{"id":7931,"date":"2022-04-30T14:12:33","date_gmt":"2022-04-30T12:12:33","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7931"},"modified":"2022-05-04T15:36:02","modified_gmt":"2022-05-04T13:36:02","slug":"johannes-21-15-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-21-15-19\/","title":{"rendered":"Johannes 21, 15-19"},"content":{"rendered":"<h3>Petrus arbeitet sich ab. | Misericordias Domini | 1.5.2022 | Joh 21, 15-19 | Thomas Schlag |<\/h3>\n<p>Liebe nach\u00f6sterliche Gemeinde,<\/p>\n<p>jetzt ist Ihre Einbildungskraft, Ihre Imagination gefragt. Ich lade Sie herzlich dazu ein, sich zur folgenden biblischen, nach\u00f6sterlichen Szene Ihr eigenes Bild zu machen.<\/p>\n<p>Diese Szene findet sich im Johannesevangelium unmittelbar nach dem wunderbar reichen Fischzug, den wir vorher als Schriftlesung geh\u00f6rt haben (Joh. 21, 1-14).<\/p>\n<p>Nun also unmittelbar weiter. Und wenn Sie m\u00f6chten, k\u00f6nnen Sie zu den Worten des Johannes auch gerne die Augen schlie\u00dfen:<\/p>\n<p><em>15 Als die J\u00fcnger und Jesus nun \u2013 dort am See \u2013 fr\u00fch am Morgen beim Kohlenfeuer Brot und Fisch gegessen hatten, sagt Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als diese mich lieben? Simon Petrus sagt zu ihm: Ja, Herr, du wei\u00dft, dass ich dich lieb habe. Jesus sagt zu ihm: Weide meine L\u00e4mmer!<\/em><\/p>\n<p><em>16 Und er sagt ein zweites Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Simon Petrus sagt zu ihm: Ja, Herr, du wei\u00dft, dass ich dich lieb habe. Jesus sagt zu ihm: H\u00fcte meine Schafe! <\/em><\/p>\n<p><em>17 Er sagt zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und er sagt zu ihm: Herr, du wei\u00dft alles, du siehst doch, dass ich dich lieb habe. Jesus sagt zu ihm: Weide meine Schafe! <\/em><\/p>\n<p><em>18 Amen, amen, ich sage dir Simon Petrus: Als du j\u00fcnger warst, hast du dich selber geg\u00fcrtet und bist gegangen, wohin du wolltest. Wenn du aber \u00e4lter wirst, wirst du deine H\u00e4nde ausstrecken, und ein anderer wird dich g\u00fcrten und f\u00fchren, wohin du nicht willst. <\/em><\/p>\n<p><em>19 Das aber sagte er, um anzudeuten, durch welchen Tod Petrus Gott verherrlichen werde. Und nachdem Jesus dies gesagt hatte, sagte er zu ihm: Folge mir!<\/em><\/p>\n<p>W\u00fcrden wir uns nun dar\u00fcber austauschen, was jede und jeder einzelne von uns gerade imaginiert hat, dann d\u00fcrfte sich sehr wahrscheinlich eine bunte Vielfalt unterschiedlichster Szenerien ausbreiten.<\/p>\n<p>Und daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich diese biblische Begegnungsgeschichte selbst Grund und Ursache: Denn in nur wenigen Zeilen tut sich ein weiter Raum und ein fast unfassbarer Reichtum auf: Bilder vom Ort am See, meine Vorstellung der Gestalten Jesus und Petrus, Erinnerungen an eigene erlebte Morgenstimmungen, der Geschmack von Brot und Fisch, Gedanken an eigene Liebesbotschaften, Landschaftsszenen von Schafen und L\u00e4mmern, Erfahrungen von ausgestreckten H\u00e4nden, Jung-Sein und \u00c4lter-Werden, Gedanken \u00fcber den Tod.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr einen Liebes- und Lebensreichtum er\u00f6ffnet diese biblische Szene zwischen Jesus und Simon Petrus. Und dieser Reichtum liegt eben nicht nur in dem, was geschrieben steht. Sondern \u2013 Sie haben es l\u00e4ngst gemerkt \u2013 der nach\u00f6sterlicher Reichtum entfaltet sich dadurch, dass wir uns eben selbst unser je eigenes pers\u00f6nliches Bild von der Szenerie machen.