{"id":8027,"date":"1998-01-07T19:50:20","date_gmt":"1998-01-07T18:50:20","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8027"},"modified":"2025-04-08T14:42:49","modified_gmt":"2025-04-08T12:42:49","slug":"epheser-52","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-52\/","title":{"rendered":"Epheser 5,2"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #0000a0; font-size: 16px;\">G\u00f6ttinger Predigten im Internet,<br \/>\nhg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/span><\/h3>\n<hr \/>\n<h3><span style=\"font-size: 16px;\"><span style=\"color: #0000a0;\">Sonntag\/Feiertag:<\/span> 2.\u00a0Sonntag nach Weihnachten<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 16px;\"><span style=\"color: #0000a0;\">Datum:<\/span> 4.1.1998<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 16px;\"><span style=\"color: #0000a0;\">Text:<\/span> Text: Jahreslosung\u00a01998, Eph 5,2<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 16px;\"><span style=\"color: #0000a0;\">Verfasser:\u00a0<\/span>Pastor Hellmut M\u00f6nnich, G\u00f6ttingen<\/span><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Vorbemerkung<\/p>\n<p>Anregung zu diesem Entwurf: ZUM BEISPIEL. Zur Jahreslosung 1998 (Wischnath\/ Schmeel) in: Zeitschrift f\u00fcr Gottesdienst und Praxis, 16. Jahrgang Heft 1, G\u00fctersloh 1997<\/p>\n<p>In der Friedenskirche werden die Predigten von P. M\u00f6nnich nicht vorgelesen, sondern auf der Grundlage des Entwurfs wird in m\u00fcndlicher Rede frei gepredigt.<\/p>\n<p>Predigt<\/p>\n<p>Text: Jahreslosung 1998 &#8222;Lebt In der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat.&#8220; (Eph 5,2)<\/p>\n<p>&#8222;Ein sch\u00f6ner Wunsch&#8220; hat vielleicht eben jemand beim Vorlesen gedacht. Wenn er nicht gar gedacht hat: &#8222;ein frommer Wunsch!&#8220;. Dazu pa\u00dft, da\u00df mir eine \u00e4ltere Frau beim Neujahrs-Empfang sagte als die Jahreslosungskarten verteilt worden waren: &#8222;So einfach ist das nicht.&#8220; Nein. So einfach ist das wirklich nicht.<\/p>\n<p>Ende des vergangenen Jahres hat das Institut f\u00fcr Demoskopie in Allensbach die Stimmung in Deutschland untersucht. Dabei kam heraus: Viele Deutsche haben Angst. Sie f\u00fcrchten um ihren Arbeitsplatz, ihre soziale Sicherheit, halten die eigene Zukunft f\u00fcr nicht sicher. Als Grundstimmung wurde festgehalten: Die Deutschen wirken verzagt, wirken mutlos. Jeder zweite Befragte h\u00e4lt soziale Unruhen f\u00fcr m\u00f6glich. Rund ein Drittel aller B\u00fcrger, vorwiegend Alte, Arbeitslose und einkommensschwache Menschen leben nicht mehr in materiell gesicherten Verh\u00e4ltnissen. Armut, die viele im Lande schon f\u00fcr \u00fcberwunden hielten, ist wieder da und wird sichtbar und nagt am Konsens der Gesellschaft. Noch nie in 50 Jahren Bundesrepublik wurde die Kluft zwischen Arm und Reich als so ungerecht empfunden wie im abgelaufenen Jahr 1997: Die Zahl der Arbeitslosen n\u00e4hert sich der Rekordmarke von 5 Millionen, die L\u00f6hne steigen langsamer als die Preise, und neben dr\u00fcckenden Sozialabgaben m\u00fcssen die Arbeiter jetzt noch eine h\u00f6here Mehrwertsteuer verkraften. Parallel dazu explodieren die Aktienkurse, die Besserverdienenden heimsen an den Geldm\u00e4rkten satte Gewinne ein, und ein kompletter Bankvorstand mu\u00df zur\u00fccktreten, weil die hochm\u00f6genden Herren &#8211; wie es die S\u00fcddeutsche Zeitung formulierte &#8211; im Verdacht stehen, im gro\u00dfen Stil Steuern hinterzogen zu haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Zeitsituation also ist die Losung ausgesucht worden &#8222;Lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat&#8220;. R\u00fchrend harmlos? Nur eine andere Formulierung f\u00fcr &#8222;Seid nett zueinander&#8220;?<\/p>\n<p>Im Brief an die Christen im Ephesus im neuen Testament endet der f\u00fcr die Losung herausgesuchte Satz mit einem Komma und geht dann so weiter: &#8220; und hat sich selbst f\u00fcr uns gegeben&#8220;.