{"id":8243,"date":"2022-05-17T14:01:00","date_gmt":"2022-05-17T12:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=8243"},"modified":"2022-05-17T11:41:29","modified_gmt":"2022-05-17T09:41:29","slug":"johannes-17-1-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-17-1-11\/","title":{"rendered":"Johannes 17, 1-11"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Rogate | 22.05.2022 | Joh 17,1-11 | Laura Lundager Jensen |<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sprache der H\u00f6flichkeit ist nicht mehr das, was sie einmal war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSalz bitte\u201c, oder nur \u201eSalz\u201c, sagen wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht: \u201eSei bitte so nett und reiche mir das Salz\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen nicht mehr alles in Worte einpacken \u2013 es ist eine Frage, wie es schmeckt, hier und jetzt, Ver\u00e4nderung \u2013 Handlung, und das sofort, der Tischnachbar wird das wohl verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Ver\u00e4nderung zeigt Spuren \u2013 bis hin zum Dialog mit dem lieben Gott \u2013 jedenfalls deutet einiges darauf hin, wenn man neue Gebetssammlungen liest, hier eine Kostprobe aus der d\u00e4nischen Sammlung \u201eDer Himmel in meinen Fu\u00dfsohlen\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerr, ich \u00fcberspringe alle geistreichen Worte<\/p>\n\n\n\n<p>und die schw\u00fcle Tonart.<\/p>\n\n\n\n<p>Gib mir, was ich jetzt brauche,<\/p>\n\n\n\n<p>sonst werde ich wirklich sauer\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Geistreiche Worte, H\u00f6flichkeiten, Phrasen werden \u00fcbersprungen \u2013 was \u00fcbrigbleibt, erinnert vor allem an einen Bestellzettel: \u201eGib mir, was ich jetzt brauche!\u201c Die Geduld hat ein Ende, wir haben keine Zeit mehr. Jetzt muss etwas passieren \u2013 gerne Abrechnung in Bar, und zwar jetzt, sonst werde ich stinksauer \u2013 das wird der liebe Gott wohl verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber haben die Ungeduld, die Unh\u00f6flichkeit, das Pressing gewonnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Oder ist es die Ohnmacht, die gewonnen hat, man gibt auf und wirft das Handtuch. Nun kann ich nicht mehr, nicht mehr \u2013 die Hoffnung ist erloschen, keine Demut mehr, nicht mehr ein Klopfen an T\u00fcren mit dem Hut in der Hand, alle K\u00e4mpfe auf dem Schlachtfeld der Freundlichkeit sind ausgefochten \u2013 die Zeit des Gebens ist vorbei \u2013 jetzt die Zeit gekommen zu genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im heutigen Evangelium h\u00f6ren wir Jesus beten. Bevor er im Garten Gethsemane gefangengenommen wird, hat er sich allein zur\u00fcckgezogen, w\u00e4hrend die J\u00fcnger sich nach der Mahlzeit am Gr\u00fcndonnerstag ausruhen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Blick zum Himmel bittet er jetzt darum, dass Gott nun das geschehen l\u00e4sst, was geschehen wird -er f\u00fcgt zwar nicht hinzu \u2013 und das w\u00e4re auch ziemlich unangebracht \u2013 sonst werde ich wirklich sauer. Aber vielleicht wird das doch angedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Lass nun das geschehen, was geschehen soll \u2013 nun ist die Zeit gekommen, keine kleinen Mirakel oder Brotwunder mehr. Nicht mehr Wasser zu Wein, ich gehe nicht mehr auf dem Wasser, helfe nicht mehr den Kranken in Bethesda, schenke nicht mehr den Blinden das Augenlicht wieder und den Tauben das Geh\u00f6r. Kein Lazarus mehr oder eine Tochter des Jairus, die auferweckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn all den Menschen, die du mir gabst, habe ich deinen Namen offenbart.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist die Stunde der Verherrlichung gekommen. Nun soll die g\u00f6ttliche Herrlichkeit, die stets gegenw\u00e4rtig war &#8211; in Augenblicken der Heilsgeschichte \u2013 offen erscheinen und f\u00fcr die ganze Menschheit erstrahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gebet im Garten Gethsemane ist das Gebet darum, dass Gott in seiner ganzen Macht verherrlicht und offenbart werden soll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gebet darum, dass die g\u00f6ttliche Herrlichkeit, die bereits in der Sch\u00f6pfung der Welt zugegen war als die Herrlichkeit, die Leben und Licht schuf, die Herrlichkeit, die im Sieg der Hebr\u00e4er \u00fcber Pharao und dem Kampf Davids gegen Goliath lag. Die Herrlichkeit, die den Propheten Mut gab, dem Volk zu widersprechen, die Herrlichkeit, die in der Finsternis leuchtete im Stall, die Herrlichkeit, die in der springenden Apfelbl\u00fcte und in dem neuausgebr\u00fcteten Ei im Nest liegt \u2013 diese Herrlichkeit will er strahlen lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gebet