<\/p>\n<p>Indem wir h\u00f6ren und imaginieren, beginnt es, sich in uns zu bewegen, zu arbeiten. Eigene Assoziationen, Erinnerungen, Bilder, Stimmungen kommen in uns auf. Es lagert sich viel von uns selbst an die geh\u00f6rte Geschichte an. Diese Szene gewinnt ihre Bedeutung durch das, was wir von uns aus damit verbinden. Und wir lesen und h\u00f6ren nicht nur als der, der wir sind, sondern auch als der, der wir im Moment sein wollen und sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das der geeignete Reflex auf den heutigen Tag der Arbeit: wir als H\u00f6rende sind dazu aufgerufen, mit und an den eigenen Glaubensbildern imaginativ zu arbeiten. Und das ist \u00fcbrigens durchaus sowohl eine Sonntags- wie eine Alltagsm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte ich es mit allen weiteren Erl\u00e4uterungen zu dieser Szene des Johannesevangeliums nun belassen. Denn Sie haben f\u00fcr sich diese Szene vermutlich schon eindr\u00fccklich vor Augen, haben sich das \u00fcberlieferte Narrativ vielleicht schon mit den eigenen Lebenserfahrungen verbunden.<\/p>\n<p>Und insofern will ich das gar nicht gar nicht in Frage stellen und erst recht nicht zerst\u00f6ren. Sondern ich biete Ihnen nun meine Imagination, meine Glaubens-Arbeit an diesen nach\u00f6sterlichen Zeilen an. Als eine weitere m\u00f6gliche Lesart.<\/p>\n<p>Und vielleicht k\u00f6nnen sich unsere Bilder und verschiedenen Lesarten dann sogar zu einer gemeinschaftlichen Szene zusammenf\u00fcgen \u2013 wir werden sehen.<\/p>\n<p>Ich habe mich bei meiner Alltags- und Sonntagsarbeit am Text gefragt:<\/p>\n<p>In welcher Stimmung eigentlich sitzen Jesus und Petrus am Kohlenfeuer? Sind wir am Ende einer langen Arbeitsnacht oder scheint schon die Morgensonne auf? Sind beide todm\u00fcde oder hellwach? Sitzen sie nebeneinander oder sich gegen\u00fcber und wie weit sind sie eigentlich voneinander entfernt? Sitzen beide bequem oder auf hartem felsigen Untergrund?<\/p>\n<p>W\u00e4rmt das Kohlenfeuer noch oder starrt man nur noch in die letzte verglimmende Glut? Sprechen Sie laut oder leise miteinander, vertraut oder misstrauisch?<\/p>\n<p>Besteht nach dem gemeinsamen Essen von Fisch und Brot nun ausgelassene oder angespannte Stimmung? Herrscht konzentrierte Sabbat-Atmosph\u00e4re oder schon wieder gesch\u00e4ftiger Trubel des neuen Arbeitstages?<\/p>\n<p>Und wie \u2013 in Gottes Namen \u2013 ist diese Schl\u00fcsselfrage Jesu an Petrus zu verstehen \u2013 dreimal ganz \u00e4hnlich gestellt: &#8222;Liebst du mich mehr, als diese mich lieben?&#8220;, &#8222;Liebst Du mich?&#8220;, &#8222;Hast Du mich lieb?&#8220; und dreimal mit einem &#8222;Ja&#8220; des Petrus beantwortet.<\/p>\n<p>W\u00e4re ich ein Theaterregisseur, der dies nun in Szene setzen sollte, m\u00fcssten jetzt jedenfalls eine ganze Reihe von inszenatorischen Grundentscheidungen gef\u00e4llt werden:<\/p>\n<p>Ich will mich aber gar nicht gleich f\u00fcr eine Version entscheiden, um den Reichtum der Geschichte allzu schnell einzudampfen.<\/p>\n<p>Sondern ich biete Ihnen zwei recht unterschiedliche Inszenierungsm\u00f6glichkeiten an: Und ich nehme daf\u00fcr diese dreimalige Schl\u00fcsselfrage und das dreimalige &#8222;Ja&#8220; des Petrus nochmals genauer in den Blick.<\/p>\n<p>Um es hier gleich zu sagen: Je nachdem, wie ich diesen Liebesdialog lese und h\u00f6re, wird jedenfalls f\u00fcr mich die ganze Szene in ein h\u00f6chst unterschiedliches Licht getaucht:<\/p>\n<p>Meine erste Lesart und Inszenierung nenne ich &#8222;Verh\u00f6r am kalten Morgen&#8220; und dies zeigt sich wie folgt: Eigentlich ist dieses &#8222;Liebst Du mich?