<\/p>\n<p>Damit kommt sein grausiger Kreuzigungstod ins Spiel. Und damit hat die Losung ihre Harmlosigkeit verloren. Jesus Christus zahlte f\u00fcr seine Art zu leben, zu reden und zu handeln mit seinem Leben. Und unter Lieben verstand er nicht einfach &#8222;nett sein&#8220;. Was er darunter verstand, ist z.B. an S\u00e4tzen der Bergpredigt zu verstehen, wo selig &#8211; d.h. in Gottes Augen &#8222;richtig&#8220; &#8211; diejenigen genannt werden, die sanftm\u00fctig sind (ein Wort, das man heute kaum noch braucht); die barmherzig sind (nicht auf ihrem Recht beharren); die friedfertig sind (und nicht nur durchsetzungsbereit). Mit solchen Vorstellungen pa\u00dfte Jesus so wenig in seine Zeit und ihre politische Situation wie sie in unsere Zeit zu passen scheinen. Er wurde umgebracht. Soll man sagen: als nicht passend aus dem Wege ger\u00e4umt? Als dann die Anh\u00e4nger Jesu ihn nach seinem Kreuzestod lebendig sahen und erlebten, wurden ihnen die Augen ge\u00f6ffnet: Dieses Leben Jesu ist nicht dem Tod und Vergessen verfallen. Nein: Gott zeigte, da\u00df dieses Leben in seinen Augen das richtige ist. Ja, Gott liebt diese Welt gegen alle Hindernisse, trotz allem. Trotz allem Widerstand von uns Menschen.<\/p>\n<p>Eine meiner Meinung nach unvergessliche Beschreibung Gottes und von uns Menschen steht im Ersten, im Alten Testament. Da hei\u00dft es im Prolog vor der Sintflut: &#8222;Als aber Gott sah, wie gro\u00df der Menschen Bosheit auf Erden war, und das jegliches Gebilde seiner Herzensgedanken &#8211; so kann man das \u00fcbersetzen &#8211; nur noch b\u00f6se war allezeit, da reute es Gott, da\u00df er den Menschen auf Erden gemacht hatte, und er bek\u00fcmmerte sich in seinem Herzen. Und Gott sprach: Ich will den Menschen, den ich geschaffen habe, vom Erdboden wegtilgen, vom Menschen bis zum Vieh, bis zum Gew\u00fcrm und bis zu den V\u00f6geln des Himmels, denn es reut mich, da\u00df ich sie gemacht habe. Noah aber fand Gnade vor den Augen Gottes.&#8220; Und dann bringt Gott &#8211; so schildern es die Verfasser dieser Bilder-Geschichte (die ja nicht mit einer journalistischen, exakt recherchierten Reportage verwechselt werden will) &#8211; die Menschen um. Und dann l\u00e4\u00dft der Epilog Gott sprechen: &#8222;Da sprach Gott bei sich selbst: Ich will die Erde nicht noch einmal um des Menschen willen verfluchen, denn die Gebilde des menschlichen Herzens sind doch b\u00f6se von Jugend an; so will ich nicht noch einmal alles Lebendige vernichten, wie ich getan habe. Hinfort, solange die Erde steht, soll nicht aufh\u00f6ren Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.&#8220;<\/p>\n<p>Das soll doch hei\u00dfen: Mit solchen mangelhaften Menschen &#8211; sind wir das nicht auch? N\u00e4mlich zu allem Guten und zu allem Furchtbaren in der Lage! &#8211; mit solchen mangelhaften Menschen bev\u00f6lkert Gott seine, unsere Welt. Die er liebt.<\/p>\n<p>In diese Welt hinein wurde Jesus geboren, der Stellvertreter Gottes. Der Mensch, an dem Gottes Freundlichkeit und Liebe anschaulich wurde, &#8222;Wort und Gestalt seiner Herrlichkeit, Abglanz und Gleichnis seiner Treue&#8220; wie es ein holl\u00e4ndischer Katholik formulierte. Daf\u00fcr steht f\u00fcr mich Jesus: f\u00fcr Liebe unter Einsatz des Lebens. Und wie am Ende der Flutgeschichte formuliert und wie am Leben und Sterben Jesu erkennbar geworden ist: Gott nimmt uns so, wie wir sind und traut uns zu, diese schreckliche und doch auch sch\u00f6ne Welt zu lieben entsprechend seiner Liebe. Gott traut uns das zu. Gott l\u00e4dt uns dazu ein. Deshalb: &#8222;Lebt in der Liebe wie auch Christus uns geliebt hat.&#8220; Und nun liegt es an uns, unseren Kopf, unsere Fantasie, unseren Mut und unseren Willen zu gebrauchen, um das zu versuchen, 1998, mitten in Deutschland. Als Christen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Hellmut M\u00f6nnich, <\/strong><\/p>\n<p><strong>Burg Grona 53, <\/strong><\/p>\n<p><strong>37079 G\u00f6ttingen, <\/strong><\/p>\n<p><strong>Telefon 0551\/61175 oder\/68611<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet, hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch Sonntag\/Feiertag: 2.\u00a0Sonntag nach Weihnachten Datum: 4.1.1998 Text: Text: Jahreslosung\u00a01998, Eph 5,2 Verfasser:\u00a0Pastor Hellmut M\u00f6nnich, G\u00f6ttingen Vorbemerkung Anregung zu diesem Entwurf: ZUM BEISPIEL. Zur Jahreslosung 1998 (Wischnath\/ Schmeel) in: Zeitschrift f\u00fcr Gottesdienst und Praxis, 16. 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