{"id":7973,"date":"2022-05-09T19:01:08","date_gmt":"2022-05-09T17:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=7973"},"modified":"2022-05-09T19:01:08","modified_gmt":"2022-05-09T17:01:08","slug":"kolosser-312-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-312-17\/","title":{"rendered":"Kolosser 3,12-17"},"content":{"rendered":"<h3>Zieht an die Liebe | Kantate | 15.05.2022<strong> | <\/strong>Kol 3,12-17 | Johannes L\u00e4hnemann |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kolosser 3,12-17<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>12 So zieht nun an als die Auserw\u00e4hlten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>14 \u00dcber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>15 Und der Friede Christi regiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Und seid dankbar daf\u00fcr.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. Singt Gott dankbar aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist das f\u00fcr ein Text, den wir da eben geh\u00f6rt haben! Welche F\u00fclle an Gedanken stecken darin. Er strahlt W\u00e4rme aus, er vermittelt ein ganz positives Klima. Ungewohnte Bilder werden gebraucht. Freundlichkeit, Sanftmut, Geduld sollen wir anziehen wie ein neues Gewand. Zusammengehalten wird es von der Liebe. Sie ist das Band der Vollkommenheit. Vom Frieden Christi wird gesprochen. Er soll in unseren Herzen regieren. Er soll also quasi die Herrschaft haben \u00fcber alles, was unser Herz erf\u00fcllt. Das Wort Christi soll unter uns wohnen; es soll also gleichsam unser Hausgenosse sein. Und wir sollen singen. Aus vollem Herzen sollen wir singen: die Psalmen, die Hymnen, die geistlichen Lieder. Nicht umsonst also ist dieser Text gew\u00e4hlt f\u00fcr den Sonntag Kantate: \u201eSinget\u201c. Insgesamt handelt es sich um einen sorgf\u00e4ltig durchkomponierten Text \u2013 mit seiner Wortwahl, mit seinem Aufbau, mit seinem Stil.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor allem aber k\u00f6nnen wir den Text verstehen als einen kompakten Leitfaden daf\u00fcr, wie ein Leben aussehen soll, das durch Jesus Christus neu geworden ist, das von ihm her bestimmt und gepr\u00e4gt ist. Vorher wird aufgelistet, wovon die Menschen gepr\u00e4gt waren, bevor sie Christus begegnet sind: Dazu geh\u00f6rten Eigennutz, ja auch Zorn, Wut, Habgier. Und die Habgier wird ausdr\u00fccklich als G\u00f6tzendienst bezeichnet. Das sollen die Gl\u00e4ubigen ablegen wie ein altes Gewand. Denn mit Christus sind sie diesem Leben abgestorben, ist ihnen ein neues Leben geschenkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr uns dieser Text bedeuten kann, m\u00f6chte ich uns in drei Schritten vor Augen stellen:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol style=\"font-weight: 400;\">\n<li>Der Text zeigt, was uns in Christus alles geschenkt ist.<\/li>\n<li>Der Text bietet einen Leitfaden f\u00fcr unser pers\u00f6nliches Leben wie auch f\u00fcr das Leben in unserer Gemeinde.<\/li>\n<li>Der Text fordert uns auf zum Singen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>1. Der Text zeigt, was uns in Christus alles geschenkt ist.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir den ganzen Brief an die Gemeinde in Koloss\u00e4, einer bl\u00fchenden Handelsstadt in Kleinasien, lesen, dann merken wir, es ist gar nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Paulus &#8211; vielleicht war es auch einer seiner Sch\u00fcler, der den Brief im Namen des Paulus verfasst hat \u2013 so positiv an die Gemeinde schreibt. Denn in der Gemeinde, die sich anfangs sehr gut entwickelt hat, gibt es schweren Streit. Es sind Leute aufgetreten, die behaupten: Es reicht nicht aus, dass ihr euch von Christus mit Gott vers\u00f6hnen lasst, dass durch ihn eure S\u00fcnden vergeben sind. Sie behaupten: Es gibt noch andere M\u00e4chte in der Welt, die euer Schicksal lenken \u2013 es sind