&#8220; allein schon eine Frage, die alle Alarmglocken l\u00e4uten lassen sollte. Wer so fragt, hat dr\u00e4ngende Zweifel. Nichts ist klar, alles ist unsicher. Wer so fragt, erwartet vielleicht gar kein &#8222;Ja&#8220; mehr. Jedenfalls steht nun der Gefragte, oder muss man eher sagen, der Befragte, unter Verdacht, fast schon mit dem R\u00fccken zur Wand. Denn ihm wird m\u00f6glicherweise unterstellt, dass alle bisherigen Liebensbekundungen nur Lug und Trug waren: Hinter dieser dr\u00e4ngenden Frage steht nicht weniger als ein &#8222;Kannst Du mir wirklich treu sein?&#8220;. Eine solche Frage in Liebesdingen hat schon manchem Gefragten die Schwei\u00dfperlen auf die Stirn und das Adrenalin durch die Adern gejagt. Ja, es ist eine dr\u00e4ngende Szene, die eigentlich nur zwei M\u00f6glichkeiten l\u00e4sst: sofortige Ausrede bzw. Ausflucht oder unbedingtes Bekenntnis. Bei dieser ersten Lesart stellen ich mir jedenfalls die Szene eines Verh\u00f6rs vor, in dem Petrus nicht ein, und nicht zwei, sondern gleich drei eindeutige Committments abverlangt werden. Hartes, kaltes Licht f\u00e4llt auf ihn. Mehr Unterredung und Unterweisung als echter Dialog jedenfalls.<\/p>\n<p>Und so reagiert Petrus aus seiner unbequemen Lage heraus: Ja, er bekennt bzw. konstatiert mit jedem Mal st\u00e4rker, dass er Jesus liebt. Und man wird den Eindruck nicht los, dass das Kohlenfeuer l\u00e4ngst erloschen ist, der Morgen kalt ist und Petrus in \u00fcberaus unbequemer Position ist. Sein Gegen\u00fcber Jesus scheint am Ende gleichwohl mehr oder weniger zufriedengestellt und nun k\u00f6nnen die Dinge ihren weiteren Lauf nehmen: Petrus erh\u00e4lt auf die wohlfeile Beantwortung den Auftrag, die Sch\u00e4fer und L\u00e4mmer zu weiden. Denn sein Bekennermut qualifiziert ihn \u2013 mehr als alle anderen &#8211; f\u00fcr alle h\u00f6heren T\u00e4tigkeiten: auf die erfolgreiche Beantwortung der Schl\u00fcsselfrage hin werden ihm die kirchenleitenden Schl\u00fcssel ausgeh\u00e4ndigt, mit der irgendwann der Himmel aufgeschlossen, jetzt aber erst einmal irdische Aufgaben abgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Meine zweite Lesart und Inszenierung nenne ich &#8222;Warmherziges Nebeneinander&#8220;: Denn man kann sich dieses &#8222;Liebst Du mich?&#8220; auch als h\u00f6chste sehnsuchtsvolle, romantische Expression vorstellen. Hier wird die Frag ganz zweifelsfrei gestellt, weil allergr\u00f6\u00dftes Vertrauen zwischen Fragendem und Befragtem l\u00e4ngst gegeben ist. Die Frage wird gestellt, weil man gar nichts anderes erwarten kann und wird als ein uneingeschr\u00e4nktes &#8222;Ja&#8220;. Diesen Dialog stelle ich mir sozusagen als gemeinsamen Tanz der Worte vor. Als ein Hin- und Her aus liebevollen Augenblicken und Ber\u00fchrungen, am nat\u00fcrlich nun w\u00e4rmenden Kohlenfeuer bei aufgehender, schon leuchtender Morgensonne und in ungebrochen br\u00fcderlichem Geist.<\/p>\n<p>In diesem Inszenierungsfall ist das dreimalige Ja des Petrus dann sozusagen immer weiter verz\u00fcckte Steigerung des eigenen Liebesschwurs, der sich kaum noch zu beherrschen wei\u00df. Und auch von hier aus nehmen die Dinge ihren Lauf: Man h\u00f6rt schon die Glocken der L\u00e4mmer und Schafe, bereit zum Aufbruch in den gemeinsamen neuen lichten Tag, mit dem vor Gl\u00fcck taumelnden Petrus an der Spitze der ganzen gleichberechtigten Heerschar aus Getauften, Distanzierten, Suchenden, den Verlorenen und Wiedergefundenen.