr\u00e4ische Bibel ist nur f\u00fcr uns Christinnen und Christen \u201eAltes Testament\u201c. Denn dazu bedarf es unserer Entscheidung, Christin oder Christ sein zu wollen!<\/p>\n<p>Und dann die Frage, welchem Moment in unserem Kirchenjahr wir diese Szene zuordnen!<\/p>\n<p>Zur ersten Frage: Ich schaue immer im Register meiner Ausgabe des griechischen Neuen Testaments nach.<a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Dort werden Anspielungen benannt und nat\u00fcrlich die w\u00f6rtlichen Zitate.<\/p>\n<p>In seinem Bericht \u00fcber das Kreuzigungsgeschehen Jesu Christi gibt der Evangelist Matth\u00e4us wichtige Hinweise \u2013 darunter, dass sich in dem Moment, in dem Jesus gestorben war, viele Gr\u00e4ber auftaten und viele Entschlafene aufstanden (Matth\u00e4us 27,52). Was also in der Szene in Ezechiel 37,12-13 erwartet wird, das bricht als \u201eBegleitmusik\u201c des Sterbens Jesu an. Da beginnt schon neues Leben!<\/p>\n<p>Und: Etwa zur selben Zeit wie Matth\u00e4us hatte der Seher Johannes sein gro\u00dfes Werk der Offenbarung verfasst. In ihm berichtet er von einer verst\u00f6renden Schau, in der zwei Zeugen erschreckende Nachrichten verk\u00fcnden und dann von einem Untier aus dem Abgrund get\u00f6tet werden. Aber letztlich \u201ef\u00e4hrt in sie [in diese beiden Zeugen] der Geist des Lebens von Gott, und sie stellten sich auf ihre F\u00fc\u00dfe\u201c (Offenbarung 11,11). Dabei hatte der Seher Johannes bewusst auf die Aussagen in Ezechiel 37,5 und 10 zur\u00fcckgegriffen: \u201eUnd es kam in sie der Geist, und sie lebten\u201c!<\/p>\n<p>Beide Hoffnungsbilder umgreifen unsere Existenz als Christen: Ganz am Anfang, als das Opfer Jesu Christi gerade geleistet worden war. Und unter dem endg\u00fcltigen Horizont, wenn die unvorstellbare Erf\u00fcllung beginnen wird: \u201eNun geh\u00f6rt die Herrschaft \u00fcber die Welt unserm Herrn und seinem Christus, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c (Offenbarung 11,15b).<\/p>\n<p>Zur zweiten Frage: Aber die Frauen und M\u00e4nner, die f\u00fcr die Predigttext-Entscheidungen verantwortlich sind, haben unsere Szene dem Karsonnabend \/ dem Karsamstag zugeordnet. Also weder als Gegengeschichte zum Sterben Jesu, noch als Beginn des endg\u00fcltigen Werdens des Lebens unter der Macht des Auferstandenen \u2013 dann nicht \u201enur\u201c f\u00fcr die Glaubenden, sondern in der f\u00fcr alle erfahrbaren Wirklichkeit realisiert!<\/p>\n<p>Was kann ich f\u00fcr das \u201eDazwischen\u201c predigen? Ich kann die Szene bei Ezechiel nur als riesigen Horizont \u00fcber unseren \u201ekleinen\u201c Wendungen verstehen: Wenn wir sehr krank waren, uns aber geholfen werden konnte und wir in unser allt\u00e4gliches Leben zur\u00fcckgekehrt waren, werden wir nat\u00fcrlich in dem Leben bleiben, das in den Tod gehen wird. Aber schon diese R\u00fcckkehr in unser allt\u00e4gliches Leben k\u00f6nnen wir als eine gro\u00dfartige Erfahrung der Bewahrung und \u201eNeusch\u00f6pfung\u201c durch Gott verstehen! Deshalb feiern manche den Tag ihrer Genesung aus schwerer Krankheit als ihren \u201eneuen Geburtstag\u201c! Damit haben sie begriffen, dass Gott \u201ein sie den Geist gab und sie lebten und sie sich auf ihre F\u00fc\u00dfe stellten\u201c (Ezechiel 37,10).<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>\u201eUnd der Friede Gottes,<\/p>\n<p>der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p>bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p>Erlangen<\/p>\n<p><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p>___<\/p>\n<p>[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, dort Forschungsstudent und Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, seit 1998 Dienst f\u00fcr den Martin-Luther-Bund (das lutherische Diasporawerk) in Erlangen, seit 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0\u00a0 Die Symbole bedeuten: In (\u00a0 )\u00a0 stehen Zus\u00e4tze der Septuaginta oder in Handschriften. Der Begriff in [\u00a0 ] stellt eine Erl\u00e4uterung dar. Der Begriff in &lt;\u00a0 &gt; kann gestrichen werden. Formulierungen nach \/ geben Varianten des Verstehens und Formulierungen in (\/\u00a0\u00a0 ) geben in Handschriften oder in der Septuaginta belegte Varianten.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> \u00a0\u00a0Ich verweise nur auf: Johannes Odenthal: Syrien. Hochkulturen zwischen Mittelmeer und Arabischer W\u00fcste \u2013 5000 Jahre Geschichte im Spannungsfeld von Orient und Okzident, K\u00f6ln <sup>4<\/sup>1988, S. 288-293.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0\u00a0 Ich beziehe mich auf einen Aufsatz, den ich im Internet gefunden habe: Petra Sevrugian: Kurt Weizmann und Herbert L. Kessler, The Frescoes of the Dura Synagogue and Christian Art, S. 702. Das Bild habe ich auch im Internet gefunden: <a href=\"https:\/\/www.google.com\/search?q=Synagoge+Dura+Europos+Bild+Ezechiel+37\">https:\/\/www.google.com\/search?q=Synagoge+Dura+Europos+Bild+Ezechiel+37<\/a>&#8230; (Zugriff am 6.2.2022).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>\u00a0\u00a0 Zum Fest \u05d9\u05d5\u05dd \u05db\u05e4\u05d5\u05e8 oder \u05d9\u05d5\u05dd \u05db\u05e4\u05d5\u05e8\u05d9\u05dd vgl. nur Levitikus \/ 3. Mose 16.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. nur: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anschlag_in_Halle_(Saale)_2019\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anschlag_in_Halle_(Saale)_2019<\/a> (Zugriff am 7.2.2022).<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/6EAE57AD-4EE1-492B-9170-0E108BA289CA#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a>\u00a0\u00a0 Nestle \u2013 Aland: Novum Testamentum Graece, begr\u00fcndet von Eberhard und Erwin Nestle, hg. von Barbara und Kurt Aland, Johannes Karavidopoulos, Carlo M. Martini, Bruce M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/1B43E47C-68DB-426A-833C-C4905C4BAD33#_edn3\" name=\"_ednref3\"><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIhr werdet leben!\u201c | Karsamstag | 16.4.2022 | Ez. 37,1-14 | Dr. Rainer Stahl | \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!\u201c Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Schwestern und Br\u00fcder! 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