Engel, Gottheiten, der Mond und die Gestirne, geheime Kr\u00e4fte. Denen muss man dienen, f\u00fcr die muss man sich in geheimen Zeremonien einweihen lassen, um wirklich an der F\u00fclle des G\u00f6ttlichen Anteil zu haben. Dazu m\u00fcssen viele Vorschriften befolgt werden: Bestimmte Speisen d\u00fcrfen nicht anger\u00fchrt werden, besondere Festtage m\u00fcssen eingehalten werden, den K\u00f6rper muss man kasteien. Diese Leute treten selbstbewusst auf. Sie sind die Kl\u00fcgeren. Sie blicken auf die Anderen herab. Sie kommen mit Forderungen, die den Anderen Angst machen. Sie s\u00e4en Unfrieden und Streit.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dem setzt Paulus eine Botschaft entgegen: In Christus ist euch alles gegeben. In ihm habt ihr nicht nur die Vers\u00f6hnung mit Gott, nein, er ist der Herr der Welt, \u00fcber allen M\u00e4chten und Gewalten, die die Menschen beherrschen wollen. In ihm wohnt die ganze F\u00fclle, die ganze Kraft und Liebe Gottes. Und indem ihr euch habt taufen lassen, habt ihr neues Leben, seid ihr erf\u00fcllt von dieser Kraft und Liebe Gottes. Ihr seid freie Menschen, ihr m\u00fcsst euch nicht neuen Vorschriften unterwerfen. Eure Gemeinschaft ist gleichsam der Leib Christi, dessen Haupt Christus selbst ist. Jede und jeder kann mit seiner Gabe und Begabung daran mitwirken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paulus redet die Gemeindeglieder mit hohen Worten an: Ihr seid die Auserw\u00e4hlten Gottes, ihr seid Heilige, ihr seid Geliebte. Wie aber k\u00f6nnen wir uns als Heilige, als Geliebte verstehen? Damit ist nicht gemeint, dass wir unfehlbar, dass wir vollkommen w\u00e4ren. Sondern damit ist gemeint, dass wir der Liebe Christi begegnet sind. Christus ist den Weg der Liebe Gottes gegangen. Er hat sie in seinem Leben verwirklicht, ja, er ist durch die Not des menschlichen Lebens gegangen, hat sie auf sich genommen bis in den Tod hinein. Aber er ist durch den Tod hindurchgedrungen zum neuen Leben. Er hat seinen Platz zur Rechten Gottes. Wer sich Christus anvertraut, kann alles Belastende hinter sich lassen. Er wird von seiner Liebe erf\u00fcllt. Dadurch sind wir geheiligt, sind wir Heilige.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nun geht es darum, dieses neue Leben im Alltag, im Umgang miteinander Wirklichkeit werden zu lassen. Hier kommt das Zweite zur Geltung:<\/p>\n<p><strong>2. Der Text bietet einen Leitfaden f\u00fcr unser pers\u00f6nliches Leben wie auch f\u00fcr das Leben in unserer Gemeinde.<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie sieht unser Leben aus, wenn wir das Erbarmen Jesu, seine Freundlichkeit, seine Sanftmut, seine Geduld angezogen haben, wenn wir uns ganz davon bestimmen lassen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pr\u00fcfen wir uns einmal, wie das in unserem Alltag sichtbar werden kann. Sind wir wirklich mit Erbarmen, mit Freundlichkeit, mit Sanftmut, mit Geduld bekleidet? K\u00f6nnen Andere an uns erkennen, dass wir uns nicht von Unbarmherzigkeit, Unfreundlichkeit, Zorn und Ungeduld beherrschen lassen? Wie leichtfertig sprechen wir oft unsere Abneigung Anderen gegen\u00fcber aus, wie schnell f\u00e4llen wir ein negatives Urteil, wie schnell verbreitet sich ein b\u00f6ses Ger\u00fccht! Wie, wenn unser erster Gedanke im Blick auf die Menschen, denen wir begegnen, immer w\u00e4re: Was w\u00fcrde ihnen, den Anderen, guttun? Was st\u00e4rkt sie, was richtet sie auf? K\u00f6nnen wir diesen Gedanken an die erste Stelle setzen?! Kann er in unserer Ehe gelten, gegen\u00fcber unseren Partnerinnen und Partnern, darin, wie bei uns die Eltern geachtet werden, wie unsere Geschwister uns erleben, unsere Kinder, die Enkel und Enkelinnen, die Freundinnen und Freunde, die Nachbarinnen und Nachbarn, die Kolleginnen und Kollegen?!