<\/p>\n<p>Sie merken schon l\u00e4ngst: Beide Inszenierungen sind sozusagen \u00fcberzeichnet \u2013 aber f\u00fcr beides finden wir lange Auslegungstraditionen: Die schroffe hart gezeichnete Version hat immer wieder als Ausgangspunkt f\u00fcr eine felsenharte und hierarchische Interpretation des Verh\u00e4ltnisses von Jesus als Hirten, dem irdischen zur ultimativen Leitung berufenen Hirten Petrus und der zum klaren Bekenntnis aufgerufenen Nachfolgegemeinde gedient. Die Szene k\u00f6nnte man sozusagen als biblische Begr\u00fcndung f\u00fcr eine harte und eindeutige Institutionenlogik verstehen \u2013 mit Petrus als der autoritativen Speerspitze der Glaubenseindeutigkeit.<\/p>\n<p>Die weich gezeichnete Version hat durch die Zeiten hindurch romantische Bilder der warmherzigen Br\u00fcdergemeinschaft inmitten ihrer in Wolle und Watte gepackten J\u00fcngerschar erzeugt. Man denke etwa an die Bildprogramme der Nazarener des 19. Jahrhunderts oder an manche tats\u00e4chlich in Wolle geh\u00fcllte Kinderbibel. Diese Szene w\u00e4re dann also die biblische Begr\u00fcndung einer auf Dauervers\u00f6hnung ausgerichteten Wohlf\u00fchlgemeinschaft. Und Petrus erscheint als das authentisch-exemplarische Religionsindividuum. Und die ganze Herdenschar zeichnet sich durch ein kaum zu \u00fcberbietendes Ideal freier Geselligkeit im schwebenden Nachfolgerhythmus aus.<\/p>\n<p>Theologiegeschichtlich hat man nicht selten die jeweils andere Lesart ganz und gar in Frage gestellt und deren Legitimit\u00e4t verneint. So als ob die je andere Lesart und Inszenierung dem eigentlichen Sinn dieser Jesus-Petrus-Begegnung gerade nicht gerecht werde. Das Bekenntnis, so die einen, erfordere tiefste Klarheit und gegebenenfalls auch Strenge gegen sich selbst \u2013 und der Gemeinde gegen\u00fcber sowieso. Und die anderen sagen: Christliche Religion lebe vom uneingeschr\u00e4nkten &#8222;Jesus liebt Dich&#8220; und der harmonischen Gesinnung der ganzen Gemeinde.<\/p>\n<p>Was machen wir nun mit diesen unterschiedlichen Lesarten \u2013 ist eine richtig, die andere falsch? Die eine daneben, und die andere unbedingt zutreffend? Kaltes Morgenlicht oder erste w\u00e4rmende Sonnenstrahlen? Verh\u00f6r oder Dialog? Entschiedene, ernsthaft bedr\u00e4ngende Bekenntnisgeschichte oder romantische, weichgesp\u00fclte Gef\u00fchlsprosa? Oder m\u00fcssen wir jetzt einen Konsens, den kleinsten gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen Bilder finden \u2013 mit der Gefahr eines grau-lauen Allerleis?<\/p>\n<p>Vielleicht hat man ja mit beiden Auslegungen die eigentliche Pointe noch gar nicht getroffen.<\/p>\n<p>Ich pl\u00e4diere daf\u00fcr, den Reichtum der biblischen und unserer eigenen Imagination nebeneinander stehen zu lassen \u2013 und doch in Beziehung zueinander zu setzen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr komme ich noch einmal zur Licht- und Farbgebung dieser Geschichte zur\u00fcck und frage:<\/p>\n<p>Welche Farbe hat eigentlich das nach\u00f6sterliche Licht?<\/p>\n<p>Sie w\u00fcrden nun vielleicht sagen: Es kommt darauf an \u2026 weil sich, wie gesagt, immer auch unsere eigenen Pr\u00e4gungen und Stimmungen an diese Geschichte anlagern.<\/p>\n<p>Diese Geschichte von Jesus und Petrus stellt sich nicht ohne mich vor. Sondern sie wird erst vorstellbar, wenn ich mich mitten in sie hineinstelle, mich in ihrem Raum bewege, an der Frage der Liebe und meiner Antwort zu arbeiten beginne, wenn ich also alles selbst zum Leuchten bringe.