darum, dass diese Herrlichkeit nun \u2013 ein f\u00fcr alle Mal &#8211; Kraft und St\u00e4rke erh\u00e4lt, um zu erklingen und die ganze Welt zu erhellen, so dass der Vorhang in Tempeln zerrei\u00dft und selbst hartgesottene Soldaten sich beugen und erkennen: \u201eWahrlich, er war Gottes Sohn\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er bittet, dass diese Herrlichkeit endlich offenbar werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wohlgemerkt nicht als eine bahnbrechende Herrlichkeit, sondern eben als Herrlichkeit, die in seinem ganzen Leben ausstrahlte \u2013 in seinen Worten und seinen Gespr\u00e4chen und Taten \u2013 seiner Solidarit\u00e4t mit all denen, die ihm begegneten, darum bittet er, dass dies am Ostermorgen der ganzen Welt offenbar werde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch wenn das zwar nicht mit einem: \u201eSonst werde ich sauer\u201c schlie\u00dft, sondern eher mit einem: Keine Ausfl\u00fcchte mehr, denn nun bin ich bereit \u2013 so ist dies vielleicht dennoch dasselbe Grundgef\u00fchl, das im Evangelium deutlich wird \u2013 nicht ohnm\u00e4chtig, aber ungeduldig, gespannt und klar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit ist gekommen, nun soll es geschehen, was geschehen soll.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So gesehen ist das Gebet im Garten Gethsemane eine der wichtigsten Stellen im Johannesevangelium. Denn Jesus offenbart das, was schon ist, und bekennt, was er schon wei\u00df \u2013 und spricht das Gebet, das tief im Herzen der Menschen liegt \u2013 dass wir in das Reich Gottes eintreten, das schon ist, aber noch nicht f\u00fcr uns offenbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so fasst Jesus im Gebet von Gethsemane W\u00fcnsche und Sehs\u00fcchte und Hoffnungen der Menschen zu allen Zeiten in Worte. Lass uns teilhaben an der Herrlichkeit, die schon in der Welt ist, die wir aber nicht ergreifen k\u00f6nnen und nach der wir vielleicht nicht begreifen k\u00f6nnen, die wir nicht kennen und als unsere Herrlichkeit wiedererkennen. Lass uns teilhaben an ihr. Und er zeigt zugleich, dass er unseren verzweifelten Wunsch kennt, dass dies geschehe \u2013 und zwar bald.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Gebet verankert er die Hoffnung der Menschen in unserer Wirklichkeit. Deshalb der Anker als Symbol der Hoffnung \u2013 nach dem Ostermorgen treiben wir nicht mehr auf offener See mit einer wagen Vorstellung von einem Ziel an einer fernen K\u00fcste. Mit der \u00f6sterlichen Hoffnung werden wir verankert \u2013 in der Welt und an einem Ort und in einer Liebe, die die Zukunft in sich hat. Damit wird die Auferstehung eine Auferstehung zu ewigem Leben, aber auch eine Auferstehung, an der wir schon jetzt teilhaben: \u201eH\u00e4ngst du fest an alten Tagen, einer Vorzeit, die an uns nagt \u2013 alles wird uns neu gegeben \u2013 M\u00f6glichkeit des neuen Morgens\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/14C45FB4-06A0-434C-91ED-737841472D5B#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Gebet von Gethsemane werden uns Worte geschenkt, damit wir damit darum bitten k\u00f6nnen, dass uns die Augen ge\u00f6ffnet werden f\u00fcr die Herrlichkeit als einer Wirklichkeit, die schon in der Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn wir sie annehmen, werden wir nicht mehr in ungeduldiger Sehnsucht und trotziger Hoffnung betteln und seufzen und auf den Boden stampfen und \u201esauer\u201c sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden vielmehr sehen, dass wir schon von der Gnade Gottes umschlungen sind, schon von der Macht Gottes umfasst sind.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Jesus in Gethsemane war die Stunde gekommen. Am Ostermorgen wurde die Welt neu geschaffen, und die M\u00f6glichkeit geschaffen als unsere M\u00f6glichkeit in der Zeit, die jetzt ist und immer.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6rt also auf, sauer zu sein und ungeduldig, sondern freut euch. Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p>Pastorin Laura Lundager Jensen<br>Langetoften 1, Osted<br>DK-4320 Lejre<br>E-mail: luje(at)kp.dk<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/14C45FB4-06A0-434C-91ED-737841472D5B#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Aus einem Lied von Johannes M\u00f8llehave.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rogate | 22.05.2022 | Joh 17,1-11 | Laura Lundager Jensen | Die Sprache der H\u00f6flichkeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. \u201eSalz bitte\u201c, oder nur \u201eSalz\u201c, sagen wir. Und nicht: \u201eSei bitte so nett und reiche mir das Salz\u201c. 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