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die gleichen Fragen gelten f\u00fcr unserer Gemeinde? Wie laufen die Beratungen im Kirchenvorstand? Dienen sie wirklich dem guten Zusammenleben in der Gemeinde? Sind sie sachbezogen und nicht von Konkurrenzdenken gepr\u00e4gt? Wie arbeiten Pastoren und Laien zusammen, wie die Hauptamtlichen und die Ehrenamtlichen, wie gehen die Konservativen und die Fortschrittlichen miteinander um? Jesus hat das in der Bergpredigt mit der Goldenen Regel zum Ausdruck gebracht: \u201eWas ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch!\u201c Er ermuntert uns, Fantasie zu entwickeln, das Gute, das wir uns von Anderen w\u00fcnschen, auch f\u00fcr die Anderen in die Tat umzusetzen. Ein sch\u00f6nes Beispiel habe ich am vergangenen Sonntag von einem der neuen Gemeindeglieder in unserer Frankenberger Gemeinde geh\u00f6rt. Es ist ein Mann, der aus dem Iran geflohen ist und in unserer Gemeinde ein herzliches Willkommen erfahren hat. Er hat mit seiner Familie Hilfe und F\u00f6rderung erfahren \u2013 beim Deutschlernen, im Blick auf einen Arbeitsplatz, im Blick auf eine Wohnung. Er sagte: \u201eIch muss jetzt \u00fcberlegen, ob und wie ich etwas dazu beitragen kann, dass die Menschen, die aus dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, hier eine so willkommene Aufnahme finden k\u00f6nnen, so wie ich sie selbst erfahren habe.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das N\u00e4chste, was Paulus sich f\u00fcr die Gemeinde w\u00fcnscht, ist eine ganz wichtige, oft aber auch sehr schwierige Aufgabe: <em>\u201eErtragt einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!\u201c<\/em> Wie aber kann ich vergeben, wenn ich von jemand Anderem verletzt worden bin, wenn ich \u00fcberzeugt bin, dass mir Unrecht geschehen ist und wenn das tief an meinem Herzen nagt? Wer von uns h\u00e4tte das nicht in seinem Leben schon erfahren? Oft brauchen wir daf\u00fcr jemanden, der unser Verletztsein versteht, der mit beiden Seiten reden kann und nicht noch \u00d6l in das Feuer gie\u00dft, der vielmehr hilft, den ersten Schritt zu tun. Wenn dann Vergebung m\u00f6glich wird, dann ist das wie eine Befreiung, wie eine Heilung, ist es eine Chance zu echtem Neuanfang. Das gilt f\u00fcr uns pers\u00f6nlich, das gilt f\u00fcr unsere Gemeinde, das gilt aber auch f\u00fcr ganze V\u00f6lker. \u2013 Nach dem 2. Weltkrieg haben f\u00fchrende M\u00e4nner der Evangelischen Kirche in Deutschland die Stuttgarter Schulderkl\u00e4rung verfasst, dabei M\u00e4nner, die selbst unter den Nazis in Haft waren. Sie haben bekannt, dass Deutschland unendliches Leid \u00fcber viele V\u00f6lker gebracht hat. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass die Kirchen der L\u00e4nder, die gegen das Nazi-Deutschland k\u00e4mpfen mussten, Deutschland die Hand zur Vers\u00f6hnung reichten und sich f\u00fcr den Wiederaufbau in Deutschland engagierten. \u2013 In S\u00fcdafrika haben Nelson Mandela und Desmond Tutu ein Beispiel f\u00fcr einen Vers\u00f6hnungsweg gegeben, nachdem endlich das Unrecht der Apartheid, der Rassentrennung, \u00fcberwunden war. Sie haben Vers\u00f6hnungskommissionen gebildet, in denen sie Schwarze und Wei\u00dfe, Apartheidvertreter und Apartheidbek\u00e4mpfer, zusammengebracht haben. Da konnten sich T\u00e4ter und Opfer in die Augen sehen. Sie haben \u00fcber das erfahrene Leid und Unrecht miteinander geredet und konnten sich die H\u00e4nde reichen. \u2013 Leider habe ich gegenw\u00e4rtig noch keine Vorstellung davon, ob das nach dem schlimmen Krieg in der Ukraine einmal m\u00f6glich sein wird, da auch die russisch-orthodoxe Kirche in das L\u00fcgengeb\u00e4ude eingeschlossen ist, das die Putin-Administration aufgebaut hat. Aber die Bem\u00fchung um das Gespr\u00e4ch und der Wille zur Vers\u00f6hnung darf auch da nicht aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der n\u00e4chste Vers in unserem Text fasst alles Bisherige zusammen: <em>\u201e\u00dcber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.