<\/p>\n<p>Bestimmen <em>wir<\/em> also, welche Farbe das nach\u00f6sterliche Licht hat? Was steht neben den roten und schwarzen und regenbogenfarbenen Fahnen des heutigen Tages? Was ziehen wir auf?<\/p>\n<p>Sind es <em>wirklich wir<\/em>, die f\u00fcr die nach\u00f6sterliche Inszenierung hauptverantwortlich sind \u2013 m\u00fcssen wir f\u00fcr uns alleine einstehen und f\u00fcr unser Recht sorgen?<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist es doch gerade umgekehrt: Die Geschichte gewinnt erst Raum, die Szene wird erst vorstellbar, wenn sie sich <em>in mich<\/em> hineinstellt. Wenn sie sich in meinem Lebensraum zu bewegen beginnt. Wenn Jesu Frage nach der Liebe an mir zu arbeiten beginnt und sich als Lebensfarbe f\u00fcr mich selbst zum Leuchten bringt.<\/p>\n<p>Welche Farbe das nach\u00f6sterliche Licht hat, ist nicht nur eine Frage unserer je eigenen Entscheidungsperspektive. Sondern sie entscheidet sich daran, was und wer uns dabei entgegenkommt.<\/p>\n<p>Am Anfang dieses Gottesdienstes wurde dieser reiche Lichtbogen aufgespannt und begegnet uns hier nun wieder: &#8222;Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.&#8220; (Joh 10,11a.27\u201328a). Und wir haben vorher schon in sozusagen ganz angemessener Reihenfolge gesungen: &#8222;Jesus lebt, mit ihm auch ich&#8220;. Erg\u00e4nzen kann man nun: &#8222;Jesus liebt, mit ihm auch ich&#8220;.<\/p>\n<p>All dies macht ganz deutlich: Nicht wir inszenieren unser ganzes Leben. Sondern wir <em>sind<\/em> immer schon in Szene gesetzt. Denn der Auferstandene ist l\u00e4ngst mitten in unserer Lebensgeschichte angekommen und gegenw\u00e4rtig und steht f\u00fcr uns ein.<\/p>\n<p>Die Frage Jesu &#8222;Liebst Du mich wirklich?&#8220; ist deshalb auch an uns zwar \u00fcberaus ernst gemeint. Aber sie ist kein Verh\u00f6r, nicht mehr bedr\u00e4ngend, sondern ein liebevolles Sehnen nach unserem &#8222;Ja&#8220;.<\/p>\n<p>Wenn der gute Hirte sein &#8222;Folge mir nach&#8220; spricht, ist das kein hartes unbarmherziges Zerren und Ziehen an mir. Sondern ich stelle es mir viel mehr als ein zutiefst liebevolles &#8222;an der Hand nehmen&#8220; vor. Jesus geht uns voraus und geht mit uns hinein ins Offene und Ewige.<\/p>\n<p>Das biblische Liebesnarrativ und unsere eigene Lebenserz\u00e4hlung sind l\u00e4ngst miteinander verbunden: dialogisch, tanzend, einander wechselseitig bereichernd.<\/p>\n<p>Das nach\u00f6sterliche Licht strahlt vielf\u00e4ltig aus, warm wie die Morgensonne \u2013 auf unser ganzes Leben.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p><em>Lieder:<\/em><\/p>\n<p>ERG 167, 1-3 Du hast uns, Herr gerufen<\/p>\n<p>ERG 482, 1-4 Jesus lebt, mit ihm auch ich<\/p>\n<p>ERG 15 1-5 Der Herr ist mein getreuer Hirte<\/p>\n<p>ERG 478, 1-3 Jesus meine Zuversicht<\/p>\n<p><strong>___<\/strong><\/p>\n<p><em>Thomas Schlag ist Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. Die Predigt wurde am 1. Mai 2022 in der Kirche St. Peter, Z\u00fcrich gehalten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petrus arbeitet sich ab. | Misericordias Domini | 1.5.2022 | Joh 21, 15-19 | Thomas Schlag | Liebe nach\u00f6sterliche Gemeinde, jetzt ist Ihre Einbildungskraft, Ihre Imagination gefragt. Ich lade Sie herzlich dazu ein, sich zur folgenden biblischen, nach\u00f6sterlichen Szene Ihr eigenes Bild zu machen. 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