\u201c<\/em> Von einer Haltung der Liebe wird alles zusammengehalten, was das t\u00e4gliche Leben derer, die Christus nachfolgen, ausmachen soll: die Offenheit, die Aufmerksamkeit f\u00fcr die Anderen, wie man sich ihnen zuwendet und sich f\u00fcr sie einsetzt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was es dann hei\u00dft, dass der Friede Christi in unseren Herzen regieren soll, dass er also die Herrschaft \u00fcber unser Herz einnehmen soll, kommt f\u00fcr mich am st\u00e4rksten zum Ausdruck in dem von Franz von Assisi inspirierten Friedensgebet. Sie finden es auf dem Gottesdienstblatt, und ich m\u00f6chte Sie an dieser Stelle bitten, es mit mir zusammen zu lesen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(EG Nr. 416):<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u201eO Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich liebe, wo man sich hasst, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt; <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich verbinde, wo Streit ist,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel dr\u00fcckt,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung qu\u00e4lt,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich ein Licht anz\u00fcnde, wo die Finsternis regiert, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Herr, lass mich trachten: nicht, dass ich getr\u00f6stet werde, sondern dass ich andere tr\u00f6ste,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich andere verstehe,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich andere liebe. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Denn wer da hingibt, der empf\u00e4ngt, wer sich selbst vergisst, der findet, <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch nach dem Aufruf zum Frieden hat unser Text noch weitere H\u00f6hepunkte. Und zu jedem Satz k\u00f6nnte man inhaltlich viel sagen: Die Gemeindeglieder werden als die Glieder eines Leibes angesprochen. Wie die Glieder eines Leibes, die alle ihre besondere Funktion f\u00fcr den ganzen Leib haben, die sich gegenseitig erg\u00e4nzen, so soll es in der Gemeinde sein. Die Gemeindeglieder sollen au\u00dferdem das Wort Christi reichlich unter sich wohnen lassen, und es wird ihnen zugetraut, dass sie sich gegenseitig mit ihm ermahnen und st\u00e4rken k\u00f6nnen. Dann folgt die Aufforderung, deretwegen der Text f\u00fcr den heutigen Sonntag Kantate ausgesucht ist: <em>\u201eSingt Gott dankbar aus vollem Herzen Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder.\u201c <\/em>Das ist das Dritte, worauf wie achten wollen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>3. Der Text fordert uns auf zum Singen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was w\u00e4re unser Gemeindeleben ohne die Musik, ohne das Singen! Es ist das reiche Erbe unserer evangelischen Glaubenstradition. In der Zeit der gro\u00dfen Corona-Einschr\u00e4nkungen haben wir gesp\u00fcrt, wie sehr es uns fehlt, wenn wir in der Kirche nicht alle mitsingen d\u00fcrfen, und wir haben sehr nach Wegen gesucht, es trotzdem klingen zu lassen und Gott mit Instrumenten und Solo-Singen zu loben. Jetzt k\u00f6nnen wir wieder miteinander einstimmen in die Lieder, die das Lob Gottes, die ihn, die sein Geschenk der Liebe in Jesus Christus und die Wege zum Frieden preisen. Gleich zwei Loblieder haben wir in diesem Gottesdienst, die Paul Gerhardt im Angesicht der Kriegsnot des 30-j\u00e4hrigen Krieges, die er erlebt hat, und gegen die Bedr\u00e4ngnisse seiner Zeit gedichtet hat:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Du meine Seele singe, wohlauf und singe sch\u00f6n<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben wird.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und nach der Predigt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Wohlauf, mein Herze sing und spring und habe guten Mut!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Lieder zeigen uns, dass unser Glaube etwas Ermutigendes hat, ja dass zu ihm die Fr\u00f6hlichkeit geh\u00f6rt, so dass unser Herz singen und springen kann.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch in unserer Zeit k\u00f6nnen uns die Lieder aus der Enge heraus f\u00fchren und in die Freiheit hineinf\u00fchren \u2013 wie das Lied der B\u00fcrgerrechtsbewegung Martin Luther Kings \u201eWe shall overcome\u201c und \u201eWe walk hand in hand\u201c \u2013 \u201eWir gehen Hand in Hand\u201c, mit dem die Menschen in den USA gegen die Rassentrennung und den Vietnamkrieg angesungen haben. Ein \u00e4hnliches Lied in die Freiheit hinein wurde bei der der Wende in der DDR das Lied von Klaus Peter Hertzsch: \u201eVertraut den neuen Wegen\u201c, besonders mit der 3. Strophe:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400; padding-left: 40px;\"><em>Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der abschlie\u00dfende Vers unseres Predigttextes fasst alles noch einmal zusammen: dass wir durch Jesus das gro\u00dfe Geschenk seiner Liebe erhalten haben, dass uns durch ihn der Leitfaden f\u00fcr unser Gemeindeleben wie f\u00fcr unser pers\u00f6nliches Leben gezeigt wird, und dass wir ihm Gott in unseren Liedern loben und ihm danken k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Prof. em. Dr. Johannes L\u00e4hnemann, Goslar, <a href=\"mailto:johannes@laehnemann.de\">johannes@laehnemann.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Johannes L\u00e4hnemann (geb. 1941) hatte von 1981-2007 den Lehrstuhl f\u00fcr Religionsp\u00e4dagogik und Didaktik des Ev. Religionsunterrichts an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg inne. Er lebt im Ruhestand in Goslar. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Interreligi\u00f6ser Dialog, Interreligi\u00f6ses Lernen, Religionen und Friedenserziehung. Er ist Vorsitzender der N\u00fcrnberger Regionalgruppe der <em>Religionen f\u00fcr den Frieden<\/em>, Mitglied am Runden Tisch der Religionen in Deutschland und Mitglied der internationalen Kommission <em>Strenghtening Interreligious Education <\/em>der internationalen Bewegung <em>Religions for Peace <\/em>(RfP).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Seine Autobiografie ist erschienen unter dem Titel \u201eLernen in der Begegnung. Ein Leben auf dem Weg zur Interreligiosit\u00e4t.\u201c G\u00f6ttingen (Vandenhoeck &amp; Ruprecht) 2017.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Predigt wird in der romanischen Neuwerkkirche Goslar gehalten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedempfehlungen: EG 302,1-4.8 (Du meine Seele singe), 324,1.2.13 (Ich singe dir mit Herz und Mund),<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">436 (Kanon: Herr, gib uns deinen Frieden)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zieht an die Liebe | Kantate | 15.05.2022 | Kol 3,12-17 | Johannes L\u00e4hnemann | Kolosser 3,12-17 12 So zieht nun an als die Auserw\u00e4hlten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7974,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,1,157,114,225,357,306,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-7973","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolosser","category-aktuelle","category-beitragende","category-deut","category-johannes-laehnemann","category-kantate","category-kapitel-3-chapter-3-kolosser","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7973"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7975,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7973\/revisions\/7975"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7973"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=7973"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=7973"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=7973"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=7973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}